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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-08 · 6 (8.2.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
6 (8.2.1901)
Date
1901-02-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Seite 101 Dr. Blocht WochenschrM Er beleuchtete das Wesen des Talmud und versuchte klarzulegen, worin die Bedeutung des Talmud bestanden habe und für das moderne Judenthum bestehe. Er bezeichnete den Talmud als ein jüdisches National-Literatur-Werk, welches in erster Linie den Entwicklungsgang des jüdischen Volkes während eines ganzen Jahrtausends getreu wiederspiegelt. Unter beifälliger Zustimmung betonte der Vortragende, daß der Talmud nichts enthalte, was die erhabene Moral, das sittliche Ideal des Judenthums irgendwie zu trüben geeignet wäre. Der Haß, der den Talmud stets verfolgt habe, erkläre sich daraus, daß Israel und seine Lehre als ein unzertrennliches Ganzes hingestellt werde. Er sei das Ehrendenkmal des freien jüdischen Geistes, dem die Welt den Monotheismus verdankt. „Der Talmud ist das, was die Juden aus ihm machen/ schloß der Vortragende. „Nur wenn für ein wissenschaftliches Talmudstudium Sorge getragen werden wird, werden die Anklagen verstummen, die man gegen den Talmud erhebt." Die geistvollen Ausführungen des Vortragenden fanden bei dem Auditorium, in dem sich unter Anderen der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde kais. Rath Heinrich K l i n g e r, Vicepräsident Dr. Stern, der evangelische Militär-Senior Dr. Johann Michael S e b e r i n y, Professor Dr. David Heinrich Müller, Gewerbe-Oberinspector Regierungsrath Kulka, der Präsident der theologischen Lehranstalt Moriz K a r p e l e s, Dr. Adolf Stein, Oberbaurath T a u s s i g, Hofrath S mol a n, Dr. Sig. T a u s s i g, Chacham P a p o, kaiserl. Rath Lichten st adt befanden, stürmischen Beifall. Meran. Ich kenne viele, fast ausschließlich von Christen bewohnte Ortschaften, in denen. Humanitären Zwecken nicht ein Brosamen geopfert wird und wo der arme Kranke in der engen dumpfen Hütte auf faulem Stroh hinsiecht; aber ich kenne keine noch so kleine jüdische Gemeinde, in der nicht der Nächstenliebe ein Altar errichtet wäre. Selbst hier im Herzen des glaubenseinigen Tirol, das nüd an einzelnen Stellen von Juden punktirt ist. speciell hier in Meran, wo der Jude früher beim Leben als Contribuent wohl einige Ruhe, im Tode jedoch keine hatte und mittels Zwangspasses so weit hatte reisen müssen,, bis er ein Fleckchen Erde fand, die ihre Kinder aus der Ehe am Sinai mütterlich aufnehmen konnte — selbst hier in Meran, ist jetzt für die Juden, die hier leben, und für Jene, die ungeschickter . Weise. Hier.sterben, einigermaßen gesorgt. Die alttestamevtarischen. Kannibalen, welche sich so gerne am Menschenblut delectiren und zu ihrem königlichen Osterfeste christliche Kinder abstechen, stehen doch in Bezug auf Humanität und Nächstenhilfe oben an! Als vor Jahren hier ein Sohn des Herrn Königs- Wärter in Berlin starb und hier nicht begraben werden konnte, spendete der Vater einen Betrag von sechstausend Gulden zu einem Friedhofsfonde. Eine gleich hohe Spende kam vom Baron Moriz von Königswarter in Wien. Dies war der Grundstein, auf dem ein kleines Comitö stabil in Meran wohnender Juden weiter baute, indem es unter den jüdischen Curgästen milde Beiträge sammelte. Unermüdlich darin ist der Chef der Bankfirma Biedermann, Herr Stransky, Verwalter und Mehrer des Fondes. Nun besteht hier, in verträglicher Nachbarschaft der beiden christlichen Friedhöfe, ein gut gepflegter jüdischer Friedhof, in welchem müde Pilger aus fernen Ländern ruhen. Es besteht ferner ein Asyl für mittellose Kranke, leider in noch sehr beschränkten Verhältnissen, indem darin blos sechzehn Pfleglinge ausgenommen werden können, von denen mehrere eine vollständig freie Unterkunft genießen, die Anderem aber einen Gulden täglich für die Beköstigung und Verpflegung zahlen müssen, weil eben die Mittel nicht hinreichen. Aerztliche Hilfe und Medikamente sind für Alle unentgeltlich. Wenn man bedenkt, wie viele mittellose Kranke aus fernen nördlichen Ländern Herkommen, ihre letzte Hoffnung auf Meran setzend, und hier so wenig Unterstützung finden, so muß man bedauern, daß von Auswärts so wenig Hilfsbeiträge einfließen. Sammelbüchsen in besseren jüdischen Häusern in Wien, Prag. Brünn, Lemberg, Krakau, zu Gunsten des „Israelitischen Asyls in Meran" könnten sehr viel Gutes bewirken und manches junge Leben, das gebrochen dem Grabe zuwankt, erhalten. Der hochangesehene Arzt, Sanitätsrath Doctor Hausmann, Ehrenpräsident des Curatoriums, hat dem Asyle sehr namhafte Spenden zugewendet und bekundet stets das lebhafteste Interesse für dasselbe. Der wirkliche Leiter ist Obmann Stransky, zugleich Säckelwart, während