Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-12 · 15 (12.4.1901) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
15 (12.4.1901)
Date
1901-04-12
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021401--10781-3035280
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 368 Kr. Bloch's Wottrrasrtzri^ Stt. 15. bitterer Ausdruck lagerte — wie typisch dies Alles war, und [ wie häufig hatte ich es — leider! — bei „ ihnen gesehen! fl Mein Gott, wieso ist das nur gekommen? fragte ich mich mit ttaurigem Erstaunen, indeß ich, durch den Anblick meiner Person aufs Tiefste gebeugt, mich vom Spiegel entfernte. Warum gährte in meiner jugendlichen Seele solch ein Widerwillen und solche Verachtung gegen den Stamm Israels? Wodurch waren ste hervorgerufen worden? Was war ihre Ursache? Theilweise war es vielleicht die große Verschiedenheit der Erziehungsbedingungen, die gleich entfernt waren vom Elend und der Noth meiner armen, wie vom Stteben und den Idealen meiner reicheren „Brüder". Dann auch Alles, was ich — ohne Krittk zu üben — hin und wieder sah und hörte. Und schließlich vielleicht die lleberzeugung, daß man einer bedeutend edleren Race angehört; eine lleberzeugung, mit der die mich umgebende Atmosphäre durchttäntt war. Wenn ich sie haufenweise im Süden sah, wohin wir der Seebäder halber fuhren, frappirte mich vor Allem der Schmutz, in dem sie lebten, ihr Jargon, ihre lächerliche, abstoßende Kleidung. Ich sah nicht das Elend, das unter ihren langen Röcken sich barg, und darum schienen mir ihre Betrügereien, von denen ich so viel hörte, noch verdammenswerther. Gesteigert wurde dieser Widerwille durch die Arroganz, den Mangel an Geschmack und die kleinen Lächerlichkeiten der Vermögenderen unter ihnen. Und leider muß ich gestehen, daß ich ihn noch nicht vollkommen überwunden habe-, ttotzdem ich doch jetzt Alles mit offenen Augen bettachtete_, trotz meines großen Kampfes und meiner bitteren Verzweiflung... Die Arbeit von vierundzwanzig Jahren!. . . Mein vielleicht angeborener Racenfanatismus wurde — gleich einem Fluffe — dem man künstlich ein anderes Bett ausgräbt, in die entgegengesetzte Richtung gelentt und nun versenkte er seinen Pfeil in meine eigene Brust und in die meiner Brüder .... Ein unbewußter Renegat .... (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. R. N—g. I. Jules Claretie, der berühmte französische. Schriftsteller und Theaterdirector, ist ein Jude. DL Eine Tochter Alexander Dumas' war mit einem Juden vermählt. Poltticns. Dem König E a r o l von Rumänien wurde von dem Ministerpräsidenten S t u r d z a das Kompliment gemacht, er sei ein Rumäne geworden". Ob die Juden in Rumänien besonderen Trost in dieser Constatimng finden werden, ist fraglich. Anton H. Geza O n o d y, der im Mittelpunkte eines Scandalprocesses als der Freund einer Dirne uud Erpresserin steht, darf sich rühmen, mtt Istoczy zusammen der Schöpfer der Tisza- EszlarerAf faire im ungarischen Parlamente gewesen zu sein. A.B.Jm stenographischen Parlamentsberichte ist selbstverständlich die Aeußerung des deutschnationalen Abgeordneten, daß die Taufe und die höheren Weihen den Fürstbischof von Olmütz doch nur zum Juden machen konnten, enthalten Leser Wie Augenzeugen versichern, war wx. Lueger über die ihm zu Theil gewordene Behandlung in der letzten Parlamentssitzung so consternirt, daß er ein Bild der kläglichsten Verlegenheit bot. a. In den Synagogen weiß man nichts von Predigten, die nur „für Männer" geeignet sind. Memo. In Rumänien, dem claffischen Lande des Judenhasses, weiß man von dem „Ritualmord" - Märchen nichts. Der Glaube