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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-24 · 34 (24.8.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
34 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sh. 34 Dr. Blvch's Wochrnschrrft. Sette 622 wehten Ansprache auf das Herzlichste und geleitete sie dann zu ihren Plätzen. Der hierauf folgende Gottesdienst fand in erhebender Weise statt; die Fcstpredigt, die der Rabbiner Herr Rychnowsky hielt, befriedigte sichtlich alle Hörer. Am anderen Tage begab sich der Vorstand zum Herrn Statthaltereirathe und brachte die Wünsche der Cultusgemeinde in geziemender Weise zum Ausdruck. Zu der Festtafel, die der k. k. Herr Statthaltereirath aus Anlaß des kaiserlichen Geburtsfestes gab, waren auch der Vorsteher Herr Moriz Löwy und der Rabbiner Herr Rychnowsky geladen. Przcmysl, 21. August. Am 18. August fand hier in der Synagoge anläßlich des 70. Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers ein feierlicher Gottesdienst statt. Vor einem überaus zahlreichen Publicum sprach der ad hoc berufene Rabbiner Benjamin Weiß aus Czernowitz und machte seine glänzende Rede auf die Anwesenden tiefen Eindruck. Gleichzeitig fand aus demselben Anlasse im Tempel ein Gottesdienst statt. Nach dem der Cantor die ceremoniellen Gebete vorgesungen hatte, hielt Herr Dr. Moses Schorr aus Lemberg in Anwesenheit der Spitzen der Behörden in polnischer Sprache eine in Form und Inhalt vollendete tiefempfundene Rede, in der er unseren Kaiser als Ideal eines gerechten Herrschers schilderte. Mit dem Atsingen der Volkshymne war diese schöne Feier zu Ende. Erbenschrh, 22. August. Der Obercantor der hi sigen Cultusgemeinde Herr Wilhelm Löwensohn begeht am 25. August das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit als Obercantor. Sowohl die Cultusgemeinde, als auch die politische Gemeinde Eibenschitz treffen Vorbereitungen, um den verdienstvollen Jubilar in würdiger Weise zu ehren. Soborte«, 18. August. Um halb 10 Uhr fand im hiesigen israelitischen Tempel anläßlich des 70. Geburtstages Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers ein feierlicher Festgottesdienst statt. In der Festpredigt hob Se. Ehrwürden Herr Rabbiner H. Galandauer die hohen Herrschertugenden unseres edlen, hochherzigen Monarchen mit packender Begeisterung hervor und schloß dieselbe mit einem wirüngsvollen Gebet, in welchem er den Segen Gottes auf das erhabene Haupt unseres geliebten Herrschers, auf das erlauchte Kaiserhaus, auf die hohen Räthe der Krone und die k. k. Behörden unseres theuren Vaterlandes herabflehte. Bueovar. Die erhabene und erhebende Feier des Geburtstages unseres Königs gestaltete sich hier zu einer imposanten Kundgebung des vorzüglichen Einvernehmens zwischen den Bürgern verschiedener Bekenntnisse. Alle Steh- und Sitzplätze unseres schönen, hell beleuchteten und geschmückten Tempels füllte ein sehr distinguirtes Publicum, deffen weitaus größere Hälfte aus Nichtjuden bestand. Außer allen Staats-, Comitats- und städtischen Beamten waren die verschiedenen Vereine und Corporationen und hunderte den besten bürgerlichen Kreisen angehörende Personen erschienen. Nach 'dem von Obercantor Adolf Schwarz mit Begleitung des verstärkten Tempelchores wirkungsvoll vorgetragenen Königspsalm lauschte das so zahlreiche Auditorium mit größter Aufmerksamkeit der formvollendeten fulminanten croatischen Rede des Oberrabbiners Dr. Julius Diamant. Alle Besucher und Theilnehmer waren voll des Lobes über die erhebende gottesdienstliche Feier. Ein schönes, anmuthiges und entzückendes Bild in. unserer traurigen, von Haß und Vorurtheil erfüllten Zeit. Jassy. Die Noth nimmt hier immer zu. Die Philanthropie der Bne Brith Loge, die Thätigkeit des energischen Präsidenten A. S. Goldenthal, wie des im Stillen so wirksamen Herrn Rabbiners Dr. I. N i e m i r o w e r kann dem Elende doch nicht beikommen; dessenungeachtet haben die hiesigen jüdischen Oesterreicher den 18. August sehr festlich begangen. Im Neuschotztempel fand ein weihevoller Gottesdienst statt. Unser Rabbiner Herr Dr. Niemirowcr hielt eine ergreifende Festrede. Der genannte Rabbiner und die Häupter der österreichischen Cvlonie, Gelber Fehr und Direktor Dux, begaben sich ins Consulat. Auf die Ansprache Seiner Ehrwürden erwiderte der Consul in der liebenswürdigsten Weise, indem er. betonte, daß die schönen Worte des Oberhauptes einer so großen Gemeinde auf ihn einen mächtigen Eindruck gemacht. Lemberg. (C a f <§ du Theätre.) Von den Eigenthümern genannten Cafes erhalten wir in Bezug aus die Cvrrespondenz in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift"' eine Verwahrung gegen antisemitische