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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-07-13 · 28 (13.7.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
28 (13.7.1900)
Date
1900-07-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 527 verstorbenen Tochter bei mir. Frühstück kann ich meinen armen Enkeln nit geben, aber Ochsenfuß mit Erdäpfel werd' ich als Mittagmahl kochen .... Haben Sie Mamsell noch etwas zu essen im Hause?" „Nein," erwiderte Sara nach kurzem Bedenken stockend, wäbrend eine dunkle Purpurröthe in ihren bleichen Wangen ausstieg. „Mamsell Sara, geben Sie mir die Kowed, Mittag bei mir zu essen. Ochsenfuß is kein ganz feines Essen, aber ich mein', es is doch noch immer viel besser als gar nix," und als der gute, alte Mensch in Sara's Zügen blickend, deren Verwirrung bemerkte, fuhr er mit dem Instinkte eines gutetf Herzens fort, „jetzt sind die größten Aschirim^anijim lest schon3) es geht uns beawonoffenu horabim") fast wie beim Chorbon Jeruscholajim"). — Aber Mamsell Sara, verzeihen Sie mir die große Chuzpe^), wie kann es mir einfallen, daß Sie, die Tochter des Roschhakohol Reb Aron Brack — im Gan Eden8 9 * * * 13) ruht er — bei mir an meinem Tische essen sollen?! — und dann is es wirklich kein Tam 14) dabei, die kleinen Kinder sind ungezogen und machen einen großen Lärm, und stecken manchmal die Hand in die Schüssel .... aber erlauben Sie mir, daß ich Ihnen Mittag ein Stück Fuß und ein Paar Erdäpfel durch mein ältestes Enkel schicke . . . ." Einen Moment wollte Sara mit bestem Danke ablehnen, aber schon beim raschesten Bedenken sah sie ein, daß sie gezwungen war, die Gutthat anzunehmen. Sie hatte nichts Genießbares im Hause, und für längere Zeit keine Aussicht ihren Hunger zu stillen, und sie sprach von Neuem erröthend: „Ich nehme mit herzlichem Danke Ihre Gefälligkeit an." ((Fortsetzung folgt.) Literatur. I. E. de Sinoja. Die Marranen. Tragödie in 5 Aufzügen. E. P i e r s o n's Verlag, Dresden und Leipzig. Ein Buch, dem man actuelles Interesse zuerkennen muß, trotzdem es die Zustände Spaniens im 15. Jahrhundert schildert. Ein Buch, von einem Idealisten für Idealisten geschrieben, trotzdem es erschütternde Scenen mit packender Realistik darstellt. Ein Buch das anklagt und vertheidigt, liebt und zürnt, das das Leid eines Volkes zum Vorwurf hat und dessen Schlußwort ein Segensspruch ist. Alles in Allem ein merkwürdiges und reizvolles Werk. Dieses Buch ist nicht geschrieben worden, um die traurige Liebesgeschichte der armen Dolores zu erzählen, es ist nicht geschrieben worden, um die Pracht und den Glanz des spanischkatholischen Hofes zu schildern, auch nicht, um den gewaltigsten Geist seiner Zeit, den großen Mönch Torquemada in seiner ganzen entmenschten Grausamkeit darzustellen. Alles das ist Nebensache in dem Buche; wie ein einziger Schmerzensschrei wirkt es, ein Schmerzensschrei über vergangenes Leid von neuem Leide geweckt. „An den Wässern Babels saßen wir und weinten". — Und von da angefangen in ununterbrochener Reihenfolge Blut und Thränen, Thränen und Blut — unsere Geschichte. Die Marranen schlagen ein Blatt aus ihr auf, eines der schwärzesten. Mit der Kraft des echten Dichters bildet der Verfasser seine Gestalten, die Handlung ist packend und glücklich ersonnen, die Sprache vornehm und edel. Und mit dem ganzen Optimismus des Poeten ist, nach all den Schilderungen des Elends und der Verzweiflung, der Marter und des Todes, sein letztes Wort, ein Wort der Versöhnung, ein Wort der Hoffnung. Wann aber werden wir, die wir nicht Poeten sind, dies Wort aussprechen dürfen, nach all dem Elend, nach all der Verzweiflung, nach all dem Leid der letzten Jahre! L. I. 8) Reichsten Leute. 