an dieses blüht im Lande der Denker und Dichter. Arnold H. Das „Vaterland" ist sehr erzürnt, wenn in irgend einem Blatte eine Notiz über die Reichthümer der Klöster rc. enthalten ist. Das fromme Blatt denkt eben, daß es die Pflicht der Presse sei, nur von dem „jüdischen" Capttal zu sprechen. a. Die Mttheilungen über die jüdische Abstammung der Königin von England gingen nicht von jüdischer Seite aus; sie waren vielmehr in einem durch seine prononcirt royalistische Hattung bekannten Londoner Blatte „Black and White" zuerst enthalten. Zsidor H. Die Interpellation des Abgeordneten F r e ß l über die Hilsner-Affaire soll — wie ein Prager Blatt berichtete — diesem gelegentlich eines Gelages im Rathhauskeller vom Mechaniker Schneider zugesteckt worden sein. iTritt i>rtt welches als Lehrerin für weibliche Handarbeiten befähigt und auch im stände ist, SchAer der Volksschule zu unterrichten, sucht Stellung als Lehrerin, Erzieherin oder auch Gesellschafterin. Gehalt nach Uebereinkommen. Geneigte Anträge sind an die Administration dieses Blattes zu richten. G. JULIUS MEINL Kaffee-Import WIEN-BUDAPEST- BRÜNN CENTRALE: WIEN. \,, FLEISCHMARKT 7 FILIALEN IN WIEN: II. Taborstrasse 26 III. Landsfrasse llouptstaasss 41 IV. Wiedener Hauptsl-rcisse 16 VI. MariahilFersrrasse 31 VII. NeusNftgasse 28 VII. Mariahiiferslrasse 112 IX. Servitengasse 12 X. Himbergerstrassel7 XILSchänbrunnerstpasss 261 XVII. Hernalsep-Linie Stadlbahn-Viaduct 86 XVIII.Wähpingen-Linie Sl'adl'bahn-Viaducl' 118 ' Edler von VMeimstein-Stiftung für arme Verwandte. Am 18. Juni d. J gelangen die Zinsen obiger Stiftungper 420 K für das Jahr 1901 znr Verleihung. Anspruchsberechtigt sind nur solche Personen, welche durch legale Documente die Verwandtschaft mit dem Stifter, Herrn Siegmund Edler von Wertheimstein und ihre Armuth nachweisen können. Derartig belegte Gesuche sind bis 30. April d. J. im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde Wien, (I., Seitenstettengasse 4, I. Stock) während der Amtsstunden von 9-12 Uhr zu überreichen. Gesuchsblanquette sind im Einreichungsprotokolle unentgeltlich zu erhalten. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der israelitischen Cultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die gonauß Angabe der bezüglichen Daten. Nicht entsprechend instruirte oder verspätet überreichte Gesuche finden keine Berücksichtigung. Isak Kuffler’sche Mädcliensliflung. Es wird hiemit zur Kenntniss gebracht, dass die Zinsen der obengenannten Stiftung zur Aushßiratung ßiußs armen würdigen Mädchens in Wien, israelitischer Konfession, im Betrage von 430 K zur Verleihung kommen. Die Bewerberinnen haben nachzuweisen, dass sie: 1. der israelitischen Confession angehören, 2. streng sittlich und arm sind, 3 sich im Brautstande befinden. Verwandte des sei. Stifters, unter diesen aber insbesondere die Kinder seiner Nichte Regine Wichs, verehelichte Dr. Kohn, erhalten den Vorzug und MUSS der dlesfälüge Nachweis dem Gesuche beiliegen. Bewerberinnen, die sich vor der Verleihung verehelichen, verlieren den Anspruch auf die Verleihung. Die Gesuche sind bis 30. April 1901 im Einreichungsprotokolie der israelitischen Kultusgemeinde i, Seitenstettengasse 4, I., Stock einzureichen und werden dortselbst Gesuchsblanquette unentgeltlich verabfolgt. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Wien, am 1. April 1901. Der Vorstand > der israelitischen Cultusgemeinde Wien. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur Dr. Josef «. Bloch. — Druck von L. »eck & Sohn. Wien, VUI. 80

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.