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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-28 · 52 (28.12.1900) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
52 (28.12.1900)
Date
1900-12-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 52 Dr» Bloch’s Jahrgang XVII. Centralorgsn für die gefsmmten Interessen des Iudenthnms. A. k. Postspnrr.^ll'en-'ktml Clearing-Verlreffr Nr. 810 976. LrdacNon und Administration-. Wien IX/1, Berggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Wien, 28. Verember 1900. 4- <> - *= Ersch eint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggafse SS. Tetestr^mm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien» Verugsprri» für Oesterreich: halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 56 Heller. Für'» Ausl and: Halbjährig 16 Kronen. Ganzjährig 26 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. &- Inhalt. Leitartikel: Zweiter offener Brief an Herrn Dr. Max Nordau in Paris. — „ . . . . und betrog Beide." — Die Bulle des Papstes Paul III. gegen die Blntlüge und Pfarrer Deckert. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Wiener Fleischfrage. Zur Frauenfrage. Zur Nationalitätenhetze in Oesterreich. Jüdische Märtyrer tm christlichen Kalender. Burenfeier und Cautionsschwindel. — Correspondenzen: Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde. Die Leidensgeschichte eines Tempelbaues. Wien, Ung.-Brod, Budapest, Könitz, Berlin. Brüssel, London, Warschau. — Vermischtes: Wien, Graz, Lemberg, Straßnitz, Mißlitz, Oderberg-Bahnhof, Wottitz, Proßnitz, Groß-Meseritsch, Klattau, Raab. — Feuilleton: Des Papstes Machtwort. - Briefkasten. — Inserate Wir ersuchen unsere geschätzten ^Abonnenten um rechtzeitige Zinsendung der laufenden tAbonnemenfsgebühr, damit die %usendnng des Blattes keine Unterbrechung erleide. %ur Zinsendung der Beiträge wolle man die beigelegten Postschecks benützen. Die ^Administration der „Oesferr. Wochenschrift“ Zweiter offener Brief an Herrn Vr. Max Nordau in Paris. „So lag ich und so führt' ich meine Klinge", ruft der großmäulige Lustigmacher Falstaff bei Schilderung seiner Hekdenthaten aus — und so könnte ich eigentlich über Ihren dritten Artikel: „Die politische Gleichberechtigung der Juden" getrost hinweggehen, wenn ich Sie, Herr Dr. Nordau, nicht ernst nehmen und Ihren Aufsatz mit dem Schwerthieb jenes ruhmredigen Prahlhans vergleichen wollte. Dieser letzte Artikel aber enthält Gift, gefährliches Gift, das wie aus dem Zahne der Schlange spritzt, und dieser Giftzahn muß ausgebrochen werden. Ihrer Weisheit letzter Schluß in diesem dritten Artikel über die politische Gleichberechtigung der Juden läuft in dem unheilvollen Gedanken aus, daß wir den letzten Nest von Menschenwürde in uns ersticken und daß wir uns — nicht etwa bildlich, sondern wirklich und wahrhaftig — in das Ghetto, in das Judenviertel freiwillig verschlüpfen sollen, „damit wir dort unsere Volks- und Mittelschulen und bei wachfenoem Reichthum und Gemeingeist später auch Fach- und Hochschulen unterhalten, jüdische Kunst- und Gewerbeansstellungeu veranstalten, Museen, Theater, Akademien gründen und jüdischen Größen öffentliche Denkmäler setzen." So hätten Sie uns glücklich dahin gebracht, oder sollen wir uns von Ihnen dahin bringen lassen, wo der christliche Antisemitismus uns längst schon haben will! Sie müssen es sich daun gefallen lassen, wenn wir in Ihnen den jüdischen und g e f ä h r l i ch st e n Antisemiten sehen. Es ist nur ein Unterschied dabei, daß, während der christliche Antisemitismus blos im angeborenen Hasse und Jnstincte seine Wurzel hat, der Ihre in einer Wahnvorstellung, in der eitlen Sucht nach Originalität seine Erklärung findet, aber in gleichem Maße unser Unglück zu fördern geeignet ist. Hier gibt es nur eine Alternative: Entweder Sie handeln unbewußt oder bewußt. Ist Ersteres der Fall, dann ist es traurig, wie die in meinem vorigen Briefe ausgesprochene Beforgniß um Ihren Gesundheitszustand sich leider heute schon als begründet erweist! Sie sind — ich 'preche nur von Ihrer uns als Panacee empfohlenen „jüdischen Volkspolitik" — wirklich nicht mehr im Stande, logisch zu denken. Ihr Gedankeugang wird immer zerfahrener und Ihre mit solch unerschütterlicher P o s i t i v i t ä t uns vorgetragene Lehre vom „Glück im Winkel" des Ghetto könnte als eine psychomotorische Erregung angesehen werden, die sich in beinahe an Größenwahn erinnernde» Störungen manifestirt und ein solcher Zustand ist — psychopathisch. Wenn Sie da, verehrter Herr Doctor, von uns Zionisten wegen Verraths an unserer guten Sache angeklagt werden könnten, so würde ich selbst Sie mit sicherem Erfolge vertheidigen und einen Freispruch erwirken. Krafft-Ebbing, der große Psychiater, führt in seiner gerichtlichen Psychopathologie als Momente, welche von

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