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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-23 · 47 (23.11.1900) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
47 (23.11.1900)
Date
1900-11-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 852 Dr. Bloch's Mochenschrift» Sir. 47 — Gott, Gott, wenn der Rudolf jetzt da war', der könnt' seinen Vater schützen. Ach! Einige Salven rasch nach nacheinander abgefeuert, weckten ihn vollends aus seiner wüsten Träumerei, er faltete die Hände und betete um Schonung der Verirrten; dieweil erwachten die Jungen und frugen bestürzt nach der Ursache des Lärmens. Pim — pam, die Leut' haben zu viel Blut, man thut ihnen e bissel Aderlässen. -Sein Schwager Stern ward vom Kaiser in Audienz empfangen worden und die Frucht dieses Schrittes war eine energische Untersuchung des Falles Kellermann. Es kamen fremde Richter, neue Geschwornen wurden ausgelost — nach einigen Tagen war Kellermann und mit ihm seine Söhne frei. Nun hatte er die Freiheit wieder! Allein, was frommte sie ihm? Dem Krüppel! Die neuerliche Untersuchung ergab, daß Kellermann das Opfer eines Complotts war, welches nichts anderes als eine Jndenhatz bezweckte, welche auch thatsächlich stattfand. Alle Bauern der Umgebung hatten sich an der Mordbrennerei beteiligt, es gab eine Unzahl von Todten und Verwundeten — arme Teufel, die für das Vergnügen, welches sich einige Hallunken gönnten, das Leben lassen mußten. Nach der Entlassung Kellermann's, bezogen den Kotter: ein Redacteur eines Provmzblattes, zwei Advocaten und der Knecht Holomek. Katscha wurde bei einem Raubzug erschossen, sterbend jedoch gab sie an, daß jener Redacteur und die Advocaten sie bestochen hätten, das Märchen vom Mordversuch zu erzählen, aus diesem Grunde brachte ihr ein Herr jene drei Wunden oberhalb der Pulsadern bei. Nächsten Tag fand man den Caplan der Borromäuskirche vergiftet im Bette. (Schluß folgt.) Literatur. Braun M. Dr., Lehrbuch der jüdischen Geschichte. Für die Oberstufe der österreichischen Mittelschulen bearbeitet. Theil I.: Von der Zerstörung des ersten bis zur Zerstörung des zweiten Tempels. Preis gebunden 1 K 60 h. Wien 1900. Verlag von R. Löwit, I., Rothenthurmstcaße 22. Das Brann'sche Buch gehört zu jenen geistigen Darbietungen, welche einer besonderen Empfehlung kaum bedürfen, weil sie von selber ihren Weg durch die Welt finden. Seitdem der Verfasser im Jahre 1893 zum ersten Male mit seiner „Geschichte der Juden und ihrer Literatur" an die weitere Oeffentlichkeit getreten ist, hat sein Werk, überall freudig begrüßt, den Weg in die jüdischen Schulen und Häuser gefunden und ist vor Allem den Lehrern und Schülern ein unentbehrlicher Wegweiser durch die vielverschlungenen Tiefen und Gänge der jüdischen Geschichte geworden. Und das mit vollem Recht! Was G r ä tz, der Altmeister auf diesem Forschungsgebiete, in seinem großen Werke iit allererster Reihe der Welt der Wissenschaft als kostbaren Schatz hinterlassen, das hat Br ann, sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl am theologischen Seminar zu Breslau, vertieft durch die aus den Einzelnforschungen seit dem gewonnenen Ergebnisse, für Schule und Haus popularisirt und damit den einzig richtigen Weg eingeschlagen, die Geschichte Israels zum Gemeingut seiner Bekenner zu machen. Die Schwierigkeiten, die bei einer solchen neuen, selbstständigen Bearbeitung der jüdischen Geschichte und Literatur überwunden werden mußten, waren umso größer, als die Darbietung nicht blos von populären, sondern ganz besonders auch von pädagogischen Gesichtspunkten auszugehen hatte. Wer nur einigermaßen in der jüdischen Schulbuchliteratur bewandert ist, der weiß, wie bis dahin trotz aller möglichen Versuche kaum ein einziges Lehrbuch der jüdischen Geschichte allen Anforderungen, die an ein Schulbuch gestellt werden müssen, entsprochen hatte. Das Brann'sche Lehrbuch war zum ersten Male jedweder dieser Anforderungen gerecht geworden. Es ging vor Allem wie ein einziger großer Zug durch das ganze Buch; denn es entwickelt bei rücksichtsloser Unterdrückung aller nur irgendwie entbehrlichen Zahlen und Namen die Geschichte Israels an der Hand der großen treibenden Gestalten und Ereignisse und stellt so in geschlossenem Zusammenhang den ganzen Entwicklungsgang des Judenthums von der Patriarchenzeit bis auf die Gegenwart dar. Dieser Vorzug allein hebt schon das Brannsche Buch weit über die bisherigen derartigen Versuche hinaus, und er wird noch erhöht durch die außerordentlich rühmenswerthe pädagogische Umsicht, mit