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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-19 · 42 (19.10.1900) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 760 Dr. Bloch's Wochenschrift *r. 42 Literatur. Das von Herrn Dr. Adolph Kohut im Verlage des Herrn A. H. Payne in Leipzig herausgegebene Werk: „Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Culturgeschichte der Menschheit" verdient nach jeder Richtung hin die größte Anerkennung und die allgemeinste Verbreitung. Es ist ein bedeutendes Werk, das der Welt die Augen öffnet über das, was Juden und Jüdinnen auf allen Gebieten der Wissenschaft, Literatur, Kunst, Philosophie, des Welthandels, des Gewerbes und der Industrie geleistet haben. Ein großes Stück Weltgeschichte zieht hier an unserm Geiste vorüber und manche Lücke des Wissens wird durch dieses Buch ansgefüllt. Das Werk hat aber auch eine cnlturgeschichtliche Bedeutung und ist berufen, endlich einmal die Lästerzunge verstummen zu machen, die da glaubt, die jüdische Geschichte zu kennen, wenn sie die Juden begeifert. In diesem Werk wird aller Welt klar und deutlich nachgewiesen, daß, sowie der Jude sich nach seiner eigenlhümli ch psychischen und physischen Anlage überall acclimatisirt, ebenso auch der jüdische Geist in der ganzen Welt und auf allen Gebieten geistiger und moralischer Tätigkeit Bedeutendes zu leisten im Stande ist. Darum soll das Buch an erster Stelle an Nichtjuden empfohlen sein, damit die Vorurtheile schwinden und an deren Stelle gerechte Anerkennung trete. Meinen Glaubensgenossen, vor allen den jüdischen Familienvätern, möchte ich rathen, in dem Buche mit allen Mitgliedern der Familie jede Woche ein Capitel zu studiren und den Inhalt sich einzuprägen. Dann sammelt man sich Rüstzeuge gegen etwaige ungerechte Angriffe von Außen, aber auch Muth, Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen auf bessere Zeiten werden in die zu leicht verbitterte Seele einziehen. Möge dieses bedeutende Werk znr Aufklärung, zur Belehrung, aber auch zur Versöhnung der aufgeregten Geister und beunruhigten Gemüther beitragen. Köln, am Rüsttage des Versöhnungstages 5661 (1900). Dr. Frank, Rabbiner der^Synagogen-Gemeinde. Briefkasten. Politiker. Da sind Sie sehr im Jrrthum Herr W r a b e tz hat sich neulich ganz richtig über die Gemeinbürgschaft geäußert, indem er sagte: „Zwischen uns und den Christlich-Socialen hat sich die Gemeinbürgschaft so geäußert, daß die Christlich - Socialen über uns schimpfen und gegen uns agitiren könnten, wie sie wollten, während uns im Parlamente gegenüber den Antisemiten direct ein Maulkorb an gehängt wurde." N—W—g. Es klingt zwar komisch, aber es ist wahr. D r umont behauptet, um seine These, daß alles Schlechte von Juden herkommt, zu stützen, Napoleon stamme von Juden ab i. Der Umstand, daß in verschiedenen Stiften Auskünfte über die christlich - sociale Wahlaction gegeben werden, spricht deutlich genug. M. N —ug. Die Wirkung, welche die demonstrative Parteinahme für den Erzbischof Stadler hervorrief, hat die clericale Hetzpreffe doch ein wenig eingeschüchtert. Die Herrschaften sind plötzlich kleinlaut geworden, nachdem sie vorher den Mund nicht genug vollnehmen gekonnt. Heine-Derehrer. 1. An Niemanden hing Heine mit solch unbedingter Verehrung als an Moses Moser und Leopold Zunz. L. Wenn Heine auch nicht immer als Jude lebte, er starb als Jude. Anders kann man die Bekenntnisse, die er auf seinem Krankenlager dictirte, nicht auffassen. a. Baron D i p a u l i hat sich von einem Wiener Blatte den directen Vorwurf der Unwahrheit gefallen lassen, ohne dafür irgend welche Genugthuung zu fordern. M. F—g. Die „Reichspost" hat die Parallele mit Bileam's Esel ganz vergnügt acceptirt. Es schmeichelte ihr vielleicht gar, daß sie mit einem so ehrwürdigen, berühmten Esel verglichen wurde. i. Das „Vaterland" erregt nur ein Lächeln, wenn es in einem langen Leitartikel über den geplanten deutschen „Judentag" den Juden zu Gemüthe führt, daß sie, Gott behüte, auf diesem Wege sich nur schaden könnten. Ein