Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 40 (5.10.1900)
- Date
- 1900-10-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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40 Dis Bloefifs Hahrs««K XVII. Centralorgan für die gefammten Interessen des «. N. Postsparrsg-n-Amr Clearingverkehr Nr. 810.976. Aedartton und Administration: Wien II., Untere AuaarkrnNr. 7 s.. felephon*Nr. 14.847 « - - —— X Wien, 5. Ortober 1900. Erscheint jeden Freitag. -->r-4-^—4- ®rtef=nbrpffe; Wre.i. II.. Untere Augartens!vas;e 1 a. Telegramm-Adresse; Bloch's Wochenschrift, Wien. Iudenthums. X - * Vrplgsprei» für Srkterretch: Halbjährig S Kronen. Einzelexemplare 50 Heller Mr's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Banzjährig 20 » Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Hellem r'• - . . — Inhalt. Leitartikel: Zn den Reichsrathswahlen. — Die Lehre des Trautenauer Parteitages. — Romaaieaa Res. — Thierschutz und Thierethik im Judenthum. — Corresvondenzen: Ein jüdischer Veteran vor dem Kaiser. Ein Oberlandesgericht gegen den Geschäftsantisemitismus. Liesing-Atzgersdorf, Wien, Ezernowitz, Jglau, Budapest, Slatina, Berlin, Bruchsal, Könitz, Kiew, Moskau, Paris, London, Ferrara, Eonstantinopel. — Vermischtes: Wien, Temesvar, Raab, Berlin, Galatz. — .VI!".''i'.. Feuil leton: Michael. — Briefkasten. — Eingesendet. — Notiz. — Inserate. Wir ersuchen unsere geschätzten «Abonnenten um rechtzeitige Zinsendung der laufenden Abonnementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. D/'s Administration Uns Galhien wird uns geschrieben: Den Polen ist während der jüngsten Kaisermanöver in Galizien viel Ehre widerfahren. In überaus huldvollen Worten hat der Monarch bei dom Empfange der verschiedenen Deputationen in Jaslo den Patriotismus, die Reichs- und Kaisertreue, die Opferwilligkeit und politische Verläßlichkeit der Polen hervorgehoben. Aber die Ehre allein genügt den Machthabern des Landes nicht. Wo die Interessen der Macht mit den Interessen der Ehre in Widerspruch gerathen, hat sich die Vertretung des Polenclubs nach dem geflügelten Worte: „Nicht ehrenhaft, aber gesund!" noch immer für die ersteren entschieden. Die berüchtigten galizischen Wahlen, bei denen die unerhörtesten Fälschungen, Gewaltacte und Mißbräuche nachgewiesen wurden, waren nicht ehrenhaft, aber gesund, die Ablenkung des begründeten Haffes der bäuerlichen Bevölkerung gegen die Schlachta auf die Häupter der Juden, die vor zwei Jahren die Verhängung des Ausnahmszustandes nothwendig machte, war nicht ehrenhaft, aber gesund, und nicht ehrenhaft aber vielleicht auch nicht gesund ist auch die Kühnheit, mit der die herrschende Partei in Jaslo den Versuch machte, den Kaiser über die socialen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes unrichtig und im einseitigen Parteiintereffe zu informiren. Es sind seltsame Dinge, über welche die polnische Presse — die halbamtlichen Organe der Lemberger Statthalterei nicht ausgenommen — berichtet. Es werden Aeußerungen des Monarchen, die im Gespräche mit einzelnen Abgeordneten gefallen sein sollen, colportirt, die das Bemühen der leitenden Kreise documentiren, das Prestige der Krone für die kommenden Wahlen auszunützen. In einem Gespräche mit dem Abgeordneten Cielecki soll der Kaiser sich über die landwirthschaftlichen Genossenschaften, die zu Tausenden mit Hilfe des Landesausschusses errichtet wurden, um den jüdischen Kleinhandel zu untergraben, sehr lobend geäußert haben und gegenüber dem Abgeordneten K r a i n s k i soll der Kaiser bemerkt haben, daß die auf die Ausschließung der Juden vom Bodenerwerb gerichtete Tendenz der galizischen Bodencreditanstalt „im ganzen Lande wohlverstanden zu werden verdient". Der Monarch soll angeblich noch hinzugefügt haben: „Es ist sehr traurig, daß ungeachtet dessen sehr viele Landwirtschaften in Galizien, besonders aber Bauernwirthschaften ins Eigenthum der handeltreibenden Speculanten übergegangen sind, für die auch der Boden ein Handelsobject ist. Es genügt, auf einer Durchreise durch galizische Dörfer die Einwohner vor ihren Häusern nur flüchtig zu sehen, um sich von dieser bedauerlichen Thatsache zu überzeugen."! Eines von Beiden: Entweder sind diese, ausschließlich von der polnischenPresse wiedererzählten Kaiserworte erdichtet, dann muß man über die Unverfrorenheit staunen, mit der man die kaiserliche Majestät fiir trübe Parteizwecke auszuspielen wagt; oder sie find wahr, dann ist der Kaiser über die verderblichen Wirkungen der „Kolka rolnicze" und über die wirkliche Ursache der bäuerlichen Nothlage unrichtig informirt worden und hat man den nichtswürdigen Versuch unternommen, das gütige Herz des besten aller Herrscher gegen seine getreuesten Unterthanen, die Juden, einzunehmen. Die Borurtheilslosigkeit und Gerechtigkeitsliebe des Kaisers bietet Gewähr dafür, daß diese Absicht nicht gelungen ist. Aber die geschilderten Vorgänge in Jaslo lassen einen Schluß darauf zu, wessen sich die armen, gehetzten Juden in Galizien von den Machthabern des Landes bei den kommenden Wahlen zu versehen haben. Mit berechtigtem Erstaunen haben unsere Glaubensgenossen auch Rede und Gegenrede gelesen, die Se. Majestät bei dem Empfang in Jaslo mit dem Abgeordneten Dr. Byk gewechselt hat. Herr Dr. Byk hat das Bedürfniß gefühlt, sein Herz über die traurigen parlamentarischen Verhältnisse zu erleichtern. Es kam ihm in jenem historischen Augenblicke augenscheinlich nicht zum Bewußtsein, daß er außer seiner Eigenschaft als Abgeordneter von der Schlachta Gnaden auch Präsident der größten Eultus- A 1