Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 6 (8.2.1901)
- Date
- 1901-02-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite M weiteren Sinne der gesammten Menschheit — können aus diesem unversiegbaren Brunnen geschöpft werden. Aber! Hiermit soll es unumwunden gesagt sein: Der Religionsl.'hrer muß auch ein ganzer Mann sein, er muß Herr der Situation sein. Sein äußeres Auftreten, seine Lebensführung, seine Sprache, Alles muß darauf Hinweisen, daß er das ist, was er vorstellt. Man wird einwenden, daß dies kleinlich sei. Ganz und gar nicht. Kleine Leute sehen nur Kleines, und das Leben lehrt es, daß man zumeist nach dem beurtheilt wird, was man scheint. Haben wir oben gesagt, daß es früher gar keine Religionslehrer gegeben, weil man Religion „gelebt" hat, so ist es in unseren Tagen der Religionslehrer, der berufen ist, 'Religion zu lehren und das Elternhaus zu ersetzen. Er muß vyn der Wahrheit und Erhabenheit unserer Religion, von der Größe seiner Aufgabe durchdrungen sein und, selbst begeistert, auch Begeisterung erwecken. Das Kind urtheilt nicht mit dem Verstände, sondern mit dem Herzen, es ist unser strengster Richter. Mit dem Strohfeuer vieler Worte werden wir das Herz des Kindes nicht erwärmen. Das Kind muß es heraus fühlen, daß wir wahr sind. Nur auf diese Weise können wir das Vertrauen des Kindes gewinnen, und haben wir es dahin gebracht, daß das Kind glaubt, was wir lehren, darm kdmn die weitere Arbeit nicht schwer werden. Der RelrWauslehrer von heute muß auch ein Herz für seine Schüler haßen. Es gibt viele nothleidende Kinder. Für diese muß er Zeit finden, die Noth zu lindern., Trifft ein Kind ein Unglück, darf er nicht gleichgiltig bleiben, er muß sich des Kindes annehmen, muß alle Hebel in Bewegung setzen, dem Kinde helfend beizustehen. Kinder sind dankbar. Allein still und unaufdringlich muß die Hilfe und das Mitgefühl sein. Es muß nicht Alles an die große Glccke gehängt werden, und der wahrhaft gute Mensch, der wahre Kinderfreund will keinen Dank, keine Anerkennung, er hat genug an der Liebe, an der Anhänglichkeit des Kindes, und. gewiß diese unverfälschte Treue des Kindes ist edlen Strebeus werth. A. R. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes vom 3 Februar 1901 unter Vorsitz des Präsidenten Commercialrathes Klinger. Aus dem Einlaufe wird bekannt gegeben an Spel>den: Von den Kindern des seligen Herrn Max Kann, anläßlich des Ablebens desselben für verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten . . . . . - K 10.700*— Bon Frau Henriette Dawidsohn und Schwestern, zum Andenken an Herrn Moriz Dawidsohn, für Spitalszwecke . . . . . 3.600 - für den Mädchen-Unterstützungsverein . . . „ 450 — Bon Frau Friederike Strisower als Legat ihres Gatten, des Herrn Bernhard Strisower, für das Siechenhaus... 2.000*- für den Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis . . . . . . . . . . . . . . 500*— für die Brigittenauer Schulküche . . ... „ 500*— Von „Zionist Kaiserdorf" für zwei arme, religiös gesinnte Gewerbetreibende. . . . . . . 200*- Von Frau Amalie Nirenstein, geb. v. Kallir für das Siechenhaus. . . . . . . . . . 100.— Bon der Firma Kohn u. Bondy, für Arme, anläßlich eines günstig entschiedenen Rechtsstreites 80.- Von Herrn F. Gombrich K 50, und zwar: für das Altersversorgungshaus . . . . . 20*- für das Siechenhaus . . ... . . . . „ 20*- für das Taubstummen-Jnstitut . . . . . ‘; „ 10.- Bon Herrn Heinrich Husserl für arme Wöchnerinnen. 10*- Von Frau Marie Stern, anläßlich des Todestages ihres Gatten Sigmund Stern, für die Chewra- Kadischa ... . . 5*— für das Siechenhaus . . . . . . . . . „ 5- Bon Frau Bertha Zeilinger und Frau Ecnestine Spitzstein für die armen Brigittenauer Schulkinder . .. 7*— Von N. N. für den Armenfond der Cültusgemeinde... . . . . .. 2.— Aus den Sammelbüchsen im Stadttempel für die Armenanstalt.K 23210 für die Chewra-Kadischa.. 237 40 für die Armen in Palästina ....... 69*82 Aus den Sammelbüchsen im Leopoldstädter , . Tempel für die Armen in Palästina. . . ... 