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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-06-21 · 25 (21.6.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
25 (21.6.1901)
Date
1901-06-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dr. Bloch’s Jahrgang XYM. Ur. 25 ♦ Centralorgan für die ge lammten Interessen des Iudenthums. P . ----- -Ht T». ft. poJir^nvc.iITeii-'Bntt Llearing - Ver krhr i Nr. 810.976. Bcbartton und Administration Viru IX/1, Brrggaffr Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Wien, 21. Juni 1901. Erscheint jeden Frei 1 ag. Brief-Adrefie: Wien, IX/1, Dergg.issc 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. U > - | BrjupajrrriB für Selterre,ch:! halbjährig 8 Arontn. I Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: i Halbjährig 10 Jtronen. Ganzjährig 20 »! Anzeigen: Die 4mal gespaltene Vetitzeile 24 Heller. 3S - =* Inhalt. Leitartikel: Die Bluthunde von Polna. — Die Juden in Rumänien. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Schächtergebühren in Galizien. Das Gesetz über die Sonntagsruhe in civilisirten Staaten. Licitationshyänen. Semitische Gastfreundschaft. Die Juden und das Handwerk. Aus der Geschichte der Juden in Böhmen. Der letzte Wille eines Nichtjuden. Die ungarischen Juden im 1848/49« Freiheitskampfe. Weinverfälschung im jndenreiner Zeit. Vom judenreinen Spanien. — Ist eine andere Art der Bestattung als die des Begrabens im Jndenthume zulässig oder nicht. — Korrespondenzen: Plenarsitzung der israelitischen Cultusgemeinde. Baden, Prag. Prag-Smichow, Agram, Pozsony, Berlin, Worms, Paris, London, New-Aork, Rio de Janeiro. — Vermischtes: Wien, Pisek, Raudnitz, Budapest, London. — Feuilleton: Der Humane tokok. — Literatur. — Brief kästen. — Inserate. Die „Bluthunde von Polna". Jede erste Sitzung in einer Reichs- und Landesvertretung wird in allen monarchischen Staaten mit einem „Hoch" auf den Landesherrn eröffnet. Dienstag am 18. d. fand die erste Sitzung im niederösterreichischen Landtag statt und Herr Mechaniker Schneider, der Busenfreund des Lueger und Liechtenstein, betrat den Landlagssaal mit dem Ruf: „Hoch Hilsner!" Herr Schneider ist erzürnt, weil Se. Majestät der Kaiser das Todesurtheil gegen Hilsner zu bestätigen nicht für gut befunden. In solchen Momenten offenbart sich die angebliche monarchische Gesinnung der christlich-socialen Clique in beschämender Blöße. Das „Deutsche Volksblatt" sieht sich veranlaßt, den Act der kaiserlichen Milde und Weisheit, der von anderen Blättern mit wenigen Zeilen registrirt wird, vor seinen Lesern in zwei Leitartikeln zu krilisiren. Der letzte Triumph ist Herrn Schneider und all Jenen, die nach dem Blute eines „Juden" lechzten, versagt geblieben und ahnungsvoll ruft das „Deutsche Volksblatt" aus, es werde die Begnadigung als ein Beweis dafür gedeutet werden, daß es doch nicht so ganz ausgemacht sei, daß Hilsner auch wirklich die ihm zur Last gelegten Verbrechen begangen habe. Daher die tolle Wuth! In der That, eine solche Auslegung wird der denkende Theil der Bevölkerung diesem Schlußacte des dunklen Polnaer Gerichtsdramas geben, und die Antisemiten haben alle Ursache, diese Auffassung zu fürchten. Man wird nicht übersehen, daß Hilsner wohl rechtskräftig verurtheilt worden, daß aber gegen ihn keinerlei Beweise vorliegen; daß die Verurtheilung Hilsner's nur auf Grund von Judicien erfolgte, die unter dem Drucke einer leidenschaftlichen suggestiven Beeinflussung der öffentlichen Meinung wohl den Geschwornen zu einem Schuldspruche genügend schienen, die schwerwiegenden Bedenken aber, die von allem Anfänge an in richterlichen Kreisen herrschten und noch in dem Plaidoyer des Generaladvocaten bei der Cassationsverhandlung ihren Ausdruck fanden, nicht zu beseitigen vermochten; man wird ferner nicht verkennen, daß der Oberste Gerichtshof das Piseker Urtheil nur nach seiner formalen Correctheit überprüfte und daß die Zweifel über dessen materielle Berechtigung sowohl die höchste richterliche Instanz wie bereits den Piseker Gerichtshof zu einem Begnadigungsantrage bestimmten. Das ist angesichts eines zweifachen Mordes und der abscheulichen Motive, die man Hilsner unterschob, ein ganz außergewöhnlicher und zum Nachdenken anregender Vorgang. Das „Deutsche Volksblatt" hat zu gute Verbindungen in Polna, um nicht zu wissen, daß sowohl dort als in Klein- Wesnitz und in der Umgebung sich schon seit geraumer Zeit ein merkwürdiger Stimmungsumschlag vollzieht. Der Glaube an die Schuld Leopold Hilsner's ist unter der dortigen christlichen Bevölkerung bereits stark erschüttert, und wer gute Ohren hat, kann manche, allerdings noch schüchterne Aeußerung hören, durch welche ganz andere Leute als die Juden beschuldigt werden. Wir begreifen das dürstende Verlangen der Herren Schneider und Genossen nach dem Blut Hilsner's. Durch dieses Blutopfer sollte die längst wankend gewordene Ueberzeugung von der Theilnahme Hilsner's an einem Gesellschaftsmorde neu befestigt werden. Noch in den letzten Tagen hat das famose Polnaer „Rechtscomitö" einen Trumpf auszuspielen gesucht, der beweist, wie sehr es schon dm Boden unter sich weichen fühlt. , Am vorigen Sonntag veröffentlichte das „Deutsche Volksblatt" folgenden, von „Nachod, 1. April 1901" datirten Brief, den angeblich der Polnaer Schnittwaarmhäudler Jacob L u st i g verloren hatte: Geehrter Herr! Ich bin bereit und dessen ganz sicher, daß ich jeden Verdacht hinsichtlich des Mordes, dessen Leopold- Hilsner beschuldigt wird, abwenden werde, wenn mir eine -bestimmte Belohnung ausgezahlt wird, und es wird nur von der Einigkeit und Verschwiegenheit Ihrer Glaubensgenoffen abhängen. Wenn Sie Alle damit einverstanden find, so laffen Sie ein kleines Inserat in die „Rar. Pol." einrücken unter „Verschwiegenheit 25.000." Der in Hochachtung Ergebene wird das Uebrige erklären. (Unterschrift unleserlich.) Es ist richtig, daß Herr Lustig diesen Brief bekommen hat; ebenso richtig ist, daß er ihn von Haus aus für einen plumpen antisemitischen Schwindel hielt,

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