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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-06-07 · 23 (7.6.1901) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
23 (7.6.1901)
Date
1901-06-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Jtr. 23 Dr. Vloch's WochrnfchrifL Seite 398 Hermann Kohn, Jacques Klein, Dr. Adolf Bartes, AlexanderMrief er aus: Wieder ein Lalbosx) e kapore!2) Die Gabe, die Färber, Gßza JvLndy, Eduard Klein, Adolf Perönyi, WilhelmMer in den einzelnen Häufern, wo er fechten ging, einheimste, betrug Steiner, Sigmund Freund, Leopold Weiß. Zum RepräfentantenWgewöhnlich einen Kreuzer. Nun war der letzte verspielt, er hatte auf 3 Jahre wurde Herr Hermann Klein gewählt. Wkeinen Einsatz mehr. Lugos. Biel besprochen wurde hier eine peinliche Affaires ^Ö«%fAleSmw^ «S zwilche» Ra°d.»°° Ä und" zw-7 H°L°d-^ Kumm-- B-tt- -d.u. d r Mt """ »erftmmt«! Lwlme dwcch Offccleren. Der Rabbiner hielt eine Kanzelrede, in welcher er gegen den überhandnehmenden Glaubenswechsel in scharfer Weise ins Feld zog. Er gebrauchte dabei den Passus, „daß man vermöge einer solchen Convertirung noch kein Helb werbe". Dies gab zwei getauften Honveo-Qfficieren Veranlassung, sich beleidigt zu fühlen. Die beiden Offucere suchten Herrn Rabbiner Dr. Srmon Händler auf, um Austtärung zu verlangen. Dr. Händler erklärte verertwlllig, daß er auf kerne Person angespielt und er nur feine Pflicht als Priester erfüllt, wenn er die Gläubigen zum Festhalten an ihre ursprüngliche Religion ermahnte. Damit war die fonderbare Angelegenheit beigelegt. Bukarest. Sonntag den 13. Mai sind 50 jüdische Familien von hier nach Australien mit Unterstützung der „Jka" ausgewandert. Am selben Tage sollte hier eine von Zionisten ernverufene Versammlung stallfinden. Infolge eines Streites konnte die Versammlung nicht abgehalten werden. Sofia. Wie uns gemeldet wird, ist Sr. Ehrwürden dem Herrn Ooerrabbmer von Bulgarien Dr. Marcus Ehrenpreis und seiner Gattin die Ehre zutyeil geworden, zu einem Hosball, den Se. königl. Hoheit Fürst Ferdinand am 30. Mai in Sofia gab, eingeladen zu werden. Gegen Ende der Soiree, um 3 Uhr Morgens, wurde Se. Eyrwürden der Herr Overrabbiner von Sr. königl. Hoheit in ein längeres Gespräch gezogen, das über eine Viertelstunde währte. Se. königl. Hoheit msormirte sich in äußerst wohlwollender Weise über die Verhältnisse der Juden in Bulgarren und hörte Mit viel Interesse die Ausführungen des Herrn Oberradbiners an, der seine Pläne in Bezug aus eine Neuorganisation der Gemeinden entwickelte. Die Audienz hatte einen sehr herzlichen Charakter. Feuilleton. Der Unessane tokef. Novelle von Babette Fried in Prag, li. I n der S ch l a f st a t t. Die Schlasstatt der Cultusgemeinde Neufeld lag am äußersten Ende der Judenstadt harr am Bache, dessen trübes Wasser im Sommer träge dahm schlich, und ohne Anstrengung und Gefahr von jedem Kinde durchschritten werden konnte, während es im Frühjahre und manchmal auch im Herbst aus den Usern trat und die ganze Gasse unter Wasser setzte. Die Folge dieser häufigen Ueberschwemmuligen war die, daß die Parlerrelocalitäien der rm Juundanonsgebiete gelegenen Häuser selten ganz austrockneten und stets, selbst un heißesten Sommer, feucht blieven. Die Schlasstatt war emes dieser Gebäude. Die große Stube, deren Mitte ein großer viereckiger Tisch einnahm, diente ausschließlich zur Beherbergung der fremden Handwerker oder anderer „fahrender Leute". Die mit braunen Mooerflecken bedeckten Wände waren mit Ausnahme der Kleiderhaken, die daran befestigt waren, gänzlich leer. Als einzige Zierde befand sich auf der gegen Osten gerichteten Wand ein einfacher Misrach * * * 2 *) ui einem schmucklosen braunen, ganz verräucherten Holzrahmen, den ein durchreisenoer Loker ~) zum Danke für die hier gefundene Gastfreundschasl gestiftet halte. Sonst machte diese Stube einen gar dürsugen, traurigen Eindruck. Die beiden Männer, die an dem Tische saßen, fühlten