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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-18 · 3 (18.1.1901) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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«Kr. 3 Seite 51 Dr. Bloch'? WochenschrM. die jungen Leute, Knaben und Mädchen, mit der inneren Ausschmückung beschäftigen. Die Wände werden mit grünem Laub und Tüchecn bekleidet, Blumensträußchen und Körbchen aus Glaskorallen werden an der Decke aufgeyängt, Blumeuguirlanden und Kastanienketten symmetrisch von dem Gaschandeleer nach den Ecken geführt, und endlich, um auch nicht die schönen Künste gänzlich zu übergehen, werden einige bunte Bilder an den Wänden angenagelt. Das Laubhüttenfest nimmt bei der jüdischen Jugend sozusagen die Stelle unseres Weih nachts festes ein. Die Kiemen des Ghetto sehen diesem zur Erinnerung an den göttlichen Schutz während der Wüstenwanderung gefeierten Freudenfest mit seinem bullten Tand, Näschereien oder sonstigen Vergnügungen mit derselben Sehnsucht entgegen, wie dre Kinder der Christen dem Weihnachtsfest mit fernem Christbaum und Geschenken. Mrr ist der Nachmittag, den ich in einer Laubhütte verbrachte, wie alle anderen Erlebnisse im New-Iorker Ghetto, eine lrebe und eigenartige Erinnerung. Möge das Ghetto Allen, dre mir gefolgt sind und nreine anspruchslose Skizze mit Nachsicht gelesen haben, ein ähnlich heiteres und befriedigtes Gesicht zeigen. Sadakichi Hartmann. Literalur- Schriften über Luzzatto. Unter den literarischen Erscheinungen des eben vergangenen bürg.-.lichen Jahres 19aO verdient dre Ehrung hervorgehoben zu werden, die dem Andenken des hervorragenden jüdischen Gelehrten Samuel DavidLuzzatto zu Theil wurde. In Ermangelung jedweder Unterstützung seitens der Regierungen und von Seiten der akademischen Verbindungen und der wissenschaftlichen Anstalten ist die jüdische Literatur ganz auf sich selbst angewiesen, und sie müßte verkümmern und ihr Dasein müßte sich geradezu trostlos gestalten, wenn der freudige Opfermuth ihrer Adepten und ihrer Jünger sie nicht immer zu neuem Leben anfachen würde. So ist auch die hundertste Jahreswende seit der Geburt Luzzatto's nicht unbemerkt ins Land dahingczogen, sondern sie wurde, wenn auch mit bescheidenen Mitteln, nach Gebühr gefeiert. Außer einer deutschen Schrift zu Ehren L u z z a t t o's, an der sich mehrere Gelehrte betheiligten, erschien durch die Fürsorge von Professor V. Ca st i gl r o n i in Triest eine Sammlung von Briefen, die von hervorragenden Zeitgenossen an Luzzatto geruhtet wurden: b'^wb m"UX, Epistolae ad Sciadal, Triest 1900. Wieder ist die trostlose Lage der jüdischen Literatur daran schuld, daß diese Sammlung gar so winzig ausgefallen, denn die große Bedeutung, die S. D. Luzzatto in jüdisch-llterarischen Kreisen — und solche waren in der ersten Hälfte des Jahrhunderts ungleich mehr vorhanden als jetzt — allenthalben genoß, laßt es begreiflich erscheinen, daß das Material der an ihn gerichteten Briefe durch die Sammlung E a st i g l i o n i's durchaus nicht erschöpft ist. Die Sammlung enthält von Marcus I o st 26, von Salomo« Rosenthal 0, von M. L. L e t t e r i s ebenfalls 6, von M. Rabbinowrtz 3, von S. Eh. H a l b e r st a m 5, von I. G o l d e n t h a l 7, von I. S ch o r r 2, zusammen also 55 hebräische an Luzzatto gerichtete Briefe. Sämmtliche Correspondenten sind aus den literarischen Ereignissen ihrer Zeit vortheilhaft bekannt, und verbreiten sich ihre Briefe auf die mannigfachsten Fragen der jüdischen Literatur, zu