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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-05 · 14 (5.4.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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II r. 14 Dr. Bloch’s Jahrgang XVIII. Centrslorgsn für die gesummten Interessen des Iudenthums. -- A. ft. Postfparcassen-Aml Clearing-Verkehr Nr. 810 976. Ked,irlion und Administration: Wien IX/1, BerggEe Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Wien, S. April 1901. Lrsch eint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/1. Derggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie». Seplgsprri» für Srst erreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 1v Kronen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die 4mal gaspaltene Petitzeile 24 Heller. -M Inhalt. Leitartikel: Der Anfang vom Ende. — Born Jahrmarkt des Lebens: Die antisemitische Hetze gegen die Wiener Lehrerschaft. Dr. Gcabmayr gegen die Christlich-Socialen, lieber die Poesie des Baumes in den althebräischen heiligen Schriften. Zur Regelung des Wanderbettels. Professor Wilhelm Förster über Abwehrbestrebungen. Nietzsche ein Opfer des Antisemitismus. — Die Geschichte der Drehfus-Affaire. — Das rabbinische Judenthum und die Briefe des Apostel Paulus. — Die Inden in Rumänien. — Joselmann von Rosheim. — Correspondenzen: Plenarsitzung des israelitischen Cultusvorstandes. Tempelweihe in Meran. Lemberg, Berlin, Paris, London, Jassy, Cincinnati. — Vermischtes: Wien, Andrychau, Biala, Lemberg, Troppau, Szered an der Waag, Ustron, Kiew. — Feuilleton: Unsere Feiertage. Jsmael. — Briefkasten. — Inserate. Der Anfang vom Ende. Als das gebeugte Israel zur Feier des Erlösungsfestes sich rüstete, die alten Erinnerungen auffrischte an das furchtbare Strafgericht, welchesdie Vorsehung über seinen ersten Dränger und Verfolger verhängt hat, der in seinem Uebermuth dem Gotte der Gerechtigkeit spotten zu können vermeinte, da ist auch über den Dränger Israels in Wien das furchtbare Strafgericht hereingebrochen und Herr Doctor Lueger, der verwöhnte Günstling des Glückes, hat eine Züchtigung erfahren, daß auch dem Ungläubigsten das Bekenntnißwort sich, unwillkürlich entringt: Es ist ein Gott! Noch vor wenigen Wochen hat man in sehr ernsten Kreiseu an ein nahe bevorstehendes Ministerium Lueger-Liechtenstein geglaubt, und der „Herr von Wien" hat die Eventualität einer solchen Berufung in einer Volksversammlung zum Gegenstände seiner Erörterung gewählt, und heute ist er bereits der Mann von gestern. Im österreichischen Parlamente wurde mit ihm furchtbare Abrechnung gehalten. Die Brutalität, mit deren Hilfe er alle seine Erfolge erzielte, das öffentliche Leben vergiftet hat, diese Brutalität hat sich endlich gegen den Urheber gekehrt. Verlassen und vereinsamt stand et und sein Anhang, als die Sturmfluth unerhörter Beschimpfung und Anklagen auf sein schuldbeladenes Haupt niederprasselte. Vergebens hat er zornbebend, mit heiserer Stimme den Schutz des Präsidenten angerufen; den die Nemesis einmal ereilt hat, für den gibt es kein Entrinnen. Eine Reihe von Erscheinungen hat bereits angedeutet, daß es mit der Herrlichkeit der sogenannten christlich-socialen Partei zu Ende zu gehen beginnt. Es waren allerdings erst die Anfangssymptome des Niedergangs wahrzunehmen, allein diese Anzeichen sind so charakteristischer Art, daß man ihre Bedeutung nicht verkennen kann. In erster Linie die Thatsache, daß die Regierung aufgehört hat, sich vor Dr. Lueger und seiner Sippe zu fürchten, und den Muth gefunden, einen Beschluß des Wiener Gemeinderathes zu sistiren. Seit Badmi berüchtigten Andenkens, der den Pact mit Dr. Lueger geschlossen und diesen gefährlichen Demagogen in die Burg geführt hat, um ihm dort ein Anerkennungszeugniß ausstellen zu lassen, hat keine Regierung die Energie gehabt, den Willküracten des Pharao von Wien entgegenzutreten. Es durfte das Wiener Gemeindestatut zu einem Partei-Instrument gemacht werden, es durste ein großer Theil von Wiener Wühlern der Vertretung beraubt werden; es durften — wie nun amtlich festgestellt ist — die Wählerlisten in einer Weise zusammengestellt werden, daß Tausende von Wählern, die seit Jahren in den Liften verzeichnet waren — ausgelassen wurden; es durfte die discretiouäre Gewalt im Gemeinderathe in solcher Parteilichkeit gehandhabt werden, daß die Opposition einfach mundtodt gemacht wurde — zu Allem hatten die Regierungen geschwiegen. Vergeblich waren alle Vorstellungen, vergeblich alle Beschwerden, es schien, als ob Dr. Lueger's Gewalt unumschränkt wäre und er gar keinen Herren über sich hätte und thun dürste, was er wollte. Daß eine solche Unthätigkeit der Regierungen nur dazu beitragen mußte, das Volk im Glauben an seine unbegrenzte Macht zu bestärken und in ihm den Größenwahn zu nähren, daß sein Wille keinen Widerstand finde, lag klar auf der Hand. Auf die Dauer war ein solcher Zustand unhaltbar und dieser Terrorismus von Unten mußte sich für die staatliche Autorität noch gefährlicher gestalten, als etwa ein Absolutismus von Oben, und es war nur eine Aeußerung pflichtmäßigen Selbsterhaltungstriebes, daß endlich die Regierung sich entschloß, Herrn Lueger fühlen zu lassen, daß seine Macht eine Grenze habe und das staatliche Aufsichtsrecht kein Wahn, sondern eine wirkliche Potenz ist. Mit diesem ersten Schritte hat die Regierung den Bann gebrochen, der auf der Bevölkerung gelastet, sie hat den Glauben an die Allgewalt Dr. Lueger's, der ein wesentlicher Bestandtheil seiner Popularität nach Unten war, zerstört. Aber nicht blos die Regierung hat dem Spuk ein Ende gemacht, auch aus dem Volke ist eine gesunde Reaction gegen die Luegerei in Erscheinung getreten. Schon bei den letzten Reichsrathswahlen hat es sich gezeigt, daß die Bevölkerung des christlich-socialen Joches müde ist. Die Partei hat die Versprechungen nicht eingehalten und so viel Gewaltthaten verübt, so sehr zur Verrohung und Verwilde-

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