Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 12 (22.3.1901)
- Date
- 1901-03-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Blvch's WochrnfchrM Sette 211 Otto von Moden „Erinnerung". Schon die beiden ersten Chöre wurden vom Publicum mit lautem Jubel begrüßt und, um die Ehrung für die Sängerschaar deutlich zu bekunden, die Wiederholung der Lieder stürmisch begehrt. Eine Ueberraschung seltener Art bot sich den Theilnehmern dieses Vergnügungsabends dar, als 20 junge Mitglieder, zumeist den israelitischen Studirenden der hiesigen Mittelschulen angehörend, welche seit kurzer Zeit ein Hausorchester des Vereines bilden, einen vom Chormeister Josef Kohn, der gleichzeitig auch Dirigent dieser Capelle ist, componirten Vereinsmarsch nach den Motiven unseres Vereinsspruches zu Gehör brachten, und zwar mit einer solchen Präcifion, wie man es nur von Berufsmusikern gewöhnt ist. Als sich der stürmische Beifall für die jungen Spielleute gelegt hatte, trug die Hauscapelle „Fragmente aus II trovatore" von Giuseppe Verdi mit staunenerregender Sicherheit vor, was einen wahren Beifallssturm hervorrief, weshalb das Orchester sich zu einer Zugabe verstehen mußte und das anheimelnde „Märchen" von Komzak mit hinreißender Wirkung spielte. Es herrschte helle Begeisterung und die Zuhörer hatten Ursache genug, einer so gehobenen Stimmung Ausdruck zu geben Für das Hausorchester war es ein Ehrenabend, an dem die Aufführung der „Fragmente" aus dem „Troubadur" den Höhepunkt bildete. Ein Mitglied des Orchesters, Stud. Armin Spielmann, trat vor den Dirigenten und überreichte im N men seiner Spielgenossen als Zeichen der Anerkennung für ihren Meiste: einen zierlichen, werthvollen Taktstock, dankte demselben für die der Vereinigung gewidmeten Müheleistungen, während ein anderes Mitglied, Octavaner Karl Weiner, durch Ueberreichung einer prächtigen Dankadresse ihrem Dirigenten weitere Ehrungen bezeugte. Darauf folgten zwei Sologesänge ..Waldesgespräch" von Robert Schuhmann und „Die böse Farbe" von Fr. Schubert, vorgetragen vom Vereinsmitgliede Frau Rosa Epstein, einer sehr beliebten Sängerin mit hervorragendem Vortragstalente, das sich eben so sehr auf dem Gebiete des Heiteren, wie des Ernsten bewährt. Die Dame wurde der Glanzleistung halber mit Ovationen überschüttet und durch eine Blumenspende ausgezeichnet. Zwei Cellosolo „Das Gebet" von Fr. Strobl und »ä la Mazurka« von Fr. Nelk, boten dem Publicum Gelegenheit, sich von der Meisterschaft unseres Chormeisters auf diesem Instrumente zu überzeugen. Beide Piöcen wurden so ganz in dem poesievollen Geiste der Composition zum Ausdrucke gebracht Dem Vortragenden wurde für die künstlerischen Leistungen die lebhafteste Ovation dargebracht. Nun kam der Gesammtchor wieder zur Action durch das Absingen der gemischten Chöre: „Nachtlager von Granada" von Conrad Kreuzer und „Schaherl klein" von Jos. Zehngraf. So wie bei den vorhergehenden Chören wurde auch bei diesen, durch die treffliche Schulung der Sänger, das schön klingende Pianissimo, das bei starken Chören selten vorkommt, deutlich vernehmbar und dabei alle dynamischen Zeichen wohl beachtet. Der zweite Chor, der so viel Anklang fand, mußte auf Verlangen des Pnblicums wiederholt werden. Die folgende Nummer kündigte ein classisches Trio an, eine „Serenade" für Violin, Cello und Clavier von L. van Beethoven, welches ganz nach den Regeln der Kunst meisterhaft gespielt wurde. Den Violinpart absolvirte stud. Arthur Sobotka mit sicherer Bogenführung und reiner Intonation; Chormeister Kohn entlockte seinen! Instrumente die herrlichsten Töne, während ihre Partnerin Fräulein Anna Hellmann sich als hervorragende Pianistin erwies, welche die Kunst des Phrasirens vollkommen inne hat. Die Zuhörerschaft ehrte