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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-15 · 11 (15.3.1901) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
11 (15.3.1901)
Date
1901-03-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Serie 194 Nr. ll Vr<> BlEs Wvchrnf^EM hinterlaffen.". Auf diese Rede folgte eine allgemeine Rührung, der Schwiegersohn verzichtete auf die 200 Reichsthaler und die alte geschäftstüchtige Großmutter segnete Kinder und Kindeskinder und starb zuftieden. Die schönste Partie dieses Buches, vielleicht der ganzen Memoiren, ist die Schilderung von Glückel's Vermählung. Das ist wirklich köstlich geschrieben. Niemand dürfte das. der Frau Glücke! so bald nachthun. Da vergißt sie jede Pose, jedes Moralisiren, eine liebe, entzückende Frau erzählt eine liebe, entzückende Geschichte, und schon umdieser paar Seiten wegen lohnt es sich, die ganzen Erinnerungen zu lesen. Die Glücke! war noch nicht 12 Jahre alt, als sie verlobt wurde; zwei Jahre darauf war Hochzeit. Nun berichtet sie, wie sie mit ihrem Vater, ihrer Mutter und 20 Leuten nach Hameln zur Hochzeit »gezogen" ist. Damals gab es noch keine Post zwischen Hamburg und Hameln, wie in der fortgeschrittenen Zett, in der Frau Glücke! ihre Erinnerungen niederschreibt, und die Hochzeitsgesellschaft mußte sich in den Dörfern Wagen miethen und in solchen Fuhrwerken bis nach Hannover reisen. In Hannover wurde Station gemacht nnd man schrieb nach Hameln um Wagen. Ihre Mutter, erzählt Glücke!, »hat for meint, das man zu Hameln kan so kutschin habin als wie in Hamburg", wenigstens aber erwartete sie, daß für die Braut und ihre Eltern ein paffendes Fuhrwerk gesendet würde. Welche Enttäuschung, als am drttten Tag drei oder vier »Bauernwagen" für die illustre Gesellschaft eintrafen. Die künftige Schwiegermama war sehr verletzt und geärgert über diesen ganz unpaffenden Vorempfang, und wenn sie schließlich auch den Bauernwagen bestieg, so war ihr ihre Verstimmung doch deutlich anzusehen. Am Abends in Hameln, als ein gemeinsames Souper die beiden Familien und die Hochzeitsgäste vereinte, blieb die Brautmutter unnahbar und beleidigt, trotz der Galanterien von Glückel's Schwiegervater, der ihr aus einem großen Glase Wein zutrank und in seiner liebenswürdigen, herzlichen Art sie zu begütigen versuchte. Aber erst, als er ein Erlebniß aus seiner eigenen Brautzeit zum Besten gab, versöhnte sich die gestrenge Hamburgerin und die Hochzeit wurde in Frieden und Fröhlichkeit zu Ende geführt. Diesem Schwiegervater hat Glücke! ihr ganzes, liebevolles Herz geschenkt. Ihre Liebe zu dem alten Manne ist so wunderbar, sie zeigt so viel innere Schönheit und Güte, daß wir mehr Ehrfurcht und Rührung vor ihr empfinden, als vor' der größten Weisheit aller Gelehrten. In ein paar Worten schildert sie nicht luir ihre Zuneigung, sondern auch ihr Leben, das Leben ihrer Schwiegereltern, die kleine Stadt und tausend andere Dinge so lebendig und herrlich, wie nur ein echter Künstler es kann. Sie war noch sehr jung, erzählt die Glücket, und hat den Unterschied zwischen Hamburg und Hameln, der Heimatstadt, in der sie von Men gekannt wurde und dem kleinen, gott- und weltverlaffenen, trübseligen Oertchen wohl empfunden, aber wenn sie am Morgen um drei Uhr, während noch die dunkle Winternacht alle Dinge in ihre kalten, grauen Schleier hüllte, in der Wohnstube, die neben ihrer Schlafkammer lag, die Schritte ihres Schwiegervaters hörte und vernahm, wie er auf- und abgehend ein Lied vor sich hinsummte, da versank alle Sehnsucht und aller Kummer in dem einzigen Gefühl der unendlichen Liebe zu diesem alten Mann. Ein Jahr lang lebte sie in Hameln, dann zog sie mit ihrem Manne nach Hamburg, wo sie noch ein Jahr bei ihren Eltern wohnte, und dann eine eigene Wohnung für 50 Reichsthaler Miethe »heuerte". Aus dieser ersten Hamburger Zeit erzählt Glücke! manche heitere Episode: Wie sie und ihre Mutter zu gleicher Zett ein kleines Töchterchen bekamen, wie Beide in derselben Wohnstube lagen, wie einmal die Kinder verwechselt wurden und tausend andere Details, die uns das Leben der damaligen Zeit besser verdeutlichen als manche gelehrte Culturgeschichte. Alle Ereignisse ihres kleinen Lebens sind ihr treu in Erinnerung geblieben, allen Menschen, die ihr begegneten, bewahrt sie ein herzliches Gedenken. Sie spricht von ihren Dienstleuten mtt freundücher Anerkennung und sie scheint ihnen eine theilnehmeude, gute Herrin gewesen zu sein. Ihr Mann Chaijim Hameln war ein tüchtiger Geschäftsmann, der sich in die ungewohnten