2*65 Von „Neues Wiener Tagblatt", Sammelspende für die Brigittenauer Schulkinder ... „ 77'- Zur Vergrößerung des Capitals der Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl-Stiftung wurden bisher gespendet: Von Herrn Präsidenten Heinrich Klmger . . L 300.— „ „ kaiserl. Rath Moriz Hirsch . . „ 300.—^ „ „ Philipp Bondy ...;.. „ 200.— „ „ Rector Dr. Adolf Schwarz . . „ 50.— „ „ Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann „ 50.— „ „ Rudolf Kohn . . . . . . . „ 50 — „ „ Ignaz Fluß.. . „ 50.— „ „ Eduard Beer.,, 20.— Den Spendern wird der Dank votirt. Zur Verlesung gelangen: Erlaß der Statthalterei, betreffend die Kenntnißnahme der Berichte über die erfolgten Neuwahlen und die Constituirung des Vorstandes, eine Einladung der. Chewra-Kadischa zur Generalversammlung am 3. März 1901 und eine Eingabe des Vereines zur Hebung der Gewerbe, betreffend die von demselben am 25. December 1900 abgehaltene Expertise, in welcher die derzeitige triste Lage des Gewerbestandes und insbesondere der jüdischen Gewerbetreibenden zur Erörterung gelangte» '• Im Präsidialbericht gibt der Präsident Kenntniß von dem würdevollen Verlauf dev am Samstag den 26. Jänner anläßlich des 80. Geburtstages Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl stattgefundenen Feier und berichtet, daß. Herr Rabbiner Dr. Schmiedl den Zweck der anläßlich dieser Feier vom Vorstände mit einem Betrage von K 4000 begründeten, für immerwährende Zeiten den Namen „Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl" führenden Widmung dahin bestimmt habe, daß die Zinsenerträgniffe jährlich einem Gymnafialschüler, welcher Talmudstudien obliegt, zuzuweisen seien, zur Kenntniß und wird die Ausarbeitung der Widmungsurkunde der Rechtssection .zugewiesen; weiters berichtet der Präsident über die bisherige Thätigkeit mehrerer Comitss und macht Mittheilungen über Steuereingänge und den Cassastand der Gemeinde. Herr Vicepräsident Dr. Stern berichtet über die erfolgte Constituirung des Curatoriums der M. L. Biedermann-Waiftnstiftung, wobei Herr Präsident Commercialrath Klinger. zum Obmann und Herr Sectionsrath Dr. Alfred Ritter v. Pfeiffer zum Obmann-Stellvertreter gewählt wurden. Den vom Curatorium gefaßten Beschlüssen wird die Zustimmung ertheilt und ist stiftbriefgemäß die Genehmigung der Statthalterei einzuholen. Es wurden ferner nachfolgende Stiftungsangelegenheiten Her. Erledigung zugeführt: Die Cohen da Sylva-Stiftung im Betrage von K 800 wird im Sinne des Antrages des Referenten Herrn Baurath es Stiaßny an einen vom Handwerkervereine vorgeschlagenen Handwerker, die „Oberrabbinerin Fanny Güdeinann-Stiftung" gemäß Vorschlag des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines nach Antrag des Herrn Dr. Berger an zwei arme weibliche Kranke verliehen; endlich werden gemäß den Anträgen der Rechtssection und unter den von dieser aufgestellten Modalitäten auf Grund der Referate der Herren Bice-Präsident Dr. Stern und Oberfinanzrath Dr. Rappaport die Leopold Herschmann'sche Graberhaltungs-Widmung, die Samuel Kolisch'sche Familien- und Armenstiftung und die Ignaz und Eleonore Fluß'sche Techniker-Widmung in die Verwaltung der Cultusgemeinde übernommen. Zu eingehenden Berathungen gab der dem Plenum vorliegende Statuten-Entwurf der Proponenten des Vereines, zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums Änlaß.. Der Vorsitzende kais. Rath Klinger verweist darauf, daß der Gegenstand bereits im Vorjahre wiederholt auf der Tagesordnung stand, aber, wie mehrere andere wichtigere Berathungsgegenstände, mit Rückficht auf die erfolgten Neuwahlen dem verstärkten Cultusvorstande zur Beschlußfassung Vorbehalten wurde. Herr Dr. Spitzer-stellt namens der Rechtssection den Antrag, dem Entwürfe unter Annahme einzelner Aenderungen seitens der Cultusgemeinde die Genehmigung zu ertheilen.. Herr 1. Bice-Präsident Dr. Stern befürwortet diesen Antrag wärmstens unter eingehender Begründung. An der Debatte betheiligen sich hie Herren Bice-Präsident Dr. Stern, Wilhelm Kuffner, Dr Berger, Ri v. Taufsig, Eltbogen, Oberfinartzrath Dr. Rappaport.