Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 16 (19.4.1901)
- Date
- 1901-04-19
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 284 Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift. Ich wollte dem Gespräch eine andere Wendung geben. Es ging nicht. So schwieg ich denn. Die wildesten Gedanken rasten in meinem Hirn durcheinander. Ueberzeugt, daß ich einem Geheimniß gegenüberstand, welches die tiefsten, heiligsten Gefühle meiner Mutter berührte, ließ ich meiner Phantasie die Zügel schießen. Ich erinnerte mich eines ähnlichen Austrittes aus meinen Kinderjahren! Die Strenge, mit der sie damals verboten hatte, Schlechtes über die Juden zu reden, brachte ich in Verbindung mit ihrer heutigen Austegung, und wie ein plötzlich in Schwung gebrachtes Rad, so begann in meinem Geiste eine Ahnung rascher und immer rascher zur beleidigenden Gewißheit zu werden . . . Mit Blitzesschnelle tauchten die geheimen Geschichten, die man sich über manche Damen der Aristokratie zullüsterte, in meiner Erinnerung auf ... . Mit einem halb stagenden, halb überzeugten Blicke schlug ich die Augen auf, unv .... begegnete im Spiegel der schmächtigen, schlanken Gestalt eines jungen Juden, deffen Zügen das typische Gepräge aufgedrückt war und in deffen länglichen Augen eine so tragisch düstere Flamme loderte, wie sie nur durch ein unfaßbares, unglaubliches Unglück entfacht werden kann. Dieses so oft gesehene Spiegelbild hatte mir bis nun nichts verrathen . . . Jetzt erst sah ich mich selber . . . iu meiner wichren Gestalt! „Mutter!" rief ich, meine Stimme klang leise und schien mir so stemd, wie das ganze neue Dasein, das vor meinen Augen austauchte. „Mutter!" rief ich ein zweites Mal, ihre Hände mit krampfhaftem Drucke umfaffend. „Ich bin dein rechter Sohn, und mein Vater war . . . war ein Jude'/ In diesem Augenblicke sah ich weder den Schmerz noch die Demüthigung meiner Mutter. Nur für dieses Eine .... es war so neu ... so fremd ... so widerlich ... so schrecklich . . . hatte ich Auge und Ohr. „Und vereint mtt seinem Volke .... vereint noch bei Lebzeiten/ „Du bist von Sinnen! Woran denkst du?" Die Stimme klang nicht beruhigend, die Verneinung, nach der ich lechzte, war nicht hörbar, unsagbare Qual und Angst zitterten in den Worten. WaS ich zu hören fürchtete, meine Mutter wollte es verbergen. Unmöglich! Es ist eins mit mir geworden. Für ewige Zeiten wird es an mir haften, wie das Zeichen eines Galeerensträflings! „Walter! Mein theuerstes Kind! Du bist mein adoptirter Sohn! Glaubst Du mir nicht, mir, deiner treuesten Freundin, die Dir nie eine Unwahrheit gesagt tjat?" fuhr die demüthige bettelnde, von krampfhaftem Schluchzen unterbrochene Stimme zu sprechen fort. „Ich bin und war immer eine rechtschaffene Frau,Ed nicht der geringste Makel haftet auf meiner Vergangercheit!" Icht klang die Sümme anders. Der Ton der. Wahrheit war unverkennbar. „Also bin ich vielleicht nicht mal ein halber Goj?" fragte ich mit Erbitterung. Voll Verzweiflung kettete ich mich an den letzten Hoffnungsfunken, daß wenigstens zur Hälfte anderes Blut in meinen Adern fließe. Jetzt erfolgte keine Antwort mehr. Auf den Lippen meiner Mutter erstarb das lautlose Flüstern, aber ihre flehentlich auf mich gerichteten, thränenumflorten Augen sprachen deutlich genug. Die Wände des gelben Boudoirs begannen zu ächzen und sich zu neigen. Die weißen japanischen Vögel zuckten krampfhaft, der Todeskampf brach ihre Flügel; ein glühendheißer Wind umwehte meine Stirne, der Athem versagte mir in der Brust — bewußtlos stürzte ich zu Boden. (Fortsetzung folgt.) Itteramr. ms tbd von Salomon Landau und Josef Rabbinowitz in Kowno (Rußland). Je größer die Anziehungskraft war, welche der Zionismus auf die Juden Rußlands anfangs ausgeübt hat, desto stärker ist nun die Abwehr, die ihm von dorther zutheil wird, desto heftiger und entschiedener vie Absage an die zionistischen Führer, ja an den „Messias" selbst. Diese Absagen der rabbinischen Autoritäten veranlaßt und gesammelt zu haben, ist das Verdienst der wackeren Herausgeber des genannten Buches. Ihnen ist der moderne Neuzionismus etwas Fremdartiges, eine verhängnißvolle Verirrung, die, so oft Herausgeber und verantwortlicher Redacteur Dr. Jos, sie sich im Laufe der Zeiten wiederholte, die Existenz des Judenthums bedrohte, ihm nie aber zum Heile gereichte. Von dem heldenmüthigen Bar-Kochba