Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 48 (30.11.1900)
- Date
- 1900-11-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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>eitc 668 DL« Bloches Wochrnschrl;r< 4tr. 46 den Wandel, Gott sei 's geklagt, an mir selbst, doch was willst machen? Ich bin nicht mehr der, der mein Vater war und meine Nachkommen — wenn Gott mein' zukünftigen Weib welche schenkt — werden auch nicht mehr ich sein, 's geht mit d i e Juden rasch zu Ead'. Meinst Du? Hm . . . ich . . . e . . . glaub's. Einige Monate nachher begegnete ich am Bahnring einem Leichenznge. Eine Halbcompagnie Infanterie marschirte voran, Musik und all der Klimbimm, der ein militärisches Leichenfest ausmacht. Ein Militärpfarrer schritt vor dem zweispännigen Leichenwagen, dessen Dach ein schwarzer Ritter im Harnisch zierte. Officiere, Soldaten, Gofftr und Kinder schlossen sich dem Zuge an, dem nur ein geschlossener Fiaker folgte. Lächelnd sah ich dieser Parade zu und wollte wieder meinen Spaziergang aufnehmen, da schwenkte die Halbcompagnie, bildete Spalier, der Militärpfarrer segnete den Metallsarg ein, sprach die Gebete und schloß mit: lie^uieseat in pace, Amen. Ein Horn blies den Generalmarsch, die Capelle spielte die Hymne und der unförmige Leichenwagen mit dem schwarzen Ritter im Harnisch am Dache polterte schwerfällig dahin. Aus dem Coupöfenster des Fiakers winkte mir eine Hand, der Kutscher hielt die Pferde an, der Wagenschlag öffnete sich — Fritz. Fritzl, am Ende Dein Bruder? Er hat sich erschoffen, weißt, er hält sollen über die Klinge springen .... Er hat doch Dein Geld gehabt . . . Gehabt hat er's. Ja, ihm war nicht zu helfen. — Doch, wo ist Deine Mutter? Meine Matter sagt, sie hätt' am Christenfriedhof nichts verloren, aber ich, ich — begrab' doch mein' Bruder. Briefkasten. Dr. A. K. in Prag. Wir bestätigen dankend, den Pränumerationsbetrag für die Zeit vom 1. Juli bis 30. December 1900 erhalten zn haben. ' Dr. St. Melnik; Joses E. Kopidlao; M. K. Eger: Ihrer Anregung ist entsprochen worden. S. I. L. u. N. S. in G. a. N. Ungeeignet. S. L., Bystran. Wir werden die Anregung den maßgebenden Vereinen zur Begutachtung vor legen. Gottesfopper in Mahr.-Ostrau. Daß ein Obercantor am Sabbath öffentlich Billard spielt, darüber können wir nicht einen ganzen Artikel in der „Oesterreichischen Wochenschrift" publiciren. Jg. Ncufctd in Sch. Die Expedition der „Oesterreichischen Wochenschrift" versendet sämmtliche Exemplare zur selben Stunde. Wollen Sie gütigst bei Ihrem Postamt reclamiren Historicus. Als der Abgeordnete Geza O n o d y im Jahre 1882 am 23. Mai im ungarischen Parlamente erzählte, daß in seinem Wahlbezirke die Juden ein Mädchen ermordeten, um ihr Blut zu den Ostcrbroden zu verwenden, ging ein schallendes Gelächter durch das Haus. Damals ahnte man nicht, daß diese wahnwitzige Beschuldigung zu dem Processe von Tisza-Eszlar führen werde. Anton W. Professor Paul de Lagarde war alles eher als ein Philofemit, aber er hat doch öffentlich den Glauben an das R'tualmord-Märchen gebrandmarkt. Nemo. Es ist eigentlich erstaunlich, daß man es einem christlich-socialen Agitator verübelt, wenn er gleichzeitig in zwei Blättern zwei einander völlig widersprechende Erklärungen abgibt, also auf gut deutsch gesagt: lügt. Die bezahlten Agitatoren einer Partei brauchen doch nicht vornehmere Herren zu fein, als die Führer der Partei es sind. G. K. Das „Vaterland", das „Deutsche Volksblatt" und die „Ostdeutsche Rundschau" sind in Nitnalmord - Angelegenheiten eines Sinnes. g. k. Die „Deutsche Zeitung" „frozzelt" den Staatsanwalt, daß er ihr Berichte unter dem Schlagworte „Nitnalmord" nur dann zu veröffentlichen gestattet, wenn dem Worte ein Fragezeichen beigefügt ist. Es ist aber keineswegs ftaglich, daß die aufhetzende Thätigkeit dieses ebenso blöden als verlogenen Blattes durch das Fragezeichen nicht — beschränkt ist. Ernst Bergani in Wien. Der angeklagte Banguier Sternberg in Berlin, ist nicht, wie sie den Leuten Vorreden, ein Jude, sondern ein Arier und entstammt