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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-08 · 6 (8.2.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
6 (8.2.1901)
Date
1901-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Iahr-arr- 1T1U. 4 Dr. Bloch’s Centrslorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. U- O 5. ft. Pofispnrcassen-Arnk Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Lrdsrtion und Administration: wir« IX/1, Verggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Wien, 8. FebrusrAOOl. -•>»—M- - Lrsch eint jeden Freitag. -■>— .H- - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse SS. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wie«. »«rugsprei» für Srstrrrrtch: Halbjährig S Armen. Einzelexemplare SO Heller, Wr'» Saalenb: Halbjährig 10 Atmen. «anMhri, 20 . Anreigen: Die4matgespaltene Petitzeile 24 Heller. Inhalt. Leitartikel: Eine neue Enunciation Max Nordau's. — Kindermorde in der Epoche des antisemitischen Regimes in Wien. — Aus dem Lande der Junker. — Religionsunterricht. — Correspondenzen: Plenarsitzung des Cultusvorstandes der israelitischen Cultusgemeinde. Wien, Meran» Znaim, Friedek-Mistek, Berlin, Paris, Bestochene Antisemiten. London, Philadelphia. — Vermischtes: Sorget für Euer Heimatsrecht. Wien, Floridsdorf, Kremsier, Prag, Budweis, Marienbad, Leitmeritz. —Feuilleton: Ein Idyll aus der Judengasse. — Literatur — Brieftasten. — Inserate. Eine neue Enunciation Max Nordau's. (Max Nordau über seine Wiener Widersacher. — Max Nordau über Emile Zola u. A. — Max Nordau's schriftstellerisches Recept. — Max Nordau über die Bibel. — Max Nordau über die Vorkämpfer der JudenemanciPation. — Was sind „Lohnschreiber?") Entgegen unserem bestimmten Vorsatz, die Discussion über die historische Entdeckung, daß die Emancipation der Juden „erschlichen und erkrochen" worden, für erledigt und abgeschlossen anzusehen, zwingt uns eine neue Enunciation, die Herr Nordau zu Gunsten seiner Theorie der Oeffentlichkeit vorgelegt, und die exceptionelle Art, in der er sie gegen Einwürfe vertheidigt, unsere Aufmerksamkeit ihm nochmals zuzuwenden. Die Discussion betrifft nicht den Zionismus als solchen, sondern das muthwillige und zweckbare Unterfangen, die Ehre und den Existenzboden des jüdischen Bottes innerhalb der westeuropäischen Staaten auf das Empfindlichste anzutasten. Herr Nordau widerlegt nicht seine Gegner» er beschimpft sie. Das erste wäre allerdings schwieriger, mühseliger, erforderte Studien, Einsichtnahme in Lite«tturwerke und Acten und ist dabei häufig trotz alledem nicht zu leisten. Herr Nordau will, wie er sagt, „in seinen Arbeiten" nicht gestört sein. Den literarischen oder politischen Widersacher nennt er einfach „Prostituirten der Feder", „flegelnden Dummkopf", „Pack", „Strolch". So glaubt er der beschwerlichen Aufgabe enthoben zu sein, auf „das Gesudel von Lohnschreibern" sachlich zu reagiren und entledigt sich seiner Aufgabe in einer sehr forschen, aber überaus leichten und für beide Theile nicht sehr gefährlichen Manier. Denn von Max Nordau beschimpft zu werden, ist keine Ehrenkränkung, sondern eine Auszeichnung, leider keine seltene. Die von ihm Beschimpften befinden sich in zahlreicher Gesellschaft, aber auch in sehr vornehmer. In Wien haben blos zwei Männer den Muth gefunden, gegen die verleumderische Anklage, welche Herr Nordau unseren Vätern in das Grab nachgeschleudert, daß sie die Emancipation der Juden erkrochen und erschlichen und sich dabei falscher Vorspiegelungen bedient hätten öffentlich Protest einzulegen : Dr. Bloch und der Hof- und Gerichtsadvocat Herr Dr. Marcell Hofmann. Mit jener Dreistigkeit, welche dahervorstechendste Merkmal seiner ganzen Schriftstellern bildet, berief - sich Nordau auf historische Doeumente und Schriftstücke, die er nicht lesen kann, ohne daß sich ihm Alles im Leibe herumdreht. Dr. Bloch hat sich der Mühe unterzogen, in Nr. 49 der „Oesterr. Wochenschrift" vom vorigen Jahrgang diese Acten und Doeumente aus der Geschichte der Juden-Emancipation aller Länder zusammenzustellen, wörtlich vorzulegen, um der. ungeheuerlichen Denunciation ins Gesicht zu leuchten. Herr Dr. Marcell Hofmann brachte seinerseits nicht minder ein erdrückendes sachliches Material, um den Schimpf abzuwaschen, den man dem jüdischen Volke anzuheften versucht hat. Wer Herrn Dr. Marcell Hofmann persönlich kennt, weiß, daß er seit Jahren ein begeisterter Anhänger der zionistischen Bewegung ist, ohne alle ehrgeizigen Ambitionen, und daß lediglich die Entrüstung seines jüdischen Bewußtseins ihn dazu gedrängt hat, in dieser Sache öffentlich das Wort zu ergreifen. Diesen beiden Herren allein gilt der Kübel von Unrath, den Herr Nordau auf das Haupt der Wiener Widersacher auSzugießen für gut befunden hat. Wer in dem Wahne gelebt hat, daß hinter der Nordau'fchen Impertinenz das Resultat umfassender historischer Studien sich verbirgt, erfährt nunmehr, daß Herrn Nordau kein anderes Beweismaterial zur Verfügung steht, als pöbelhafte Jnfultirung der Widersacher. Jene beiden Herren find fich klar und empfinden darüber weder eine Kränkung noch eine Beschämung, daß die Complimente an ihre Adresse gerichtet find. Dr. B l o ch hat um das Judenthum gewiß einige Verdienste ficy erworben. Er hat fich mehr als ein Ehrenblatt in unserer Geschichte gesichert. Allein was find all' seine Verdienste gegenüber den Ruhmesthaten des unsterblichen Emile Zola, der mit dem Glanze seines Genies die Erde bestrahlt, mit seinem opferreichen, leidensstarken und selbstlosen Martyrium für das gebeugte Recht und die mißhandette Gerechtigkeit der Gesammtheit der erlesensten Geisteskämpfer ein Heller Wegweiser und fieggekrönter Führer geworden? An diesen Heros reichen Doctor Bloch und Dr. Hoffmann nicht hinan, dafür wurde er auch gelegentlich mit weit schlimmeren Insulten von Herrn Nordau bedacht. Emile Zolaist ihm nicht „ein Lohnschreiber", sondern „Zotenhändler" und „Bauernfänger". In dem Buche „Entartung" hat derselbe Herr Nordau über Emile Zola gesagt:

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