Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 23 (7.6.1901)
- Date
- 1901-06-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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- Dublin 1× ep/1044462
- Pinsk 1× ep/1045440
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Str. 23 Seite 391 Dx. Blocht Wochen schrlf? der deutsche Handel in ihm besitzen und wie er an der Spitze einer großen deutschen- Schifffahrtsgesellschaft der rechte Mann an der rechten Stelle, eine treibende Kraft für Biele und Vieles ist". Jaffy. Die stets zunehmende Zahl der jüdischen Arbeitslosen nimmt eine immer mehr drohende Haltung an. Diese Leute sehen ihre Familien verhungern, ohne ihnen nur das trockene Brot verschaffen zu können. Was Wunder, wenn sie die Geduld verlieren und sich zu stürmischen Demonstrationen hinreißen laffen, die Communitäts- und Hilfscomitßlocale belagern und um ihre Wegschickung bitten. Diesen Unglücklichen gesellt sich eine andere Reihe Bejammernswerther zu, es sind dies die Frauen und Kinder, deren Ernährer im Vorjahre zu Fuß das Land verlassen haben, sich jetzt in Amerika befinden, ohne aber dort noch die Reisekosten für ihre Familien erübrigen zu können. Die Spitalsvorsteher veranstalteten vergangene Woche eine Geldsammlung zu Gunsten der Arbeitslosen, welche — es ist dies charakteristisch für die hiesige Lage — kaum 400 Francs ergeben hat. Gezwungen von diesen Verhältnissen, hat unser Rabbiner Dr. I. Niemirower eine Reise nach Wien und Berlin unternommen, und ist es ihm gelungen, daß die Wiener Alliance eine Resolution zu Gunsten der Frauen und Kinder gefaßt hat, welche in diesen Unglücklichen neue Hoffnungen weckte. Warschau. (Feuer im Ghetto.) Nebst dem Antisemitismus, welcher den Juden Rußlands Licht und Luft raubt und mit brutaler Gewalt ihr materielles Fortkommen erschwert, haben unsere Glaubensgenossen im ruffischen Ansiedlungsrayon es noch mit einem zweiten, fast ebenso furchtbaren Feinde zu thun, der ihnen Alles, was sie im erschwerten Kampfe ums Dasein mühsam erworben, rasch wieder entreißt. Das Feuer ist in Ghetto ein so häufiger Gast, daß man mit ihm wie mit Krankheit und Tod rechnet und es im ganzen Ansiedlungsrayon kaum noch eine mittelgroße Stadt gibt, welche im Laufe eines Menschenalters nicht mindestens einmal ein Raub der Flammen wird. Die jüdische Bevölkerung Rußlands kennt ihren furchtbarsten Feind sehr genau und spricht geradezu von einer „Saison der Brände", die mit dem Sommer beginnt und mit diesem aufhört. Die Entstehung und der Verlauf eines solchen Brandes sind fast überall die gleichen. Eine vorangegangene anhaltende Dürre, welche die Holzhäuser austrocknet und deren Strohdächer „reif zum Verbrennen" macht, ein Unvorsichtiger, der zum unfreiwilligen Brandstifter wird, ein hinzugetretener Sturm, welcher das anfänglich kleine Feuer zur großen Feuersbrunst entfacht, und die Katastrophe, durch die das arme ruffische Judenthum jahraus-jahrein um weitere 15—20 Millionen Rubel ärmer wird, ist geschehen. Alsbald ergießen sich die Opfer des Feuers, welche aus wohlhabenden Leuten über Nacht in Bettler verwandelt worden sind, über die Städte, und Städtchen des Ansiedlungsrayons, wo sie als sogenannte „Nisrofin" (Abgebrannte) die schwere Zahl der Bettler um viele Hunderte vermehren und meist für den ganzen Rest ihres Lebens der jüdischen Gesammtheit zur Last fallen. Die diesjährige „Saison" beggnu am 9. Mai mit der im Gouvernement Wittebsk gelegenen Stadt Polozk, wo vermuthlich infolge von böswilliger Brandstiftung das Feuer an 4 Stellen zu gleicher Zeit ausgebrochen war. In kürzester Frist waren 185 Wohnhäuser und 213 sonstige Gebäude vernichtet. Der Schaden beträgt 430.000 Rubel, wovon nur 68.000 Rubel versichert waren. Nach diesem glänzenden Debüt fraß das Feuer am darauffolgenden Tage (10. Mai) das im Gouvernement Warschau gelegene Städtchen Gura-Calvary mit Haut und Haaren auf. Der Ort ist der Sitz eines berühmten Wunderrabbi, zu dem die Chassidim Polens alljährlich zu Tausenden wallfahren. Diese suchten mit einem wahren Heldenmuth das Palais ihres „Zaddik" vor dem Feuer zu schützen, was ihnen jedoch nicht gelungen ist, dagegen ist es ihnen geglückt, dessen werthvolle Bibliothek, sowie seinen noch werthvollern Geldschrank zu retten. Sonst ist in Gura-Calvary alles zu Asche geworden, so daß es im Städtchen nicht einmal Brod gab und solches auf telegraphischem Wege erst von Warschau her requirirt werden mußte. Am 11. Mai, drei Tage nach Eröffnung der „Saison" brach Feuer in Brest-Litowsk aus und verzehrte 500 Häuser, 10 Synagogen nebst sämmtlichen Läden mitsammt ihres kostbaren Inhalts. Der Schaden ist ganz enorm und wird auf mindestens 15 Millionen Mark geschätzt. Eine Zeit lang schwebte auch das Leben der Bevölkerung in schwerer Gefahr, da das