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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-25 · 4 (25.1.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. Jahrgang XVIII. ♦ Dr- Bloch’s erreich (Eentralorpan für die gelammten Interessen des Iudenthums. B. k. Po stsp«rcagen-B,nt Clearing -Verkehr Nr. 810.976. Nrdgrtton und Administration: Wie» IX/1, Berggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Men,K5." Jänner 1901. -»>»» *n» ««<“ Ersch eint jeden Freitag. -.H-n4- Brief-Adreffe: Wien, IX/1, Berggaffe 39. Telepramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift» Wien. Bejugapreta flir Sesterrrich: Halbjährig 8 Jttonen. Einzelexemplare SO Heller, FLr'm Bsotanb: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 , Anzeigen: Die4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. Inhalt. Leitartikel: Dr. Adolf Schmiedl. — Zum 80. Geburtstage Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Adolf Abraham Schmiedl. — Königin Victoria. — Eine Goethe-Feier im „Politischen Volksverein". — Vom Jahrmarkt des Lebe ns: Sorget für Euer Heimatsrecht! Ein Versuch, das Heimatsgesetz antisemitisch zu interpretiren. „Antisemitenspiegel". Die Finanzlage Rumäniens und die Judenfrage. Antheil der Juden an den Fortschritt der Naturwissenschaften. Zur Circularnote des Sultans. Der „Herr von Wien". — Correspondenzen: Plenarsitzung des Cultusvorstandes der israelitischen Cultusgemeinde. Jubiläumsgruß an Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl. Wien, Die Victoria-Schwester, Budapest, Prag, Pilsen, Klattan, Zborow, Berlin, Köln a. Rh., Paris, Petersburg, London. — Vermischtes: Wien, Proßnitz, Prag, Eger, Bisenz, Göding, München, Breslau, Paris, Brüssel, London. — Feuilleton: Des Papstes Machtwort. — Brieflasten. — Inserate. Vr. Adolf Schmiedl. Zu seinem achtzigsten Geburtsfeste. Motto: So lange warst Du weise, mild und gut Und hast getröstet die, die traurig waren, Und nun erfährst Du auch, wie Liebe thut, Froh grüßt man Dich zu Deinen achtzig Jahren. Und Alle drängen freudig sich um Dich Und wünschen tausend wundervolle Sachen — Bescheidener und stolzer doch bin ich, Ich will, das Schicksal soll Dir Eines geben In Fülle nur, den groben Rohstoff „Leben", Du wirft daraus daun schon ein Kunstwerk machen l I«. Y. Die Wiener israelitische Cultusgemeinde feiert dankbaren Sinnes und freudigen Herzens das 80. Geburtsfest ihres hochverehrten und allgemein beliebten Seelsorgers Dr. Adolf Schmiedl. Aus allen Theilen Oesterreichs und weit über dessen Grenzen hinaus wenden sich die Sympathien dem ehrwürdigen Jubilar zu, der gleich hervorragend als Kanzelredner, als Gelehrter, wie als Mensch, mit diesem Ruhme dreifach sein Haupt geschmückt. Als Prediger war Schmiedl nie Nachahmer fremder Vorbilder, sondern stets eigenartig, originell, schöpferisch, stets im Geiste der uralten Midraschlehrer. Das Alter hat seine Geistesfrische nicht gemindert, seine Beliebtheit als Prediger nahm immer mehr zu und die Besucher des israelitischen Tempels der Leopoldstadt reden nicht blos mit inniger Verehrung, sondern auch mit hohem Stolze von ihrem Prediger, der erbaut, belehrt, und die Unterrichteten, welche seinen Spuren zu folgen vermögen, sind von seiner geistreichen witzigen Exegese geradezu entzückt. Allein auch als Gelehrter genießt Dr. Adolf Schmiedl einen weitverbreiteten Ruf. Indem wir hier aus der wiffenschaftlichen und seelsorgerischen Thätigkeit des Herrn Jubilars den Lesern einige Skizzen vorführen, erwähnen wir, daß er im Jahre 1846 in der mährischen Gemeinde Gewitsch — wo der nachmalige Pester Oberrabbiner Löw Schwab sein Vorgänger war — sein Amt antrat, wo er nicht nur durch seine Kanzelreden, sondern auch dadurchsich die allgemeinen Sympathien gewann, daß er täglich talentvollen Söhnen der Gemeinde Unterricht im Talmud, hebräischer Sprachwissenschaft und sogar in der lateinischen Sprache ertheilte, so daß diese Schüler dann sämmtlich wissenschaftliche Laufbahnen einschlugen. Er war aber zugleich auch Mitarbeiter bei der in Wien erscheinenden hebräischen Zeitschrift „Kochte Jizchak“, sowie bei der von Julius Fürst in Leipzig redigirten Zeitschrift „Orient". Als im Jahre 1844 der sensationelle Fall eintrat, daß zwei jüdische Matrosen ihrer Tüchtigkeit halber vom Kaiser Nikolaus zu Officieren ernannt, jedoch gezwungen werden sollten, die Taufe zu nehmen, und hievor durch selbstgewählten Tod im Meere sich befteiten, so erschien hierüber im „Orient" eine vom Jubilar verfaßte ergreifende Dichtung mit dem griechischen Motto — aus einer äsopischen Fabel: „Es ist besser, Einmal zu sterben, als durchs ganze Leben zu zittern". Im bewegten Jahre 1848 erhielt der Jubilar für sein taktvolles Vorgehen von der mährischen Statthalterei eine ehrende Belobung. Im August des Jahres 1849, als Mes sich rüstete zur Feier des ersten kaiserlichen Geburisfestes, wendete sich der israelitische Vorstand der Teschner Kreisgemeinde an den Jubilar mit der Bitte, im dortigen Tempel zu Ehren dieses Tages die Festpredigt zu halten, und diese fand in Anwesenheit aller Kreisbehörden, des gesammten Officierscorps und der städtischen Bürgerschaft eine solch' nachhaltige Wirkung, daß wenige Tage darauf eine Deputation der Gemeinde Teschen in Gewitsch eintraf, um dem Jubilar das Document der Berufung als Kreisrabbiner zu überbringen. Seine seelsorgerische Wirksamkeit daselbst umspann nur zwei Jahre und einige Monate, allein noch heute wird im ganzen Kreise der Name desselben mit höchster Verehrung genannt. Im August 1852 wirkte derselbe als Rabbiner der großen und intelligenten Gemeinde Proßnitz, wo der berühmte Gelehrte Dr. Gideon Brecher, Verfasser des großen Commentars zum Kusari, als praktischer Arzt domicilirte. Dort gelangte auch der erst in seinem 31. Lebensjahre stehende Rabbiner zu einer größeren Vertiefung in die arabisch-jüdische Literatnrwelt. Er wurde ein thätiger Mitarbeiter bei der von Dr. Zacharias Frankel in Breslau redigirten Monatsschrift. Hier schrieb er sein bekanntes Buch „Sansinim“ (Prag, 1859), das durch seine populäre Darstellung einen weiten Leserkreis sich erwarb. Hier schrieb er sein großes Werk: „Studien zur jüdisch-arabischen Religionsphilosophie" (Wien, bei Herzfeld und Bauer, 1869). Nach nahezu 17jähriger Amtswirksamkeit verließ er Proßnitz und folgte dem Rufe nach den im vormaligen politischen Bezirke Sechshaus gelegenen Vororte Wiens.

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