Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 5 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ur. 3 Dr■ BIOCH Jahrgang XYlfl. Centrslorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. Wien/st. Februar 1901. -- Erscheint jeden Freitag. -<>»» ■> -{• - Brief-Ädreffe: Wien, IX/1» Derggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wien. m=. - - ■■ BejujiBprei* für Sestrrrrtch: valdjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Mr'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. ---=m B. ft. Postsparrnffen-Amk Llenring-Verkehr Nr. 610.976. NedarNon und Administration: Vien IX/1, Verggassr Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Inhalt. Leitartikel: Zionistischer Atheismus oder atheistischer Zionismus. — Goethe und die Antisemiten. Das Wische Museum in Wien. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Eine beleidigte Behörde. Verhaftung eines Antisemitenführers. Georg Brandes. Das Regime des P. Sobel. Goethe und die Juden. Professor Dr. Sonnenburg. — Die Feier des achtzigsten Geburtstages des Herrn Dr. Adolf Schmied!, Rabbiner der israelitischen Eultusgemeinde in Wien. — Geschichte der Judengemeinde in Budapest. — Die Judentaufen der Gegenwart. — Zum Kampfe um die Sabbathruhe, — Religionsunterricht. — Korrespondenzen: Wien, Neue Bilder von David Kohn und Adolf Kaufmann. Horazdiowitz, Strakonitz, Kuttenberg, Ehrudim, Klattan, Teplitz, Freiherr Wilhelm von Rothschild. — Vermischtes: Sorget für Euer Heimatsrecht. Wien, Pisek, Bozen, Budapest, München, Berlin, Gleiwitz, Hamburg, Marburg. —Feuilleton: Des Papstes Machtwort. — Brieflasten. — Inserate. Zionistischer Atheismus oder atheistischer Zionismus?*) (Ein Schlußwort.) Von Dr. Marcell Hoffmann, Hof- und Gerichts-Advocat, Wien- „Zwischen uns soll Wahrheit sein." Am 4 Jänner d. I. schrieb ich an einen meiner Freunde: „Dr. Herzl ist mir leid, ich kann seinem persönlichen und idealen Streben noch immer meine Achtung nicht versagen. Ich glaube noch immer, er werde nur schlecht bedient, und daß er jetzt listiger — oder gewaltthätigerweise vor die ihm verhängnißvoll werdende, auf die Entrechtung der Juden gerichtete Politik Nordau's gestellt wurde, die er, Dr. Herzl, unmöglich befolgt, wünschen und verantworten könne". Nachträglich und noch am selben Tage las ick in der Nummer 1 der „Welt" vom 4. Jänner d. I. die Antwort, die er auf meine an ihn gestellte Frage, ob er mit dem Wahnwitze der von Dr. Nordau uns empfohlenen jüdischen Bolkspolitik sich identificire, ertheilte und die lautet: .Auch die schärfste Opposition gegen die Anschauungen eines Parteimannes ändert nicht einen Augenblick die Gefühle gesinnungsgenössischer Treue und Dankbarkeit." Ob er selbst es aber ist, der sich in schärfster Oppositton gegen die Judenpolitik dieses Parteimannes befinde — darüber schweigt e r! Seither ließ Herr Dr. Herzl auch noch in Nr. 4 vom Jahre 1901 seiner „Welt" in einem mit dem „dummen Kerl von Wien" schließenden und mit „8" Unterzeichneten Artikel mich bamit beruhigen, daß Dr. Nordau ganz Recht habe, „daß der *) Der geehrte Verfasser reclamirt sein Recht auf ein abschließendes Wort in der Debatte über die neueste Theorie Max Nordau's, daß die Juden ihre Emancipation „erschlichen" und „erkrochen" hätten. Wir sind zwar der Meinung, daß die publicistischen Krastleistungen des officiösen Zionisten-Organes, welches durch abschreckende Insulten die Stimme des Unwillens und der Proteste über die auf Grund beschämender Geschichtsunkenntniß unternommene Anschwärzung des westeuropäischen Judenthums ersticken zu können vermeint, jeder ernsten Behandlung sich entziehen, erfüllen aber die Pflicht journalistischer Loyalität, indem wir Herrn Dr. Marcell Hoffmann, dem diese Abwehr eine Herzenssache ist, nochmals die Spalten unseres Blattes für seine Ausführungen einräumen, erachten aber mit diesem „Schlußwort" die Discussion für uns derzeit als erledigt. Weg, den er uns zeigt, derselbe sei, den „unsere" Propheten und „unsere" großen Lehrer zur Verinnerlichung und zur sittlichen Läuterung unseres Volkes immer gewiesen haben." — Das ist doch wahrhaftig nur pure Frömmelei, hinter der sich die grimme Ohnmacht gegenüber der Kraft der entgegenstehenden Argumente birgt. Dr. Nordau will, daß wir selbst da, wo wir die polittsche Gleichberechtigung besitzen, auf dieselbe und auf jede Antheilnahme an der Staatsgewalt verzichten, daß wir insolange kein Amt und keine Würde im Staate annehmen, ja nicht einmal die Einjährig-Freiwilligen-Prüfung unseren Söhnen machen laffen dürfen, damit sie ja nicht Officiere werden — bis man uns darum „bittet", — d. h. also mit anderen Worten, daß unser ganzes jüdisches Volk in den politischen Ausstand trete, daß unser ganzes Volk einen politischen Strike gegenüber den Staatsregierungen inaugurire, wie etwa die Arbeiter einer Fabrik einen solchen gegenüber dem Fabrikanten wegen des Arbeitslohnes machen! Warum aber, frage ich, kennt die Geschichte, seitdem die Welt besteht, kein solches Beispiel dcs Verzichtes eines ganzen Volkes aus das dem Menschen eingeborene Naturrecht auf Freiheit und polittsche Gleichberechtigung? — Und da meinte Herr Dr. Herzl, „daß wir die Größe der geistigen Leistung" Nordau's mit dieser uns empfohlenen Politik „auch nicht zu ahnen vermögen". Nein, gewiß nicht! Herr Dr. Herzl hat aber mit diesen beiden Antworten gezeigt, welche diplomatische Gewandtheit er sich bereits erworben hat — er weicht aus! Doch Eines bekundet er immerhin: Er verkündet laut, daß diese Frage seine „gefinnungsgenösfische Treue und Dankbarkeit nicht ändere" — also ist und bkeibt er dem Dr. Nordau ein treuer Gesinnungsgenosse — Dr. Herzl erklärt sich dadurch mit Dr. Nordau solidarisch! Dann muß aber Dr. Herzl den Muth haben, die Verantwortung mit zu übernehmen, wenn sein Genosse, dem er in „Treue und Dankbarkeit" zugethun ist, uns mit seiner jüdischen Bolkspolitik eine Bombe aus's Fenster und Feuer ans Haus, an das Haus Israel legt! Ich muß nun Herrn Dr. Herzl die Frage anders strllen. Dieser Frage wird er gewiß nicht diplomatisch ausweichen können, er muß sie aber so klar und offen beantworten, wie ich sie stelle: Darf ein Gottesleugner als Zionisten führer geduldet werden?