Artilleriedepot der Festung bedroht war. Nur mit unsäglicher Mühe gelang es den heldenmüthigen Soldaten, die bedrohten Melinitbomben aus dem Bereiche des Feuers zu bringen und so die Stadt Brest vor einer schrecklichen Katastrophe zu bewahren. Auch hier, wie in Polozk wurde das Feuer von Brandstiftern angelegt, welche in der Verwirrung zu plündern versuchten. Die Polizei nahm auch nicht weniger als 60 Plünderer auf frischer That fest, während es über Hundert solchen Räubern gelungen sein sollte, mit ihrem Raube zu entkommen. Am 13. Mai hat die Saison ihren Höhepunkt erreicht, da an diesem Tage es in drei jüdischen Städten gebrannt hat. Am schwersten wurde die Stadt Pinsk betroffen, deren Zwillingshälfte, die Stadt K a r l i n, ein Raub der Flammen wurde. 290 Häuser nebst 400 Läden wurden vernichtet, so daß der Schaden auf 1,000.000 Rubel geschätzt wird. Am selben Tage brannte das im Gouvernement Wilna liegende Städtchen Postawi ab. 15 Minuten nach Ausbruch des Feuers brannten bereits 200 Strohdächer und nach einer weiteren Stunde war bereits alles vorüber und 180 Gebäude lagen in Asche. Endlich brach am gleichen Tage, von Plünderern oder von verruchten Antisemiten angelegt, Feuer in Bjalystock aus. Das Feuer wurde, nachdem es 24Holzhäuschen vernichtet hatte, gelöscht, allein dasselbe brach am 14. und 15. Mai wieder aus und rief unter den 40.000 Juden dieser Stadt eine Panik hervor. Die Stadt wird von der Bevölkerung, welche sich zu einer freiwilligen Polizei organisirt hat. Tag und Nacht bewacht. So sind in 5 Tagen 5 jüdische Städte durch das Feuer vernichtet worden, wodurch viele Hunderte tion jüdischen Familien an den Bettelstab gebracht wurden. London. (Die Juden in Irland.) Bei der kürzlich in ganz England vorgenommenen Volkszählung wurde aus die Religion der Bevölkerung keine Rücksicht genommen, mit Ausnahme von Irland, wo auch der Religion in der Zählkarte eine Rubrik reservirt wurde. Das Ecgebniß war für die Juden überaus günstig. Während die Zahl der Katholiken seit der letzten Volkszählung um 6 7, die der Protestanten um 3'5 und die der Presbyterianer um 3 Percent abgenommen hat, sind die Methodisten um 10'4 und die Juden um volle 111'9 Percent gewachsen Die Zahl der Juden in Irland hat fich demnach seit der letzten Volkszählung mehr als verdoppelt. Irland ist auch das einzige Land in Europa, wo die Juden niemals, nicht einmal im finstern Mittelalter, verfolgt wurden. Vielleicht haben die Irländer, die ja selber seit Jahrhunderten unterdrückt werden, am eigenen Leib erfahren, wie weh es thut, verfolgt zu werden. Vielleicht aber laffen fie die Juden nur deshalb in Ruhe, weil deren Zahl in Irland bisher so unendlich klein war. Trotz ihrer relativ starken Vermehrung ist doch die absolute Zahl der Juden in Irland nämlich sehr gering. Laut Ergebniß der letzten Volkszählung wohnen gegenwärtig in Irland 3,310.028 Katholiken, 579.385 Protestanten, 443.376 Presbyterianer, 61.255 Methodisten und nur 3769 Juden. Von diesen wohnen drei Fünftel, nämlich 2246, in der Provinz Leicester mit der Hauptstadt Dublin, 851 in Ulster und 670 in Munster. New-Aork. In Amerika beabsichtigt man eine große jüdisch-historische Ausstellung zu veranstalten. In der letzten Jahresversammlung der American Jewish Historical Society in Philadelphia wurde ein Specialcomitä eingesetzt, um über die Veranstaltung einer amerikanischen jüdisch-historischen Ausstellung Erhebungen zu pflegen. Der Bericht des ComitSs, der zu Gunsten des Planes ausfiel, wurde dem geschästsführenden Ausschuß der Gesellschaft vorgelegt, und dieser hat in seiner Sitzung vom 28. v. M. einstimmig beschlossen, eine solche Ausstellung in der City von New-Iork unter den Auspicien der American Jewish Historical Society im Winter von 1901/1902 zu veranstalten. Es wuU e auch beschlossen, verschiedene jüdische Organisationen zur Mitarbeit einzuladen: die JewishPublication, die Union of American Hebrew-Gongregations, die Central Conference of American Rabbis, die Orthodox Jewish Congregational Union, das Hebrew Union College, das Jewish Theological Seminary, das Council of Jewish Women, die Jewish Chautauqua, die National Conference of Jewish Charities, die Federation of American Zionists und die jüdischen Logen. Es ist unsere Abficht, die Historischen Erinnerungen auszustellen, welche die Geschichte der Inden illustriren, von der Entdeckung Amerikas durch Columbus angefangen, die Briefe an die Maranneu in Spanien, Washingtons Briefe an die Juden, Porträts, Miniaturen und Stiche von amerikanisch-jüdischen Berühmtheiten, Photographien, Karten und Stiche von Synagogen und Institutionen, eine Sammlung alter Bücher, geschrieben von Juden in Amerika, und derer, die sich beziehen auf das amerikanische JuLenthum, deffen Geschichte und Institutionen, ferner