Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 16 (19.4.1901)
- Date
- 1901-04-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 270 Dx° Vlvar^ Wochrnfttzrtrt» -Nr. 16 in Olmütz habe den wirthschaftlichenKrvt% gegen das Deutschthmn auf seine Fahne geschrieben, (Rufe: „Pfui!"), es habe, sich „h inw eg setz en d ü b e r G e s e tz u n d R e ch t", den wirthschaftlichen Vernichtnugskampf gegen deutschen Handel und deutsches Gewerbe begonnen und den deutschen Geschäftsleuten den Krieg bis aufs Messer angesagt, und in 20 Hetzversammlungeu wollen die czechischen Agitatoren den Bauern gute Lehren geben, wie sie sich beim Ein- und Verkauf zu benehmen haben.- (Rufe: „Hört! Hört!") Ja mehr noch! Die Czechen greifen bis in das Heiligthum der Familie hinein! Der „Nasinec" fordert die czechischen Frauen des Nationalrathes auf, auch die Dienst boten zu organisiren und weist die letzteren an, das deutsche Geld ihrer deutschen Herrschaften auch gegen deren Willen offen oder mit Hinterlist zu dem czechischen Kaufmann, der czechischen Oebstlerin oder der czechischen Grüuzeughändlerm zu tragen." (Rufe: „Hört! Hört!") Die Versammlung schäumte bei diesen Worten des gesiunungsfesten Redners auf wie ein sturmgepeitschtes Meer. Wie?' Ein deutscher Geschäftsmann soll von den Czechen so behandelt werden, wie die alldeutschen Antisemiten bisher die Juden behandelten? Pfui über solche Gemeinheit, pfui über d.ese Niedertracht! Wie kann man das „Edelvolk" der Deutschen auf die gleiche Stufe mit den Mischen Parias stellen! Aber damit find die trübseligen Erfahrungen der Herren 'Schönerer und K. H. Wolf noch nicht zu Ende. Lange Jahre hat die „Ostdeutsche Rundschau" dem „Deutschen Volksblart" die schöne Sitte nachgeahmt, jede Verurtheilung eines Juden, der mit dem Strafgesetze in Conflict geratheu war, unter der Spitzmarke: „Wieder Einer!" zu veröffentlichen. Die empörende Ungerechtigkeit, die in solcher Generalisirung der That eines Emzelnen liegt, geurrte die Herren gar nicht! Jetzt hat einmal Ehren- Vergaui den Spieß umgedreht; er berichtet über die Verurtyeilung eines evangelischen Diebes unter derselben Spltzmarke: „Wieder Einer!", und Herr Wolf, der erst kürzlich den > evangelischen Glauben schätzen und lieben gelernt hat, speit Feuer und Flamme über diese „christlichsociale Rohheit, wle sie niedriger und cyuischer nicht verübt werden kann". Es ist wirklich eine christlich-sociale Frechheit ohne Gleichen, einen evangelischen Spitzbuben für ebenso verworfen zu halten, wie einen jüdischen Gauner! Herr Wolf mag sich übrigens trösten. Der Obligationeuheld von Mühldorf ist in solchen Dingen Fachmann und er übt da nur im Kleinen, was seine französischen Gesinnungsgenossen im Großen üben. Die Pariser Antisemiten haben kürzlich eine Versammlung abgehalten, in der sie die Wiederholung der Bartholomäusnacht nicht blos gegen die Juden, sondern auch gegen die Proteftmlleu Frankreichs forderten. Und das 112 Jahre nach Proclamrrung der Menschenrechte! Die Alldeutschen haben freilich Gelegenheit, ihre Schadenfteude auch an den Christlich-Socialen zu üben; die Defraüdationen in den verschiedensten antisemitischen Genossenschaften und Sparcaffen zeigen, daß der Grundsatz: „Kauft nicht Lei Juden" ergänzt wird durch das Princip: „Stehlt auch bei Christen". Aber auch in jenem Amazonencorps, das alljährlich zur Weihnachtszeit wie besessen gegen die Mischen Ausbeuter brüllt, hat sich die Corruption in bedenk- Ucher Weise eingeuistet. Gegen die Vicepräsidentin und Cassieriy der Ortsgruppe Hernals wurde nämlich die Anzeige erstattet, daß sie Vereinsgelder unterschlagen haben. Auch eine christlichfoeiate Rohheit, die eben jetzt umso unangenehmer empfunden werden wird, als die Christlich-Socialen in holder sittlicher Empörung gegen die „unwürdigen Beschimpfungen" protestiren, denen sie im Parlament seitens der Alldeutschen ausgesetzt find. Auch in diesem Punkte war das Hinüberschießen angenehm, wahrend das Herüberschießen recht fatal ist. Das Alles bedeutet mehr oder weniger -ein Hinwegsetzen .