Tendenzen. Nicht ölos die Besucher des Cafts, sondern auch das gesämmte Dienstpersonal ist jüdisch. Der Artikel des „Dziennie Polski^ vom 8. d. M., welcher zu melden wußte, daß die Eigeuthümer des genannten Kaffeehauses angeblich die Absicht haben, das jüdische Element von ihrem Locale fernzuhalten, war von einer illoyalen Concurrenz inspirirt, eine Handlungsweise, welche der öffentlichen Beurtheilung überlassen bleiben darf. Die beiden Eigenthümer haben denn auch in den Lemberger Blättern gegen die Meldung des „Dziennie Polski" energisch protestirt. Bremen, 12. August. (Die rumänische A us w ander u n g.) Am vergangenen Donnerstag, Mittags, ist hier wieder ein Zug von 111 rumänischen Auswanderern angelangt, die über den Sabbath Unterkunft und Pflege fanden. Dank den Bemühungen des Herrn Rabbiners Dr. R o s e n a k und dem von ihm erwirkten helfenden Eingreifen des Frankfurter Comitös, das für 2—300 Personen Kleider und Mk. 1000 schickte, ist jetzt eine ausgiebigere Fürsorge ermöglicht. Herr Dr. R o s e n a k hat auch das Interesse des Norddeutschen Lloyd, besonders des Directors der Passage-Abtheilung Herrn von Helmot für die Auswanderungssrage gewonnen, wie ans nachstehendem Schreiben hervorgeht: Bremen, 6. August 1900. Herrn Rabbiner Dr. L. Rosenak, Bremen. Sehr geehrter Herr Dvetor! Die bei unserer gestrigen Unterredung Ihrerseits in Anregung gebrachte Idee, durch die Allianz Jsraelite wenn möglich einen größeren Complex Landes in Canada oder den Vereinigten Staaten zu erwerben, um so Ihren unglücklichen Glaubensgenossen eine bleibende Heimat zu gründen, hat mich noch lange beschäftigt. Vor allen Dingen glaube ich, daß die Vereinigten Staaten sich zum Zwecke der Ansiedlung und des Fortkommens der, wie Sie mir mittheilten, ja zum größten Theile aus Ackerbauern bestehenden Leute weit besser eignen würden, als wie Canada, und zwar ist es besonders der Staat Texas, welchen ich für die Ausführung Ihres Projektes als den vortheilhaftesten bezeichnen möchte. Wie ich aus privaten Mittheilungen entnehme, legt der Gouverneur von Texas besonderen Werth auf zweckmäßige Besiedelung, und gerade in diesem Staate gibt es noch große Complexe äußerst fruchtbaren Landes, welches*brach daliegt und nur der Urbarmachung harrt, um reiche Erträgnisse zu liefern. Selbstverständlich müßte bei dem Ankäufe der Ländereien mit der äußersten Vorsicht verfahren werden, und möchte ich Sie ganz besonders warnen vor den Anpreisungen der Landagenten, welche nur ihren eigenen Vortheil im Auge haben und an dem Wohlergehen der Ansiedler selbst wenig interessirt sind. Texas hat, wie jeder andere Staat auch »eben den fruchtbarsten Ländereien seine Sümpfe und Sandwüsten. Ganz besonders muß auch darauf Rücksicht genommen werden, daß sich in der Nähe des zu erwerbenden Landes Eisenbahnstationen befinden, nach denen die Erträgnisse der Ernten zu Markte gebracht werden können, da natürlich der Staat selbst nicht consumtionssähig genug ist, um die Erträgnisse einer ausgedehnten und planmäßigen Bewirthschaftung selbst zu absorbiren. Den Ansiedlern müßten für das' erste Jahr genügende Mittel zur Beschaffung von Sämereien und zum Ankauf des erforderlichen Ackergeräthes zur Verfügung gestellt werden, desgleichen die Mittel zur Errichtung der unbedingt erforderlichen Baulichkeiten, sowie zum Lebensunterhalt. Nach Ablauf dieser Zeit und unter normalen Verhältnissen, glaube ich, werden die Leute schon auf eigenen Füßen stehen können, und besonders auch der zu erwartende Nachzug wird gegen Arbeitsleistung sich seinen eigenen Unterhalt und die Grundlage zur späteren Selbstständigkeit schaffen können. Ich bin gern bereit, mich persönlich der Sache weiterhin zu widmen und meine durch langjährigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten gesammelten Erfahrungen dem Project, sollte es zur Ausführung gelangen, zu Gute kommen zu lassen. Hochachtungsvoll (gez.) v. H e l m o l t. Es ist Aussicht vorhanden, daß die gegebene Anregung weiter wirken und sich furchtbar zeigen wird. Wilna. (Jüdische S o c i a l i st e n i n W i l n a.) Wie wir durch mündliche Mittheilungen erfahren, ist Ende Juni in Wilna ein Streik ausgebrochen, der über von der Polizei rasch und mit eiserner Hand unterdrückt worden ist. Es streikten die Tischler und die Schuster, .weil sie höhere Löhne haben wollten und weil sie von den „Socialisten" dazu verleitet wurden. Die Polizei schritt überaus energisch ein. Wer sich nach 10 Uhr Abends auf der Straße blicken ließ, wurde schonungslos eingesteckt, Zusammenrottungen aus den Straßen würden von reitenden Kosakenpatrouillen mit schweren Hieben ihrer berühmten kurzen

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