welcher das Ganze durchgearbeitet ist, und die sich bis in die kleinsten Details verfolgen läßt. Man merkt es überall, daß der Verfasser in langjähriger, pädagogischer Praxis die reichsten Erfahrungen über eine vernunftgemäße Schuldarbietung der jüdischen Geschichte gesammelt und verwerthet hat, und wer, wie Referent, seit Erscheinen des Buches dasselbe beim Unterricht benützt und seine Brauchbarkeit praktisch erprobt hat, der darf aus voller Ueberzeugung ihm das Lob eines in seiner Anlage mustergiltigen Schulbuches spenden Der Bor st and der israelitischen Cultusgemeinde zu Wien konnte sich darum mit der Aufforderung, ein geeignetes Lehrbuch der jüdischen Geschichte für die österreichischen Mittelschulen zu schaffen, an keine geeignetere Stelle wenden als an B r a n n. Dem Verfasser fiel in Folge dieser ehrenvollen Aufforderung die Aufgabe zu, seine Geschichte der Juden und ihrer Literatur auf Grund der in Oesterreich vorgeschrieöenen Lehrpläne zu einem Lehrbuch für die Oberclassen der österreichischen Mittelschulen umzuarbeiten. Brann hat sich dieser Umarbeitung, wie der nunmehr vorliegende erste Theil derselben — den Lehrstoff für die fünfte C l a s s e von der Zerstörung des ersten bis zur Zerstörung des zweiten Tempels umfassend — zeigt, mit der aus allen seinen wissenschaftlichen Arbeiten wohlbekannten, gewissenhaften Sorgfältigkeit hingegeben; er hat nicht nur die unterdessen neu gemachten wissenschaftlichen Fortschritte mit verarbeitet, sondern er konnte auch infolge des so günstigen Umstandes, daß er nicht mehr wie in der Erstausgabe seine Darstellungen auch für das Haus mit berechnen mußte, vielmehr ein reines Schulbuch zu schaffen hatte, eine noch praktischere pädagogische Ausgestaltung seines Werkes vornehmen. Sie ist ganz besonders der äußeren Form zu Gute gekommen. Die Zerlegung der Capitel in kürzere, in sich geschlossene Absätze und die Einführung großgedruckter Stichworte vor jedem Absatz bedeuten für den Schulgebrauch eine ebenso wirksame Neuerung, wie die Markirung von nicht unbedingt zur Durchnahme erforderlichem Detail durch kleineren Druck. Eine genaue Vergleichung mit der Erstausgabe zeigt endlich, daß die Umarbeitung auch der Darstellung selber dienlich war; die letztere ist vielfach knapper und kürzer geworden, und in den beiden letzten Abschnitten sind sogar — besonders von der herodianischen Zeit an — wesentliche Streichungen vorgenommen worden. Es kommt hinzu, daß auch die bei einem Schulbuche so wesentliche äußere Ausst a t t u n g in der neuen österreichischen Ausgabe eine ganz vorzügliche genannt werden darf; Papier und Druck sind ausgezeichnet, einige stehen gebliebene Druckfehler sind zumeist noch in der Einleitung berichtigt worden. Auch der Preis des Buches ist ein mäßiger. So darf denn dem Brann'schen Werke in dieser Neugestaltung erst recht ein herzliches Glückauf als Geleitswort mitgegeben werden. Möge es den verdienten Weg in alle Schulen Oesterreichs finden, es wird Lehrern und Schülern ein zuverlässiger, brauchbarer und darum gern gesehener Führer durch unsere Religionsgeschichte sein. Rabbiner Dr. Freudenthal — Danzig. Briefkasten. A. G—v. Wenn Mittermayer auch nach Berlin geht, es ist dafür gesorgt, daß andere, nicht minder würdige antisemitische Kandidaten an seine Stelle treten. Ignaz H. Für einen fanatisch religiösen Menschen kann man Hilsner wohl kaum halten, wenn man nicht gerade mit den Augen des Herrn B a x a sieht. Die Thatsache wenigstens, daß er auf rituelle Kost verzichtete und wegen eines Mädchens zur Taufe bereit war, spricht kaum dafür, daß er — fanatisch religiös ist. Anton W. In Gustav Freytag's „Bilder aus der deutschen Vergangenheit" heißt es bei Besprechung des Falles Simon Abeles, eines gewaltsam getauften Judenknaben, unter Anderem: „Das ist die traurige Geschichte von Simon Abeles." Wer den Jesuitenbericht unbefangen beurtheilt, wird' Einiges darin finden, was die Erzähler zu verschweigen wünschen. Und wer mit Abscheu auf die fanatischen Mörder sieht, der wird doch den fanatischen Priestern keine Theilnahme zuwenden. Sie reißen das kaum geborene Kind aus dem Arme der Mutter, sie halten einen gottseligen Fund, den Säugling seiner Mutter heimlich zu stehlen, sie werben durch Spione und Zuträger, durch Versprechungen, Drohungen, Aufregungen der Phantasie ihrem Gotte, der dem Gott des Evangeliums sehr unähnlich ist, Schaaren vonProselytenzumAbwaschen. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn. Wien. vm.

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