Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-18 · 3 (18.1.1901) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021389--10542-3035029
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 3 Sette 41 Pr. Bloch's Wochenschrift. eine Entlohnung noch Geschenke welcher Art immer entgegennehmen. Nur unter solchen Voraussetzungen hält er die Garantie für gegeben, daß die Bestimmungen des Religionsgesetzes gewissenhaft gehandhabt werden. Gleichzeitig wird dem Schochet jenes Ansehen, sowohl dem Fleischhauer wie der Gemeinde gegenüber gesichert, das für einen Mann, der mit einer wichtigen religiösen Aufgabe betraut, unerläßlich ist. Die Schechita mußte daher aufhören, ein Privatunternehmen des Metzgers zu bilden, da er sie nach den Grundsätzen der freien Concnrrenz an den Mindestfordernden und ihm Willfährigsten vergeben konnte. Ihr Betrieb wurde zu einer Gemeinde-Angelegenheit, was sie von jeher war und im wahren Sinne des Wortes auch ist, erhoben. II. Die ökonomische Seite der Frage anlangend, vertrat Herr Rabbiner Meyersohn die Ansicht, die Schechita müsie sich selbst erhalten, das heißt die aus ihrer Ausübung erfließenden Gebühren müssen hinreichen, um die damit betrauten Personen unter gebührender Rücksichtnahme auf alle dabei in Betracht kämmenden Verhältnisse zu unterhalten. Um dem nachzukommen, konnte natürlich bei einem Satze von 15 bis 25 Kreuzer für das Stück Großvieh keineswegs stehen geblieben werden, eine Erhöhung war unumgänglich. Das war allerdings keine kleine Zumuthung für die Herren Fleischhauer. Das Verfügungsrecht über die Schochtim wurde ihnen genommen und sollte gegen eine, wenn auch nur nominelle Mehrbelastung eingetauscht werden. Nichtsdestoweniger ward auch hier schließlich ein alle Theile befriedigendes Uebereinkommen auf friedlichem Wege erzielt, dank des gesunden Sinnes einer großen Zahl von führenden Persönlichkeiten unter den Fleischhauern, dank der überlegenen Klugheit, mit welcher die Verhandlungen geleitet wurden. Schließlich konnte man sich auf keiner Seite der Ueberzeugung verschließen, daß man in Herrn Rabbiner Meyersohn einen Mann vor sich habe, dem zwar der Friede über Alles gehe, der zwar seine Forderung stets billig und maßvoll stellt, nichtsdestoweniger die unerbittliche Energie besitzt, dieselbe auch den Widerstrebenden gegenüber durchzusetzen. In diesem Belang waren aber auch den Schochtim gegenüber mancherlei Widerstände zu erwarten. Bei Einzelnen, die gegenwärtig mehrere Fleischhauer bedienten und zugleich als Maschgichim Anstellung gefunden hatten, war eine Schmälerung des bisherigen Einkommens unvermeidlich, Andere wieder wurden vielleicht auf deren Unkosten in den Genuß eines höheren gesetzt. — Wie dem auch sei, es gelang, die widerstrebenden Interessen bei den Schochtim auszugleichen, und Alle sind in ihrem Danke gegen Herrn Rabbiner Meyersohn einig, der sie aus einer unsicheren und unwürdigen Lage befreit und ihnen zu einer sicheren und würdigen Stellung verholfen hat. Endlich vertrat Herr Rabbiner Meyersohn den für die Sache ausschlaggebenden Standpunkt, daß die Schechita nur in die Hände von religiös zuverlässigen und in ihrem Können und Wissen bewährten Männern gelegt werden dürfte. Nun war aber das von ihm angetroffene Personal keineswegs nach diesen Gesichtspunkten ausgewählt. Hier galt es nun. neben aller Strenge der Grundsätze auch die Rücksichten der Billigkeit und Schonung gebührend walten zu lassen und Familienvätern gegenüber Härten zu vermeiden. Es wurde daher unter dem vorhandenen Personal eine Auslese in der Weise getroffen, daß nur Personal wegen zu weit vorgerückten Alters oder Mangels aller Fähigkeiten von der Ausübung der Schechita völlig ausgeschlossen wurde. Selbst diese wurden theils durch Geldentschädigungen, theils durch Ueberweisung einer anderen Beschäftigung als Maschgiach von Fleischverkaufsstellen entschädigt. Andere wieder, bei welchen religionsgesetzliche Bedenken auch nur geringfügigster Art vorhanden waren, wurden unter die besondere Anleitung und Aufsicht jener Schochtim gestellt, die allseitig bewährt und ebenfalls in nicht geringer Anzahl vorhanden sind. Hand in Hand damit werden in jedem der zwanzig Wiener Gemeindebezirke, nnter Aufsicht des genannten Rabbinats stehend, Fleischverkaufsstellen eingerichtet. Es ist damit eine der schreiendsten Calamitäten von dem großen Theile der jüdischen Bevölkerung, welche koscheren Haushalt führt, beseitigt. Die Wiener Cultusgemeinde, nicht minder Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, können daher mit der größten Genugthuung auf die in so kurzer Zeit erzielten Erfolge zurückblicken und sich sagen, daß sie mit Herrn Rabbiner Meyersohn den rechten Mann auf