über Gesetz und Recht und aus allen Lagern Oesterreichs dröhnt heute ein tausendstimmiges, entrüstetes Pfui! über die Gemeinheit der arischen Gegner, die einander boycottiren, beschimpfen, bestehlen und denunciren und so mit augenfälliger Drastik beweisen, um wie Vieles sie sittlich höher stehen als wir Juden! Vom Istzrmartu des Lebens. Indische Pflegerinnen. Vor einigen Tagen ist mir der Jahresbericht und die Satzung des Vereines sür Jüdische Pflegerinnen in Frankfurt a. M. zugekommen. Da ich in keinerlei persönlichen Beziehungen zu den Functionären oder Mitgliedern dieses Vereines stehe, kann ich nur annehmen, daß die Veröffentlichungen in der „Oesterreichischen Wochenschrift" über die Errichtung einer Pstegerinnenanstalt in Wien irgend einen Wohlmeinenden veranlaßt haben, mir diese Miltheilungen zukommen zu lassen, wahrscheinlich mit der Absicht, mich in dem Vorhaben für die Gründung eines solchen Vereines in der österreichischen Residenz zu bestärken. Ich bestätige mit Dank den Empfang der Sendung und anerkenne gleichzeitig den guten Willen des Absenders. Ich gehe bereitwillig aus den Gedanken ein und spreche die Hoffnung aus, daß auch das Frankfurter Beispiel ebenso ein das Berliner auf die Wiener anregend und ermunternd wirken wird. Ich will deshalb von dem Frankfurter Verein Einiges berichten, nachdem ich des Berliners schon früher gedacht habe. Aus den Statuten desselben ist zu entnehmen,,, daß er sich keine andere Aufgabe setzt, als Pflegerinnen derart auszubilden, daß sie den strengsten modernen Anforderungen entsprechen, und daß er sich zugleich der Pflicht unterzieht, ihre Existenz ficherzustellen und für ihre Zukunft zu sorgen. Er geht dabei von der Grundidee aus, daß jüdische Pflegerinnen um der Kranken willen zur Verfügung stehen sollen, und ferner, daß jüdischen Frauen und Mädchen ein ehrenhafter, - lohnender Erwerb und eine Organisation geboten. werden soll, die sowohl nach Außen hin als nach Innen ihre Stellung zu einer social angeseheneren macht, als jetzt die Wärtermnen haben können. Die Frage, daß sie auch dem jüdischen Spital zur Disposition stehen sollen, stand nicht in erster Linie, die bejahende Antwort derselben ergab sich aber von selbst, als einmal jüdische Pflegerinnen-Schwestern aus-, gebildet waren. Ich erwähne dieses Umstandes deshalb, weil sich, hieraus ergibt, daß die Verbindung mit dem Spital zwar für beide Factoren vortheilhaft, aber sür keinen -derselben unumgänglich nothwendlg ist. Es zeigt sich in Frankfurt a. M., daß die Ausbildung der Schwestern nicht durch und nicht für das Spital erfolgt, daß jedoch die ausgebildeten Schwestern vom Spital verwendet werden. Hierdurch erlangen beide Theile jene Unabhängigkeit von einander, die für Beide von Vorthell ist, ohne daß hieraus irgendwelche Nachtheile erwachsen würden, und so stehen der Verein für Pflegerinnen und die Spitals Verwaltung als gleichberechtigte Compaciscenten einander gegenüber und nicht in einem Verhältniß der Ueber- oder Unterordnung. Und es zeigt sich weiter, daß die Ausbildung der Schwestern auch außerhalb des Spitalsdienstes erfolgen kann, ohne daß die „Qualität" darunter leide, und daß das Spital die Schwestern sehr gerne in seine Dienste nimmt, weil diese, sowohl was ihr Wissen, als was ihr ethisches Bewußtsein betrifft,-auf einer höheren Stufe stehen, als die Wärterinnen von dazumal. Das Frankfurter Beispiel gibt noch eine andere Lehre, indem es unwiderleglich documentirt, daß man .mit kleinem Anfänge auch zum Ziele gelangt. Es kommt nur eben darauf an, daß man beharrlich und opferwillig das begonnene Werk betreibt, sich vom Wege nicht ableüken, durch Widerwärtigkeiten und Hindernisse nicht ernschüchtern läßt und an dem als nothwendig -Erkannten unerschütterlich festhält. Es wird wohl auch an Berlin und Frankfmt a. M.