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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-05 · 14 (5.4.1901) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 248 Dr. Bloches Wochenschrift -Kr. 14 weniger als neun Trauerreden gehalten. Vor dem Trauerhause sprachen in bewegten Worten Professor Majerski im- Namen des Gemeinderathes, Architekt Janowski im Namen der Aufständler des Jahres 1863. Am Friedhofe hielt zunächst Rabbiner Doctor Caro eine Traueransprache, hierauf nahmen Dr. Gottlieb im Namen des Cultusvorstandes, die Herren Karlsbad, Besen, Dr. Ballaban, Silberstein, stud. jur. Menkes als Vertreter, verschiedener Corporationen Abschied von dem Verewigten, indem ste dessen herrliche Eigenschaften und große Verdienste nach verschiedenen Seiten hin schilderten. Den ceremoniellen Theil besorgte Obercantor Holpern mit dem Chor in gewohnt erhebender Weise. B. Berlin. (Der Mord in Könitz.) Das Kriegsgericht von Oran verürtheilte den Soldaten Lebedeer vom 1. Fremdenbataillon wegen Gewanddiebstahles zu sechsmonatlichem Gefängniß. Im Laufe des Verhörs erklärte der Angeklagte, daß er der Urheber des Konitzer Mordes sei. Amtliche Recherchen wurden alsbald eingeleitet. Der Arbeiter Bernhard Maslow ans Könitz, der gleich seiner Schwiegermutter, der Gesindevermietherin Roß, wegen wissentlichen Meineids trotz Leugneus zu Zuchthaus verurtheilt wurde, hat heute dem nach Könitz entsendeten Berliner Criminalcommissär Kracht ein Geständniß abgelegt. Paris, 24. März. Gestern Abend hielt Professor Doctor Martin P h i l i p p s o n vor der „Loelete des etudes juives“ auf deren Einladung einen Vortrag über „Ludwig Philippson und seine Einwirkung auf das zeitgenössische Judenthum". Der Grand-Rabbin de Frau66 präsidirte; die intellektuellen Spitzen des französischen Judenthums waren zugegen: die Brüder Reinach, Dr. Leven, Professor Därembourg, der Grand-Rabbin de Paris Drehfus, Rabbiner Weil, Professor Lsvy, Moise Schwab rc. rc. Bon biographischen Einzelheiten gab Professor Philippson so wenig wie möglich, um vielmehr seines ausgezeichneten Vaters Anschauungen (messianische Idee des Judenthums, seine Mission, historische Entwicklung auf dem überlieferten Boden mit Aufnahme der Fortschritte der Menschheit), seine weitverzweigte Thätigkeit nach allen Seiten hin und deren Ergebnisse für die Gestaltung des Judenthums zu schildern. Der Vortrag fand großen und lebhaften Beifall, sowohl dem Inhalte nach wie auch nach der Seite des französischen Styls hin. Wiederholt riß der gefeierte Historiker das ansehnliche Publicum zu lebhaften Beifallsbezeigungen hin. Ein politisches Blatt sagt von dem Vortrag, daß der Redner seine Pflichten als Geschichtsschreiber wie als Geisteserbe gleichermaßen erfüllt habe. London. Am 11. v. M. feierte in Oxford der in Bitsch in Ungarn geborene berühmte jüdische Gelehrte Dr. Adolf Neubauer seinen 70. Geburtstag. Der Rahmen eines kurzen Zeitungsartikels reicht kaum hin, um die Verdienste dieses großen jüdischen Gelehrten, dem die Geschichte der jüdischen Wissenschaft einen Ehrenplatz neben Zunz, Geiger und Steinschneider einräumen wird, gebührend zu würdigen. Nebst zahlreichen, in allen erdenkliche» Zeitungen und Zeitschriften zerstreuten Einzelartikeln hat Dr. Neubauer eine größere Anzahl Schriften theils selbst verfaßt, theils nach seltenen Manuscripten edirt und mit wichtigen wissenschaftlichen Notiz-n versehen. Sein erstes großes Werk, durch das Neubauer in der weiten Gelehrtenwelt bekannt wurde, war seine 1868 erschienene Geographie des Talmuds, welche ihrem Verfasser auch den Ruf als Hilfsbibliothekar der Bodleiana zu Oxford verschafft hat. Als solcher verfaßte er in 18jähriger emsiger Thätigkeit den hebräischen Katalog dieser weltberühmten großen Büchersammlung. In dem von Renan uub anderen Gelehrten herauszegebenen großen Sammelwerke „L'histoire litteraire de la France“ schrieb er 1877 die Geschichte der jüdischen Rabbiner in Frankreich vom Beginne des 14. Jahrhunderts, eine bedeutsame Arbeit, die 1893 in der „Geschichte der jüdischen Schriftsteller in Frankreich im 14. Jahrhundert" eine Fortsetzung fand. Der Jubilar, welcher Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, Ehrendoctor der Heidelberger Universität rc. war, erhielt an seinem 70. Geburtstage zahlreiche Gratulationen aus allen fünf Welttheilen. Chief-Rabbi Dr. Adler hat in seiner am 9. v. M. in der St. Johns Wood Synagoge gehaltenen Predigt die Verdienste des Jubilars eingehend gewürdigt. Jassy. Der Winter ist vorüber; neues Leben und neue Kraft zieht ein in jedes Menschenherz. Nur der runiänische Jude seufzt und seufzt und kann den Frühling nicht genießen. Tausende und Abertausende