Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 19 (10.5.1901)
- Date
- 1901-05-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021385-3021405--10845-3035348- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 328 Ar. Bloch's Wochenschrift Nr. 19 indem er diesen Tschinownik belehrte, daß, wenn ein Bauer in einenl Städtchen ein Haus besitzt, dieses nicht das H,aus zum Dorse, sondern eher den Bauer zum Städter macht. Es gibt also noch Richter in Rußland! Sache der russischen Juden.wäre es nun, Rechtss ch u tz v e r e i n e zu bilden, um die unverschämten Chikanen des niederen russischen Tschinownikthums, welches gegen die Juden vermuthlich nach einem wohldurchdachten Plan vorgeht, mit vereinten Kräften abzuwehren. Das Haz Sinai-Hospital in New-Iork. 24. April 1901. Hochgeehrter Herr Editor! Ws vorigen Monats eine Nummer Ihres geschätzten Blattes uns den Bericht über die Wiener Ghewra-Kadischa brachte und die herrlichen Reden am Liebesmahle im Auszuge erzählte, da erinnerten wir uns an jene fünf Lehrer in Israel, die mit den Blitzessöhnen am Sedertisch saßen und während des harten Druckes der römischen Tyrannen, während jener Nacht dumpfer Verzweiflung den Patrioten die große Befreiungsgeschichte der Bibel ihn-n vorhielten, bis die Jünger den Lehrern die Morgenröthe einer befferen Zeit kündeten. O mögen Ihre würdigen und gelehrten Leiter baldig einen ebenso tröstlichen Ruf vernehmen: Hygia seman Kerias Schemah shel schacharis. Wir haben so ziemlich alle Einrichtungen des Judenthums hier weiter geführt. Eigentümlich ist es, daß in den weiten Gebieten der Vereinigten Staaten Nordamerikas keine einzige Ghewra-Kadischa existirt. Selbst die jüngst eingewanderten Russen und Rumänen, die landsmännisch Zusammenhalten, überlasten die Functionen der heiligen Bruderschaft den Congregationen öder Gemeinden. Und das Wort Ihres hochgeehrten Herrn Oberrabbiners Doetor Güdemann gilt hier mehr noch als in Europa, daß die Gräber das Leben der Congregationen erhalten. Die Gesammtheit aber richtet ihr Augenmerk auf Institutionen, die den gewiß löblichen Zweck haben: den Lebenden zu dienen. In allen größeren Städten der Union finden wir Waisenhäuser, Wtersversorgungsanstalten und Hospitäler, deren Verwaltung und Ausstattung mustergiltig und vom jüdischen Gelde erhalten wird. Eben erhalten wir von der Direction des Mount Sinai Hospitals den gedruckten jährlichen Bericht von 1900, aus dem einige Auszüge die Leser dieses Blattes wohl intereffiren dürsten. Einnahmen waren 201.678*88 Doll., davon 58.305. Doll, von Mitgliedern, von Zahlpatienten 30.864*21 Doll. 15 Betten und 1000 Doll, wurden gestiftet. Vermächtnisse 14.771*21 Doll. Von der Sonntag- und Samstag-Sammlung 4915*59 Doll. (Unsere Chanuka deckt bekanntlich sich in der Zeit mit dem christlichen Weihnachtsfeste. Am Samstag Chanuka und am Weihnachtstage erinnern die Prediger von der Kanzel an die Wohlthaten der Spitaler und die veranstalteten Sammlungen ergeben eine namhafte Summe, die dann auf alle Spitäler so vertheilt wird, daß jede Anstalt für jeden Verpflegstag die entfallende Quote erhält.) Die Gesammtausgaben des Jahres betrugen 196.272 31 Doll., so daß der Caffier noch eine Balance von 10.238*09 Doll, in den Händen behielt. Es wurden 3145 Patienten während des Jahres im Hospital behandelt, davon waren 568 Oesterreicher, 1140 Rüsten, 86 Rumänen; 338 Deutsche, 873 Eingeborene und der Rest aus allen Ländern der 5 Welttheile. Mit dem Mount Sinai Hospital ist eine Dispensary verbunden,' eine Anstalt, wo Krankheiten behandelt werden, welche nicht Hospitalfälle sind. In 303 Tagen fanden daselbst 86.431 Consultationen statt und 77.663 Recepte wurden verschrieben und in der Anstaltsapotheke verabfolgt. Die Patienten waren der Geburt nach 8743 aus Oesterreich, 13.114 aus Rußland, 529 aus Rumänien, 2274 aus Deutschland, 8743 Eingeborene und der Rest aus andern Ländern, zusammen 30.030 Leidende, denen das Mount Sinai Hospital Heilung und Rettung brachte. Außerdem wurden 253 schwer erkrantte Patienten außerhalb des Hospitales behandelt und 241 Patienten Wärterinnen auf Kosten der Anstalt geschickt. Mit der Anstalt ist eine Wärterinnenschule verknüpft, die das nöthige Personal für das Hospital erzieht und das Publicum außerhalb desselben mit Krankenwärterinnen versieht. Von 6522 Applikationen konnten nur 3145 berücksichttgt werden. Der Andrang von Leidenden zu dieser Musteranstalt ist groß, und es ist Ihnen wohl bekannt, daß eine Vergrößerung