Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 52 (28.12.1900)
- Date
- 1900-12-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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»1D> jr' jtlnfr-V»rnr rTmi-h Nr. 52 Dr. Blortz's Wochrnfchrifk» Seite 939 „Es liegen hier", sprach der Richter, ohne Eli's Frage zu beantworten, „allerlei Anzeigen vor, die Verdachtgründe wachrufen. Man will gesehen haben, daß Sie am Tage, da das Mädchen verschwand, selbst in den Keller hinabgingen, angeblich um Wein zu holen; das Mädchen soll zur Zeit unten gewesen sein; im Nachbarhause soll mau einen markerschütternden Schrei gehört haben. Die Flasche, die Sie in der Hand trugen, als Sie den Keller verließen, soll eine röthliche Färbung gehabt haben. Ich bin weit davon entfernt, auf bloße Anzeigen hin einen Verdacht auszusprechen, müßte Sie aber doch, wenn Sie sich nicht rechtfertigen können, in Untersuchungshaft behalten, bis die Sache geklärt ist!" „Ich höre staunend", sagte Dr. Eli, seine innere E trüstung bekämpfend, „daß man es wagt, einen Mann, der stets nur dem Wohle seiner Mitbürger gelebt, zu verdächtigen und halte es unter meiner Würde, mich zu rechtfertigen, wenn Gemeinheit und —" „Keine Ausfälle", unterbrach der Richter mit Stentorstimme, „Sie haben hier nur Auskunft zu geben, ob —" „Ich verweigere jede Auskunft über Fragen, die mich wohl gar des Mordes zeihen", sagte Dr. Eli entlüftet; „mein Leben liegt wie ein offenes Buch vor Allen, die mich zu beurtheilen haben. Ich möchte Demjenigen Aug' in Aug' gegenübergestellt werden, der es wagen kann, mich einer unehrenhaften Handlung zu zeihen!" „Genug der pathetischen Reden", sagte der Richter barsch, „ich verlange kraft meines Amtes Auskunft darüber, was Sie am 14. April im Keller Ihres Hauses thaten!" „Ich öffnete ein Faß Wein", sagte Dr. Lazzlo, mit Mühe seinen Unwillen unterdrückend. „War Ihnen Ilona behilflich?" forschte der Richter. „Ilona war nicht zugegen!" „Wie wollen Sie das beweisen?" „Mein Ehrenwort gilt als Beweis!" „Wenn Sie aber überführt werden, daß Ilona mit Ihnen im Keller gesehen worden?" „Dessen kann mich Niemand überführen, weil es nicht wahr ist!" „Wir haben Zeugen!" „Aber keine glaubwürdigen!" „Sie kennen den Bela Hetvay, der bei Ihnen im Hause wohnt?" „Den Trunkenbold? Ja, leider kenne ich ihn!" „Hetvay behauptet, er habe, als er einen Schrei Vvnommen, durch das Kellerfenster geblickt und gesehen, wie Sie die Ilona zu Erde geworfen und —" - „Und wegen einer so gemeinen, unwahren, schändlichen Denunciation", rief Dr. Eli empört, „soll ich mich allen Ernstes rechtfertigen?" „Ja, das sollen Sie, wenn Sie es können!" sagte der Richter mit Nachdruck. „Schändlich! Schändlich!" rief Dr. Eli, die Fäuste ballend; „Kann die Aussage eines Lumpen einen Ehrenmann zum Mörder stempeln?" „Bela Hetvay hat Zeugen", fuhr der Richter unbeirrt fort, „daß Sie eine Viertelstunde später den Keller verließen und eine Flasche, deren Inhalt roth schillerte, vorsichtig in den Händen trugen. Ich frage Sie, was war in dieser Flasche?" „Rothwein! Oder ziehen Sie es vor, zu glauben, daß die Flasche das Blut eines gemordeten Christenmädchens enthielt?" höhnte Dr. Eli, der seinen Zorn ob der ihm angethanen Unbill kaum noch bemeistern konnte. „Nicht diesen Ton! Ich warne Sie! Bedenken Sie, daß es in meiner Hand liegt, Sie Ihrer Freiheit zu berauben!" „Gefängnißstrafe ist ja weniger entehrend, wie dieser scheußliche Verdacht!" „So rechtfertigen Sie sich von demselben! Noch einmal frage ich Sie, sagen Sie nicht, daß Sie nichts wissen; wo ist Ilona Kusmik geblieben, nachdem Sie sie zur Erde geworfen?" „Da könnte man ja den Verstand verlieren", brauste Dr. Eli auf. „Glaubt man einem Vagabunden, wie dieser Hetvay, der gegen mich zeugt, weil ich ihm die Wohnung gekündigt, mehr als einen Ehrenmann, dessen einziges Bestreben es stets gewesen, den Aermsten der Armen hilfreich zu sein?" „Mit schönen Worten", sagte der Richter, „entkräften Sie keinen Verdacht! Es herrscht im ganzen Ort nur eine Stimme: