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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-22 · 12 (22.3.1901) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
12 (22.3.1901)
Date
1901-03-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr 13 Dr. Bloch's Wochrnfchrist. Seite 309 18. Jahrhundert den einen Pol einer bedeutsamen Formation im Judenthum, und zwar im Westen, als Pendant dazu erscheinen im Osten in Rußland und Polen die Chassidim, deren Lehre, einem unbedingten Autoritätswahn folgend, in einem merkwürdigen Zwielicht zwischen Mystik und lechzender Lelensfreude schillert. Während Mendelssohn alle Macht des Glaubens auf die sittliche That begründet, sehen sie im Gebet die Concentration alles Glaubens. Daraus ergibt sich ein Personencultus einerseits, der in dem Seelsorger ein höher geartetes Wesen sieht, und zweitens fine Bildungsfeindlichkeit, die auch gegen alles Schöne moderner Belehrung eben im Namen dieser autocentrischen Heilslehre sich abschloß. Der Vortragende zeigte in scharfen kulturgeschichtlichen Streiflichtern die noch heute so gewaltig fühlbaren Nachwirkungen der Chassidischen Lehre. Hierauf wählt er ein geographisch dem bisher erörterten entgegengesetztes Gebiet: Deutschland zur Zeit Mendelssohn's und seiner Nachfolger. Er zeigte, wie die Aufklärung gewisse merkwürdige Nuancen des Judenthums in Deutschland erzeugte, auf der einen Seite Spekulation auf Kosten des Glaubens (Wesselly, Marcus, Herzl) auf der anderen Seite direct Abfall und Unglauben. (Henri Herz, Dorothea Veit, Rahel Levin.) Mit einem feurigen Appell, gerade aus der zuletzt charakterisirteu Erscheinung die Bedeutung der Frau für die Religion besonders im Auge zu halten, schloß Dr. Werner seine Ausführungen. Prag, im März 1901. „Ahron Kornfeld, ein Zeit- und Culturbild." lieber dieses Thema sprach am 13. d. M. im großen Saale des „Hotel Bristol" Herr Dr. Thieberger, Rabbiner aus Jenikau, vor einem großen und distinguirten Zuhöreckreis, in welchem wir u. A. Se. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Doctor Ehrenfeld, Schriftsteller S. Kohn, Rabbiner, Advocaten, Fabrikanten u. s. w. bemerkten, die theils dem Sprecher,, theils dem Besprochenen zu Ehren gekommen wären. Ahron Kornfeld, von reichen, frommen und hervorragenden Eltern 1785 in Jenikau geboren, erhielt eine den Anforderungen jener Zeit entsprechende, gute Erziehung und Ausbildung, die das Hauptgewicht auf gründliche Kenntniß der talmudischen Disciplinen legte. Mit 18 Jahren sehen wir den jungen Ahron, die von seinem gelehrten Vater Michael Beer Kornfeld begründete talmudische Hochschule übernehmen. Aber er beschränkt sich nicht darauf, seinen Schülern die Dialectik des Talmudstudiums beizubringen; er ist einer der Wenigen seiner Zeit, die den Pilpul verwerfen und ein sachliches Studium befürworten. Der erfrischende Hauch der Aufklärungsepoche, der von Berlin herüber weht, trifft auch die Gelehrtenstube Kornfeldes, und er kann sich seiner Wirkung nicht entziehen Voll Staunen hören wir, daß der fromme Ahron Kornfeld von seinen Talmudjüngern die Beschäftigung mit den humanistischen Fächern, insbesondere mit den Naturwissenschaften verlangt, da die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften die Gotteserkenntniß in uns festigt. Fürwahr, ein seltener Ausspruch eines jüdischen Gelehrten aus einer Zeit, da der Bann auf das Studium der deutschen Sprache gelegt wurde. (Landau, Sofer.) Aber nicht nur auf die Ausbildung des Geistes, mehr noch auf die Ausbildung des Herzens und des Gemüthes legte Ahron Kornfeld das größte Gewicht, und heute ist die Art und Weise der Ausübung seiner Wohlthätigkeitsacte in seiner Heimatsgemeinde sprichwörtlich. Reicher Beifall lohnte dem Vortragenden seine Mühe und die liebevolle Vertiefung und Hingabe an den Gegenstand des Vortrages. Nach dem Vortrage blieben die Gäste in gemüthlicher Tafelrunde beisammen. An den unausweichlichen Tischreden betheiligten sich die Herren Rabbiner Dr. Grün. Dr. Deutsch, Dr. Hirsch, Dr. Kohner und Oberrabbiner Secretär Leipen. Troppau. Am 14. d. hielt Herr Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor im hiesigen „Jüdischen literarischen Verein" einen Bortrag über das Thema:„Was ist uns Börne?" Der hochgeschätzte Redner führte in sehr interessanter und fesselnder Weise aus, daß Ludwig Börne durch seinen unermüdlichen Kampf für Recht und Wahrheit, Freiheit und Menschenrechte, für Humanität und Aufklärung für das Wohl des Judenthums gewirkt habe. Mit der Börne eigen gewesenen Schärfe und Klarheit seines Verstandes, mit seiner schneidigen ätzenden Feder war er unermüdlich bestrebt, die Menschen aufzuklären; sein unerbittlicher Kampf gegen verrottete Personen, namentlich aber t urch seine scharfsinnigen, mit der beißenden Lauge seines scharfen Witzes verfaßten Entgegnungen gegen antisemitische Angriffe und Pamphlete habe sich Börne um das Judenthum hervorragende Verdienste erworben, die für alle Zeiten gewürdigt werden müssen! Daß Börne den