dies nicht. Sie spielten lustig darauf los, daß die Karten am Tische nur so herumflogen. Der eine von ihnen, ein Schneidergesell, halle entschreoenes Pech. Denn eine Partie Franzefus nach der anderen verlor er an seinen Partner, und trotzdem der Einsatz nur einen Kreuzer Münze betrug, hatte er doch alsbald seme Tasche geleert. Bel jedesmaligem Verluste des Kreuzers die Welt zog und darum so genannt wurde, ich habe nichts mehr zum verspielen, darum spielen wir um was anderes als um Geld, spielen wir um ein gut Wörtl; wer verspielt, erzählt dem andern ein gut Wörtl? Was Hab ich von einem guten Mörtel? Was kann ich mir für ein gut Wörtl kaufen? Bist Du aber ein Chammer!4) So ein gut Wörtl ist viel werth, mehr als Du glaubst! Wenn man so am Schabes bei einem Balbos bei Tische fitzt und bei Gelegenheit so ein gut Wörtl erzählt, so kriegt man ganz andere Bisten, als wenn man stumm, wie ein Fisch dafitzt. Also Klesnaer! gib Karten, fuhr der Schneider fort, als der andere keine Einwendung mehr machte, und also mit diesem Vorschläge einverstanden zu sein schien. Das Glück war auch ferner dem Schneider abhold. Also ich Hab' wieder verspielt. Weißt Klesrner, Du spielst bester mit den Karten, als mit Deiner Fiedel. Soll das Dein gut Wörtl fein, das gilt nicht, das nehme ich nicht an. Also geschwind was andres, sagte der Schneider. Da schau Du den Misrach an, Alter, was bedeuten die vier groß'n Buchstaben, welche man zusammen Misrach liest, von denen jeder aber seine besondere Bedeutung hat? Weißt Du Schneider, Du hast Malheur mit deinen Witzen wie mit den Karten. Das ist ja allbekannt, daß diese vier Buchstaben die Abkürzung der Worte sind: Mizad se ruach ehajim,. von dieser Seite weht der Lchensgeist. Fehlgeschoffen, rief triumphirend der Schneider aus. Diese vier Buchstaben bedeuten: Mir sen rächte Chaserim. Der Alte schüttelte sich vor Lachen und war mit dem gewonnenen Einsätze zufrieden, trotzdem er nicht derart war, daß er ihn an einer gastfreien Tafel nutzbringend hätte anwenden können. In einer Ecke der Stube spielte fich eine andere Scene ab. Dort saß Cheile, die Schlafstätterin in ernstem angelegentlichem Gespräche mit dem Vater Dawidl's. Warum seid Ihr eigentlich auf Schabes nicht weiter gegangen, Feibisch, fragte sie tadelnd. Hier ist wenig Platz und Ihr seid schon genug lange hier. Das Kindleben müßt Ihr doch jedesfalls bei mir lasten, und ich verspreche Euch heilig, daß ich es so aufziehen werde, wie wenn mir Gott Schemborchu5) mein eigen Kind gelasten hätte, darüber braucht Ihr keine Sorge zu haben. Die Kille und die Weiberchenerah6) werden mir das Kostgeld zahlen, und dem Kind wird es bei mir an nichtfehlen. Das weiß ich Mamme!, sagte der unglückliche Vater mit gerührter Stimme. Gott hat uns hergeführt, damit das arme Jassim7) gut aufgehoben ist. Ich wäre schon weggegangen, aber Dawidl kommt lang nicht, und dann wird es zu spät dazu. Wohin könnte ich dem nachgehen? Gut, daß Ihr mich erinnert, Feibisch! Mit dem Dawidl kann es auch nicht so bleiben. Ist das ein Gewissen, das Jüngel so gaul butel8) herumgehen zu lasten, ohne ihn in Cheder9) zu schicken? Wie kann ich ihn in Cheder schicken, wenn ich beständig am Weg mit ihm bin? Das sollt Ihr aber nicht, Feibisch. Den Jungen laßt irgendwo in einer Kille zurück, man wird ihm Kosttage geben, und er wird was lernen, daß etwas aus ihm wird. Ihr werdet doch nicht haben wollen, daß er. sein Lebtag ein Schnorrer bleibt, wie Ihr? Gott, wie soll ich mich von ihm trennen, dann bleib ich ganz allein in der Welt. Ich glaub's Euch, daß eS Euch schwer ankommt, aber man darf nicht an fich selber denken, was einem freut, man muß auch an andere denken, besonders an seine Kinder, was für fie gut ') Tableau. *) handwerksmäßiger Schreiber. ’) Hausherr. 2) verloren. *) Musikant. 4) Esel *) Gelobt sei sein Name. ") Frauenverein. 7) Waisenkind. 8) Müssig. ®) Schule.

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