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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-07 · 49 (7.12.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
49 (7.12.1900)
Date
1900-12-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 862 Nr. 49 Br. Blvitz's Wochenschrift. ganze innere Einrichtung der Anstalt fand den ungetheilten Beifall der hohen militärischen Commission, insbesondere die von der Elektrotechnischen Fabrik E. u. L. Hirsch, XX., Wintergasie 18, installirte elektrische Lichtanlage, welche mit eigener Centrale versehen ist und die sowohl durch ihr ganz neues und originelles Jnstallationssystem, als auch durch ihre erwiesenermaßen ganz erheblich reducirten Betriebskosten bemerkenswerth ist. Die Firma E. u. L. Hirsch hat sich auch sonst schon wiederholt durch hervorragende Leistungen auf elektrotechnischem Gebiete ausgezeichnet, so erst jüngst anläßlich der Erbauung des neuen jüdischen Tempels in der Brigittenau, besten elektrische Beleuchtung die Firma mit großer Accurateffe ausführte und des löblichen Zweckes halber sogar bedeutende materielle Opfer brachte. Deshalb verdiente diese Firma bei Vergebung großer Arbeiten berücksichtigt zu werden, besonders von unseren Stammesgenosten, welche leider nicht das gebührende Jntereste für die Förderung des jüdischen Gewerbes zeigen. Im elektrotechnischen Gebiete werden von unseren Glaubevsgenosten jährlich Millionen investirt, sowohl bei Fabriks-- einrichtungen, als auch bei Erbauung von Palästen, öffentlichen Gebäuden und Wohnungseinrichtungen. Leider fließen diese Summen zum großen Theile in die Taschen offener und verkappter Feinde des Judenthums; ja declarirt antisemitische Firmen, welche offen erklären, Juden principiell nicht anzustellen, werden von unseren Glaubensgenossen beschäftigt; hier wäre eine Remedur dringend erwünscht. Prag. Am 22. November starb hier der gewesene Redacteur Herr Heinrich Katz im 85. Lebensjahre. Herr Heinrich Katz. der von den Fünfziger- bis in die Siebziger-Jahre auf journalistischem Gebiete thätig war, erfreute sich in weiten Kreisen großer Hochachtung. Mit der vor fast fünfzig Jahren durch ihn erfolgten Begründung des „Prager Handelsblattes" schuf er dem böhmischen Waarenhandel einen officiellen journalistischen Mittelpunkt und in seiner Eigenschaft als Borstand des Gremiums der beeideten Wechsel- und Waarensensale hat er selbst an der Entwicklung des Geschäftsverkehrs thätigen Antheil genommen. Wiederholt berief ihn das Vertrauen der Regierung in den Sechziger- und Siebziger-Jahren zur Mitarbeit bei der Ausgestaltung wirthschastlicher Gesetze. Das Leichenbegängniß fand unter sehr zahlreicher Betheiligung aller Gesellschaftskreise statt. Herr Oberrabbiuer Dr. Ehrenfeld hielt die formvollendete, tiefempfundene Trauerrede. Unter den zahlreichen Beileidsbezeugungen, die der Familie zugegangen sind, befinden sich solche Sr. königlichen Hoheit des Großherzogs und seines Bruders des Prinzen Carl v. Baden. Ein Sohn des Verstorbenen ist Chefredacteur der amtlichen „Carlsruher Zeitung". Marienbad. Herr Michael Köhler, Rechtspraktikant in München, würde Mittwoch den 28. November d. I., 11 Uhr Vormittags behufs Erlangung der höchsten akademischen Würden der Jurisprudenz in der kleinen Aula der? Universität München eingeladen, zu erscheinen. Zu dieser Feierlichkeit wurden eingeladen: Se. Magnific der Rector, die Herren Senatoren, Profesioren, Doctoren aller Facultäten und die akademischen Bürger, sowie sämmtlrche Freunde der Wissenschaft, Dr Earl Birkmayer, ord. Professor der Rechtswissenschaft, zur Zeit Decan der juristischen Facultät. Dieser Act der Feierlichkeit ist nach Art der bei uns üblichen ,,krouiv1ion 8ub ausxieiis imperLkoris" und kann in Deutschland nur durch ein preisgekröntes Werk erreicht werden. — Freitag Nachts vom 25. zum 26. November starb hier die Gattin des Tempelvorstehers und Armenvaters, Frau Fanni D u s ch e n e s. Die Verstorbene erfreute sich durch ihre Herzensgute und Wohlthätigkeit der allgemeinen Sympathie, welche sich an ihrem Leichenbegängnisse durch die zahlreiche Betheiligung documentirte. Der hiesige Rabbiner ließ in seiner Grabrede die Charaktereigenschaften der Verblichenen im vollsten Lichte leuchten. — Der in allen Kreisen bestbekannte Optiker Jacyues S. K o h o r u liegt seit langer Zeit krank darnieder. Die Antheilnahme an seinem Ergehen ist eine große. Vor einigen Tagen erkundigte sich der als großer Roscheh bekannte hiesige katholische Pfarrer Marian Herold, ob sein Besuch Herrn K o h o r n angenehm wäre. Er wartete jedoch nicht die Antwort ab und stattete demselben Montag den 3. December seinen Besuch fab und verblieb länger denn eine halbe Stunde bei dem Kranken, um ihm Trostesworte zuzusprechen. Beim Verlassen desselben sagte