dieses Spiel durch laute Beifallsbezeugungen. Der nun an die Reihe gelangende „Gesang- Walzer" von C. von Weinzierl machte auf die Zuhörer einen angenehmen Eindruck und mußte auf stürmisches Verlangen wiederholt werden. Wenn nach solch' trefflich ausgeführten Gesang- und Musikstücken das Publicum noch für zwei ernste Gesänge, als: „Asra" von Anton Rubinstein und eine Arie aus der Oper „Die Jüdin", reges Interesse bekundete, so ist dies ein deutlicher Beweis, welche Zauberkraft eine schöne Tenorstimme, die unfern Herrn Obercantor Weiß eigen ist, auszuübe» vermag. So wie immer trug dieser Sänger seinen Part entzückend vor und erntete für dessen gesangliche Leistungen allgemeines Lob. Einen vom Chormeister Kohn componirten „Walzer", betitelt „An der „Jglawa", welcher jüngst Sr. k. u. k. Hoheit dem hier weilenden Erzherzoge Leopold Ferdinand ehrfurchtsvoll gewidmet und von diesem huldvollst angenommen wurde, hat zum Schlüsse das Vereins-Orchester mit dem besten Erfolge vorgetragen. Der Walzer mit seinen melodiösen Klängen erregte nicht geringes Aufsehen und wurde das Publicum nicht müde, zu applaudiren. Ein Musikfreund überreichte denAuszuzeichnenden einen Lorbeerkranz als Ehrenzeichen. Nach einer längeren Pause erfolgte die Aufführung der einactigen Operette „Zehn Mädchen und kein Mann" von Fr. von Suppe. Das Operettenpersonal bestand aus den Damen: Frau Rosa Epstein, aus den Fräuleins Sophie Beran, Valeria Bergmann, Olga Chitz, Emma Engel, Olga Engel, Luise Kohn. Ella Pollak, Emma Pollak, Paula Spitz, Adele Weißberger; aus den Herren: Arthur Pollak und Josef Stettner. Die Regie des Spieles leitete der Regisseur des Jglauer Stadttheaters Herr Robert Laube; die musikalische Leitung war in den Händen unseres wackeren Chormeisters. Die Darsteller entledigten sich mit echt schauspielerischer Routine ihrer Rolle und hatten stets die Lacher auf ihrer Seite. Die Zuhörer waren über diese Aufführung höchst befriedigt und spendeten jedem Einzelnen volles Lob. Ehe der Vorhang fiel, wurde dem Leiter der Operette, Chormeister Kohn, von den Damen der Operette ein prächtiger Kranz überreicht. In animirtester Stimmung verflogen die Stunden: den Kranz liebreizender Mädchen, welche sich um das Gelingen des amüsanten Abends verdient gemacht haben, erwartete eine reichliche Entlohnung — der ersehnte Tanz. Es war bereits Mitternacht geworden, da das angesagte „Kränzchen" in seine Rechte trat, fröhlich drehten sich die Paare im Kreise bis zum Morgengrauen. Dem äußerst rührigen „Vergnügungs- Comits — voran den Herren Fritz Kohn und Carl Pollak — das seine Obliegenheiten in solch zufriedenstellender Weise erfüllte, insbesondere für die Aufführung der Operette den nöthigen Beistand leistete, werde volle Anerkennung zugesprochen. A. B. Bielitz. An der nunmehr beendeten Neuwahl des Cultusvorstandes in Biala-Lipnik betheiligten sich 130 wahlberechtigte Gemeindemitglieder. Die gewählten 10 Ausschußmitglieder sind Hermann Körbel, Samuel Rappaport, Samuel Träger, Moritz Knopp, Moritz Kohn, Arnold Groß. Emil Altar. Dr. A. P l e ß n e r, Julius Korn und Ignatz Perl. Als Ersatzmänner wurden gewählt: Hermann Lern er, David Feiner, Ignatz Borger. Moritz Neumann und Jacob S i l b e r st e i n. Jägerndorf. Die Neuwahlen in der Cultusgemeinde hatten folgendes Ergebniß: Cultnsvwstände A. M. Bnber. Kaufmann, und Heinrich Groß, Kaufmann. Zu Rathen wurden David Defris, Kaufmann, Heinrich Krämer, Kaufmann, und Dr. Adolf Schnabel, Advocat, gewählr. In den Vorstand kamen noch die Herren Mar Berl, Kaufmann, S. Bock, Kaufmann, Karl Müll e r, Schneider, Berthold R e i k, Destillateur und Siegmund Stark. Kaufmann. Ans Freudenthal wurden Berl und H a m bürget gewählt. Budapest, 13. März 1901. Am 10. d. M. wurde hier Herr