Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 34 (24.8.1900)
- Date
- 1900-08-24
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Sette 628 Dr. Bloch's Wochrnschrifl. Nr. 34 Ittrrstur. Rede« (Exhorten) bei dem Jugendgottesdienste für Mittelschulen in den Synagogen der israelitischen Cultusgemeinde Wien, gehalten von Rabbiner Dr. Armin Abeles. Nebst Antrittsrede. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kaufmann 1900. Im Mittelpmikte des Jugendgottesdienstes — einer für die Entwicklung und Ausbildung des religiösen Gefühles in unserer Heranwachsenden Jugend höchst wichtigen Institution - steht die E x h o r t e. Wenn für die Jugend bekanntlich das Beste nur gut genannt werden kann, so gilt dies ganz besonders von der Exhorte, den sie muß wirklich das Beste bieten, wenn der Zweck erreicht werden soll, die Jugend zur Andacht zu stimmen, ihre Aufmerksamkeit zu fesseln, Liebe und Begeisterung für den väterlichen Glauben in ihr zu Wecken und sie in den Gang unserer Geschichte einzuführen Herr Rabbiner Dr. A b e l e s, ein junger, talentvoller Redner, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, hat die Exhorten-Literatur — die noch recht dürftig ist — durch die Veröffentlichung von vierzehn Reden mit einem werthvollen Beitrage bereichert und wer — wie Schreiber dieser Zeilen — dieselben angehört, wird dem Verfasser das Zeugniß nicht versagen können, daß sie einen Eindruck auf die Jugend gemacht haben und machen mußten. Und das will viel sagen! Die Reden sind — und das ist vor Allem wichtig — kurz und gut, haben einen schönen, pädagogischen Werth, sind dem Fassungsvermögen und Verständniffe der studirenden Jugend, sowohl inhaltlich als auch durch die gewählte Sprache ganz angepaßt und beweisen den feinen, richtigen Tact des Autors. Dieser versteht es, in geschickter Weise einzelne Libelstellen zum Zwecke der Nutzanwendung schön und sinnig zu deuten, sowie jugendliche Fehler und Schwächen offen und frei zu tadeln. Was wir aber in den Reden nur ungern vermisien, ist, daß der Verfasser den reichen Schatz der talmudischen Hagadah nicht benützt hat, daß weder Fabeln, noch Parabeln, Legenden, Sittensprüche rc. vorgeführt werden, welche die Jugend so gerne hört und ihr viel Interesse bereiten. Nichtsdestoweniger zählen die Exhorten zu den besten ihrer Art und gebührt dem Verfasser vollste Anerkennung. Das Büchlein ist nett ausgestattet und enthält nur einige kleine Druckfehler, die vom Leser sofort als solche erkannt werden müssen. Dr. H. Pollak. Sauerbrunn (Ungarn). JaqueS Jaeger. „Wanderungen in Rußland". Verlag Carl Teufen (Fr. Bauer), Wien 1900, S. 336 Der Verfasser gibt einen interessanten Bericht über seine Reisen in den Balkan-Ländern, Central - Rußland, der Krim, dem Kakasus und Central-Asien. Mit offenem Auge bereist er diese, dem Mittel- Europäer eigentlich wenig zugänglichen und bekannten Gegenden und weiß ebenso fesselnd die landschaftlichen Schönheiten und charakteristischen Eigenthümlichkeiten der einzelnen Orte zu schildern, wie mit köstlichem Humor die Bewohner in ihren verschiedenen Typen darzustellen. Durch vortreffliche Jllustrationeu wird der Bericht des Verfassers bestens unterstützt, und das schön ausgestattete Buch, das nicht wie ein trockener Reisebericht, sondern wie eine fesselnde Erzählung wirkt, wird sich sicherlich viel Freunde erwerben. Briefkasten. A. F. Das in „Venedig in Wien" am 18. August von der kleinen Amalie Rosenstock vorgetragene Festgedicht war von dem Uhrmacher Adolf Fleminger verfaßt. R. W. Es ist bekannt, daß Bismarck aus parteipolitischen Gründen den Antisemitismus eine Zeit lang favorisirte. Er persönlich war Alles eher als Antisemit, wofür zahlreiche Aeußerungen aus seinem Munde Zeugniß ablegten. Nestor. Seitdem Kaiser Wilhelm II. sich mit Moses verglich, wagen die „Nurdeutschen" es nicht mehr, so verächtlich über das Alte Testament zu schreiben. W R—rd. 1. Bischof Ne and er war ein getaufter Jude. 2. Baruch Spinoza starb als Jude. Dr. W. Es war zum erstenmale seit dem antisemitischen Regime, daß von dem Rathhause — Licht ausging. Ignaz H. Auch Letteris hat zahlreiche Gedichte vou Schiller und Byron ins Hebräische