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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 162 Nr. 10 Vr. BLoch's Wochenschrift. von 16 Claffen in beiläufig 33 Jahren die nöthige Erfahrung machen Vnnen, daß die jüdischen Schüler bei jeder Art von Inspektion, stets wo es -galt, sich zu zeigen, besonders eifrig, besonders unbefangen, um nicht zu sagen, besonders dreist gewesen sind, mit sich selbst und dadurch auch mit ihrer Classe Ehre emgelegt oder einzulegen vorzugsweise beigetragen-haben, und es müßte doch wunderbar zugehen, wenn dieses Motiv — ich will es etnstweilen das Motiv des Ehrgeizes nennen — nicht ganz besonders zur Geltung käme bei einer Anstalt, an der ein starkes Drittel aus jüdischen Schülern besteht .... Wir fürchten mit einem Wort, daß der Same aus dem neuen Acker zwar nicht ganz, aber doch zu einem guten Thetl zu der Art gehört, die bald ausgeht, dieweil sie nicht tiefe Wurzel hat." Hier wird also künstlich ein crasser Gegensatz zwischen jüdischen und christlichen Schülern construirt, ja sogar zwischen solchen Schulen, die wenig oder gar.keine jüdischen Schüler haben, und solchen, in denen sie einen wesentlichen Percentsatz ausmachen. Ein mit der antisemitischen Terminologie Vertrauter würde von „judenfreien" und „verjudeten" Gymnasien sprechen. So spricht natürlich ein Geheimrath und Gelehrter nicht, aber auch ihm genügt schon das verhängnißvolle jüdische Drittel, um der Schule einen besonderen Charakter zu geben. Wo bleiben denn die anderen zwei Drittel? Wie beschämend für sie, daß sie so wenig bedeuten! Welche Sünden sind es, die der berühmte Schulmann den jüdischen Schülern Nachweisen kann? Sie smd fleißig, rege, — wohl aber sie thun es aus Ehrgeiz, um sich auszuzeichnen. Die Grenze zwischen Lerneifer und Ehrgeiz dürfte bei einem Gymnasiasten schwer zu finden sein. Wahrscheinlich würden unsere Judenriecher ein und dieselbe Handlung bei einem Nlchtjuden als Symptom eines löblichen Fleißes, bei einem Juden aber als ausgeprägten semitischen Ehrgeiz bezeichnen. Aber angenommen, die Juden wären thatsächlich ehrgeizig, seit wann ist das in der Schule eine Untugend - Von einem Strederthum, um Ehren und Aemter zu erlangen, kann wohl bei einem Schüler nicht die Rede sein. Es grtt also höchstens, eine bessere Note zu erhalten, früher die Schule zu verlassen und sich beim Examen äuszuzeichnen. Das würde vom pädagogischen und psychologischen Standpunkt kaum als Fehler zu bezeichnen sein. Herr Professor Jäger stellt als höchstes Schulideal die von Goethe geforderte „ruhige Bildung" aus. Er klagt daher, daß die Juden die Ueberhastung in die Schule hineingetragen haben. Es ist heute Mode, Goethe bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten heraufzubeschwören. Daß aber dieser Fürst im Reiche des Gedankens, der wie keiner nach Ausprägung der Individualität und Ausbildung des Wesens aus sich herausstrebte, für die Ansicht Jäger's sich begeistern würde, bas möchte man bezweifeln. Ruhige, d. h. abgeklärte Bildung kann nur däs Product eines ausgereisten Denkens, eines gründlichen Studiums sei«. Das von einem Gymnasiasten zu verlangen, bei dem noch Alles gährt und fließt, — das dürfte zu viel sein. Daß psychische Nüancirungen sich bei jüdischen und nichtjüdijchen Schürern oft zeigen, daß Differenzen des Temperaments yie und da vorhanden sem können, das soll nicht bestritten werden. gerade darum dürfte eine engere Berührung für beide Theile von großem Nutzen sem. Der Germane hat eine zu große Dosis von Beharrlichkeit, der Jude hat einen Ueberfluß an Regsamkeit. Beide könne» ihr Wesen verbeffern und veredeln, wenn sie statt sich zu bekämpfen, von einander lernen wollten. Sucht man aber ore Gegensätze kiüistlich zu schärfen, dann durchkreuzt man die Idee des humanistischen Gymnasiums, das edle Menschen und gute Deutsche schaffen soll. Wo soll dann der Gedanke der Menschlichkett zum Ausdruck kommen, wenn man ihm auch auf der Schule eure Stätte nicht gönnt? Die Ueberhastung ist keine specifisch jüdische Eigenschaft. Sie liegt einersetts un modernen Leben, das schneller fließt, warmer pulsirt und sich complicirter gestaltet, als das. frühere. Dana aber wird dieses Element noch stark gesteigert durch dre Ausbürdung neuer Fächer und die immer größeren Anforderungen, die wir an Pas Gymnasium stellen. Es mag dem deutschen Chauvinismus schmeicheln, wenn man den krankhaften Zerterscheiuimgen eine jüdische Nase aufsetzt, aber gerecht ist diese Methode nicht. Die Juden führen nicht allein das Rad der Zeit und