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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-02-01 · 5 (1.2.1901) · page 24

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seite 92 Nr. 6 Vr. Bloch's Das dem Bruder von Christen bereitete Schicksal hatte ihn gegen Alles, was mit Religion und Racenhaß zusammenhing, erbittert; in Rom selbst war ihm Gelegenheit geworden, einen Einblick in das die Welt bewegende religiöse Getriebe zu ererhatten; nur zu wohl wußte er, wie da geschürt, gehetzt, Verfolgungen in Scene gesetzt würden, Alles unter dem Mantel der christlichen Liebe. Er war zwar von Ehrenstellung zu Ehrenstellung befördert worden, aber die erhoffte Glückseligkeit hatte er nicht gefunden. Auch die Gunst des Papstes vermochte ihn nicht für das, was er aufgegeben, zu entschädigen. Er sehnte sich darnach, unter seinen Brüdern zu leben, dem geknechteten, getretenen, in seinen Rechten bedrohten 'Judenvolke wieder anzugehören. Staunend hörte Eli, pochenden Herzens lauschte Aranka seinen Worten. Aladär wieder bei ihnen. Aladär, den sie einst mit allen Fasern ihres Herzens geliebt, dem sie jetzt so viel zu verdanken hatte. Am zweiten Feiertage schritten die Brüder Arm in Arm dem Tempel zu. Aladär wollte am Gottesdienste theilnehmen. Er betete lange und inbrünstig; ihm war, da Schauern der Andacht seine Seele durchbebten, als hätte er Zwiesprache mit Gott gehalten, seine Verzeihung dafür erlangt, daß er in eitler Verblendung den Glauben seiner Väter algeschworen. Die Kunde, daß Aladär Lazzlo zum Judenthum zurückgekehrt, Rang. Reichthum, Ehren in Stich gelaffen, nm seinen Glaubensgenossen in ihren Nöthen beizustehen, durchlief mit Blitzesschnelle die ganze Gemeinde. Man feierte ihn wie einen der Großen Israels, nannte ihn eine Leuchte seines Volkes; vergessen war Treubruch und Religionswechsel, sie Alle waren stolz, ihn wieder den Ihren zu nennen. Aladär blieb hernach Jahre hindurch literarisch thätig» seinem erleuchteten Geist war Einblick in zwei Weltreligionen geworden; was er darüber schrieb, fand ein begeistertes Publicum. Er hatte, selbst fürchtend, des Bruders häusliches Glück zu stören, seine Vaterstadt verlosten und in Prag Aufenthalt genommen. Hier war er gar bald der Mittelpunkt eines Kreises einflußreicher Männer von Geist. So oft er auch Gelegenheit hatte, mit hochgebildeten Frauen zu verkehren, er mied ihren Umgang; an die Eine, die seinem Herzen nahe gestanden, die ihm aber ewig fernbleReu mußte, ragte keine hinan; und die Anderen waren ihm gleichgiltig. Wo immer es anging, vermied er es, an Gesprächen religwsen Inhalts theilzunehmen. Er hatte die jüdische, wie die christliche Religion zu eingehend studirt, um sich darüber einer Täuschung hingeben zu können, daß das Formenwesen weit über den Inhalt gestellt werde. Wie oft ging er mit der Idee um, für eine Lehre Propaganda zu machen, die der Form ganz entrathen solle, deren Ziel einzig und allein Nächstenliebe, Pflichterfüllung, Streben nach Gottähnlichkeit sein sollte. Doch die ihn umgebende Menschheit schien für dieses Ideal nicht reif. Die Form war nothwendig. Ja, wenn sie nur von wirklichem Inhalt durchgeistigt wäre! Von Rom aus kamen ihm verlockende Anträge, wenn schon nicht als Geistlicher, so doch als Lehrer zu wirken. Er lehnte alle ab, vermied es, nach dort, um die, die ihm Gutes gethan, nicht zu kränken, von seiner Rückkehr zum Judenthum zu berichten. »Daß ich mich demselben jemals abwandte^, sagte er einst zu Eli, der ihn mit Gattin und Kindern in Prag besuchte, »war eine Irrung, die ich aber nicht bedauere, denn wer weiß, zu welchen