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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-04 · 1 (4.1.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 «rite 9 Dr. Vloch's Wochrnschrifl. sich. Deine Gunst zu genießen, stet» freien Zutritt zu Dir zu haben. Viele hochgestellte Personen erbitten sich ihren Segen, ihre Fürbitte bei Gott, Prinzessinnen und Damen des Hof's machen den Judenfrauen Geschenke. Man erlaubt ihnen, Synagogen zu bauen. Ja, es ist soweit gekommen, daß viele unwisiende Personen sagen, die jüdischen Rabbiner predigen bester als die christlichen Pfarrer, daß das gemeine Volk sagt, die Juden seien da» wahre Volk Gottes, sie allein hätten die wahre Religion/ Deshalb verbot Agobard den Christen jeden freundlichen Verkehr mit den Juden, besonder» das häufig gtwordene Feiern am Sabbath, arbeiten am Sonntag, das Speisen bei Juden an christlichen Fasttagen u. s. w?) Wenn also Agobard, wie es in der oben erwähnten Congreßrede heißt, den jüdischen Sclavenhändlern das Handwerk legte, so hat er damit nur die christlichen Händler von ihrer Concurrenz befreit. Der Selavenhandel der Christen nahm aber nach ihm erst rechten Aufschwung, blühte im Mittelalter in der neuen und neuesten Zeit. Ja, die Sklaverei hat eigentlich noch gar nicht aufgehört. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Oeffentliche Sitzung des Wiener israelitischen Cuttnsvorstandes vom Sonntag den 30. Deeember 1900. Borsitzender: Präsident kaiserl. Rath K l i n g e r. Der Präsident eröffnet die Plenarversammlung, constatirt die Beschlußfähigkeit und beantragt, mit Rücksicht auf den Jahresschluß mit der Verificirung des heutigen Protokolles die Borstandscollegen Oberingenieur v. Mises und Oberfinanzrath Doctor Rappaport zu betrauen. An Spenden sind zu melden: Herr Alois Reich übermittelt 24-00 Kronen zur Errichtung einer Lotti Reich, geb. Schönbek'schen Widmung behufs Bertheilung der Jahreszinsen an zwei arme weibliche Kranke israelitischer Confession, ferner 2000 Kronen zur Errichtung einer Flora Reich'schen Widmung behufs Verwendung der Jahresinteressen für eine arme israelitische Wöchnerin. Ferner sind eingelaufen: Vom Israelitischen Frauenwohlthätigkeitsverein „Frauenhort" für den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen 125 Kronen; von Herrn Alfred Pollak für das Altersversorgungshaus 50 Kronen. Für die Ausspeisung armer Schulkinder in der Brigittenau: Bei der Cultusg-meinde eingelaufen: I. H.30 Kronen. Anonymus . . . . 10 „ Sofie Hofmann . . 10 „ Sal. Kühner ... 4 , Schlesinger (Eger) . 2 „ Zn Händen des Herrn Dr. Berger. Frau Katharina Brüll Gedenken des Todes- 2o Kronen. .. io .. „ Katharina Schulö.*0 „ Herr Jacob Kann . ..10 „ „ L. L., Wiener-Neustadt.2 „ „ 83ert^o^b (Sdjtefinger, Mährisch-Ostrau. 4 „ Bon einem bayrischen Juden, Nürnberg.... 12 ,. Zu Händen des Herrn H. Weiner: Von Herrn Josef Wunsch.25 Kronen. „ Frau Charlotte Meller, Oedenburg . . 10 „ „ R. v. B in Graz .. 5 „ „ Herrn Fr. Max Sauer.2 „ ,. Herren Gebrüder Schwadron.... 5 „ „ Herrn Sigmund B a r b e r ..10 „ „ „ Architekt Fuchs.2 „ „ Frau Martha Händel diverse Kleidungsstücke für die Kinder. Nach Verlesung des Einlaufes wurden die ausführlichen Protokolle der beiden letzten öffentlichen Plenarsitzungen zur Verlesung gebracht. Die Vorsteher kaiserl. Rath Wilhelm Pollak, Dr. Alfred Berger, erster Bicepräsident Dr. Alfred Stern, Emanuel Hoffmann, Salo Cohn, Oberfinanzrath *) Fleury, Histoire ecclßsiastique Tome VH., Avignon 1777 Livre 47, ch. 99—48. Dr. Rappaport wünschen einige Aenderungen, beziehungsweise Ergänzungen der Protokolle, worauf dieselben zur Genehmigung gelangen. Nach Uebergang zur Tagesordnung referirt Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger über den Seetionsantrag, betreffend das Gesuch der Chastidim-Klaus. Der betreffende Verein bedurfte zum Zwecke der Errichtung des Betlocales einer Caution von 600 Kronen und ersuchte um ein Darlehen in gleicher Höhe. Das Darlehen wurde gewährt mit der Verpflichtung zur Rückzahlung in drei Jahresraten, von welchen die erste im Betrage von 200 