Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 34 (24.8.1900)
- Date
- 1900-08-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 34 Ol*B BfZahr,««s XVII. Cenlralorgan -l-— ■ \ B. k. Vofisparcsssrn-Amr 'Clearingverkehr Ar. 810.976. I LrdacNon und Administration: IW i rn H., Untere Auaarkenitr. la. Telephon - Nr. 14,847 Hk — - - "-=X für die gesannnten Interessen des Wien, 24. August 1900. Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II.« Untere Augartenstraße 13, Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Judenkhmns. » .M VMigsprei» Mr Vrstrrrrich: Halbjährig S Kronen. I Einzelexemplare SO Heller. |33r’0 Mumlaud: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. X X Inhalt. Leitartikel: Nicolaus Lenau und derWiener Stadtrath. — Rumänische Frage. — Aus dem vierten Zionisten-Eongreß. — Korrespondenzen: Die Kaiserfeier in den jüdischen Gotteshäusern. Wien, Wien-Mariahilf, Baden, Linz, Moson, Dukla, Agram, Belovar, Bilin, Ung.-Brod, Lohatschwitz, Schüttenhofen, Rozlow, Jglau, Mähr.-Weißkirchen, Kanitz, Strakonitz, Bisenz. Gablonz a. d. Neisse, Straßnitz, Franzensbad, Eibenschitz, Neutitschein, Theusing, Jungbunzlau, Kopreinitz, Sissek, Croatisch-Kreuz, Kohljanowitz, Mähr.-Schönberg, Gliniany, Mähr.-Budwitz, Butschowitz, Krakau, Sambor, Stanislau, Virovitica, Witkowitz, Wilhelmsburg, Zborow, Podersam, Przemysl, Soborten, Jassy, Lemberg, Bremen, Wilna, Petersburg. London. — Vermischtes: Wien, Wien-Simmering, Graz, Karlsbad, Franzensbad, Eibenschitz, Mähr.-Ostrau, Pohrlitz, Privoz, Schüttenhofen, Butschowitz, Podersam, Leipnik, Tyrnau, Agram, Belovar, Leipzig. — Feuilleton: Michael. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Mrolaus Lenau und der Wiener Stadkrattz. „Armer Jude.... „Auf dem Baume krächzt der Rabe, „Hunde zerren dich am Rocke, „Schneegestöber, Flock an Flocke, „Fleißig wanderst du am Stabe." Nicolaus Lenau. Im Wiener Stadtrath hat Herr Dr. W ä h n e r folgenden Antrag eingebracht: Am 22. d. M. werden es fünfzig Jahre, daß unser vaterländischer Dichter Nicolaus Lenau, einer der Großen unter den deutschen Lyrikern und Epikern, von dem wir Wiener mit Stolz sagen können, er habe unter uns gelebt und gedichtet, sein Leben beschloß. Seine sterblichen Ueberreste ruhen auf dem Friedhofe in Weidling am Bach, und seine Ruhestätte bildet das Bild trauriger Verwahrlosung. Der Stadtrath wolle daher beschließen, daß am 22. d. M. durch eine Abordnung des Stadtrathes ein Kranz am Grabe Lenau's niedergelegt und weiters ein noch zu bestimmender Geldbetrag zur Wiederinstandsetzung des Gräbst eines ausgesetzt werde/ Offenbar hatte Herr Dr. Wähn er das Bedürfniß, seine Lorbeeren, welche bei Gelegenheit der Heine - Campagne etwas stark gelitten haben, neuerdings aufzufrischen. So wurde denn sein Antrag beschlossen und zur Ausführung gebracht. Inwiefern ihm das gelungen ist, wird sich in Nachfolgendem zeigen. Nieolaus Lenau hat das Judenthum und die Juden kennen, achten und lieben gelernt, zu feinen Freunden gehörten die jüdischen Schriftsteller Leopold Kompert, Ludwig August Frank und Berthold Auerbach. Der Literarhistoriker Ad. Kohut schreibt über Lenau's Beziehungen zum Judenthum: Im „Silbernen Kaffeehaus" zu Men, wo die Schöngeister jener Zeit in der Stadt an der schönen blauen Donau sich zu versammeln pflegten, traf im Herbst 1834 L. A. Frankl mit dem damals 32jährigen Lyriker zum erstenmal zusammen. Dort war es auch, wo er mit dem jüdischen Schriftsteller Gustav von Franck, welcher ihm eine prächtige Beethovenbüste verehrte, und den jüdischen Tonkünstlern Josef Fi schhofund Josef D e s s a u e r bekannt wurde. Auch der blutjunge Leopold Kompert, der mit erklärlicher Begeisterung zu dem bereits berühmten Meister emporblickte, pflegte sich dort einzufinden. Besonders fühlte sich Lenau zu Frankl hingezogen und wurde mit diesem innig befreundet, zumal Frankl es war, der in den von ihm zu jener Zeit redigirten Blättern mit Vorliebe die wundervollen Dichtungen des großen Lyrikers zu veröffentlichen Pflegte. Zu den vertrautesten Freunden L e n a u's zähtte ein jüdischer Banquier, Namens Zimmern. Lenau nannte ihn selbst „einen lieben, ehrwürdigen, alten Juden", mit dem er sich oft stundenlang unterhielt und dessen Weltweisheit und Lebensklugheit ihn außerordentlich anregten. Zimmern wohnte in Heidelberg, und es war immer ein Festtag, wenn Niki, wie er im Kreise der Familie des alten Herrn mit Vorliebe genannt wurde, dort erschien. Wie sehr ihn Lenau liebte, beweist auch der Umstand, daß er bald nach seiner Rückkunft von Amerika im Juni 1833 Vater Zimmern aufsuchte, um ihn an sein Herz zu schließen und mit ihm über das Vergangene und das Zukünftige zu berathen. Noch kurze Zeit vor seiner geistigen Umnachtung unternahm er von Stuttgart aus am 4. Juni 1844 einm Abstecher nach Heidelberg, um den Alten in seine Arme zu schließen. Er schreibt darüber an seinen Schwager Schurz u. A.: „In Heidelberg besuchte ich meinen alten Freund, den über 80jährigen Zimmern. Es fteute mich herzlich, daß er mich mit der nämlichen Wärme empfing, mit der er mich vor Jahren scheiden ließ. Diese waren unschädlich an seiner Freundschaft vorübergegangen und er wollte meine Hand gar nicht mehr auslassen. Auch seine Söhne und Töchter begegneten mir mit großem Wohlwollen." Nicolaus Lenau war aber auch ein glühender Hasser des Clericalismus, und von seiner freiheitlichen Gesinnung gibt die grandiose Dichtung „Savanarola" noch heute Zeugniß, wovon natürlich der Wiener Stadttath Herr Dr. Wähn er keine Ahnung hat. Die Judennoth hat den Dichter ttef ergriffen und die Lieder, welche er zum Ruhm und zur Ehre der Juden und zur Schmach deren Verfolger gesungen, gehören zu den unvergänglichen Perlen seiner Lyrik. Den armen Juden der vormärzlichen Zeit, als es noch keine Judenemancipation gab und ein gesetzloser Zustand das einzige Gesetz in Oesterreich-Ungarn den