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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-12 · 41 (12.10.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
41 (12.10.1900)
Date
1900-10-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Str. 41 Dv. Dloch's Wochrnfchr^ Seite 737 Wien. (Der Obmann-Stellvertreter des »Katholischen Jugendbund".) Die Bereinigung „Katholisch e r Jugendbund" hat mit ihren leitenden Functionären entschiedenes Pech. Innerhalb eines Jahres sind zwei junge Männer, die im „Katholischen Jugendbund" die höchsten Bertrauensstellen inne hatten, wegen Uebertretung der Veruntreuung bezirksgerichtlich bestraft worden. Am 28. Juni l. I. war es der 23jährige Zimmermalergehilfe Joseph T i l l y, gegen den die Anzeige erstattet worden war, daß er die vom September vorigen Jahres bis 7. Mai d. I. innegehabte Stelle des Obmannes des „Katholischen Jugendbund" zu Defraudationen von Vereinsgeldern ausnützte. Tilly wurde wegen dieser Uebertretung vom Bezirksgerichte Fünfhaus zu achtu ndvierzigstündiger Arrestst r a f e verurtheilt. — Am 4. d. M. hatte sich dasselbe Strafgericht mit dem Obmann-Stellvertreter des „Katholischen Jugendbund", dem 16jährigen Kaufmannslehrling Johann Holzinger, zu befassen, welcher seinen Lehrherrn durch Defraudationen geschädigt hatte. Johann Holzinger wurde zu drei Tagen Arrests verurtheilt. Brünn. Aus K a n i tz wird dem „Tagesbote" berichtet, daß vor einigen Tagen die dortigen Kaufleute Siegmund Haas, Emil und Siegmund Samek mit dem Rabbiner Dr. Flesch auf dem Marktplatze plötzlich von einer Rotte junger Burschen, worunter auch einige Recruten, ohne jede Veranlassung angerempelt und auch sofort mit Stöcken und Fäusten mißhandelt wurden. Die Angefallenen, die wehrlos waren, erhielten Hiebe auf die Köpfe und Hände, dem Siegmund Haas wurde durch einen Faustschlag die Brille herantergeschlagen. Dies ereignete sich um halb 8 Uhr Abends, wo noch viele Leute auf dem Marktplatze waren. Es bildete sich sogleich eine größere Ansammlung, und Rufe, wie: „Erschlagt die Juden!" und „Haut sie!" wurden von einigen Strolchen gethan. Dem rechtzeitigen Erscheinen der Gendarmerie und Polizei und dem. energischen Vorgehen des Wachtmeisters Lorenz ist es zu danken, daß ein weiteres Umsichgreifen des Exc^sses vermieden wurde. Bei der Verhaftung eines der Strolche mengte sich der czechische Hntmacher Karber in überaus rabiater Weise zu Gunsten des Unruhestifters in die Amtshandlung des Wachtmeisters, wofür sich derselbe zu verantworten haben wird. Von den Unruhestiftern, die sich am Uebersall betheiligt hatten, wurden drei noch in der Nacht verhaftet und dem Gerichte eingeliefert. Dies sind bereits die ersten Früchte der Hetze gegen die Deutschen und Juden, wie sie am czechischen Tabor betrieben wurde. Tachau. 7. October. (Ritual mord agitatio n.) Heute wurde am hiesigen Ringplatze eine Schaubude eröffnet, in welcher - in einem sogenannten Geheimcabinet drei Wachsbüsten, darstellend die Mörder Ihrer Majestät Kaiserin Elisabeth, König Humbert's und endlich als Dritten im Bunde — Leopold Hilsner, ausgestellt wurden. Der Kopf Hilsner's war mit einer mächtigen Hackennase, schwarzen Bart als eine wahre Schreckensfigur abgebildet. Die Ausruferin bezeichnete Hilsner direct als Mörder und die die Figuren umlagernden Leute, meistens Dorfbewohner und Weiber, ergingen sich in den wüstesten Beschimpfungen und Verhöhnungen der Juden. Auf Intervention des Cultusvorstehers Herrn Nathan Steiner und Advocaten Dr. L u r j e verfügte Herr Bezirkshauptmann D u d e k in bereitwilligster Weise die Entfernung der Wachsbüste Hilsner's, und als dem amtlichen Befehle nicht sofort entsprochen wurde, wurde das Machwerk amtlich confiscirt. — Unbegreiflicher Weise wurde dieses schandhafte Gebühren von Rückauf's Panoptikum in vielen anderen Orten, die gewiß Sitz von Cultusgemeinden sind, geduldet. Hoffentlich genügt die Mittheilung dieses Falles, um künftighin derartige plumpe Verhetzungen des ungebildeten Volkes hintanzuhalten. Sache der Vorstände der Cultusgemeinden ist es, in erster Reihe auf derartige Vorkommnisse ihr Augenmerk zu richten. Lemberg, 27. September. Wie eine hiesige Tageszeitung berichtet, hat der I u st i z m i n i st e r an sämmtliche Staatsanwaltschaften und Kreisgerichte einen Erlaß gerichtet, in welchem ihnen zur Pflicht gemacht wird» mit aller Strenge gegen jene Personen vorzugehen, welche junge jüdische Mädchen zwecks deren Bekehrung zum katholischen Glauben entführen. Ueber den Erfolg wird man sich keinen Illusionen hingeben. Vor den Klostermauern ist in Oesterreich nicht