Hamburger Verhältnisse bald hinein fand. Glücke! erzählt, daß er eigentlich nur mit Edelsteinen Handelle, aber da damals die Mode der Goldketten herrschte, so begann Chajjim auch Gold aufzukaufen, umarbeiten zu lassen und mit reichlichem Gewinn zu verhandeln. Liebevoll gedenkt sie seiner trefflichen Eigenschaften und mit stolzer Freud erzählt sie, daß er nichts unternahm, ohne sich vorher mit ihr zu bereden oder zu berathen. Als ihr Töchterchen zwei Jahre alt war, wurde ihnen der erste Sohn geboren und die Freude der Eltern soll unbeschreiblich gewesen sein. . Am Schlüsse dieses zweiten Buches posirt die gute Glücket wieder ein ganz klein wenig. Sie bittet nämlich um Entschuldigung, wenn sie etwa Dummheiten geschrieben hätte, aber im Inneren unseres Beifall gewiß, beendet sie dies Buch nur, um gleich frisch und fröhlich zur Feder zu greifen und im dritten Buche mit der Geschichte ihrer Erlebnisse fortzufahren. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Herrn Fabian Zolles in Wien. Versorgt. Al.» Wien. Das derzeit in verschiedenen Gegenden beobachtete Phänomen des „Blutregens" finden Sie in der Bibel, im Prophetenbuch Joel III. 3. F. I. „Fortuna." Die Ziehung ist verschoben worden. I. N. Nicht gezogen. Neunkirchen Nr. 6. Der 22. Juni 1879 war Sonntag, am 1. Tamus 5639. Prister Nr. 26. Sie haben leider recht. „Aussee." Bei Anmeldung des Eheaufqebotes müssen die Parteien die Documente vorlegen. Die Gebühren bestimmt der Cultusvorstand. N«, Wien. Der wegen seiner Predigten gegen die Erzväter und König David, seiner Artikel gegen die Märtyrer von Trient bekannte Pfarrer Deckert von Weinhaus, der Genosse des Paulus Mayer, hat — wie das „Vaterland" meldet..— einen Schlaganfall erlitten. Die rechte Seite ist gelähmt; auch hat Pfarrer D e ck e r t die Sprache verloren. X. Y. Z. Es genügt wohl, wenn wir daran erinnern, daß Mechaniker Schneider, als er von seiner Pilgerfahrt nach Rumänien zurückkehrte, wahre Dithyramben über dieses Land anstimmte. N. O. Der antisemitische Schriftsteller, welcher die jüdischen Besucher der Serviten-Kirche denuncirte, war früher Mitarbeiter des „Deutschen Volksblattes", welches ihn aus sehr — interessanten Gründen entlassen hatte. Mchtig bleibt es aber immerhin, daß Juden gut daran thäten, ihrer Begeisterung für Musik nicht gerade in Kirchen AusdrEzu verleihen. .. Nemo. Der Zwischenruf: „Er ist zu schön, um treu zu sein," fiel im Abgeordnetenhause und bezog sich auf Dr. Lueger, der bekanntlich der „schöne Karl" genannt wird. S. H—dt. Es zeigt mir von schönerer Consequenz, wenn der. antisemitische Stadtrath nichts vom „Philanthropischen Verein" wissen will und ihn sozusagen delogirt. Der „Philanthropische Verein" ist eben kein antisemitischer Verein. Benno H. II D. Es ist charakteristisch, daß man den Dr. Lueger wegen seiner Erklärung, Schönerianer und Socralisten nicht befördern zu wollen, interpellrrt, daß man sich aber damit abfindet, daß die jüdischen Lehrer, mit oder ohne Erklärungen, nicht befördert werden. Kothen. (Wiener Bankverei n.) Die einunddreißigste ordentliche General-Versammlung findet am 1. April 1901, um 11 Uhr Vormittags, in Wien, I., Herrengasse Nr. 8 statt. Verhandlungs-Gegenstände: 1. Jahresbericht des Administrationsrathes. 2. Bericht der Sensoren über den Rechnungsabschluß pro 1900 und Beschlußfassung über denselben. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reinerträgnisses des Jahres 1900 (§ 58. lit. c. der Statuten). 4. Wahlen in den Administrationsrath. 5. Wahlen in das Censoren-Collegium und den Aufsichtsrath für die Filialen. Nach § 46 der Statuten sind zur Stimmführung in der General-Versammlung nur jene Actionäre berechtigt, welche seit wenigstens 14 Tagen vor dem Zusammentreten derselben mindestens fünfundzwanzig Actien nebst Coupons bei der Gesellschaftscasse oder den sonst hiezu vom Administrationsrathe bestimmten Stellen erlegt haben. Je sünsundzwanzig Actien geben das Recht auf eine Stimme (§ 47 der Statuten). Die stimmberechtigten Herren Actionäre werden daher eingeladen, ihre Actien sammt Coupons bis spätestens am 18. März d. I. in Wien bei der Liquidatur der Centrale (!., Herrengasse 8), in Prag, Brünn, Graz und Aussig a. E. bei den Filialen des Wiener Bank-Verein, in Berlin bei der Deutschen Bank, in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Vereinsbank, in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinsbank, in München bei der Baierischen Filiale der Deutschen Bank zu deponiren. Die Actien sind, von

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