den rechten Posten gestellt haben. Nun besteht das hiesige Rabbinat nicht mehr blos dem Namen nach, sondern es lebt und wirkt in wahrhaft jüdischem Sinne. Noch große und schwierige Aufgaben harren der Erledigung. Herr Rabbiner Meyersohn hat sich den Dank weitester Kreise erworben, und mit größtem Interesse sehen sie dessen weiteren Schritten zur Besserstellung unserer rituellen Institutionen entgegen. . Wien. (V. Jahresbericht des Humanitären - Vereines „Marpe Lanesesch", Wien, II., Glockengüsse Nr. 4 für das Jahr 1900.) Dem Berichte entnehmen wir: Unser Hauptaugenmerk war wie bisher auch im vergangenen Jahre den armen Kranken und Reconvalescenten gewidmet. Es wurden nahezu 2000 Personen mit einem Aufwande von K 6180 58 unterstützt. Bei dieser großen Anzahl von Petenten war es nicht möglich, jedem Einzelnen eine ausgiebige Hilfe angedeihen zu lassen. Nur den als zumeist Würdigbefundenen konnten wir Beiträge von 10—30 L zuwenden, während wir dem größeren Theile der Hilfesuchenden, denen man zwar das Elend aus dem Angesichte deutlich herablesen konnte, mit einer verhältnißmäßig kleineren aber schnellen Gabe beigesprungen find. Der Vorstand that Alles, was im Bereiche seiner Möglichkeit stand, scheute weder Zeit noch Geld und brachte in der hingebungsvollsten Weise jedes Opfer, wenn es galt, der dringenden Noth abzuhelfen. Dieser ernsten Thätigkeit von Seite des Vorstandes einerseits sowie der Mithilfe unserer Freunde und Gönner andererseits ist es zu verdanken, daß trotz der nicht allzureichen disponiblen Mitteln ein solch glänzendes Resultat erzielt werden konnte. Wir appelliren daher an das Wohlwollen unserer Gönner, sie mögen auch in Zukunft dasselbe dem von den besten Intentionen geleiteten Vereine beibehalten, damit der von wahrer Humanität beseelte Verein im Stande sei, den stetig wachsenden Anforderungen nach Gebühr Rechnung tragen zu können. Der Vorstand. Salamon Steiner, Obmann; I. L. Z o l l s ch a n, Obmann-Stellvertreter; Wilhelm Morgenstern. Schriftführer; Ferdinand Kohn, Cassier; M. Katzburg, Controlor. Ehrenmitglieder: Dr. Arnold Ascher, Josef Dukes, Leopold S e l m e c z y. Jonas Steif. Die Ausschüsse: Jakob Stern, Jakob Zollschan, Eduard Hermann, B. Groß, I. Rosner, S. F r i s ch m a n n, L. Schiller, L. P i o w a t y , Josef Steiner. Wien. (I. Wiener israelitisches Reconvalescentenheim für arme jüdische Frauen und Kinder.) Am 10. d. M., Abends 6 Uhr, fand im Saale des Reform-Club, I., Franzensring eine außerordentliche Generalversammlung des genannten Vereines statt. Veranlassung hierzu gab die Aenderung der Statuten, sowie die Neuconstituirung des Vorstandes und Beirathes. Die Vorsteherin des Vereines Frau Amalie Beck begrüßte die zahlreich erschienenen Anwesenden, worauf der Obmann des Beirathes Herr Leopold Guttmann den Geschäftsbericht für das abgelaufene Vereinsjahr zur Verlesung brachte. Aus demselben ist zu entnehmen, daß der Verein bereits circa 400 Mitglieder zählt, welche sich aus der besten Wiener Gesellschaft recrutiren. Die stabilen Mitgliederbeiträge beziffern sich auf annähernd 4000 K jährlich, außerdem besitzt der Verein ein Vermögen von circa 28.000 K, welche als Spenden uns Widmungen eingelaufen sind. Bei der vorgenommenen Neuwahl des Vorstandes wurden Frau Amalie Beck als Vorsteherin, Frau Wilhelmine Steiner als deren Stellvertreterin und Frau Professor Dr. Ehrmann als II. Borsteherin-Stellvertreterin neu gewählt. In den Vorstand wurden ferner gewählt: die Damen Johanna Beck, Josefine Adler, Sophie Bäck, Philippine Gelbhaus. Gisela Grimm, Anna Guttmann, Bertha Rosenbaum, Hermine Saxl, Stefanie Schlesinger, Regine v. Steingraber, Bertha Wackler, Oberst Marie v. Eiß, Hermine Weiß. In den Beirath wurden gewählt: Herr Leopold Guttmann zum Obmanne, ferner die Herren Heinrich Bäck, Adolf Beck, Hermann Beck, Professor Dr. S. Ehrmann, Alexander v. Eiß, Rabbiner Dr. Gelbhaus, Dr. Heinrich Grimm, Victor Klatscher, Dr. Carl Koch, Jacob Modern. Heinrich Rosenbaum, Josef Rosenthal, Dr. Maximilian Saxl, Dr. Alfred Schlesinger, S. Steiner, Baurath Stiaßny, Dr. Ludwig Weiß. Indem wir unsere geehrten Leser auf diesen humanitären Verein aufmerksam machen, empfehlen wir denselben unseren Glaubensgenossen bestens, nachdem die Errichtung eines Reconvalescentenheim für arme jüdische Frauen und Kinder gewiß die Unterstützung seitens aller bemittelten Bewohner Wiens, sowie der israelitischen Cultusgemeinde und der bestehenden Corporationen im ausgedehnten Maaße verdient. Wien. (Leopold st ädter B. ethausverein „Mo ntefiore", Wien, II. Bezirk, Taborstraße 38.) Anläßlich des 70. Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Fran;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.