können trotz der großartigen Hilfsaction der ausländischen Philanthropie den bitteren Kampf mit der Noth nicht weiterführen. Die Kunde, daß die Hilfsmittel für die rumänischen Juden bereits erschöpft sind, daß man im Auslande vielfach glaubt, die rumänische Judentragödie ist bereits ihrem Ende nahe, hat hier wie im ganzen Lande allgemein Schrecken verursacht. Wenn jetzt, wo die Volksküchen Witwen und Waisen, Emigrantenfrauen und arbeitslose Handwerker speisen, wo die Hilfscomites überall leihen, schenken, retten, helfen, wo ein Vertreter der Alliance im Lande weilt und Thränen trocknet und Kummer mildert, das Elend Vieler zum Himmel schreit, wie wird es erst sein, wenn dieser Strom der Menschenliebe und Stammestreue, der aus Deutschland, Frankreich, Oesterreich und England zu uns fließt, plötzlich gedämmt und gehemmt werden wird. Die Volksküchen sollten überhaupt eine bleibende Einrichtung werden. Wer Gelegenheit hat, zu sehen, welcher Segen diese Anstalt bei uns in Jassy z. B. für Hunderte armer, jüdischer Kinder ist. wie viele Arbeiter vor Hunger gerettet werden, wie der Präsident des Hilfscomites, Herr A. S. Goldenthal, umgeben von einer Schaar begeisterter Jünglinge in dieser Volksanstalt wirkt, wird es verstehen, wie wichtig es ist, daß man diese Volksküchen erhält, bis eine Zeit kommt, in der die rumänischen Juden aus eigener Kraft im Stande sein werden, dieselben vor Untergang zu bewahren. Man hofft hier auf Erfüllung des Wortes unseres ehrwürdigen Rabbiners Dr. Niemirower: „Die ausländischen Philanthropen werden sicherlich nicht so schnell die Hilfsaction abschließen und „Dajenu" sprechen, unsere wenigen Reichen im Lande werden gewiß zu helfen suchen und nicht blos ein zufriedenes „Dajenu" über die Großthaten des Auslandes verkünden, und unsere unglücklichen Armen werden an den Sederabenden jede Offenbarung der Menschenliebe unserer Glaubensgenossen preisen und ein dankvolles „Dajenu" ertönen lassen." Cincinnati. Am 13. Jänner traten in hiesiger Stadt die Delegaten der „Union of American Hebrew Congregations" zum Concil zusammen, um gleichzeitig die 25jährige Gedenkfeier der Gründung des Hebrew Union College, sowie die Memorialfeier für den Stifter Beider, den verblichenen Rabbi Jsaac M. Wise, zu begehen. Es waren 300 Delegaten aus allen Theilen des Landes erwartet. Die hohe Stellung, welche das moderne Judenthum in Amerika sich errungen, ist fast ausschließlich auf die Einwirkung dieser beiden Factoren, der Union und des College, zurückzuführen, so daß es wohl am Platze ist, ^eine Skizze Beider zu geben. Der erste Schritt zurGründung einerVereinigung.derjüdischen Gemeinden in den Vereinigten Staaten wurde von Jsaac M. Wise. damals Rabbi der Gemeinde Beth El zu Albany, N. bereits im December 1848 durch die Veröffentlichung eines offenen Briefes gethan, und wirklich ernannten auch neun Gemeinden Delegaten zu einer Zusammenkunft, die im Juni 1849 in New- Iork stattsinden sollte. Unvorhergesehene Umstände machten diese Conferenz zu schänden. Ein zweiter Versuch wurde erst 1855, gelegentlich einer Conferenz in Cleveland gemacht. Hier kam man schon zum Entwurf von Berfassungsartikeln, aber die Gemeinden hatten den Werth eines Zusammengehens noch nicht erkannt und so blieben sie der Bewegung fern. Rabbi Wise nahm jetzt zur Feder seine Zuflucht und agitirte viele Jahre hindurch in den Spalten des „Jsraälite" unermüdlich und mit selten scharfer Logik für die Verwirklichung seiner Idee, von deren Bedeutung und Werth er durchdrungen war. Auch versäumte er nie, bei Tempeleinweihungen und ähnlichen öffentlichen Anlässen auf die Nothwendigkeit gemeinsamen Handelns hinzuweisen. Endlich beriefen im Mai 1873 die fünf Gemeinden von Cincinnati auf den folgenden 8. Juli'einen Convent ein und in dreitägiger Berathung wurde die .Union of American Hebrew Congregations" gegründet und 28 Gemeinden schlossen sich an. Die Verfassung, welche angenommen wurde, bezeichnet als Ziele und Zwecke der Union: A. Gründung und Erhaltung von Instituten zum Unterricht in den höheren Zweigen der hebräischen Literatur und jüdischen Theologie, nebst den nothwendigen Vorbereitungsschulen in später zu bestimmenden Städten. B. Anbahnung von Beziehungen mit verwandten Organisationen in anderen Theilen der Welt zur Befreiung der Juden von politischem Druck und Unterstützung derselben behufs Erreichung eines höheren geistigen Niveaus, soweit dies im Bereich der Union liegt. 6. Förderung des religiösen Unterrichts" der Jugend durch die Ausbildung competenter Lehrer und Ermuthigung zum Studium der heiligen Schrift, der Gebote und der Geschichte des Judenthums.

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