Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 31 (3.8.1900)
- Date
- 1900-08-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 574 Dr. Blmtz's Wochenschrift. Nr. 31 machtlos gewordenen Verstände zu prüfen, ob das Alles nicht ein wunderbar schönes Traumgebilde sei, das in der nächsten Secunde in Nichts zerfließen würde; — dann aber rief sie im Tone höchsten Jubels: »Mein Michael... Du lebst!? . . . O! Du wunderbar herrlicher Gott'/ Michael Klein, der riesenstarke Mann, .vermochte vor Bewegung nicht zu antworten; er vermochte nichts zu thun, als seine Arme weit auszubreiten — und Sara flog an seine erzumhüllte Brust. (Fortsetzung folgt.) Literatur- Durch's Jahr! Essays über die gehobenen Momente des jüdischen Pflichtlebens in allen Monaten des Jahres von Rabbiner Dr. H. Ehrmann in Baden (Schweiz.) Frankfurt a. M. Verlag von A. I. Hofmann 1900. (XI u 530 S. S.) Dieses ausgezeichnete Erbauungsbuch sei hiemit jeder ech jüdischen Familie auf das Wärmste empfohlen. Es ist unstreitig das Beste, was bis nun auf diesem Gebiete in deutscher Sprache geschrieben wurde. Der Verfasser, rühmlichst bekannt durch sein „Thierschutz und Menschentrutz" steht auf streng orthodoxem, festgefügtem Grunde. Schriften für häusliche Erbauung werden in gebildeten Kreisen des österreichischen Judenthums wenig begehrt. Vergeblich bemühten sich hervorragende Männer halbvergangencr Zeit, solchen Werken Eingang zu verschaffen. Die Zeit des traulich-naiven rumi röKX ist endgiltig vorüber, leider muß man sagen. Denn unstreitig hat,die eifrige Lectüre dieses Buches unseren Großeltern treffliche Dienste geleistet und sie in der frommen Erziehung ihrer Kinder wacker unterstützt. — Bibel- und glaubensfeste Menschen wurden erzogen, die im Sturm der Zeit „auf die Postille gelehnt" unerschüttert standhielten und dem heiligen Väterglauben unentwegt treu blieben. — Solche Helden fehlen uns; sie fehlen uns gerade da, wo wir ihrer am meisten bedurften, im Kreise der modern erzogenen Jugend. Daher die traurige Erscheinung, daß wir so wenige strenggläubige und dabei wirklich gebildete Glaubensbrüder haben. Anders in Deutschland, wo Samson Raphael Hirsch s. A. und Hildesheimer s. A. eine undurchdringliche Phalanx tüchtiger Glaubenskämpfer ins Treffen stellten. Auch Ehrmann ist der Schule des Letzteren entstammt. Sein Buch aber ist im Geiste des vielgerühmten und vielgeschmähten „Ehoreb" Hirsch's geschrieben. Er schreibt aber einen weitaus flüssigeren, populäreren, glatteren, leichtfaßlicheren Styl. Der „Ehoreb" ist in Deutschland ein Vademecum der gebildeten, conservativen Juden geworden und Ehrmann's „Durch's Jahr" besitzt die Eignung, sich die weitesten .Kreise zu erschließen. Das Buch hält vollinhaltlich, was der Titel verspricht. — In höchst gelungener, anziehender und nie e-müdender Form werden alle Gedenk- und Festtage des Jahres gründlich behandelt und durch trefflich gewählte S ücke aus Bibel, Talmud und Midrasch illustrirt; namentlich die frisch-originelle Behandlung der Midraschstellen. deren moderne Fassung und Deutung verleiht der Darstellung Reiz und Leben. Ein gesunder Humor und manchmal würzige Satyrc gegenüber den Auswüchsen falscher. Alles leugnender Halbbildung und. den verkehrten Bestrebungen religiöser 'Reformsucht, wirken wahrhaft wohlthuend. Der ehrliche, urkräftige Zug eiserner Festigkeit in Thora und Gesetz geht durch das Ganze. Der hochgebildete, weltklu^e Mann und weise Fromme spricht aus jeder Zeile; der glänzende Erzieher und Lehrer offenbart sich auf Schritt und Tritt. Besonders hervorzuheben sind etwa die Capitel: «Segensspruch beim Anblick blühender Baume"; Elijohu; Zähler und Nenner; Wie ein Weiser die Weisen schildert; Warum wurde Jerusalem zerstört; die Selichothtage; Kaleuderbetrachtungen; pädagogische Ketzereien, (I, II, III); diese Aufsätze wird jeder ftomme Jude mit wahrer Herzensfreude lesen! Das Verbot des Tragens am Sabbath. Ferner: „Al Ehannisfine"; „An den Sttömen Babels"; „Unsere Festtage"; „Woran uns Purim mahnt". Ehrmann's Buch tritt nicht als gelehrtes auf, ist aber das Ergebniß ttcfernsten Nachdenkens über Vergangenheit, Aufgabe nnc» Zrcknnst des Judeuthums, mit dem wohl von jedem Ehrlichen zugegebenen Resultate, daß nur im traditionstreuen Judenthume Berechtigung und Hoffnung auf Bestand zu suchen und zu finden seien. Es wäre herzlich zu wünschen, daß das Buch ein weit verbreitetes Hausbuch, eine liebzugewinnende Lectüre unserer Glaubensbrüder und -Schwestern werde; es könnte ein „Führer der Irrenden" werden und Manchen, den Unkenntniß und Verführung dem strenggläubigen Judenthume entftemdet haben, auf den richtigen Weg zurückleiten. Die Unkenntniß in der heiligen