man darf ihnen weder im guten noch im schlechten Sinne einen übernatürlichen Einfluß zujchreiben. Das Schönste ist, daß die ^Prämisse, auf welche sich die Schlüffe des Herrn Prof. Jäger aufbauen, falsch ist. Herr Dr. Reichardt, der Director des Reformgymnasiums in Frankfurt a. M., schreibt: „Die jüdischen Schüler unserer Anstalt, die etwa 7* der Gesammtzahl bilden, gereichen durch ihre sittliche Haltung und ihr Benehmen ebenso sehr wie alle anderen ihren Lehrern zur Freude. Sie sind gewiß im Allgemeinen recht strebsam, indessen gibt es, wie bei allen übrigen, so auch unter diesen Schülern sehr gut beanlagte, minder beanlagle und gering beanlagte. Ich hebe ores besonders hervor, da Gegner unseres Resormversuches ln wenig freundlicher Welse daraus ylngewiesen haben, daß unsere Anstalt einen verhältnißmäßig bedeutenden Procentsatz jüdischer Schüler hat. Weil diese besonders beanlagt seien, so könne unser Erfolg nichts beweisen. Herr Geheimrath Dr. Jäger in Köln hat vor einiger Zeit im „humanistischen Gymnasium" eine derartige Auslassung veröffentlicht, die auch durch die Zeitungen gegangen ist. Es ist wohl zu beachten, daß hier gute Eigenschaften der jüdischen Schüler dazu benutzt werden sollten, um unsere Bemühungen als minoerwerthig hinzustellen. Aber diese Beweissührung ist hinfällig, da ein durchgreifender Unterschied der Begabung nur der Voreingenommenheit sichtbar wird, in Wirklichkeit aber nicht existtrt." Die jüdischen Schüler in Frankfurt sind also weder wesentlich besser, noch durch besondere Eigenschaften hervorragend. Es ist das alte Recept: Man stellt Tyarsachen falsch oder schief hin und baut dann daraus eine Theorie, die schon a priori fertig war. Und das ist nicht antisemitisch, nein, das ist liberal. Herr Geyeimrath Jäger scheint zu glauben, daß nur Derjenige Antisemit ist, der sich an den Reden des Dreschgrafen ergötzt und Rilualmorde savricirt. Antisemit ist aber rm Grunde genommen Jeder, der gegen die Juden voreingenommen ist. Welchen Ausdruck er dieser Gesinnung verleiht, das richtet sich nach seiner Bildung und seinem Charakter. Für den deutschen Juden ist es ein schmerzliches Gefühl, auch von einem so hochgeachteten Gelehrten verkannt zu werden, aber er hat sich schließlich auch daran gewöhnen müssen. Die deutsche Bildung und die deutsche Cultur wird man den Juden nicht verekeln, aber der Glaube an die vesteiende Macht der Bildung wird immer mehr erschüttert. Die Hoffnung, daß geistige und sittliche Cultur Hand in Hand gehen werden, erweist sich immer mehr als trügerisch. Das ist kern erfreuliches Zeichen unserer Zeit. F. S. Generalversammlung und Brudermatzl der Ätzewra-Ladischa in Men am 3. Mär; 1201- Die^diesjährige Generalversammlung^der Chewra-Kadifcha an der israelitischen Cultusgemeinde in Wien wurde unter lebhafter Theilnahme und regem Interesse der besonders zahlreich erschienenen Bereinsmitgliever avgehalten. Der Bereinspräsident, Herr Moritz K a r p e l e s, begrüßte die Versammlung, dankte den anwesenden Mitgliedern für ihr zahlreiches Erscheinen und erklärte die Generalversammlung im Sinne des Statutes für eröffnet. Der Vorsitzende widmete dem Heimgegangenen Vereins-Präsidenten Herrn Jacques Brandeis einen warmen Nachruf. (Die Versammlung erhebt sich.) Wenn die Alten den Tod gepriesen haben, welcher den Menschen mitten in der Arbeit trifft, JacqüeS Branoeis hat den Segen eines solchen Todes an sich erfahren! Trotz seines hohen Alters hat er an dem Wirken humanitärer Institute den regsten Antheil genommen, und widmete sich mit besonderer Hingebung bis zu seinem letzten Athemzuge den frommen Arbeiten unseres Vereines. Mitten in der Arbeit hat der Tod ihn von uns abgerufen, nachdem er so viele Jahrzehnte hindurch — über zwei Menschenalter hinaus — dem Vereine gedient hat. Der Vorsitzende gedenkt des Ferneren der' Hingeschiedenen Vereinsvorsteher Joses Hieldburghäuser und Gustav Simon, würdigt deren Verdienste um den Verein in kurzen Worten und verfügt, die Trauerkundgebung der Generalversammlung im Protokoll zu vermerken. Endlich spricht der Vorsitzende all jenen Vereinsmitgliedern, welche sich an der Ausübung der Functionen bei Leichenbegängnissen oetheiligt haben, für ihre opferwillige Mühewaltung den Dank des Vorstandes aus. Bereinsvorsteher Herr S. Heit verliest den Gebährungsausweis, der widerspruchslose Genehmigung findet. Es ergreift das Wort Bereinsmltglied Baum zunächst, um dankend anzuerkennen, daß der Vereinsvorstand den Anregungen

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