er, er werde sich baldigst nach dem Kranken umsehen. Neu-Cerekwe. (Todesfall.) Nach 45jähriger Thätigkeit als Eantor starb hier am 1. December Herr Josef Mautner im hohen Alter von 62 Jahren. Das Leichenbegängniß am 3. d. M. war denn auch, zumal in den jetzigen Zeiten, ein umso merkwürdigerer Bewers, daß sich ein guter Jude doch allgemeine Achtung erringt, indem wohl Niemand von der Bevölkerung ferne blieb. Ueber ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen hatte Herr Eantor Heinrich Kühner aus Patzau die gesangliche Function übernommen, welche er in gewöhnter exacter Weise zur Geltung brachte. Vor dem Trauerhause hielt Herr Rabbiner Dr. Hoch aus Patzau einen tiefdurchdachten, ergreifenden Nachruf. Der Sarg wurde sodann in den schwarz drapirten Tempel getragen, wo Herr Rabbiner Adolf Pollak aus Pilgram die persönlichen Tugenden des Verblichenen würdigte. Am Grabe nahmen Herr Eantor Fischer, Ober-Cerekwe; Kühner, Patzau, und Schnabel, Ezernowitz. in herzlichen Worten Abschied vom Eollegen, der ein Muster seines Standes war. Bilm. Am 21. November wurde Herr Ignatz Röhr hierorts zu Grabe getragen. Derselbe war 15 Jahre Cultusvorsteher, Ortsschulrath rc. Die Cultusgemeinde Bilin verlor an ihm einen um das Wohl derselben stets rastlos und aufopferungsvoll thätig gewesenen Vorsteher, das Judenthum einen überzeugungsvollen, treuen Anhänger, die Stadt einen hochangesehenen Kaufmann und Bürger, die tiefgebeugte Witwe und die 5 unversorgten Kinder ihren Ernährer. Die Betheiligung am Begräbniß war eine in Bilin noch nicht dagewesene. In unübersehbarem Zuge bemerkte man Herrn Bürgermeister Schmetan und die Stadträthe, Beamte, k. k. Notar, Doctoren, Lehrer, Director des Handelsgremiums, ferner Gemeindevertreter von Nah und Fern u. s. w. Am offenen Grabe hielt Ehrwürden Herr Rabbiner Brok eine tiefergreifende Grabrede, die Alle zu Thränen rührte. Unsäglich bewegt verließen Juden und Christen die letzte Ruhestätte. Das Andenken des Verstorbenen bleibt ewig gesegnet. Feuilleton. Des Papstes Machtwort. Novelle von Jda Varber. Große Freude im Hause des Rabbiners Salomon Lazzlo; der älteste Sohn Aladür, der jetzt die Doctorwürde erlangt, sollte heimkehren. Seit Jahren weilte er, seinen Studien obliegend, fern dem Baterhause in der großen Stadt. — Wie würde es ihm nur daheim in dem kleinen ungarischen Orte gefallen? Das war eine Frage, die, obschon sie den Vater zwar oft beschäftigt hatte, doch heute seine Festtagsstimmung nicht zu trüben vermochte. Aladstr, der geliebte Sohn, die Freude seines Alters, kehrte ins Vaterhaus zurück! Das Herz pochte ihm wie in den Tagen seiner Jugend; er konnte die Stunde nicht erwarten, da er ihn mit seinen Armen umfangen würde. Seitdem er Deborah, sein geliebtes Weib, verloren, war Äladstr seinem Herzen der nächste; auf ihn übertrug er all seine Liebe, ihm galt sein heißes Sehnen, das nun endlich gestillt werden sollte. Zu Eli, dem um ein Jahr jüngeren Sohn, der in Prag Medicin studirte und öfter zu Besuch nach Hause kam, fand er sich weniger hingezogen. Eli war aufbrausend, rechthaberisch, unzugänglich; es war mit ihm schwer zu verkehren; nur Aranka gegenüber w2r er mild und freundschaftlich; sie war die Einzige, die Einfluß auf sein störrisches Gemüth hatte. Aranka Jranyi, ein schönes Mädchen von 18 Jahren, eine entfernte Verwandte der verstorbenen Frau Deborah, war nach dem Tode ihrer Eltern in Rabbi Lazzlo's Haus gekommen. Sie war so schön, wie sie gut war; Jeder, der sich ihres Umganges erfreute, rühmte ihre Munterkeit, ihren heiteren Sinn; selbst der Hypochonder wurde beim Anblick dieser holden Menschenblüthe froh und vergaß sein Leiden. Aranka hatte blauschwarzes Haar, blendend weißen Teint, tiefblaue Augen; ihr ebenmäßig geformtes Gesicht schien wie von Frohsinn durchgeistigt; sie war die personificirte Anmuth und Güte; was Wunder, daß sich Eli sterblich in sie verliebte. Aber Aranka schien sein Werben nicht beachten zu wollen. Sie wich ihm aus, wenn er ihr nahen wollte, er blieb öfter als sonst allein in ihrem Zimmer. Heute war dies nicht gut möglich, da sie viel mit den Vorkehrungen zu Aladär's Empfang zu thun hatte. Eli half ihr, wo er nur konnte; er, der sonst wenig Sinn für Häuslichkeit hatte, ging ihr zur Hand, als sie die Polstermeubles ihrer Bezüge entkleidete, die Basen mit Blumen füllte, die Vorhänge ansteckte. Ein dankender Blick aus ihren schönen Augen war ihm der reichste Lohn. Von Liebe ihr zu sprechen, hatte er nie gewagt; sie wäre ihm wie ein scheues Reh entschlüpft. In vier Wochen waren seine Ferien beendet; dann hieß es zur letzten Prüfung noch einmal nach Prag reisen; wenn er als Doctor hermkehrte, wollte er vor die Geliebte hintreten, sie bitten, die Seine zu werden.

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