Ltteratur, der Bibel und dem Talmud namenttich, ist aber so groß, daß man ihr einen großen Theil der Schuld an dem Verfalle beimeffen darf. Vielleicht kann dieses vortreffliche Buch Manche, die noch zu retten sind, rechtzeitig stützen. Es wäre zu wünschen. Men aber, den Gläubigen und Getreuen, wie auch den Zweifelnden und Schwankenden, wird es eine Freude sein, Ehrmann's gesundes, schönes Buch zu. lesen. Dr. D. F. Briefkasten. Zsido Hirado, Budapest. Wenn Sie nächstens zur Weiterverbreitung unserer Artikel durch Wiederabdruck beitragen wollen, so bitten wir um ehrliche Quellenangabe. L. M. R. in K. Der 17. October 1887 war am Montag den 29. Tischri 5648. Samuel Thaler in B. Der 27. Thamus 5637 war am 8. Juli 1877. Der 20. Ab 5640 war am 28. Juli 1880. Dr. W. in W, Die Notiz ist uns nicht zugekommen. Ingenieur M. Pollak, Bielitz. Jawohl, identisch. I. W—g. Im Amtsblatte war buchstäblich unter Anderem' Folgendes zu lesen: „Eine schmerzliche Erfahrung hat gelehrt, daß die unwürdigen und strafbaren Unternehmungen, welche sich der Pöbel in einem deutschen Orte, gegen die Rechtssicherheit der Israeliten erlaubt hat, als ansteckendes Beispiel auch auf andere deutsche Orte zu wirken vermochten, so wenig man auch dieses in einem Zeitalter hätte erwarten sollen, in welchem man mit Aufklärung zu prunken pflegt... Es bleibt aber immer heilige Pflicht der höchsten Staatsregierung, durch kräftiges Eingreifen dem ferneren Entstehen aller solchen Unordnungen vorzubeugen und dadurch den Schutz der Rechte zu bewähren, auf welchem jeder Angehörige des Staates ohne Unterschied der Religion und des Standes gleichen Anspruch hat." Dieser amtliche Erlaß ist freilich etwas älteren Datums und und er ist nicht in der „Wiener Zeitung", sondern in dem „Großherzoglich-hessischen Regierungsblatt" vom 4. September 1819 veröffentlicht worden. G. P. in Agram. Besten Dank für die Mittheilung. Ihr Vorschlag wird berücksichtigt und darnach vorgegangen werden. M. N. Sie fragen uns, was die Christen dazu sagen, wenn das „Deutsche Volksblatt" zu einer Rede des katholischen Bischofs von Dcbreczin Folgendes bemerkt: „Wir yratuliren den Debreczinern zu diesem Prachtexemplare eines Seelenhirten, der gut daran thun würde, bei Zeiten die Mitra mit dem Schabbesdeckel und den Talar mit dem Kaftan zu vertauschen. Wir wollen annehmen, daß die große Hitze der letzten Tage an den Gehirufunctionen Seiner bischöflichen Gnaden nicht spurlos vorübergegangen sei." Nun, wir werden ja sehen. Naive Leute meinen, die clericalen Blätter müßten dafür plaidiren, daß das „Deutsche Volksblatt" in Zukunft in keinem christlichen Hause zu finden sei. ... Arthur B. Wenn Mechaniker Schneider in einer Körperschaft, deren Mitglieder beinahe ausschließlich aus Katholiken bestehen, ohne Widerspruch zu finden, sagen durfte, Päpste haben sich mit Judengeld bestechen lassen, dann kann sich ein Bischof nicht beklagen,. wenn er im Leibblatte S ch n e i d e r's auch nicht viel glimpflicher behandelt wird. -Pädagoge. Staunen Sie nur nicht über den antisemitischen Muth. Die Herrschaften wiffen, daß in der christlich-socialen Aera dem Nadererthum die Salvator-Medaille blüht. W. B-g. Die Unterhaltung des Militärs in Könitz, die durch die antisemitischen Excesse zur unerläßlichen Nothwendigkeit geworden war, kostete in der That der dortigen Einwohnerschaft das nette Sümmchen von 60.000 Mark. Eine köstliche Unterhaltung das? I. L— g. Die Wiener Bevölkerung dürfte in der That gerne auf die Ehre verzichten, welche die Vertheidigung seitens des Herrn Victor Silberer involvirt. Historicus. Herr W ä h n e r producirte sich neulich in der „Deutschen Zeitung" als Prophet. Am Schluß eines Artikels, in welchem er anläßlich der Ermordung König H u m b e r t's für die Wiedereinführung der — Vehmgerichte plaidirt, schreibt er: „Wir aber, die wir den Gedanken zum ersten Male aussprechen, wir werden zunächst. - - Titel erhalten, deren gelindeste „Narren" und „Barbaren" sind." Welch' prophetischer Geist sprach da aus Wahner! Anton B. Wir können die Verantwortung für die Richtigkeit der Behauptung nicht übernehmen. -Aber in der „Ostdeutschen Rundschau" war es am Mittwoch zu lesen, daß Dr. Lueger seinerzeit in öffentlicher Versammlung „dem polnischen Juden H a a r z o p f den Bruderkuß gegeben". B. W—r. In der Infamie des „Deutschen Volksblattes", das verbrecherische, perverse Treiben eines Arbeiters auf die — socialdemokrätischen Principien zurückführen zu wollen, liegt Methode. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnrmrntsgrbühr im Rückstände find, die zur Einhrbung derselben von uns versendeten PostairftrLsgefälligst honorirrn ru wollen Die Administration.