deren Förderung nunmehr auch die soeben erschienenen Briefe beitragen werden. Luzzatto hat durch seine ausgebreitete Eorrespondenz einen nachhaltigen Einfluß auf seine Zeitgenossen ausgeübt, und so ist es nur von Nutzen, wenn seine Eorrespondenz durch den Druck veröffentlicht wird. Wir besitzen nunmehr S. D. Luzzatto's „Hebräische Briefe" in neun Bänden, zusammen 690 Briefe, ferner seine italienische, französische und lateinische Eorrespondenz in einem stattlichen Bande, der an elfhundert Seiten enthält; beide Sammlungen sind dnrch die Pietät seines Sohnes Dr. I s a i a Luzzatto, der nun leider auch verstorben ist, zur Beröffentlichuug gelangt. Hiezu kommt nun die von C a st i g l i o n i begonnene dritte Sammlung solcher Briefe, die an Luzzatto gerichtet wurden. Mit der Uebersetzung der italiemschen Briefe ins Hebräische beschäftigt sich Herr Abraham Kahana aus Sitomir in Rußland, der bereits im Jahre 1896 mehrere italienische Briefe Luzzatto's hebräisch erschienen ließ und der wohl die ganze fremdsprachige Eorrespondenz ins Hebräische übersetzen wird, eine Arbeit, die für die ausschließlich hebräisch lesenden Literaten in Rußland, Polen und dem Orient von großem Nutzen sein dürfte. Abraham Kahana gibt sich in seinen Arbeiten als einen enthusiastischen Verehrer L u z z a t t o's zu erkennen. Ein Heros in der Luzzatto'jchen Familie, Rabbi M o s ch e E h a j j i m Luzzatto, der im 17. Jahrhundert lebte, fand in Kahana einen ebenso liebevollen als gewandten Biographen.; seine Biographie erschien im Verlage der „Tuschija" in Warschau 1899. Samuel David Luzzatto's Leben schildert Kahana in einem größeren Aufsatz in der hebräischen Zeitschrift „Haschiloach", Jahrgang 111 und IV. Von größerer Wichtigkeit ist die von Kahana besorgte Uebersetzung der hebräischen Grammatik L u z z a t t o's, welche unter dem Titel rr-oy \wb pnpn unlängst erschienen ist (Warschau 1900). Alle diese Schriften K a h a n a's treffen nur zufällig mit dem Centennarium L u z z a t t o's zusammen, stellen aber dem spontanen Eifer ihres Autors umso mehr ein glänzendes Zeugniß aus; durch Kahana wird der echt jüdische und dennoch moderne hohe Geist Luzzatto's auch im Osten seinen Einzug halten. Wenn man bedenkt, daß wir eine Regenerirung des verflachten westlichen Judenthums vom Osten her zu erwarten haben, so wird man den Bestrebungen K a h a n a's gebührendes Verständniß entgegenbringen. Die „Erolegvmiui ad una Grammatica ragconata della liagua Ebraica“ von S. D. Luzzatto sind 1836 in Padua erschienen. Das Erscheinen dieser Grammatik ist ebenso bezeichnend für den Zustand oer jüdischen Literatur, wie es für L u z z a t t o ehrend ist. Dieser war 1829 in der Synagoge zu Görz, und da wurde ihm von dem gelehrten I. S. Reggio mitgetheilt, daß von Gesenius ein vorzügliches Werk über die hebräische Sprache, das „Lehrgebäude", erschienen ist. Luzzatto erschien es als eine Erniedrigung des Judenthums, wenn seine Wissenschaft ihm sozusagen entrissen wird und in fremde Hände übergeht, und so schwor er sich in derselben Synagoge, daß er ein besseres Lehrbuch, als das von G e s e n i n s, verfassen werde. Rach Triest zurückgekehrt, kaufte er sich das „Le rgedäude", legte es später seinem Unterrichte am Collegium Rabbiaicum in Padua zu Grunde, erkannte alsbald seine Mängel und Jrrthümer, und nach einigen Jahren war er mit seinem eigenen Werke am Platze. Dieses Werk liegt nun auszüglich auch in hcbräisch-r Sprache vor. Seit 65 Jahren hat die hebräische Sprachwissenschaft über Luzzatto heraus einen