Pole. Stojalowski hat selbst zugeftanden, daß ihm die Juden einst die größten Wohlthaten erwiesen haben. Jetzt thut es ihm wieder wohl, gegen die Juden zu Hetzen. Nemo. Der Scherz ist nicht übel, ab.r nicht für die Oeffentlichkeit geeignet. Die bewußte Million bleibt aber auch bei einem eventuellen Rücktritt zum Judenthum verfallen. A. L-d. H. A. Schwer scheint doch noch nicht der ganz würdige Jünger V e r g a n i's zu sein. Sein Chef quittirte bekanntlich die Enthüllungen über sein schamloses Plagiatorenthum mit - Schweigen. Herr Schwer droht mit der Klage. An alle jüdischen Schriftsteller und Förderer jüdischer Bestrebungen. Mit 1. October l. I. hat das erste Semester des jüdischakademischen Lesevereines „Humanitas" in Czernowitz geschlossen. Der Verein, der einzig hier bestehende jüdische Verein, welcher das nationale Bewußtsein nicht mit dem Säbel, sondern in W irt und Schrift zu verbreiten und dem Bildungsbedürfnisse der jüdischen Studenten entgegenzukommen sich zur Aufgabe gestellt, hat bei seiner am 18. März 1900 erfolgten Constituirung ausdrücklich erklärt, daß es in seiner Absicht liegt, die jüdischen Hochschüler, welche die Hälfte der Studentenschaft an der hiesigen „Franz Josephs-Universität" ausmachen und sich in allen möglichen Lagern, aber nur zum geringsten Theile im jüdisch - nationalen, Herumtreiben, unter seiner Flagge zu sammeln. Soweit unsere Mittel reichten, haben wir Alles gethan, eine Bibliothek wurde gegründet und zählt selbe derzeit 300 Bände, auch liegen 15 verschiedene Zeitungen im Vereinslocale auf; die Anforderungen aber, die man an unsere kleine Bibliothek stellt, sind zu groß, als daß wir denselben mit unseren geringen Mitteln unseres jungen Vereines entsprechen könnten. Wir wenden uns daher an alle jüdischen Schriftsteller und Förderer jüdischer Bestrebungen mit der dringenden Bitte, dem Vereine durch Ueberlassung ihrer Werke resp. durch Bücherspenden zu Hilfe zu kommen. Wir hoffen, daß unsere Bitte in Anerkennung ihrer Berechtigung auch Berücksichtigung finden wird und zeichnen mit Hochachtung I. A. d. a. C. sturt. jur. Abr. Sommer stud. jur. Abr. Fischer dz. Vicepräses. dz. Präses, stnd. jur. Ph. Fleischer dz. Schriftführer. Das Vereinslocal der „Humanitas" befindet sich in Czernowitz, Gymnaslalgasse 4. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnrmrntsgrbühr im Rückstände stnd, die zur Einhrbung derselben von uns versendeten Vostaufträge geKlligst honorirrn |u wollen Die Administration Kilts um Beachtung! Ein tüchtiger, langjährig bewährt. Lehrer der hebräischen u. deutschen Sprache sucht Privatlectionen. Adresse: „Lehrer“, II., Grosse Schiffgesse 6, Ihur 13, Parterre. a. «! Wiener" ' ""' IX., 8ss§s.sss Nr. 2 Direction: Philipp Kläger, Obercantor. Das Schuljahr 1900/1 nimmt am 1. November seinen Anfang. Der Unterricht an der Anstalt wird in drei Jahrgängen mit folgender Eintheilung des Lehrstoffes ertheilt: I. JalirpiltJ. Vorbereitungsclasse. Hebräische Grammatik, Treffen der Intervalle. Ansatz, Tonverbindung, Registerverbindung, Clavier, Musiktheorie. II. Jahrgang. I. Ausbilliungsoiasse. Hebräische Literatur, Fortsetzung technischer Studien. Cantoralgesang, Thoravorlesen, Clavier. III. Jahrgang. II. Ausbildungsclasse. Fortsetzung Hebräische Literatur, Cantoralgesang,Harmonielehre, Clavier. Die Aufnahme kann nach Stattgehabter Prüfung in jedem einzelnen Jahrgang erfolgen. Für bedeutend Vorgebildete besteht ein einjähriger Absolventencurs und auch für tagsüber Beschäftigte ist durch die Einrichtung eines Abendcurses in derselben Dauer wie der Tagescurs gesorgt. — Zur Aufnahme in den I. Jahrgang ist ausser der nöthigen Stimmbegabung das voUendete 19. Lebensjahr erforderlich. Die Stellenvermittlung der Anstalt placirt ihre Absolventen unentgeltlich. — Alles Nähere siehe Prospect. — Auskünfte und Anmeldungen von 9—12 Uhr beim Secretär. Die Leitung. | Herausgeber unb verantwortlicher Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIIL 00258994 8281

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