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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-02 · 44 (2.11.1900) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
44 (2.11.1900)
Date
1900-11-02
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Sette 796 Dr. Sloch's Wochenschrift» 'irr. 44 „Sie haben das goldene Kalb und das ersetzt ihnen alles", fuhr der Gutsherr fort, und leiser, als spreche er einen noch unfertigen Gedanken aus, fügte er hinzu : „Ich fange an, darüber nachzudenken, ob unser Volk mit seiner Behauptung,? ie Juden hätten keine Seele, am Ende nicht Recht hat". (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. K. H. Der christliche Professor Dr. A Fr. Berner ermahnte in seinem am 30. Jänner 1891 im Berliner Rathhause gehauenen Vortrage: „Ueber Judenthum und Christenthum und ihre Zukunft", die Juden, wie bisher die Fahne des Monotheismus treu und unverwandt durch die Geschichte zu tragen, weil Israel durch seine religiöse Absonderung der Menschheit den höchsten Dienst geleistet hat. Jeder Austritt aus dem Judenthum sei noch heute als eine Schädigung zu bettachten „für die Entwickelung der Religion zur höheren Wahrhett und Reinheit"; das Judenthum sei heute wie ehedem „zur unwandelbaren Behauptung des Monotheismus berufen". Dr. G. L. in I. Wir haben Ihre gerechte Beschwerde an die maßgebendste Stelle geleitet. L-ector. I. Dr. Lueger dürfte allerdings nicht sehr davon erbaut sein, daß in dem Jubiläums-Theater — seinem Theater — ein Volksstück aufgeführt wird, in welchem es beinahe zur Pfändung eines — Cruzifixes kommt. Er dürfte dadurch an peinliche Dinge der Vergangenheit erinnett werden. II. Director Müller-Gute nb r u n n spielte seinerzeit bei dem Banket, anläßlich der Eröffnung des Jubiläums-Theaters, alle Farben, als der Bürgermeister in seiner Rede meinte, die Aufführung eines elastischen Stückes sei nicht das Richtige gewesen, das Volk wolle etwas Lustiges. k. a. Der König von Rumänien weilte gerade in Wien, als große Trupps seiner expatriirten jüdischen Landeskinder verzweifelt die Stadt passtrten. Ob er eine Spende für die Armen hatte, ist uns nicht bekannt. W. L—tz. Prinz Alois Liechtenstein hat selbst vor mehreren Jahren in einer unbedachten Aeußerung im P a r käme n t e es verrathen, daß er die Hartberger Bauern, als sie noch seine Wähler waren, durch Versprechungen köderte, die ihm niemals ernst waren. Was das stenographische Protokoll einmal festgehalten, das kann der Prinz nicht leugnen. — Auch die Drohung, die Prinz Liechtenstein einem Interviewer gegenüber fallen ließ, er würde Alles als unwahr bezeichnen, wenn dieser ein Wort von dem veröffentlichte, was er (der Prinz) ihm gesagt, ist seinerzeit in den meisten Wiener Blättern angenagelt worden, ohne daß der Prinz eine Berichtigung versucht hätte. M. W. Die Wiener antisemitischen Blätter haben eben mit rührender Uebereinstimmung den Bericht über die Gerichtsverhandlung gefälscht. Kakuschka-Kohn hat sich ausdrücklich als C'hristijch-Socialer bekannt. Dre Thatsache, daß er in seiner Wohnung die vergoldete Büste des Dr Lueger hatte, spricht gleichfalls dafür, daß Kakuschka ein Anhänger der Lueger- Partei war. Arthur B. Die Aeußerung des Präsidenten, daß es dem Herm B a u m a n n gleichgiltig sei, wer ihn erschießen wollte, ist ja zweifellos richtig. Der antisemitischen Presse ist jedoch höchlich daran gelegen, einen Mörder, der zu ihren Gesinnungsgenossen zählte, einer anderen Partei an die Rockschlößel zu hängen. A. Der Theaterreferent des „Vaterland" benützt auch jede Gelegenheit, um sein antisemitisches Müthchen an den Juden zu kühlen. Er sollte aber nicht vergessen, daß der Besitz von Kohlenbergwerken keine specifisch jüdische Eigenschaft ist und daß unter den hochmögenden Patronen des „Vaterland" vielleicht auch einer oder der andere sich befindet, der dieses — Verbrechens schuldig erscheint. Zurist. Es wäre wohl der erste Fall, daß der Oberste Gerichtshof jahrelang eine Nichttgkeitsbeschwerde unerledigt ließ. Und gerade den