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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-26 · 43 (26.10.1900) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
43 (26.10.1900)
Date
1900-10-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mr. 43 Dl*■ BlOCh 8 Jahrgang XVII. Centralorgan für die gesummten Interessen des Indenthums. ~ —==}& A. v. Pvstfparcassrir-Anlk Clearing - Verirrhr Nr. 610.976. Rrd.iclion und Rdministration: IN im IX/1. Berggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. -^=-.^=== % -^- Wien, 26. Ortober 1900. -»-4—r- Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/I, Derggasse 39. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. j| Bejuflapreia für Orstrmtch: |j Halbjährig 8 Kronen, jj Einzelexemplare 50 Heller, jl Sür’a Ausland: I Halbjährig 10 Kronen, jj Ganzjährig 20 Jj .'l »zeigen: Die 4»ial gespaltene \': Prtitzeile 24 Heller. * - * Inhalt. Leitartikel: Zn den bevorstehenden Wahlen in Olalizicn. — l’ia >I,-^i<l<>!in. - Jüdische Kewerbetreibende. — (Fiu arischchristlicher Mlisterstaat. — Vom Jahrmarkt des Lebe n s : Gute ch'all,schlüge. Wer hat die 'Wahrheit gesagt, Prinz Liechtenstein oder der geistliche Professor Dr. Schöpfer? — (5 o r r e s v o n d e n z e n : Protokoll der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union. Wien, Krakan, Mißlitz, Mährisch-Ostran, Olmntz, Teplitz. Breslau. Berlin, Paris. — Vermischtes: Wien, Wölkersdorf, Teplitz, Pilsen, Podersam, Bndweis, Temesvar, Tobitschan, Prag, Breslau, Jassy, Pasewalk. — Feuilleton: Malchen Lederherz. — Briefkasten. — Inserate. Gocalvcränclcrung. Die Jtedaction und ^Administration der „Oesferreichischen Wochenschrift“ befindet sich von heute ab Wien,!Xj1, Berggasse 39, /. St. Zn den bevorstehenden Wahlen in Galizien. So stehen wir bereits im Vorhofe der Wahlen und hören das ferne Tosen des Parteilärms, der immer lauter wird und näher kommt. Die Bewegung ergreift alle Welt, als ob nicht zu gewärtigen stände, daß der Ministerpräsident nach wenigen Tagen, angesichts des czechischen Spektakels, die Herren Volksboten, nach Verabreichung eines Zehrpsennigs, zu ihren Penaten heimschicken werde! Die Einen — leider die Minderheit — kämpfen für Ideale, für Freiheit, Wahrheit, Fortschritt und Aufklärung, die Andern für persönliche und Standesinteressen, für das Erbe ans der Feudalzeit, für die Ausstattung ihrer Güter mit Straßen und Bahnen, für contingentirten Spiritus und Entlastung des armen Großgrundbesitzes auf Kosten des Mittelstandes. Noch Andere kämpfen ohne Fahne und Devise, nach Tarif oder Pauschale, gleichgiltig für wen oder was. Und über all diesen Parteien schwebt hoch oben schicksalsschwer das Eentral-Wahlcolnite, die Donnerkeule in der einen Hand, die Palme in der andern. Eandidaten rutschen, wie fromme Pilger, auf den Knien heran, um ihr Los zu empfangen — bestehen oder vergehen; ganz wie im „Sanetokef" — und Alle geloben sie frommen Sinnes, dem Polenclub anzugehören, ohne selbstständigen Gedanken, seine Gesetze heilig zu halten und seine Anordnungen willenlos zu befolgen, sei's heute die Czechen zu bekriegen, morgen die Deutschen zu besiegen; heute mit der Opposition zu gehen, morgen zur Regierung zu stehen, je nach der vom hochweisen Executivcomitö ausgegebenen Parole. Das Central-Wahlcornitö könnte eigentlich schon jetzt eine graphische Darstellung der zukünftigen Abgeordneten aus Galizien zeichnen, die später kaum nennenswerthe Correctnren erfahren dürfte. Im Großen und Ganzen bleibt Alles bei den Alten und bei dem bekannten Alten. Dieselben Chefs, dieselben Hörigen, wahrscheinlich auch dieselben jüdischen Abgeordneten, und wenn schließlich eine Figur wechselt, so ändert's nicht viel. Ob Saul oder Paul das Zehngnldenpargnet besetzt, uns bleibt sich es gleich, eingeschworen auf die Evangelien des Polenclubs sind sie ja Alle. Wenn das galizische Central-Wahlcomitö der jüdischen Bevölkerung zwanzig Abgeordnete zngestehen würde, so wäre unter diesen Umständen nichts gewonnen, da Alle dieselbe Uniform tragen, derselben Fahne dienen. Das Comitä wäre liberal ohne jede Schädigung seiner Interessen, da es blos solche Inden znläßt, die die Gewähr unbedingten Anschlusses bieten, und an solchen Inden fehlt es nicht; es fehlt blos an jüdischen Juden, an Männern, die unerschrocken für ihr Volk eintreien. Dr. Emil B y k erhält alljährlich vom Executivcomitö die gnädige Erlaubnis;, mit Rücksicht darauf, daß er eine eminent jüdische Stadt vertritt und Präsident des Lemberger Cnltnsrathes ist, eine Rede zu Gunsten der Inden zu halten oder eine Interpellation einzubringen. Diese Rede wirkt nach allen Richtungen hin erfreulich: Herr Dr. Byk freuet sich, daß eres losgeworden; seine Wähler freuen sich, daß ihr Abgeordneter so gut gesprochen; die Antisemiten freuen sich, zu hören, daß es den Juden schlecht gehe, und die Minister freuen sich, auf eine Interpellation beliebig lange nicht antworten zu müssen. Dann bleibt es über die Juden still bis zur nächsten Session, ohne daß in Folge der Beschwerde des Abgeordneten irgend etwas anders geworden in Galizien. Daß Dr. Byk in Brody wiedergewählt werden dürfte, unterliegt keinem Zweifel; er thut seine Pflicht, die Strömung ist gegen ihn; wäre er ein czechischer oder slovenischer Abgeordneter, so hätte er mehr Erfolg. Den Abgeordneten der Lemberger Handelskammer zählen die Polen als Piepes zu den Vertretern der Juden und diese ihn als Poratynski zu den Polen gehörig. Herr Piepes-Poratynski selbst beobachtet eine neutrale Stellung, ist kein Antisemit, die jüdischen Angelegenheiten bleichen nicht sein Haar und krausen nicht seine Stirne; ruhig, sicher, unantastbar sitzt er auf seinem Mandat wie auf einem Majorat. In ähnlicher Weise ist es mit Herrn Heinrich Weiser bestellt, der, obschon Großindustrieller und kein absoluter Gegner

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