einer christlichen Familie. M« N—t. Es kann wohl darüber keine Meinungsverschiedenheit geben, daß über die religiösen Fragen des Judentbnms zn sprechen nur solche Juden den Berns haben, welche ihre Kinder nicht — taufen lassen. Arthur H. Die christlich-sociale Partei hat ihren Namen davon, daß sie weder christlich noch -social ist. Notus. Seitdem das „Vaterland", durch traurige Erfahrungen gewitzigt, dem Weinhanser Hetzpfarrer Deckert seine Spalten nicht mehr zur Verfügung stellt, ist der Edle-bis auf — die „Reichspost" gekommen. Max W. Der Obmann der Schneidergenossenschaft Herr Fenzl hat es sehr klug erkannt, daß für ihn das Beste sei, sich als — bornirten Menschen zu zeigen Er huldigt eben der entgegengesetzten Devise Lueger's, der da sagte: „Besser feig als dumm". Nemo. Herr Fe nz l gehörte zu den eifrigsten und bewährtesten Freunden des Mechanikers Schneider. Anton W—g. Lueger's Adjutant. Herr Steiner, hatte in der Wählerversaminlnng in Baden auf die Frage, wie er die vielen Aemter, die er inne hat, mit dem einstigen Programm feiner Partei, welches die Eumnlirung von öffentlichen Stellen verpönt, in Einklang zu bringen vermag, nur ein -verlegenes Stottern als Antwort. a. Wenn Berg a n i, dem die schlimmsten literarischen Diebstähle nachgewiescn wurden, in seinen! Blatt vont Plagiatorenthum zn sprechen wagt, so erinnert das lebhaft an die alte Anekdote, wo der erwischte Gauner schreit: „Halt's den Dieb!" Borstand der israelitischen Cnltusgemeinde Wien. Kundmachung betreffend die engeren Wahlen in den Cultusvorstand. Der Vorstand der Wiener israelitischen Eultusgemeinde bringt hiemit zur Kenntniß, daß die engere Wahl für ein Vorstandsmitglied auf die Dauer von 6 Jahren und für ein Vorstandsmitglied auf die Dauer von 4 Jahren Sonntag den 2. December 1900 vorgenommen wird. Die Herren Wähler werden eingeladen, sich an dem oben bezeichneten Tage, an dem auf ihrer Legitimations-Urkunde bestimmten Wahlorte*) mit ihrer Legitimations-Urkunde persönlich einzufinden. Die Abgabe der Stimmzettel beginnt um 9 Uhr Früh und wird um 2 Uhr Nachmittags beendet. ■ Die näheren Bestimmungen enthalten die §§ 5, 6, 7, und 36 des Statutes, sowie die §§ 3, 4, 5, 9,10,15 und 17 der Wahlordnung und die §§ 2 und 3 des Cultussteuer-Regulativs. In die engereWahl kommen: Für die sechsjährige Mandats da n er: Hermann E l t b o g e n, Productenhändler, XX., Rafaelgasse 12, und. Dr. Leopold Kahn, Hof- und Gerichts-Advocat, VII., Lindengasse 11. Für die vierjährige Mandatsdauer: Isidor G e w i t s ch, Lederhändler, II., Kaiser Josefstraße 37, und Jakob S. S t r a ß b e r g, Realitätenbesitzer, X., Laxenburgerstraße 34. Jede Stimme, welche auf eine nicht in die engere Wahl gebrachte Person fällt, ist ungiltig. Außerdem finden einzelne engere Wahlen für die Vertrauensmänner in den Bezirken III und XI (Section V), VI und VII (Section VII) und XII—XV (Section IX) statt. Genauere Bestimmungen über diese Wahlen sind in der im Amtsblatte der „Wiener Zeitung" vom 30. November veröffentlichten Kundmachung enthalten. Wien, 28. November 1900. Der Erste Secretär: Der Präsident: Dr. Theodor Lieben. H. K l i n g e r. *) Die Wahlen werden an nachstehenden Orten vorgenommen: Für die Wähler der Inneren Stadt: Section A—K, Section L—Z, I,, Seitenstettengasse 4. Für die Wähler der Leopoldstadt und Brigittenau: Section A—K, II., Tempelgasse 3; Section L—Z, II., Leopoldsgasse 29. Für die Wähler der Landstraße und Simmering: III, Untere Viaductgasse 13. Für die Wähler der Wieden, von Margarethen und Favoriten: V. , Margarethenstraße 73. Für die Wähler von Mariahilf und Neubau: VI. , Schmalzhofgasse 3. Für die Wähler der Josefstadt und vom Alsergrund: IX., Müllnergasse 21. Für die Wähler von Meidling, Hietzing, Rudolfsheim und Fünfhaus: XV. , Turnergasse 22. Für die Wähler von Ottakring und Hernals: XVI. , Hubergasse 8. Für die Wähler von Währing und Döbling: XVIII., Schopenhauerstraße 39. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Dr. Josef S» Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn.^Wien, VIEL