des Raumes eben im Gange ist. Die Direction kaufte das Häusergeviert für mehr als eine halbe Million Dollars in der feinsten Gegend der Stadt 5. Avenue und Centtalpark 100. und 101. Straße. Das BaucomitL berichtet, daß der Bau und die Einrichtung des neuen Gebäudes 1'/, Million Dollars kosten würde. Diese ganze, gewiß kaum je von einer jüdischen Wohlthätigkeitsgesellschaft ausgegebene Summe ist zu % bereits von unseren Glaubensgenoffen aufgebracht und die Direction sorgt nicht um das noch fehlende Fünftel, denn der Präsident Herr Isaak Wallach spricht die Hoffnung aus, daß, sobald das neue Gebäude bezogen, Alles schuldenfrei übernommen werden wird. Der Grund wird eben für 7 isolirte Gebäude gegraben, davon eines, dem Park zugewandt, nur für zahlende Patienten eingerichtet sein wird, denn Herr Isaak Wallach äußert sich in seiner Botschaft: Wir bauen nicht nur für die Armen, sondern sorgen auch für die Wohlhabenden. Die Kranken, die in die chirurgische Klinik gehören, ziehen vor, im Hospital ihre Leidenszeit zu überdauern und zahlen gern selbst hohe Preise, was den praktischen Sinn der amerikanischen Juden bekundet. Denn da ist Arzt, Wartung und Pflege derartig, daß der Patient nur einzig und allein über seine Leiden zu klagen hat. Was dieses Lob bedeutet, kann nur ein Geheilter würdigen. Selbstverständlich werden alle Einrichtungen up to date sein, d. h. alle modernen hygienischen Verbesserungen werden benützt werden. Auch sind Auditorien als Lehrsäle für die chirurgischen Operationen geplant. Der Grundstein wird am nächsten 30. Mai gelegt und die Gebäude werden zwei Jahre darauf bezogen werden. Möge der Allgütige die Leiter dieser wohlthätigen Anstalt erhalten, daß sie frohen Herzens die Einweihung derselben erleben mögen. Vermischtes. Wien. (Israelitische Cultus gemeinde Wien.) Tagesordnung für die öffentliche Plenarsitzung am Sonntag den 12. Mai 1901, Vall Uhr Vormittags: a) Rechnungsabschluß pro 1900; b) Präsidialbericht: 1. Constituirung der Schätzungscommisston; 2. Siechenhaus-Angelegenheit; e) Vorschriften, betreffend Errichtung von Vereins- und Privatbethäusern (Referent Herr Dr. Steiner); d) Antrag des I. Vice-Präsidenten Dr. A. Stern, betteffend den Bau eines neuen Tempels; e) Antrag der D. Sektion auf Einsetzung einer historischen Commission (Referent Herr Dr. Steiner); f) Antrag der II. Section, betteffend die Dr. Adolf Schmiedl- und Dr. Adolf Jellinek-Stiftungen; g) Koscher-Fleisch-Angelegenheit (Referent Herr Dr. Berger). Wie«. (Israelitische Allianz zu Wien.) Wir erhalten die Mittheilung daß die XXVIII. ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz am Donnerstag den 16. Mai um IOV2 Uhr Vormittags im Saale der israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, ll. Stock, stattfinden wird. Wie«. (Verlobung.) Fräulein Irma Grünwald, Tochter des Procuristen Herrn Ignaz Grünwald, hat sich mit Herrn Albert Geitner, Vertreter ausländischer Handelsfirmen, verlobt. Wien. Sonntag den 5. d. M. fand im Tempel in der Seitenstettengasse um 12 Uhr die Trauung des Herrn Emil, Sohn des Herrn Wilhelm Freiberg, mit Fräulein Marianne, Tochter des Fabriksbesitzers Herrn Julius Rosenthal, statt. Der Tempel prangte im herrlichsten Festschmuck und ein sehr distinguirtes Publicum erfüllte den Raum bis aufs letzte Plätzchen. Man sah unter den Anwesenden den k. k. Baurath Herrn Wilhelm Stiaßny, deffen College» im Vorstande der Cultusgemeinde, die Herren Dr. Josef G r ü n f e ld, Dr. M. Spitzer, Sigmund Trebitsch, Hosmann, Ortsschulrath Heit, Dr. I. S. B l0 ch, I. Cantor Blatt. Herr Obercantor Singer vollführte mit dem trefflich geschulten Chor den liturgischen Theil meister- und musterhaft. Den Trauaer vollzog der greise Rabbiner Ehrw. Herr Dr. Löwy, dessen kurze, aber sinn- und geistreiche Ansprache allgemein belobt wurde. Wien. (Gedenktafel-Enthüllung.) Am 1. Mai fand im Tempel der türkisch-israelitischen Gemeinde die Enthüllungsfeierlichkeit einer vom Vorstande dieser Gemeinde gestifteten und errichteten Gedenktafel zum Andenken an den verstorbenen Herrn Geheimrath Nicolaus Dumba statt. Wien. Zufolge Erlasses des k. u. k. Ministeriums des Innern besucht der Jnstructions-CurS für Amtsärzte, deffen Aufgabe es ist, mustergiltige und hygrenisch wichtige Einrichtungen aus eigener Anschauung kennen zu lernen, hervorragende gewerbliche Etablissements. Freitag den 3. Mai fand sich genannter Curs unter Führung des Vorstandes des hygienischen Institutes der Wiener Universität, Hof-