Ausschreitungen die antisemitische Hetze geführt hätte, wenn ihr nicht des Papstes Machtwort Einhalt geboten hätte! Dr. Eli verbrachte einige Wochen mit den Seinigen in dem schönen Prag. Als sie nach Verlauf derselben von Aladär Abschied nahmen, mußte Aladär versprechen, sie bald in ihrem Heim zu besuchen. Gr wollte sein Wort einlösen, fand aber nicht die Kraft dazu in sich. Aranka, um deren willen er einst das Vaterhaus verlaßen, war ihm noch immer die Heißgeliebte; ihr nah sein und fern bleiben zu müssen — welche Seelenqual! Ja, wäre sie nicht des Bruders Weib gewesen! Doch so hieß es entsagen. Wie schwer chm das mit seinem liebeglühenden Herzen wurde, ahnte Niemand. Und als er zu kränkeln begann, wußten auch die Aerzte nicht, wo es ihm fehlte. Tiefe Melancholie hielt seine Sinne umfangen. Der schöne, jugendstarke Mann siechte dahin, war kaum mehr der Schatten seiner selbst. Die Einen meinten, er sehne sich uach Rom, Andere, er sei nicht Jude, nicht Christ und deshalb mit sich zerfallen. — Freude und Kwhsinn waren aus seinem Leben gewichen, auch. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur Dr. Jos« )oäze.lfchrifrv die rechte Schaffenslust, die ihn ehedem beseligte. Seit Wochen bettlägerig, verlangte er darnach, die Seinigen zu sehen. Bruder und Schwägerin eilten an sein Krankenbett. Er fieberte stark, erkannte den Bruder nicht mehr, wohl aber Aranka, die er leidenschaftlich küßte, den heißen Kopf an ihre Brust lehnte und nach wenigen Augenblicken, selig lächelnd, in ihren Armen verschied. Unter seinen hinterlassenen Papieren fand sich manch' schwungvolles, von Entsagung und glühender Liebe durchgeistigtes Gedicht, in denen er Aranka seines Lebens entschwundene Sonne, sein verlorenes Glück nannte. Der Bruder war aufrichtig genug, diese Papiere Aranka zu übergeben. »O, ich wußte es, daß er mich liebte", sagte sie, indem sich ihre Augen mit Thränen füllten, »ich wußte, daß ihn diese Liebe in die Ferne trieb, »doch glaube mir, kein Wort, kein Blick ist je zwischen uns gewechselt worden, stets bin ich Deiner würdig geblieben!" »Brauchst Du das zu betheuern?" fragte Dr. Eli, »ich weiß, daß eine gute jüdische Frau dem Gatten Treue bewahrt, und Du, meine Aranka, bist eine Musterfrau und mir jetzt doppelt theuer, da ich erkenne, welche Opfer Ihr Beide, Du und der theuere Entschlafene, mir gebracht! Lass' uns sein Andenken in Ehren halten! Briefkasten. L. Bei den Reichsrathswahlen in Retz am 3., 14. u. 15. December war der Herr Rabbiner und Cantor Ignatz Tschaßni von der k. k. Bezirkshauptmannschaft als Wahlcommissär bestellt und hat als solcher fungirt. K. Der Fiaker Namens L e i d w e i n in Retz hat als anrisemitischer Hauptagitator gewirkt, was die reisenden Geschäftsleute sich merken sollen. Z. in Wien. Bei einer in den „Juristischen Blättern" vom 27. v. M. veröffentlichten Ausschreibung einer Secretärstelle mit den Obliegenheiten eines Gemeindeamtsvorstandes in Urfahr a. D. wird das christliche Religionsbekenntniß als Erforderniß aufgeführt. S.'< Für Ihren Vater fällt die Jahrzeit gewöhnlich auf den 16. Adar, d. i. in diesem Jahre der 7. März. Für Ihren Vater, welcher am 29. Weadar starb und am 2. Nissan beerdigt worden, beobachten Sie in diesem Jahre die Jahrzeit am 22. März, in den spateren Jahren aber am Todestag. Leopold Fuchs. Der 23. Mai 19 0 fiel auf Mittwoch den 24. Jjjar Wochenabschnitt Bechukothai. Comptoir-Praktikant mit schöner Handschrift und Henntnlss der Stenographie, wird für ein En gro$'Ge$chäft am Wiener Platze (welches Samstag geschlossen hält), gesucht. 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