gewaltigen Fortschritt genommen, so daß seine Grammatik keineswegs mehr dem heutigen Stande dieser Wissenschaft entspricht. Für unsere Brüder jedoch in den slavischen Ländern, die erst jetzt in das moderne Leben eingeführt werden sollen, ist die L u z z a t t o'sche Grammatik die beste Führerin zum Verständniß der heiligen Schriften Israels, und als dieser mächtige Factor un Geistesleben unserer Brüder ist deren neueres Erscheinen auch von uns freudig zu begrüßen. Dr. Samuel Krauß Rabbiner Dr. Heppner's jüdisch-literarischer Abreißkalender, Koschmin (Provinz Posen) 1901/5661/62, Israel Tuch, Verlagsbuchhandlung. Dieser Kalender hat sich lereits in weiten Kreisen eingebürgert und als Überalls nützlich und zuverlässig bewährt. Er bildet eine willkommene, werthvolle Gabe für Schule und Haus. Die 365 Seiten desselben enthalten eine Fülle der schönsten Sumsprüche aus Bibel und Talmud, eine reiche Blütheulese aus dem jüdischen Schristthum des Mittelalters in poetischer Uebertragung, die wichtigsten Daten aus dem Bereiche der jüdischen Geschichte und endlich die Geburts- und Sterbetage der hervorragendsten Männer des Judenthums, welche durch Gaben des Geistes oder des Herzens der jüdischen Gesammtheit zum Segen gereichten. Der vorliegende Jahrgang zeichnet sich noch besonders durch vielfache Verbesserungen in Ausstattung und Inhalt aus, wie: Sperrdruck der Sabbalhe, Fest-und Fasttage, Inhaltsangabe d e r W o ch e n a b s ch n i t t e 2c. Dr. Heppner's Abreißkalender ist daher vorzüglich geeignet, in weiten Volksschichten ideale Begelsterung anzuregen, den glimmenden Funken religiöser Empfindung zu entfachen und die Heranwachsende Jugend durch den Hinweis auf die Geistesheloen, welche für ihr Judelllhum gelebt und gelitten, gestrebt und gestritten haben, mit Wackermuth zu erfüllen, ihre Kenntnisse zu erweitern und die Erinnerung an treue, gewissenhafte Pflichterfüllung dem Judenthume gegenüber recht lebendtg zu gestalten. Srtefkaflen. Verein „L. L."» Posen. Abonnement dankend erhalten. „Zwettl". Der 29. October 18o8 mar am 24. Eheschwan 5649. Das Datum fällt im Jahre 1901 auf Mittwoch den 6. November. Historicus. Die Hexenprocesse haben ungezählten Tausenden von Christen das Leben gekostet, nachdem dieselben auf der Folter Alles gestanden hatten, was man ihnen zur Last legte. I. N—g. Wir wissen nicht, ob der verblichene Minister Falk jüdischer Abstammung war; wohl aber wurde gegen ihn von antisemitischer Seite dieser Vorwurf erhoben. Dr. I. E—g. Sie haben ganz recht, es gehört eine echt antisemitische Stirne dazu, daß die Lueger-Partei, welche in dem gewesenen Magistratsdirector, dem „Judenstämmling" T ach a u, eine ihrer größten Stützen hatte, die Eandldatur des Dr. Adler mit dem Hinweis auf dessen jüdische Abstammung bekämpfte. a. Gegen den antisemitischen Hetzpfarrer Stojalowski schweben 11 Anklagen Eine kläglichere Situation kann es wohl kaum für einen durchgefallenen Reichsrathscandidaten geben, der, wie man sieht, wie Wenige der Immunität bedürftig ist. Nemo. Die Antisemiten thun dem Herrn v. H. unrecht,^wenn sie von seiner Poesie nichts wissen wollen, weil er angeblich ein „Jude" sei. Er ist schon als Christ geboren. Allerdings würde das nicht hindern, daß das abfällige llrtheil über feine Dichtungen — aus anderen Gründen ein richtiges wäre. M. N. Dr. Lueger, der einst stolz verkündete, daß er erst Wien, dann das Land und schließlich das Reich erobern werde, ist auf dem besten Wege zum Gegentheil.

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