Herrn V e r g a n i sollte das Mißgeschick betroffen haben, daß sich Niemand um seine hart mitgenommene Ehre bekümmert hätte? Es scheint, daß die Vergani'schen Ausreden mit der Nichtigkeitsbeschwerde etwas — nichtig ist. Historicus. In der That haben auch sogenannte Culturstaaten den Rumänen nicht gar so viel vorzuwerfen. Interessant ist da eine diesbezügliche Aeußerung, die der Vater des Königs Carol von Rnmänien in einem Briefe an seinen Sohn macht. Fürst Carl Anton von Hohenzollern schrieb nach dem Berliner Congreß: „Jede Sache hat aber auch ihre drollige.Seite; so setzt in Preußen die evangelische Pastorenpartei mit einigem Erfolge die antisemitische Bewegung in Szene und die konservative Partei unterstützt dieses recht gefahrvolle ' xperiment. während zur selben Zeit die deutsche Regierung den Bestrebungen der Alliance Jsraelite in Rumänien allen Vorschub leistet.., Wenn das so fortgeht, erleben wir noch eine Judenhetze und sodann müßten die übrigen Großmächte das Deutsche Reich in Verruf erklären, wenn sie anders den Forderungen des Berliner Vertrages tteu bleiben wollen. M. W—g. Die Antisemiten haben früher gegen die Qumulirung der Aemter gewettert. Seitdem sie an der Macht sind, Haufen ihre Führer in einer beispiellosen Weise Aemter und Würden. W. g. Die Stellung, welche der Redacteur des „Deutschen Volksblatt" Herr Schwer in dem ersten und zweiten Hilsner- Proccß spielte, verlangt dringend eine Beleuchtung. Sie wird schon erfolgen. A. Die Zeiten ändern sich. Es ist noch nicht lange her, wurde die „Deutsche Zeitung" confiscirt, weil sie Berichte unter dem Schlag- Worte „Ritualmord" veröffentlichte. Heute tyut sie dies ungescheut und — unconfiscirt. Remo. Das stimmt.Wederjdas „Vaterland" noch die „Reichspost" fanden ein Wort der Zurückweisung gegen den Mechaniker Schneider, als dieser gegen eine Reihe hervorragender Päpste öffentlich die blutigsten Beschimpfungen schleuderte. Leser. Paul H e y s e erinnert sich mit Stolz daran, daß er mütterlicherseits ein „Judenstämmling" ist. CocaherÄnderung. Die £ledadion und »Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ befindet sich Wien,!Xj1, Berggasse 39, /. St. Zur gefälligen Beachtung! Wir rrluchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sind, dir zur Einhebung derselben von uns versendeten PostarrflrLge gefälligst tzonoriren fit wollen. Die Administration Kundmachung Der Vorstand des gefertigten Vereines hat beschlossen, aus dem vorhandenen Heirats-Ausstattungsfonds einen Betrag von 400 E ö. W. als Aussteuerbeitrag für ein armes Mädchen israelitischer Confession zu widmen und außerdem die Trauung dieses Brautpaares in der Vereins-Synagoge, II., Leopoldgasse 29, mit Nachsicht der Taxen von unseren Functionären vollziehen zu lassen. Die Petentin hat bis längstens IS. November d. I. im Sekretariat dieses Vereines Folgendes beizubringen: 1. Ein Gesuch um Verleihung dieser Aussteuer, in welchem angeführt werden muß: a) Name und Beschäftigung des Bräutigams. d) Ob die Braut Eltern befcht oder verwaist ist. c) Ob der Vater der Braut Mitglied des gefertigten Vereines ist oder war. II. Geburtsschein. III. Ein Zengniß über moralischen Lebenswandel. Die Aussteuer per 400 Kronen wird nach vollzogener Trauung, welche im Monate Derember dieses Jahres stathufinden hat, an die Braut, welcher diese Aussteuer zuerkannt wurde, baar ausgefolgt. Wien, 34. Oktober 1900« Für den Vorstand des Synagogen-Vsreines „Beth-Jsrarl" nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien: Der Schriftführer: Der Obmann: S. Deiches S. Meise ls. Line arme kranke Frau die unheilbar ist und in Folge dessen in keinem Spital Aufnahme findet, aber die grössten Schmerzen leidet, bittet edle Menschenfreunde um eine Unterstützung; sie hat oft nicht das Nöthigste, um ihren Hunger zu stillen, ist ganz auf die HUfe guter Menschen angewiesen. Ihre Adresse ist fl., TrailllfelSgaSSB 7, ThÜF 31. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien. VH!.

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