Kronen bereits zur Rückzahlung gelangt ist. Die Section beantragt die nachträgliche Genehmigung dieses Beschluffes. Der Antrag wird angenommen. Cultusvertreter Dr. Maximilian Steiner referirt im Namen der Section über die Verwendung der Gebühren für jene Eheaufgebote, welche im Sinne der neuesten BorstandSbeschlüffe nicht in den Gemeindesynagogen, sondern in den Vereinstempeln vorgenommen werden. Die erste Section beantragt die Taxe dafür dem betreffenden Bethause zu überlaffen, dem Bethausvorstande auch es anheim zu geben, die Höhe der Gebühr zu lesttmmen, mit der Einschränkung jedoch, daß das Maximum 10 Kronen nicht übersteigen darf. Biee- Präfident Dr. Gustav K o h n gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die einzelnen Bereinsleitungen das Erträgniß dieser Gebühren zur Aufbesserung der Gehalte der Bereinsfunctionäre verwenden mögen. Bice-Präfident Dr. Alfred Stern erinnert daran, daß er seinerzeit gegen die Zuweisung der Eheaufgebote an die Beceinssynagogen, mit Rücksicht auf die hohe, gesetzliche Verantwortung des Vorstandes für alle Maßnahmen in Eheangelegenheiten, gestimmt habe und in Consequenz seiner damaligen Haltung gegen den Seetionsantrag stimme. Cultusvorsteher kaiserl. Rath Wilhelm Pollak würde dem Vorredner vollständig zustimmen; da man aber heute bereits vor einem rechtsgiltig gewordenen Borstandsbeschluß steht, so beantragt er, die Hälfte der Gebühreneingänge dazu zu verwenden, um einen tüchtigen Functionär mit der Aufgabe zu betrauen, die Trauungsbücher und die Vermerkbücher für die Eheaufgebote in den verschiedenen Bereinssynagogen von Zeit zu Zeck zu controliren. Wir wollen uns die volle Garantie schaffen, daß jederzeit ein gesetzliches Vorgehen befolgt wird. Oberingenieur Edler von Mises wendet sich gegen diesen Antrag. Es handelt sich heute blos um die Verwendung der Gebührenerträgniffe, die in den einzelnen Bereinssynagogen etwa die Summe von 100 bis 150 fl. ergeben. M't solchen Mitteln können Sie keine Functionäre bestellen und es sei dies auch unnöthig, nachdem der Vorstand ohnehin einen Beamten beauftragt hat, jene Bücher von Zeit zu Zeit zu controliren. Nachdem kaiserl. Rath Wilhelm Pollak seinen Vorschlag zurückgezogen, wird der Seetionsantrag genehmigt. Vice-Präfident Dr. Gustav K o h n referirt im Namen der II. Section über den Antrag, aus der Isidor und Cäcilie Kulka'schen Stiftung 317 Kronen der Talmud-Thora zur Ausspeisung hungernder Schulkinder zu überweisen. Der Antrag wird genehmigt. Herr k. k. Baurath Ritter v. Goldschmidt berichtet über die erste Thätigkeit des neuerstandenen Wöchnerinnenverbandes, und erinnert zur Entstehungsgeschichte des Institutes an die Enquete im Jahre 1897, seitdem war es das unausgesetzte Bestreben trefflicher Männer und Frauen, die Unterstützung armer Wöchnerinnen in ein centralifirtes Geleise zu bringen. Nach vielen Bemühungen ist es gelungen, und zwar in einer Sitzung unter dem Präsidium der Frau Baronin Königswarte r, neun Frauenvereine und den Verein „Providentia" zum Beitritt zu veranlaffen. Die Cultusgememeinde war durch unfern hochverehrten Herrn Präsidenten vertreten. Nunmehr ist das Werk gelungen und circa hundert Damen widmen sich diesem Zweige der Wohlthätigkeit. Das Comitä hat sehr eingehende, genaue und treffliche Instructionen ausgearbeitet, ganz Wien in einzelne Actionsrayons getheilt und öffentlich die Anmeldestellen bekannt gemacht. Seit dem 2. Deeember ist der Apparat in Function, und man kann sagen, er arbeitet vortrefflich. Das Pcincip de» Verbandes ist, präventiv zu unterstützen; er läßt sich nicht daran genügen, etwa einer armen Wöchnerin ein paar Gulden zu geben, sondern er sorgt fürdie nöthigen Utensilien, für die Kinderwäsche, Wäsche, für die Hebamme, eventuell auch für den Arzt. Mit wahrem Enthusiasmus widmen sich unsere Frauen dieser woblthätigen Mission und kann man über das Resultat nur das Beste berichten. Der Verband verfügt über 14.700 Kronen Jahresbeiträge, die Cultusgemeinde hat dem Zwecke 2000 Kronen gewidmet und während der kurzen

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