Ignaz Bleuer zu Grabe getragen. Mit ibm ging wieder einer der „Zeugen der großen Zeit" heim, von denen nur noch so Wenige am Leben find. Ignaz Bleuer erreichte das hohe Alter von 84 Jahren und war bis in den letzten Tagen ein rüstiger Mann. Er brauchte beim Lesen kein Augenglas, beim Gehen keinen Stock. Nur sein Silberhaar deutete auf sein Greisenalter hin. Im Jahre 1848 war Bleuer Honved-Hauptmann und als solcher der Adlatus des Generals Klapka. Uud von den einstigen Kameraden erschienen viele au der Bahre des Dahingeschiedenen Sie kamen als Abordnung des 48er Honved-Vereines, bei welchem Bleuer. bis an sein Lebensende eine Ehrenstelle bekleidete. Bleuer brüstete sich aber nie mit dem Rubine seiner Jugendzeit, von dem viele Andere ihr Leben lang gezehrt habet! würden. Ihn zierte n ürdevolle Bescheidenheit. An der Bahre widmete der hiesige Schulprosessor Dr. Zsengeri einen Nachruf, aus welchem wir erfahren, daß der Sprecher ein Schüler des Heimgegangenen war und daß Bleuer in den Jahren 1847-48 Lehrer an der einst berühmten israelitischen Hauptschule zu Päva war, wo er, angeregt durch das hehre Beispiel des dortigen großen Rabbiners Löw, und nach dessen Intentionen im fortschrittlichen Geiste wirkte. Dr. Zsengeri hob es als besonderes Verdienst des Dahingeschiedenen hervor, daß er auf seine Schüler, die ihn wegen seiner Vorzüge und Tugenden überaus verehrten nnd liebten in' echt patriotischem Sinne einwirkte. Er erzog sie zu ungarischen Patrioten und Viele unter ihnen zählen beute zu den Notabilitäten der Gesellschaft. Bleuer war es, — was wir ebenfalls erst jetzt durch Zsengeri erfahren — der die ersten ungarischen Lesebücher für israelitische Schulen herausgab zu einer Zeit, als es noch kaum ungarisch sprechende jüdische Lehrer gab. Bleuer war Mitbegründer des 48er israelitischen Jugendve eines. Vor dem Freiheitskampf stand Bleuer im Dienste des Szabolcser Comitates, eine Auszeichnung, die einem israelitischen „Bürger" in der vormärzlichcn Zeit außer ihm kaum mehr zutbeil wurde. Als er den Comitatsdienst verließ, erhielt er vom Obergespan ein Zeugniß, welches sich in der lobendsten Weise über seine Thätigkeit ausspricht. Ein solches Decret konnte wahrltch als Adelsbrief gelten. Bleuer hat die Arbeit geadelt. Wie hätten Andere sich mit einer solchen Vergangenheit gerühmt, wie hätten sie ihr Lob verkündet. Bleuer betrachtete aber all dies nur als Reminiscenzen früher erfüllter Pflichten. In den letzten vier Jahrzehnten gehörte Bleuer der Fonciöre, Pester Versicherungs-Anstalt an, in welche er bei der Gründung als Beaniter eintrat. Bald wurde er Abtheilungschef dieser Anstalt, welche Stelle er mehr als drei Decennien bekleidete, nach welcher Zeit er sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückzog, der ihm leider nicht für lange Zeit gegönnt war. Er war ein Beamter comme il faut. Seine Devise war noblesse oblige! Er, der Chef war der Erste im Anlte, welches er als Letzter verließ. Sein Beispiel wirkte aneifernd auf sein Personal und so wurden die ihm zugetheilten Kräfte durch ihn zu den „besten Kräften" erzogen. Bleuer war auch im Amte ein trefflicher Pädagog. Der derzeitige Director der Fonciare Herr Moriz Reich gehört auch zu den Amtszöglingen Bleuer's. Der Abtheilungschef der Riunione, Herr Altstädter, ging ach aus der Bleuer'schen Schule hervor. Der alte Herr kam auch während des Ruhestandes allmonatlich zur Stätte seiner Thätigkeit zurück. Die Liebe zu seinen Collegen — die ihn Alle verehrten und liebten — zog ihn hin. Und die Collegen erschienen in großer Zahl, — an der Spitze die Direction der Fonciöre, Pester Versicherungsanstalt — beim Begräbnisse des alten Bleuer, dessen Andenken Alle, die ihn kannten, stets iu Ehren halten werden Josef Schwarz.