übersetzt Listoricus. Der erste Jude, der unseres Wissens in Oesterreich zum wirklichen Regierungsrath ernannt wurde, war der Schriftsteller Dr. Carl Weil, der im Jahre 1854 diese Auszeichnung erhielt. I. L—g. Die Antisemitenblätter haben all die namhaften Orte in Niederösterreich, die fortschrittlich wählten, in der gemeinsten Weise verhöhnt, dafür aber weisen sie mit Stolz auf die berühmte Gemeinde — Scheiblingkirchen hin, die anttliberal wählle. # Arthur B Es wurde bereits bemerkt, daß Ernst Schneider jun. als Milderungsgrund für all sein Thun und Lassen den Umstand anführen kann, er sei von Ernst S chneid e r sen. — erzogen worden. I. D. Die Antisemiten haben mit den Dichtern Pech. Nach der Heine-Blamage kam die Lenau-Blamage. In Lenau's Werken sind zahllose Stellen enthalten, aus denen hervorgeht, daß ihn ein Abgrund von diesen Dunkelmännern trennt. A. W. Der christlich-sociale Abgeordnete Karl Mittermayer wurde arretirt, weil er die U e b e r f ü l l u n g eines Tramwaywaggons herbeiführen wollte. Das ist jedenfalls ein harmloseres Delict als die Entleerung fremder Portemonnaies. Dr. N. W-g. Wenn man in Oesterreich nach deutschem Beispiele all die antisemitischen Blätter in Anklagezustand versetzen würde, welche hohe österreichische Richter bezichtigen, im Solde der Juden zu stehen, dann würden die Staatsanwälte viel zu thun haben. H. N - g. Das Brandmal, welches Mechaniker Schneider dem rumänischen Staate aufgedrückt hat, wird nicht so leicht zu verwischen sein. Schneider hat nämlich den rumänischen Machthabern für ihre Haltung in der Judenfrage das vollste Lob ausgesprochen. M. W. Wenn es gilt, eine besondere Tactlosigkeit zu begehen, so ist Herr S t r o b a ch der richtige Mann dazu. Das hat er auch in seiner jüngsten Wasser-Rede bewiesen, wo er — vielleicht in der Weinlaune — die anwesenden geladenen Vertreter der liberalen Blätter in der häßlichsten Weise beschimpfte. t H. N.I. Lieb knechthat in der That eine Reihe von Artikeln geschrieben, in welchen er g e g e n den Capitän D r e y f u s Stellung nahm; 2. Liebknecht hat in unzähligen Reden und Artikeln seinem Ekel vor der antisemitischen Niedertracht unverhohlen Ausdruck verliehen. Spinoza in Deutschland Gekrönte Preisschrift. Von Dp. Max Gpunwald IV, 380 S. — M. 7.20. „Der mit Glück erfasste und originell durchgeführte Gedanke, die Wandlungen in der Erkenntniss und Auffassung Spinoza’s in engem Zusammenhänge mit dem Umänderungsprocesse der modernen Weltanschauung selbst in Verbindung zu bringen, hebt die Arbeit über das Durchschnittsmass literarhistorischer Leistungen hinaus und gewährt ihr die Bedeutung eines durchaus eigenartigen Beitrages zur modernen Culturgeschichte“. (Aus den Urtheilen der Preisrichter.) „Ich weiss nicht, was ich mehr bewundern soll, die ungeheure Gelehrsamkeit, die das gigantische Material zmammenbrachte, oder die Klarheit, mit der es verarbeitet ist. Ich, der Ungelehrte, würde da an ein Wunder glauben, wenn ich es als Spinozist dürfte. Und wie viele, ausser mir, sind Ihnen für die gewaltige Arbeit zu innigstem Danke verbunden.“ {Aus einem Briefe Spielhagen’s an den Verfasser.) Yerlag Yon S. Calvary & Co. Berlin H. W. 7. Fabriksgeschäft in Böhmen sucht fürs Comptoir, welches Samstag und israelitische Feiertage geschlossen ist, einen tüchtigen Buchhalter, bezw. ßomptolristen aus guter Familie, der bereits in einem grösseren Etablissement beschäftigt gewesen. Derselbe muss einfache, event. doppelte Buchführung gründlich kennen, perfect stenographiren u. militärfrei sein. Selbstgeschriebene Offerte, mit Angabe der Gehaltsansprüche, zu richten sub „Dauernde Stellung“ an die Expedition dieses Blattes. 621 Israelitische Neujahrskarten hebräisch, deutsch, ungarisch etc. Neuheiten erschienen, in Prachtstücken sowie witzreichen Formularen, auch Ansiehts- und Zionkarten. Wiederverkäufer Rabatt Preisliste gratis. Sortimente (50 Stück) E 10, 5, 2.50. Versandt gegen vorherige Cassa franco. Marcus Silberstein, Alieln-Verlag. Postkarten u. Papier en gros. 8W Wien, Stadt, Esslinggasse 8. HerorLgkier irb vkrontwortlicher Redactenr: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Leck & Sohn, Wien, VUL