angefangen bis zum schwärmerischen Kabbalisten Sabbatai-Zewi, alle haben sie dem Judenthume blos Unheil gebracht, wie sollte nun der Messianismus! Herzl's und Nordau's dem Judenlhum zum Segen werden? Das jüdische Volk hat sich deshalb nie zu einer „Erlösung" drängen laffen, und sogar Moses mußte sich zuerst mit den „Aeltesten des Volkes" berathschlagen („Gehe und versammle die Aeltesten des Volkes"), um mit ihnen die Befreiung vorzubereiten. Nun diese Hilfe der n^pr muß der moderne Neuzionismus entbehren, denn alle schicken ihm den Scheidebrief ins Haus und sagen ihm: „Wir wollen nicht mitthun, denn Gott, unser Gott ist nicht mit Dir/ Während nun das genannte hebräische Buch dem Neuzionismus mit der alten bewährten Rüstung, die im Talmud aufbewahrt ist, hart an den Leib rückt, bekämpft ihn ein anderes Buch mit der leichten Waffe des Spottes. Ich meine das Buch „Unsere Zionisten" von R. Gravowski (Odessa, 1900), welches in russischem Jargon die Blößen des Zionismus erbarmungslos aufdeckt und mit satyrischer Feder geißelt. Dieses Merkchen ist in Stabreimen geschrieben, die in der Form wohl Vieles zu wünschen übrig lassen, dafür aber entschädigt uns der Sinn für manche formale Mängel, und Verse wie folgender: „Dem Baal-m’locho g'lüst sich nicht zu arbeiten mehr, „Es wird ihm mimos der Hammer, die Nadel, die Scheer; „Es stellt sich ihm vor a jüdischer Melach, ' „Wie jeder ist Poriz, lebendig, fröhlich" künden uns trotz ihrer Holprigkeit viel'Wahres. Von mehr localem als allgemeinem Jntereffe ist das hebräische Merkchen fQ®m 'pn von einem eifrigen Anti-Zionisten Aron Löwit, das an die Adresse des Herausgebers des pHvn gerichtet ist. Briefkasten. N. H—tz. Sie täuschen sich hierin. Speciell Kaiser Wilhelm ist bei den Wiener Antisemiten wegen verschiedener judenfteundlicher Aeußerungen in Ungnade. „Fleißiger Leser." Die Erwiderung Loubet's auf die Ansprache des Grandrabbin reiht sich würdig den Kundgebungen an, welche von den Vorgängern des Präsidenten der französischen Republik zu Gunsten der Juden ausgingen. Anton H. Professor Schlesinger war eigentlich viel gefährlicher für seine antisemitischen Gesinnungsgenossen als für die Liberalen und die Juden. Mit seinen Reden schlug er allerdings Freund wie Feind stets in die Flucht und blieb also sozusagen immer als Sieger allein auf dem Platze. i. Die Idee eines „Pfarrer Deckert-Platzes" wird von den christlich-socialen Machthabern sicherlich verwirklicht werden. Die wissenschaftlichen Leistungen Deckert's hätten wohl nicht hingereicht, um seinem Namen auch nur das geringste Andenken zu sichern. B. g. (XVI. Bez.). Die Präsidentin des „Christlichen Frauenbundes", Ottsgruppe Hernals, ist eine Frau Marie Steiner, die sich durch ihre Agitation das besondere Wohlwollen des Dr. Lueger, wie auch des Prinzen Liechtenstein erworben haben soll. S. H. Die Gründe, welche den Fürsterzbischof von Olmütz bewogen, seinen Namen trotz der vielen Anfeindungen, die er ihm zuzog, nicht abzuändern, sind uns unbekannt. a. b. Cardinal Haynald stand mit verschiedenen jüdischen Gelehrten im fteundlichen Verkehr. Wir glauben, daß der Rabbiner Dr. D u s ch a k ihm sogar eines seiner Bücher dedicirte.- a. g. Der Renegat B r i m a n u s, der Schützling Rohlings, ist völlig verschollen; wir wenigstens können Ihnen keinerlei Auskunft über dessen Aufenthalt geben. Cafs Grünfeld, Preßburg. Jawohl, die Braut ist die Tochter des Herrn Directors Albert Fischer. Nottz. Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft. Die Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft ladet in Ausführung der Beschlüsse der beiden letzten Generalversammlungen ihre Aktionäre ein,! in der Zeit vom 15. bis 30. April 1901 den Umtausch der alten Actien gegen Actien mit einem Nominale bmt' K 400 (2 alte gleich 5 neuen Actien) vorzunehmen und das Bezugs recht auf 24.500 Stück neue Actien ä X 400 Nominale auszuüben, wobei auf je zwei umgetauschte Actien ä 400 X Nominale eine im gleichen Nennwerthe entfällt. Nachdem die' neuen Actien zum Course von X 480 zum Bezüge angeboten werden, was einem Course von X 1200 für die 500 Gulden- Actie entspricht, so ergibt sich gegenüber dem Tagescourse der alten Actie von circa 1400 X ein Unterschied von 200 Kronen, respective für jede vierhundertste Kronen-Actie ein Unterschied von 80 X. S. Bloch. — Druck von L. Beck ft Sohn, Wien, VIII.