Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 51 (21.12.1900)
- Date
- 1900-12-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Seite 919 Dr. Bloch's WochenfchrM Str. 81 putation des Jesuitenklosters sich drei Tage in Wien aufhalten werde. Sofort beschloß er abzureisen, hoffend, den Bruder noch in Wien zu treffen. Nach beendeter Fahrt forschte er, ohne sich Ruhe zu gönnen, beim Bischof, in den Klöstern, bei den Kirchenvorstehern nach; Niemand wollte Etwas von einer nach Rom abgegangenen Deputation wiffen. Verzweifelt kehrte er nach Pest zurück; offenbar hatte ihn Pater Jeremias nur auf eine falsche Fährte führen wollen. Ist es ja jesuitischer Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel, Ungeachtet ernster Nachforschungen auch in Pest keine Spur des Gesuchten. Tief traurig trat er die Heimreise an, um die unterbrochenen Studien zu vollenden. (Fortsetzung fo'gt.) Literatur. Resnonsen „S’de Jehoschua“. Von O. Heschel - Waller stein, Rabbiner in Rzeszow, Lemberg, 1900. Wenn je einIGebiet der jüdischen Literatur an Ueberproduction zn leiden hat, so ist es gewiß das der Responsenliteratnr. Die diesbezüglichen elastischen Arbeiten elnes Ch'sam Sopher, eines Chaim Halberstamm und Josef Saul Nathansohn bilden gewiß das Entzücken eines jeden Kenners des Talmud und des classisch-rabbinischen Schriftenthums. Es gibt aber leider in Rußland und in Galizien eine ganze Anzahl von Talmndjüngeru, die mit dem talmndischen Studium ein wenig vertraut, nicht nur lernend, sondern gleich lehrend austreten und dickbändige „Leb'alotd ut’schuvoth“ veröffentlichen. Ganz anders verhält es sich aber mit vorliegender, tiefdurchdachter und ernster Arbeit des in seinem ehrwürdigen Amte ergrauten Verfassers die den besten Werken dieser Gattung gleichzustellen ist. Hat sich Herr Rabbiner Wallerstein in seinem im Jahre 1899 erschienenen „Lerklu Jehoschua“ dem jüdischen Lese- und Gelehrtenpublicum als der feinsinnige Agadist, der durch die geschickte Anwendung von Midrasch- und Talmudstellen, durch die sinnreiche Auslegung der Worte der heiligen Schrift und durch die außerordentlich gelungene Ausbeutung der jüdisch-arabischen Philosophie, in der er eine Belesenheit bekundet, um die ihn so manche nioderne rabbinische Schriftsteller beneiden dürften, nicht nur den Hörer, sondern auch den Leser zu fesseln versteht, so zeigt er sich kn seinem „S’de Jehoschua“ als der ernste Forscher auf halachischem Gebiete, in der einschlägigen rabbinischen Fachliteratur wie selten Einer bewandert. Die scharfe Dialectik zeigt, daß er zu Füßen der größten und berühmtesten Meister seines Faches gesessen hat. Eingeleitet wird das vorliegende Werk mit einer größeren, weitausholenden agadischen Abhandlung, in der die Stelle im Traktate Sabbath ko. 86 b, wo es heißt: Als Gott Israel die Thora geben wollte, da traten die Engel auf und baten: „Laß' Deine Pracht und Herrlichkeit hier im Himmel", wirklich originell gedeutet wird. Von den vielen Responsen. rituelle Fragen betreffend, dürften auch den Rabbiner der modernsten jüdischen Gemeinde Nr. 49, II—IV besonders aber l. n. VIII interessiren, wo — vielleicht zum erstenmale — die Frage aufgeworfen wird, wie ein Familienname in Ehescheidungsbriefen zu behandeln sei. Es handelt sich hier um den Namen Friedmann. Allerdings schwebt dieser Name dem Geiste des gelehrten Verfassers nicht als Familienname, sondern als Ersatz- und Vorname für das hebräische „Limcha" vor. Es darf aber nicht vergessen werden, daß in gewissen Gegenden Niemand bei seinem Vornamen, sondern bei seinem Familiennamen genannt wird, selbstverständlich bilden die Familienangehörigen eine Ausnahme. Es wäre daher sehr intereffant die Frage, welche Rolle den Familiennamen in jüdischen Ehescheidungsbriefen — allerdings von den Vorschriften des Gesetzesbuches (Lbeuhaessr u. f. w ) ausgehend — anzuweisen sein würde. Aus dem Wenigen, das wir anführten, kann man sich überzeugen, daß vorliegendes Werk nicht zu den alltäglichen „Sch’aloth ut’schuvoth“ zu zählen sei, sondern daß es vielmehr geeignet ist, dem modernsten Rabbiner bei vielen praktischen Fragen im jüdisch-rituellen Leben ausgezeichnete Dienste zu leisten, von seinem gelehrten Inhalte ganz abgesehen. Virovitica (Slavonien). Rabbiner Dr. Kaufmann. Briefkasten. L. in Wien. Wir haben bereits constatirt, daß der angeklagte Sternberg niemals Jude war. K. in M. Willkonimen. Alfred Adler in Wien. Besten Dank für die Mittheilung der Einlage. Asriel. Die Einsender werden nicht genannt. M. W—g. Das „Deutsche Volksblatt" war es» welches