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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-04 · 1 (4.1.1901) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 16 Vr« Vwch"s Mochensttzrist. Sfe. i Literatur Dr. M. H. FriedlSnder: Die Juden in Böhmen. Wien 1900, Druck und Verlag von Moriz Weizner L Sohn Wien. Von dem den Lesern auch als Verfasser mehrerer in der „Oesterreichischen Wochenschrift" publicirten Arbeiten riihmlichst bekannten Autor erschien eine zwar kurze, aber sehr gehaltvolle Schrift: „Die Juden in Böhmen". In knappen Zügen entrollt der gelehrte Autor, der selbst in dem böhmischen Städtchen Pisek als Rabbiner seines Amtes waltet, ein Bild der Leidensgeschichte der Juden in diesem Lande, beginnend mit dem quellenmäßigen Nachweise über den Aufenthalt der Juden in Böhmen schon im 10. Jahrhundert und ihrer Unterstützung der Christen unter Herzog Boleslav II (»67—999) im Kampfe gegen die Herden. An der Hand geschichtlicher Daten führt Dr. Friedländer mit beredten Worten dem Leser die Zeit der Kreuzzüge vor und erinnert an die grael igen Mordbrennereien, welchen Tausende von glaubensstarken Juden zum Opfer fielen. Von Neuem weiß er Bewunderung für die Männer zu erwecken, die gleichwohl zu dieser Zeit und in den folgenden Jahrhunderten, da die Juden mehr gebrandschatzt als gemordet wurden, ihrer Wissenschaft oblagen, andere wieder großartige, humanitäre und religiöse Stiftungen errichteten. Mit besonderer wohlverdienter Ausführlichkeit schildert der Verfasser das Wirken R. Lewi b. Bezalel, des hohen R. Lob und des Philanthropen Meisel und erzählt einen interessanten Fall aus dem Jahre >862, der uns ein trauriges Streiflicht über mittelalterliche Justiz gegenüber Juden bietet. Nach eingehender Besprechung der letzten Judenausweisung aus Böhmen im Jahre 1744 und des bis 1848 reichenden Familiantenthums schließt er mit den jedem österreichischen Juden aus vollem Herzen kommenden Wunsche: „O daß diese Verfassung im Interesse des Staates allseitig respectirt werde". Das sehr anziehend geschriebene Büchlein wird, zu so traurigen Reflexionen es auch anregen mag, doch das Interesse des Lesers vom Anfänge bis zum Ende im höchsten Maße erregen und festhalten. Dr. Ascher. Briefkasten. Justus. Die Geschichte ist ja so einfach. Wenn man ungestörtMachinationen ausführen darf, welche in einem Bezirke Hunderten von wahlberechtigten Freifinnigen das Wahlrecht nimmt und es Hunderten daselbst nicht wahlberechtigten Antisemiten zuschanzt, dann kann Einem wohl nichts wunder nehmen. l. Der „Reichspost" wurde nachgesagt, sie erinnere in Einem nicht an Bileams Esel, denn dieser habe auch — schweigen können. Nemo. Es ist charakteristisch, daß in manchem Dorfe, obwohl daselbst mehrere WirthsHäuser sich befinden, das — Pfarrhaus zum Wahllocale erwählt wird. Das geschieht wohl, damit die Wähler nicht in ungehöriger Weise — beeinflußt werden. L. H - g (Graz). Das Blatt des Freiherrn D i p a u l i verhöhnt mit Recht die Sorte angeblich eifriger Katholiken, die mit den Christlich-Socialen liebäugeln, indem es ausführt: „Wenn sie schon bei Christlich-Socialen hospitiren wollen, so werden sie zuerst das caudinische Joch des Judenpunttes passiren müssen. Das heißt, die Herren Vergani, Gregorlg und Schneider werden den Herrn Professor Schöpfer prüfen, ob er nicht am Ende daran glaubt, daß auch die Juden Menschen sind, oder gar an die Wirkungen der heiligen Taufe, ob er bereit ist, zu stimmen für „ein Schußgeld auf Juden", sie werden untersuchen, ob der sehr verdächtige ehemalige Professor des allen Bundes bereit ist, den alten Bund auftugeben. . ." I. B. (II. B.) Der Hetz-Cooperator D i t t r i ch, der nunmehr wieder eine so hervorragende Rolle spielt, ist identisch mit dem Dittrich, welcher in Compagnie mit einem Juden gegen eine hohe Provision den Dr. Lueger mit den Engländernaussöhnenwollte. I. R. Natürlich muß es einen tiefen Eindruck machen, wenn der Ministerpräsident feierlich erklärt: „Unsere Politik sei daher die Politik des Liberalismus, jene Politik, welche nicht nach Religion, Herkunft und Beschäftigung classtficirt, sondern nur in Betracht zieht, wer sein Vaterland liebt und ihm ehrenvoll dient." Bedauerlich bleibt es nur, daß der Ministerpräsident, der diese Worte sprach, nicht Herr v. Körber, sondern Koloman v. Szell war. I. L—g. Wenn es wahr wäre, was man in den Antisemitenblättern immer wieder liest, daß das „Dreyfus-Syndicat" Hunderte Millionen zu Bestechungszwecken ausgab, so hätte dasselbe wohl den antisemitischen Hauptlumpen E st e r h a z y, der für Geld zu Allem zu haben ist, zu allererst gekauft! I. D g. Es gehört auch eine Verachtung des — gesunden Menschenverstandes dazu, wenn ein S i l b e r e r in der Gesellschaft eines Bielohlawek und unter Patronanz der Antisemitenführer es wagt, sich als Demokraten „vom Scheitel bis zur Sohle" zu bezeichnen. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur Dr. Josef A. Wenn die „Stojalowski-Gruppe" erst im Geiste Stojalowski's wirken wird, so werden die Schwierigkeiten bezüglich der Pfändung der Pärlamentsdiäten wieder ihren Anfang nehmen. Historicus. Leo XIII. ist längst auch als ein phantasiereicher Dichter bekannt S. in D. Der 18. Jjar 5611 war Dienstag am 20. Mai 1851. Lector. Im Jahre 1832 schrieb Zunz die Worte: „ . die reale, (vorgebliche) Kenntniß des Judenthums steht noch heute, wo sie vor 135 Jahren Eisenmenger hingestellt hat, und die philologische ist sogar seit 200 Jahren fast nicht von der Stelle gerückt. Daher kommt es, daß selbst schätzbare Schriftsteller, sobald das Judencapitel herankommt, eine ganz andere, man möchte sagen, gespenstische Natur annehmen; daß alle Citate aus den Quellen der Subsidienswerke des 16. und l7. Jahrhunderts nachgeschrieben werden; daß man längst siegreich widerlegte Einwürfe wie unsterblichen Kohl auftischt und verlassen von aller wissenschaftlichen Thätigkeit, von allem zeitgemäßen gehörigen Apparat das Orakel der Wichte beftagt. Arthur S—en. Ein Demokrat, der mit den Christlich- Socialen geht» deren erster Programmpunkt die Ungleichheit der Menschen ist, würde in ein Museum politischer Abnormitäten passen. Leopold Klein in Wien. Der Bericht über das Gebühren in dem sogenannten hochorthodoxen Vereine „Adass Jeschurun“ im IX. Bezirk gelangt nächstens zur Publicatton. Neu-Zionist in Wien. Die „Neue Freie Presse" erhält zweifellos größere Pauschalien und Subventionen als die „Oesterreichische Wochenschrift". Herr Dr. Theodor Herzl aber wird aus jenen Geldern bezahlt und darum entrüstet er sich blos über die Subventionirung der „Oesterreichischen Wochenschrift" durch Cultusgemeinden und jüdische Vereine. Das Thema soll übrigens nächstens zur ausführlichen Besprechung gelangen. Conrurs-Ausschretbung. Mit Bezugnahme auf die im Juni 1900 erfolgte Concursausschreibung wegen Besetzung der Cantorstelle in der Gemeinde Floridsdorf bringt der gefertigte Vorstand zur Kenntniß, daß die Besetzung dieses Postens bis nun noch nicht erfolgt ist. Es werden demnach Gesuche von Bewerbern um diese Stelle, welche nebst der für dieselbe erforderlichen Eignung auch die Fähigkeit besitzen, entweder den Religionsunterricht zu ertheilen und die Stellung eines Religionslehrers auszufüllen oder die Geschäfte des Secretariates zu besorgen, bis zum 15. Februar 1901 entgegengenommen. Mit dieser Stelle ist der Gehalt von 1800 Kronen nebst den üblichen Emolumenten, sowie freie Wohnung im Amtsgebäude der Cultusgemeinde verbunden. Bewerber, welche nicht über 40 Jahre alt sein sollen, wollen ihre mit dem vurrieulum vitae und den abschriftlichen Zeugnissen über ihre Befähigung und bisherige Thätigkeit versehenen Gesuche an den gefertigten Vorstand einsenden. Nur zu einem Probevortrag eingeladene Bewerber werden zu einem solchen zugelaffen, und werden Reisespesen nur dem Acceptirten vergütet. Floridsdorf, am 2 Jänner 1901. Der Cultusvorstand. Stiftungs-Verleihung. Mit 20. Jänner 1901 gelaugt bei der iftaelittfchen Cultusgemeinde zu Turnau in Böhmen aus der Maier und Mirl Goldmann'sch en Stiftung der Betrag von r»veriaufend Krone« zur Verleihung. Dieser Stiftungsbetrag ist bestimmt für einen braven Studenten zu den Rigorosen, und wenn kein solcher vorhanden, für einen Handwerker zur Etablirung oder einen Oekonom zum Ankauf oder Pachtung von Gmnd und Bodeu, wobei bemertt wird, daß die Goldmann'schen Verwandten den Vorzug genießen, und in zweiter Reihe nur Durnauer Juden zur Betheiligung gelangen, wobei wieder die Söhne der Cultusangestellten vorangehen. Die Bewerber um diese Stiftung haben ihre Gesuche mit dem Nachweise jüdischer Confeffion, dem legalistrten Stammbaum und dem Mittellosigkeitszeugnisse bis zum 18. Jänner 1901 beim gefertigten Vorstande einzubringen. MS Vom Borstande der israelitischen Cultusgemeinde zu Turnau. S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VHT.

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