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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-22 · 8 (22.2.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
8 (22.2.1901)
Date
1901-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dr. Bloch’s Jahrgang XV1U. ♦ Centralorgsn für die gelammten Interessen des Iudenthums. Wien, 22. Februar 1901. -- Ersch eint jeden Freitag. -■» -- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. m B. ft. postsparrLgen-Nmi Elearing-Verkrhr Nr. 810 976. Redartion und Administration: Wien IX/1, Berggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. « - ■■ -- jj Derngsprei» flir Oesterreich: I Halbjährig 8 Jtronen. Einzelexemplare SO Heller, Für'« Ausland: Halbjährig 10 Krone». Ganzjährig 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. Inhalt. Leitartikel: Die Frau daheim und in der Gesellschaft. — Baron v. Rothschild „Wilhelm der Fromme". — Die Baron Hirsch'sche Schul-Stistung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Aus dem österreichischen Parlament. Das antisemitische Freiwillige Rettungscorps. Der erste unabhängige Gewerbecongreß. Krise im Nußdorfer Spar- und Vorschußverein. Zur Geschichte der Blutlüge. Correspondenzen: Der Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort. Wien, Bisenz, Olmütz, Brünn, Tyrnau, Brody, Fiume, Ofen, Köln, Berlin, Odessa, London, Petersburg, Cincinnati. — Verm ischtes: Wien. Floridsdorf, Linz, Pohrlitz, Patzau, Olmütz, Essegg, Friedek, Floridsdorf, Prag, Pilsen. Warasdin, Krakau, Trencsen-BLan, Waag-Reustadtl, Pisek, Brody, Warschau Berlin, Hamburg. — Feuilleton: Der Mönch aus dem Ghetto. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die Frau daheim und in der Gesellschaft. Vortrag, gehalten am 8. Jänner 1901 im Prunksaale der Pester israelitischen Religionsgemeinde vor der ungarisch-israelitischen Literaturgesellschaft von Frau Hosrath Dr. Armin Aeumann in.Budapest. Meine geehrten Zuhörer! Obgleich sich in anderen Ländern die Frauen des Vorlesetisches längst bemächtigten, vornehmlich zum Zwecke der Propaganda ihrer fortschrittlichen Ideen, ist bei uns auf diesem Gebiete noch nichts Derartiges erprobt, und darf ich daher umsomehr auf Ihre Nachsicht rechnen, wenn ich es wage, auf eiilem mir fremden Boden die erste Fahne auszupecken. Doch will ich zu Ihrer Beruhigung, meine geehrten Zuhörer, nun rasch hmzusugen, daß es keine rvlhe Kriegesflagge ist, die ich vor Ihnen zu entfalten mich anschicke, ich will vielmehr die weiße Fahne oes Friedens hissen. Nicht mttzuhassen, mitzulieben bin ich hier! Nicht gegen den Mann, sondern für die Existenzverechtigung des Individuums, für ein gemeinsames, gedeihliches Zusanmenwirken will ich das Wort erheben. Nicht als enragirie Frauenrechtlerin mag ich vor Sie hintreten, die auch ihrerseits von dem Standpunkte ausginge, als wäre die Regeneration der Menschheit durch die Frau allein durchzufüyren, ich bin im Gegentheile fest überzeugt davon, daß es dem Manne selbst gelingen dürfte, das unleugbar verfahrene Schiff unserer Civilisatwu wieder in das richtige Fahrwasser zu steuern, nur vermöchte er diese immerhin schwere, mühsame Aufgabe jedenfalls rascher und sicherer zu lösen, wenn er sich hiezu der Frau, als geschulten tüchtigen Mitarbeiterin und Gehilfin, als Stütze und Psadfindenn in denk unsicheren Labyrinth, versichern wollte. Heute, wo die hauptsächlichste Ursache aller socialen Uebel in der Gefährdung des Unterhalts zu suchen ist, wo die Malthusi'sche Theorie beinahe zur Wahrheit geworden, illdem ein Zuviel der Menschen dieselben zwingt, den Selbsterhaltungstrieb zum Bernichtungskampse gegen die Schwächeren, die Untüchtigen zu gestalten — muß es nur natürlich erscheinen, wenn die Frau nicht allein jener überzählige Gast an der Tafel des Lebens sein mag, an der nur der Starke, der Tüchtige sich Platz zu schaffen vermag. Was ist demnach natürlicher, als wenn auch sie über jene Mittel zu verfügen bestrebt ist, die ihr Selbstbewußtsein zu erhöhen vermögen, sie in die Lage versetzen, für ihren Lebensunterhalt in der ihren Anlagen und ihrer Individualität entsprechenden Weise selbst aufkommen zu können — wenn es die Umstände so erfordern sollten, aber auch in ihrer Eigenschaft als Gattin und Mutter innerhalb ihrer Familie jene Würdigung zu finden — die ihr von rechtswegen zukommt? Es muß der Frau unbenommen sein, fich auch ihrerseits den Theil an der großen Arbeit der Geister, und wenn es ihr paßt — der kräftigen Arme — zu nehmen, um, wenn es sein muß, aus eigener Kraft, aber Schulter an Schulter an der Seite des Mannes zu kämpfen, um ihre Existenz und das Heiligthum der Familie zu beschützen. Gleich den Vorbildern der altjüdischen Zeit, will sie bauen und vertheidigen, Kelle und Schwert zugleich schwingen, um den Feind, der in Gestalt von Armuth oder Verrohung das Schicksal der Familie bedroht — von ihrer Schwelle fernzuhalten! Also ferne von allen Emancipations-Bestrebungen, im Interesse des Mannes, der Familie, die die einzige Sphäre bildet, in der sich der wahre Werth der Frau zu bethättgen vermag, ist es zu wünschen, daß die bisher ungenügende inrellecluelle und ethische Bildung der Frau eine neue Basis erhalle, daß sie selbstständiger werde, logischer denken lerne, den bisher engen Gesichtskreis erweitere, für Tand und Aeußerllchkeiten unempfänglicher werde, wodurch sie ihre Mission in der Familie und Gesellschaft ernster zu erfassen in der Lage sein wird. Ueber die Berechtigung der Frauen, Solches anzustreben, kann kein Zweifel obwalten. Wir find wohl längst darüber hinaus, wie z. B. auf dem Concil zu Magon die Frage zu ventillren, ob denn die Weiber — auch Menschen seien? Und wenn auch der Apostel Petrus es den — Weibern direct gebietet, in Gesellschaft — zu schwelgen, so haben ihn die letzteren gehörig desavouirt, da sie nichts weniger als schwiegen, sondern im Gegentherle, in der Gesellschaft der Völker so laut und so vernehmlich für das Ehristentyum ihre mächtige Stimme erhoben und eine so rührige, so leidenschaftliche Propaganda für dasselbe entfalteten und noch bis auf den heutigen Tag weiter entfalten, daß es ihnen in erster Reihe seine weltbezwingenden Siege zu danken hat. Daß die Mohammedaner die Geburt ein«s Mädchens beklagen und die eines Knaben festlich begehen, daß die Juden in ihrem Morgengebete Gott täglich auf's Nene dafür danken, daß er sie nicht zum Weibe gemacht, was vermag uns dies anzufechten, auf der einmal betretenen Bahn fortzuschreiter«? Es müssen die Frauen dahin gelangen, nicht allein das Herz des Mannes zu beherrschen, sondern auch auf dem Gebiete des

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