Dr. Koref, ein vielbeschäftigter Arzt, die Pfleglinge des Asyls in uneigennütziger. Weise behandelt. Zur Verwaltung gehören auch die Herren Felix Bauer und Ad. Weil. So ist es, ohne staatliche oder kommunale Hilfe, der Energie einiger gutgesinnter und für ihr gebeugtes Volk warn« empfindender Männer gelungen, im hochclericalen Tirol ein schönes Gotteshaus, eine Zufluchtsstätte für Kranke und eine Ruhestätte für erschöpfte Erdenwaller zu gründen, die nicht warm genug der Theilnahme und Unterstützung wohlhabender Glaubensgenossen empfohlen werden können, auf daß das Asyl räumlich erweitert und in den Stand gesetzt werde, seine Pforte den mittellosen Kranken, ohne Entgelt, zu öffnen. An das verehrliche Curatorium möchte ich aber noch die Frage richten, warum dasselbe nicht zu Gunsten dieses Institutes irgend ein Fest, einen Vortrag, einen Bazar veranstaltet, wie es die christlichen Vereine thun? Der größere Theil der Meraner Curgäste sind Juden und von diesen werden nur wenige kleinlich genug sein, sich auszuschließen, um den Christen vergeblich vorznlügen, daß sie nicht zu dieser Gemeinschaft gehören. Im Gegentheile, es dürften auch Christen an diesen Veranstaltungen theilnehmen, da es einen eminent humanen Zweck gilt. Leo Herzbe rg-Fränkel. Znaim. (Ein Prachtexemplar eines antisemitischen Redacteur s.) Der Redacteur des „Znaimer Volksboten" stand dieser Tage vor dem k. k. Bezirksgericht Znaim wegen Beschimpfung und Schmähung mehrerer jüdischer Einwohner der Stadt. Bei dieser Gelegenheit mußte dieser antisemitische Redacteur Johann Tomandl, nachdem jedweder Ausgleich von dem Klagevertreter, Herrn Dr. Eduard Glaser, kurzerhand abgelehnt wurde, über seine Vorstrafen Generalbeichte ablegen und da brachte die Sonne recht eigentbümliche und interessante Daten zu Tage. Herr Tom andl, im Jahre 1868 geboren, mit einem angeblichen Vermögen von 2000 L und unbestimmtem Gehalt als Redacteur des „Znaimer Bolksbote", suchte über die peinliche Frage, ob er schon gerichtlich bestraft sei, mit der schüchternen Anführung gewisser Paragraphenziffern des Strafgesetzes wegzukommen. Es sollte wahrscheinlich auch noch imponiren, wenn er sagte: Berurtheilt nach Paragraph soviel und soviel, allein Herr Dr. Glaser gewöhnte ihm die juridischen Sprünge bald ab, so daß der Angeklagte klein beigeben mußte und schließlich einbekannte, daß er wiederholt vorbestraft sei, und zwar: 1. Mit Urtheil des Landesgerichtes Wien vom 23. December 1890 nach §81 des Straf - gesetzbuches wegen Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit zu zwei Monaten schweren Kerkers; 2. Mit Urtheil des Landesgerichtes Wien vom 29. September 1893 nach § 171, 173, 176 lld wegen Verbrechens des Diebstahls, begangen an seinem Dienstgeber, zu acht Monaten schweren Kerkers, verschärft mit einem Fasttage monatlich, und 3. mit Urtheil des Landesgerichtes Salzburg vom 16. Jänner 1894 nach § 197 und 200 wegen -Verbrechens des Betruges und nach § 320 lit. e wegen Falschmeldung zu vier Monaten schweren Kerkers. Acht Herren der besten Gesellschaftskreise, zumeist Reserveofficiere, waren vom „Znaimer Volksbote" beleidigt worden und hatten durch den hiesigen Advocaten Herrn Dr. Eduard Glaser Klage erhoben gegen Johann T o m a n d l wegen Uebertretung nach § 496 des Strafgesetzbuches. Er wurde zu achtzig Kronen Geldstrafe verurtheilt. Das ist zweifellos ein interessantes Charakterbild eines christlich-socialen Wortführers und Journalisten. Friedek-Mistek. (Todesfall.) Die Bevölkerung der beiden Schwesterstädte und des ganzen Umkreises stand tieftrauernd an der Bahre des um das Volkswohl hochverdienten Arztes, Herrn Dr. Moriz Spitzer. Mitten in Ausübung seines Berufes wurde derselbe von einer Influenza, zu der sich Lungenentzündung gesellte, im Alter von 63 Jahren am 26. Jänner in ein befferes Jenseits berufen. Einer hochachtbaren Teschener Familie entstammend, widmete er sich an der Wiener Universität dem Studium der Medicin und wirkte sodann am Wiedner Spital. Seit 37 Jahren war er in Friede! als praktischer Arzt und hier entwickelte er seine segensreiche Thätigkeit, die bei der jetzigen Generation unvergeffen bleiben wird. Ein treuer Sohn unserer Religion, war die praktische Bethätigung der Nächstenliebe der Leitstern seines Lebens, den leidenden Menschen mit Außerachtlassung seiner eig-nen Interessen zu helfen, ihnen zu rathen und sie zu trösten, war das Endziel seines Strebens und von diesem Pfade ggb eS für den selbstlosen, aufopfernden Mann kein Abweichen, selbst als ihn die Schatten des Todes zu umnachten begannen, überwaz der Arzt den Menschen. Der Verblichene war eczherzoMch Friedrich'scher Werksarzt, Bahnarzt, emeritirter Stadtphyficus, Spitals-, Armen- und Schularzt, Gemeinderath, Mitglied des

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