Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 9 (1.3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seit« 153 DL« MvE« WochenMrrM Nr. 9 eine Erfindung der Juden sei?" Also derjenige, welcher dem jüdischen Volke seine Ruhmesthaten in der Geschichte der menschlichen Cultur nnd Civilisation dreist ab st reitet, besinnt sich Plötzlicy und will Führer in Israel sein! Zeigt das noch immer nicht genügend von sittlicher Ent" artuna, von geistigem Verfall, von moralischer Depravation der allerschlimmsten Art? Dr. Nordau will aber nicht gestört werden. Er glaubt in seinem Größenwahn den archimedischen Punkt, aus welchem er die Welt aus ihren Angeln heben, die Staaten durcheinander rütteln, den Juden Palästina geben und den Antisemitismus für alle Zeit aus der Welt schaffen könnte, darin gefunden zu haben, daß er einfach das religiöse Judenthum zerschmettern und an dessen Stelle das rein nationale Judenthum setzen möchte. Unsere Religion darf kein unterscheidendes Merkmal unseres Volkes und Stammes mehr sein, — will ein Jude seine Religion beibehalten oder gar dieselbe beobachten und religiös leben, so wird ihm das von Herzl und Nordau nicht verboten werden. — Die Herren sind tolerant — aber eine Eigenheit des Stammes darf die Religion nicht mehr sein, weil es ja besser wäre, wenn sie überhaupt nicht mehr ist! Mit Hilfe des christlichen Zionismus und der ekelhaft aufdringlichen Liebeswerbung und Anbiederung an die „christlichen Zionisten" soll die letzte Scheidewand niedergerissen werden, die uns als Confeffion von den anderen Völkern trennt. Der Zionismus hat, nach der Lehre Herzl's und N o r d a u's, mit der Religion nicht szu l h u n und einzig und allein die Nationalität zu seiner Voraussetzung. Wenn also das jüdische Volk sich christianis i x e n oder, was Nordau am liebsten wäre, c o n f e s s i o n slos erklären würde, so müßte es, insolange als es seine jüdische Nationalität betont, immer als jüdische Nation betrachtet werden, so daß es dann ebenso christliche Juden und ein christliches Volk jüdischer Nation gäbe, wie es christliche Deutsche und ein christliches Volk deutscher Nation gibt! Fin de siede! Wahrhaftige Entartung dieser Führer in Israel? Wahnsinn und Verbrechen am Volke Gottes! So begreift es sich, warum bei allen Zionisten-Congreffen und großen Zionisten-Bersammlungen immer ein christlicher Zionist, ein Reverend, ein Pastor oder gar wie in dem großen Maffenmeeting in London am 6. October 1898, wo Dr. Herzl die berühmte Rede von der bevorstehenden Heimkehr nach Palästina hielt, ein katholischer Pater Ignatius den Segen über den Zionismus sprach und als symbolisches Ausstattungsstück paradirte. Und Dr. Herzl? Er bleibt „in gesinnungsgenössischer Treue und Dankbarkeit" seinem Freunde Nordau ergeben, deffen „großen Geist", dessen „gewaltige Initiative" zur Entrechtung der Juden und zur Jnscenirung eines politischen Strikes Niemand als er versteht! — „Zerstöret, zerstöret", rätst der königliche Psalmist, „bis auf den Grund! Heil dem, der das Euch vergelten wird, was Ihr an uns geth an!" Apotheose: So steht sie da, die Tragikomödie zionistischer Entartung, die blutigste Satyre, welche die Geschichte der Juden aus unserer Zeit zu verzeichnen haben wird. Im magischen Dämmerschein zauberhafter Verschwommenheit für die Armen im Geiste, für die Denkschwachen und Bethörten, — im Hellen Lichte geschichtlicher Wahrheit für Diejenigen, die ihr Urteilsvermögen trotz Trug und Täuschung sich noch bewahrt haben. Und zur dauernden Verherrlichung der Chorführer dieses zionistischen Dramas hat Max Nord au selbst in seiner „Entartung" den Prolog und Epilog, welch letzterer zugleich Nachruf und G r a b s ch r i f t ist, mit den unvergänglich schönen, ewig wahren Worten niedergeschrieben: Prolog. „Ein Geschichtsabschnitt neigt sich unverkennbar zur Rüste und ein anderer kündigt sich an. Durch alle Ueberlieferung geht ein Riß und Morgen scheint nicht an Heute anknüpfen zu wollen. Einstweilen waltet das Interregnum mit all seinen Schrecken: Verwirrung der Gewalten, Auftauchen falscher