nur, wie Herr Pientak sich ausdrückte, die Macht der Gerichte zu Ende, sondern auch die des — Kaisers, dessen Eingreifen die Herausgabe der geraubten A r at e n nicht zu erwirken vermochte. Aus Anlaß der Secession im Demokratenlager ist der Ausgang der Wahlcampagne in Galizien zu Gunsten der conservativen Partei vorauszusehen. Die Demokraten rechneten hauptsächlich auf die Mithilfe der Judenschafr, welche bei gehöriger Leitung demokratisch wählt. Doch haben die Conservativen in der Person des Abgeordneten Byck, ehemaligen Demokraten, einen unverhofften Bundesgenossen erhalten, da selber zum allgemeinen Staunen di? Erklärung abgab, daß die Judenschaft im Gefolge des Centralcomites bleiben will. Auf diese Weise würden die Stanczyken dank der jüdischen Massen wieder die Herrschaft im Lande an sich reißen. Als Lohn für die Mithilfe der Juden droht die „Gazeta Narodowa", das Organ des Statthalters Pininski, mit Judenexcessen, und in Krakau werden zu Tausenden Flugschriften verbreitet, welche das Volk gegen die Inden aufhetzen und ganz einfach zu Plünderungen auffordern. Die Abgeordneten Dr. Kolischer, Byck und Piep s dürften ihre Mandate behalten, die Wiederwahl des Dr. Trachtenberg in Kolomea ist ausgeschlossen, da die Wählerschaft den Staatsbahndirector Dr. Seinfeld aus Stanislau zur Candidatur auffordert. Auf diese Weise dürfte zwar die galizifche Judenschaft neuerlich 6 Abgeordnete wählen, bei rationeller Agitation wären aber noch 3 Städte-Mandate Krakau, Rzeszow und Neu-Sandec zu erringen, doch fehlt den jüdischen Führern der Muth, in den Kampf zu treten. Budapest. (Baron Sigmund Schosberger.) Unter außerordentlich großer Theilnahme von Leidtragenden, unter Entfaltung eines reichen Trauerpompes und in Anwesenheit zahlreicher Corporationen und vieler Sommitäten des öffentlichen Lebens wurde Baron Sigmund Schosberger zu Grabe getragen. Die Umgebung des Trauerhaufes war schon in den ersten Nachmittagsstunden von zahlreichen Neugierigen besetzt. Auf der Fahrstraße, sowie vor dem Thore des Trauerhaufes hielten berittene Polizisten und Constabler die Ordnung aufrecht. Zum Leichenbegängnisse waren erschienen die Magnatenhausmitglieder Graf Ferdinand Z i ch y und Eugen S z a b ü. die Abgeordneten Leo Säue z y, Moriz M e z e y, Armin N e um ft n n, Franz Chorin, Ambrus N e m e n y i, Läznr S L m u e l, Theodor W o l f n e r. Paul M a n d l, Senats - Präsident Dr. D e c s e y, ferner die Vertreter der Handelsnud Gewerbekammer, des bürgerlichen Gremiums, Theodor H ü t t e l, Sigmund Ritter v. F a l k, der Vorstand und der Ausschuß der israelitischen Religionsgemeinde, Generaldirector Sigmund Kornfeld, die Directoren Wilhelm O r m ö d y, Jenny, Adolf v. U l l m a n n, Philipp Weiß. F e l n e r, S ch w a r tz, die Redaction und Administration des „Pester Ll"yd" unter Führung des Chefredakteurs Reichstags-Abgeordneten Dr. Max Falk, die Pfarrer aus den Kirchengemeinden, in welchen der Verblichene das Patronat besaß, Abordnungen aus den Ortschaften, die zu den S ch o s b er g e r'schen Gütern gehören, die Beamten der Commercialbank und der Ersten Ungarischen Allgemeinen Versicherungsgesellschaft, die Professoren und die Hörer der Handelsakademie unter Führung des Direktors N 6 v y, die Deputationen des israelitischen Frauenvereins unter Führung der Frau H e r z l, des israelitischen Siech enhauses, des israelitischen Knabenwaisenhauses u. v. A. Die Trauerceremonie begann um 3 Uhr. Nachdem der Sarg auf dem im Hofe aufgestellten Katafalk postirt war, stimmte der Tempelchor unter Leitung des Obe-cantors Professor Lazarus einen Trauerchoral an. Hierauf widmete Rabbiner Dr. Samuel K o h n dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Bor vier Tagen, sagte Redner, als wir das Bersöhnungsfest feierten, blieb der Platz im Tempel leer, auf dem wir seit langen Jahren Baron Sigmund Schosberger als glaubenseifrigen und religiösen Mann zu sehen gewohnt waren. Wir wußten, daß ein Leiden ihn zurückhielt, aber wir ahnten nicht, daß die Krankheit ihn so rasch dahinraffen werde. Als würdiger Nachfolger seines Vaters, hat er dessen Werk in seinem Geiste erhalten und ausgebaut, er war unermüdlich lhätig, um seinem Namen und den der Familie Achtung und Ansehen zu v rschaffen. Erst in der jüngsten Vergangenheit hat er bewiesen, daß er für seinen fleckenlosen Namen, für die Aufrechterhaltung seiner strengen Rechtlichkeit kein Opfer scheue. Redner schilderte sodann das wahrhaft patriarchalische Leben in der Familie des Verblichenen und seine wohlthätigen Werke im Dienste ba

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