Ilona Kusmik ist beseitigt worden, weil die Juden zum Pessachfeste Christenblut brauchen!" „Und diesem hundertfach widerlegten Märchen aus dem grauen Mittelalter" rief Dr. Eli entrüstet, „will ein Mann von Ihrer Bildung auch nur den Schein von Wahrheit zuerkennen? Wahrlich, mir steht der Verstand still!" „Ist das Ihre ganze Rechtfertigung?" höhnte der Richter. „Ich habe mich nicht zu rechtfertigen! Ich bin schuldlos!" sprach Dr. Eli, „und ich werde mein Recht suchen und — staden! Sind Sie auch verblendet, so gibt es doch noch Richter, die" — „Ich erkläre Sie für verhaftet!" unterbrach ihn wnthschnaubend der Beamte. „Man wird Ihnen zeigen, Sie unv-rschämter Jud, was es heißt, frech sein und unparteiische Beamte lästern wollen!" Ec drückte auf eine Klingel; in der Thür erschien eilt Diener. „Führen Sie den Angeklagten Lazzlo ab!* sagte er barsch. „Rühren Sie mich nicht an!" rief Dr. Lazzlo, als der Diener ihn bei der Schulter packte und hinaus führen wollte. „Thun Sie Ihres Amtes!" sprach der Richter; „wir werden diesem hochmüthigen Juden Mores lehren!" (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Adolf Weiß in A.—B. Herzlichen Dank für die Zuschrift Indessen können wir von der Anregung keinen Gebrauch machen. Leser des Blattes: Der Redner erwähnte Grillparzer als den Schöpfer der tragischen Gestalten betrogener Liebe in Medea und Sappho und fügte unter Anderem hinzu, daß in der Donaustadt das Wort geprägt worden: Zwei Seelen und ein Gedanke, zwei Heiden und ein Schlag. Jsak Rosner in Dorna-Watra: Allerdings ist das strafgesctzlich verboten und kann gegen den Betreffenden strafgerichtlich vorgegangen werden. M. in Wie». Ter Herr Gustav Györi, I., Maysedergasse. der im „Deutschen Volksblatt" seit längerer Zeit annoncirt, hat sich vor Kurzem getauft, zählt sich jetzt zu den „Ariern", was unsere» Glaubensgenossen noch nicht bekannt zu sein scheint. Dr. Frankl in K. Wird zu sehr gelegener Zeit verwendet werden. A. W. Der einstige Antisemitenführer Verhovay, der während des Tisza-Eszlarer Processes eine dominirende Rolle im Gerichtssaale spielte, ist in seiner schönen Carriöre zu früh unterbrochen worden. Der würdige Mann hatte nämlich einige Fatalitäten, weil er Gelder — unterschlug. Dr. W. Ag. Man kann noch so sehr an Zufälle glauben aber man wird es doch nicht als einen puren Zufall erklären können daß bisher schon eine g r o ß e A n z a h l antisemitische Koryphäen als ganz gemeine Diebe h inter Schloß undRiegelgesetztwurden. I. N—th. Baron D i p a u l i, der von den Christlich-Socialen in so heftiger Weise angegriffen wird, erhiell kürzlich erst einen hohen päpstlichen Orden. Isidor M. Lassen Sie sich doch von diesem Gefasel nickt imponiren. Wie kann ein ernster Mensch glauben, ein Universitätsprofeffor, ein Canonicus werde, wenn er selbst hiezu den Befehl von einem Minister bekäme, sich das Recht entziehen lassen, gegen die Beschuldigung, ein Meineidiger zu sein, die Ehrenbeleidigungsklage zu erheben? a. Die Inden haben wirklich keinen Anlaß, gegen die Behauptung der Antisemiten zu protestiren, Gambetta sei jüdischer Abstammung gewesen. Nemo. Schopenhauer zählte zu seinen intimsten Freunden Inden, und er wußte auch den Antheil zu schätzen, welchen gerade Philosophen jüoischer Abstammung an der Verbreitung seiner Lehre hatten. I. W g. Es ist der plumpste Schwindel, wenn Herr B i el o h l a w e k und seinesgleichen, deren Kehlen noch heiser von dem Hepp-Hepp-Geschrei sind, um Stimmen zu fangen, vor den Wahlen eine Verbeugung vor den — Staatsgrundgesetzen machen. Wie dumm müßten die Wähler sein, die sich von solchen Manövern täuschen ließen. „Junior". Professor Romeo S e l i g m a n n, der in dem Hauie von Goethe's Schwiegertochter so intim verkehrte, war als Jude grboren. Dr. I. G Der christlich-sociale Candidat, der sich öffentlick beklagt hatte, man nehme es in seiner Partei einem übel, wem, er etwas gelernt hat, ist bereits von der — Candidatur zurückgetreten. Nur die „Barriere-Stöck" erfreuen sich der Gunst Lueger's