Propheten! — Was wird man morgen wissen, woran glauben, wofür sich begeistern?" Epilog. „So tönt die tausendstimmige Frage aus der Menge, und wo ein Marktschreier eine Bude aufthut und eine Antwort zu haben behauptet, wo ein Narr oder ein Schwindler plötzlich zu Weissagen beginnt, da entsteht ein großer Zulauf zu ihm, die Leute, die sich um ihn drängen, suchen in seinen Leistungen wie in Orakeln der Pythia einen Sinn zu errathen und sie zu deuten und je dunkler, je nichtssagender sie sind, umso mehr Zukunft scheinen sie den armen, nach Offenbarungen lechzenden Maulaffen in sich zu schließen und um so gieriger, um so leidenschaftlicher werden sie ausgelegt." Ich aber sehe und höre — und rufe mit unserem großen Jesaia in die Wüste des entarteten Zionismus: Ami, measchrechu mass-im, wederech aurchaussechu bile-uh. „Mein Volk, Deine Führer verleiten Dich und Deiner Pfade Richtung verderben sie." Hilfsverein für die nokhlridende jüdische Bevölkerung in Galizien. Am 24. Februar 1901 fand in Wien, I., Johannesgasse Nr. 4, im Festsaale des Kaufmännischen Vereines die constituirende Generalversammlung des Hilfsvereines für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt und damit wurde ein zukunftreiches, verheißungsvolles Institut inaugurirt, von welchem eine neue Aera für arme Juden in Galizien allgemein erhofft wird. Anwesend waren 88 Mitglieder. Um viertel 12 Uhr eröffnete Herr Dr. Emanuel K o h n (Wien) die Sitzung mit der Mittheilung, daß der Präsident des Verbandes der israelitischen Humanitätsvereine in Folge Krankheit verhindert war, hieher zu kommen, weßhalb er den Vicepräsidenten des Verbandes Herrn Dr. Leo H o r o w i tz (Krakau) ersucht, den Vorsitz zu übernehmen. Da jedoch Letzteren Heiserkeit an der Ausübung der Functionen eines Vorsitzenden hindert, führt über Einverständniß der Versammlung Herr Dr. Edmund K o h n den Vorsitz. Derselbe bestellt zunächst zu Verificatorcn die Herren Sigmund C h i tz und Eduard Schwarz und begrüßt sodann auf's Herzlichste den Präsidenten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Herrn kais. Rath K l i n g e r, die Vertreter der Cultusgemeinden Brünn, Krakau, Troppau rc., sowie die Delegirten der verschiedenen humanitären Bereinigungen. Vorsitzender legt in mit Beifall aufgenommener Rede die Ziele und Zwecke des zu gründenden Vereines dar. Namens des Gründungscomit^s verliest Dr. Gustav L a n g st e i n (Wien) nachstehenden Bericht: Die am 14. Jänner 1900 vom Verbände der israelitischen Humanitätsvereine Bnai Brith in den Festsaal der israelitischen Cultusgemeinde einberufene Versammlung zur Berathung und Beschlußfassung der Statuten des Hilfsvereines für die galizischen Glaubensgenossen, welche von vielen Cultusgemeinden und Vereinen beschickt war, beschloß, daß dieser Verein gegründet werden solle, und setzte ein Comite ein, welches das Statut berathen, endgiltig beschließen, zur Genehmigung einreichen und alle vorbereitenden Schritte unternehmen sollte, um die Constituirung des Vereines ehemöglichst zu bewerkstelligen. Dieses Comitä hat sich zunächst constituirt, Herrn Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Albert Kuh zum Obmann, Herrn Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Gustav L a n g st e i n zum Schriftführer gewählt und in einer Reihe von Sitzungen das Statut berathen und endgiltig beschlossen, sohin dasselbe dem hohen Ministerium des Innern zur Genehmigung vorgelegt. Laut Erlasses vom 29. März 1900, Z. 10.445, wurde die Genehmigung ertheilt. Die nächste Aufgabe des Comitss war die Erwägung aller Umstände und Factoren, um des Erfolges des großen Unternehmens sicher zu sein. Das Comitä hielt sich nun zunächst gegenwärtig, daß die Ziele und Zwecke des Hilfsvereines nur dann zu erreichen sind, wenn die gesammte Judenschaft der Culturländer sich zur Mitarbeit bereit erklärt. Dank der unermüdlichen Bemühungen des Verbandes der Humanitätsvereine Bnai Brith für Oesterreich ist es gelungen, weite Kreise diesseits und jenseits des Oceans für unsere Sache zu interessiren, und der Vertrauensmann der Bnai Brith hat