die vernichtende Satyre gegen die Antisemiten veröffentlichte, wonach Goethe in Mephistopheles einen — Juden gezeichnet hat. Die „Schriftleiter" waren dem witzigen Verfasser in einer Weise aufgesessen, die geradezu beispiellos dasteht. S H. Die Armen Wiens werden sich vielleicht noch einmal daran erinnern, daß nach Lueger's Auffassung Menschen mit Ehrgefühl am besten daran thnn, ihre Kinder darben nnd verkommen zn sehen, bevor sie die öffentliche Wohlthätigkeit für sie in Anspruch nehmen. Mildernd allerdings fällt für den Herrn Bürgermeister in's Gewicht, daß er nicht Weib und Kinder hat. Herr Leopold Karpfen, Cultnsvorftand in Krems a. D. Leider ist es richtig, daß das Curatorium der Stiftung aus Mangel an Mitteln wiederholt Gesuche trotz dringender Befürwortung des Cultnsvorstaudes abzulehnen gezwungen war. I. R—g. Herr Schöffel hat immer mit den Leuten geliebäugelt, welche den Landtag zu —wie er es nennt — einem „Lumpentheater" gemacht haben. Seine Charakteristik trifft also nur seine Freunde. I. N—d. Der Mechaniker Schneider verübelt es dem Dr. B a x a, vaß er nicht bei jeder Gelegenheit für den Ritualmord-Glauben Propaganda macht, und knüpft daran die schwerwiegende Beschuldigung, daß man daraus ersehen könne. Dr. Baxa wäre als Advocat auch für die Vertheid i gnng Hi lsner's z u h a b e n g ew e s e n. Die Herrschaften scheinen sich ja recht gut zu kennen. Adolf H. Sie fragen, wer die Schulden des Herrn Stojalowski zahlen wird, die dieser bereits a conto seiner nun mehr illusorisch gewordenen Reichsraths-Diäten gemacht hat. Vielleicht seine guten Freunde, die Wiener Christlich-Socialen. a. Herr Stein wen der rühmt sich stets, der „älteste Antisemit" Oesterreichs zu sein. Nun hat er auch am eigenen Leibe erfahren, wie antisemitische Kampfmethode schmeckt. JustnS. Paulv. Pacher galt einst als nobler Charakter voll glühenden Freisinnes. Zn jener Zeit verkehrte er auch mit Vorliebe in jüdischen Häusern, die er natürlich später — als er Antisemit wurde — mied. Darin erinnert er lebhaft an Dr. Lueger. Alfred W. Goethe hat bekanntlich, wenn von Philosophie die Rede war, oft den „heiligen Spinoza" - wie er ihn zu nennen pflegte — citirt. Er hat auch Mendelssohns mit Verehrung gedacht und dessen Enkel Mendelssohn-Bartholdy, der als Knabe häufig in Weimar war, geradezu mit zärtlicher Liebe behandelt. 'Anton H. Selbstverständlich besorgen die Antisemiten in erster Reibe die Geschäfte der Clericalen; Lueger hat sich zu allen Zeiten vor dem Prinzen Alois Liechtenstein geduckt. „Jgrrotus". Wenn auch das Deficit des rumänischen Staates ein beängstigend großes ist. so tangirt dies keineswegs den König Karl, der bekanntlich zu den reichsten Männern in Europa gehört Jnftns. Da die katholische Volkspartei in Ungarn entschieden dagegen Verwahrung eingelegt hat, als eine antisemitische Partei angesehen zu werden, wurden ihre Mitglieder natürlich von dem „Deutschen Volksblatt" als „Judenknechte" bezeichnet. Vergani rechnet auf das schlechte Gedächtuiß seiner Leser, er hofft, diese hätten schon vergessen, wie die katholische Volkspartei in seinem Blatte bisher immer verhimmelt wurde. Nemo. Ihre vergleichende Studie zwischen P u r s ch t und Fenz l entbehrt nicht eines gewissen culturhistorischen Wcrthes, aber sie paßt nicht in den Rahmen dieses Blattes I. S g. Es ist der erste Fall, daß eine aufgehetzte Menge gegen den Vertheidiger eines Angeklagten demonstrlrt und ihn wie dies in Chotiebor geschah — sogar öffentlich bedroht. Anton H. Der deutsch nationale Redner, welcher in einer Wählerversammlung hervorhob, Dr. Lueger habe den Hauptantheil des Baronin Hirsch-Legates — clericalen Vereinigungen z u g e w e n d e t, hat nur die volle Wahrheit gesprochen. In der That hatte der Herr Bürgermeister von Wien nicht einmal so viel guten — Geschmack, um die S p e n d e einer Jüdin W o h l t h ä t i g k e i t s - A n st alten zu zuwenden, welche bei Armuth und Krankheit keinen Unterschied der Confession kennen. 691 Mazzoth-Lieterung. Die Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeinde gibt bekannt, dass sie Offerte für die Lieferung von ca. 240 Meter, centner Mazzoth entgegennimmt. Die Mazzoth müssen unter strenger Beobachtung der rituellen Vorschriften hergestellt werden, viereckig, 22—24 Stück per Kilo. Der Schluss des Einreichungstermines ist am 4. Jänner 1901. Die Lieferung wird im Ganzen oder theilweise vergeben. Nähere Auskünfte in der Kanzlei, I., Seitenstettengasse 2, von 9—10 Uhr Vormittags. Der Vorstand der Armenanstalt der israelitischen Ciiltusgeroeinde Mn.