jüdischen Glauben verließ — und diesen Umstand schrieb der geschätzte Redner einer Folge der mangelhaften religiösen Erziehung zu — habe Börne später in einem seiner berühmten „Pariser Briefe" tief bereut und die drei Louisdor, die er dem Geistlichen für die Taufe zahlte, sehr bedauert! Als Jude, schloß der Redner, war Börne für uns nichts, als Kämpfer für Freiheit, Aufklärung und Menschenrechte war er für uns von großer Bedeutung! Dieser sehr belehrende und hochinteressante Vortrag, ausgezeichnet geformt und mit Wärme und Begeisterung vorgetragen, entzückte die zahlreich erschienenen Damen und Herren, die mit Spannung dem hier sehr beliebten Redner folgten und denselben zum Schluffe durch langanhaltenden, lebhaften Beifall auszeichneten t Herr Dr. Blumenthal ist in Anbetracht seiner großen Verdienste um den hiesigen „Jüdischen literarischen Verein" Ehrenmitglied desselben. Wir sprechen gewiß im Namen Aller, die das Vergnügen hatten, diesen glänzenden Redner zu hören, wenn wir den Wunsch äußern, diesen hochgeschätzten Redner recht bald wieder hier begrüßen zu können! — an Jechnitz Am 22. August v. I.. 5 Uhr Nachmittags, wurden im Bezirksstädtchen Jechnitz ll Scheuern ein Raub der Flammen. Ein Jude unter den Abgebrannten, der 63jährige Herr Joachim Klauber, muß im buchstäblichen Sinne des Wortes der Genesis im Schweiße seines Angesichtes als Dorfgeher durch Haufiren in Hitz und Kälte für sich und seine gichtleidende Gefährtin das kärgliche Brot verdienen. Alle Scheuern find fast bereits wieder aufgebaut, nur die seine, die in der Mitte liegt, steht noch verödet da, abgesehen davon, daß auch die Obstbäume des kleinen Gärtchens stark Schaden litten. Und im Frühjahre läuft die Frist ab, in der die Scheuer wieder erbaut oder der Platz wenigstens eingefriedet sein muß. Ihm, als dem einzigen jüdischen Abbrändler gab die politische Gemeinde von dem Resultate der Sammlung per 430 fl.. 2K 90 h, sage zwei Kronen neunzig Heller, Commentar dazu überflüssig. Es ergeht nun an alle mildthätigen jüdischen Herzen die geziemendste Bitte, nach Kräften zur Aufrichtung und Erhaltung dieser frommen Familie, die, obgleich selbst nicht mit Gütern gesegnet, dennoch oft Gutes that, beizutragen. Gott lohne es den edlen Spendern! Berlin, 12. März. Herr Justizrath Meyer hat mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand nach fiebenundzwanzigjähriger Zugehörigkeit zum Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde, dessen Vorsitzender er seit dem Jahre 1883 war, seine Demission gegeben. Auch diejenigen Kreise, welche sich mit den religiösen Anschauungen und mit den davon eingegebenen Berwaltungsmaßnahmen des Scheidenden nicht in Uebereinstimmung wissen, werden dem Pflichteifer und der Hingebung, mit welcher er seines verantwortungsreichen Amtes waltete, die Anerkennung nicht versagen. Bei der Neuconstituirung des Vorstandes wurden die Herren Julius I a c o b y zum ersten, Dr. Edmund Lachmann zum zweiten und Martin Simon zum dritten Vorsitzenden gewählt. In das freigewordene Amt eines Vorstehers ist der erste Stellvertreter, Herr Selmar S o l m i tz, eingerückt, für den eine Ersatzwahl stattzufinden hat. Dresden. Die hier erscheinende „Deutsche Wacht" brachte in ihrer Nummer vom 22. Februar die auch in anderen antisemitischen Zeitungen veröffentlichte Warnung an „deutsche Ettern", ihre Kinder ganz besonders in der Osterzeit zu hüten und vor jeglichem Verkehr mit verdächtigen Juden in Acht zu nehmen. Der jüdische Theil der hiesigen Bürgerschaft war über diese freche Ruchlosigkeit empört und hielt mir dem Ausdruck seiner sittlichen Entrüstung nicht zurück. Große Genugthuung empfindet man nun darüber, von maßgebender Seite öffentlich bezeugt zu sehen, daß der beste Theil der hiesigen christlichen Bewohnerschaft diese Entrüstung theilt. Kein Geringerer als Herr Oberconsistorialrath D. Dibelius, Superintendent, Pastor prim, an der Kreuzkirche, richtete am letzten Bußtage in der hiesigen etwa 5000 Personen faffenden, überfüllten Hauptkirche an die christliche Bußgemeinde ungefähr folgende Worte: „Eine der Hauptsünden ist der Haß, der sich auch als politischer Haß geltend macht. Ich denke auch besonders an den Haß. der noch viel schlimmer ist und in letzter Zeit immer stärker hervortritt. In diesen Tagen hat ein hiesiges Blatt einen Artikel gebracht, durch den sich die jüdische Gemeinde tief gekränkt fühlt und der auch viele Christen verletzt hat. Ausgehend von Könitz und anderen bedauernswertven Verbrechen, werden die Christen vor Umgang mit Andersgläubigen gewarnt. Die jüdische Gemeinde fragt, ob dies christlich sei und sich mit der christlichen Liebe vertrage. Und sie fragt mit Recht. Ich aber antworte: Nein, das ist nicht christlich, sondern antichristlich. Heute am Bußtage sei es in feierlicher Stunde ausgesprochen: Wer in dieser Weise Haß verbreitet und nicht die Liebe predigt, die Christus gepredigt hat, kann nicht zu ihm hinangezogen werden."

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