9) Zur Stunde arm b. h. man kann sich auch mit vielem Geld: nicht das Nöthige verschaffen. Um unserer großen Sünden willen, wird gewöhnlich bei einer allgemeinen Calamirät gesagt. ") Der Zerstörung Jerusalems, wo die Lebensmittel immer theuerer wurden und schließlich auch auch zu dem höchsten Preise nicht zu bekommen waren. Gitin fol. 56 a. ") Kühnheit. ,3) Paradies. ") Keine Annehmlichkeit. Briefkasten. I. R. in Kozlow. Eine Firma, welche koscher Schweizer- und Schafkäse erzeugt, sind wir nicht in der Lage zu empfehlen. I. B. Der Vorschlag, den Verein in Zukunft den „Altweibergesangsverein" zu nennen, ist zum ersten Male im „Pester Lloyd" ausgesprochen worden, u. zw. in Persen. Jnstns. Die Rede des Statthaltereirathes Tils, der es als ein Glück für Wien bezeichnete, daß Herr Strobach wieder Vicebürgermeister wurde, wird allgemein als eine Art elastischer „Frozzelei" anfgefaßt, die würdig Lueger's gewesen wäre. H. B. Sie vermuthen, daß Herr Stro b ach, nachdem er den Eid leistet, die Staatsgrundgesetze zu beobachten, aus der antisemitischen Partei austreten werde, deren ganzes Programm in der Verhöhnung der Staatsgrundgesetze besteht. Wir beneiden Sie um Ihre Naivetät. Dr. M. H. in Prag. Zur Beantwortung Ihrer Anfrage bedarf es Ihrer genauen Adresse. M. B. Es gibt wohl noch wichtige Fragen zu reguliren, in denen Herr Alexander P u r s ch t als anerkannte Autorität gilt, und dies nicht blos in der Gegend des Spittelbergs, wo er Hausbesitzer war oder noch ist. Notl; Wien. Am 1. September d. I. eröffnet Herr Julius Urbach in Wien, II. Vereinsgasse 9, ein neues Knabenpensionat. Der Inhaber und Leiter der neuen Anstalt, welche bestimmt ist, einem factisch bestehenden Mangel abzuhelfen, da namentlich jüdische Eltern, welche für ihre Knaben derartige Anstalten in Anspruch nehmen müssen, keine Auswahl haben, legt besonderen Werth auf die ununterbrochene Beaufsichtigung der Zöglinge, deren körperliche Entwicklung, und hat es sich zur Aufgabe gestellt, namentlich den Ordnungssinn der Zöglinge möglichst auszubilden. Die neue Anstalt ist demgemäß nur auf eine kleine Anzahl von Zöglingen beschränkt, besitzt dabei allen Comfort moderner Institute und ist auf die hygienische Zweckmäßigkeit bei deren Einrichtung im besonderen Maße Bedacht genommen worden. Die außergewöhnlich günstige Lage des Pensionates in Bezug auf die Nähe einerseits zahlreicher Lehranstalten, andererseits des k k. Augartens und des k. £. Praters ermöglichen tägliche Ausgänge. Der Anstaltsleiter, ein Sohn des vor 2 Jahren verstorbenen, allgemein bekannten und hochgeachteten Rabbiners Jakob Urbach in Przibram, kann auf eine langjährige pädagogische Thätigkeit, sowohl an öffentlichen, als auch an privaten Lehranstalten Hinweisen und da ihm die besten Referenzen bedeutendster Schulmänner zu Gebote stehen, dürfte wohl die neue Anstalt, als auch deren Zöglinge aufs beste prosperiren. Conrurs. An dem mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen israelitischen Blinden-Jnstitute Hohe Warte in Wien ist die Stelle eines ordentlichen Lehrers und eines Supplenten mit dem Beginne des Schuljahres 1900/1901 zu besetzen. Offerte bis 15 August d. I. zu richten an die Direction der Anstalt, welche die näheren Bedingungen mittheilt. Concurs. Bei der israelitischen Cultosgemeinde zu BOSkOWitZ in Mähren ist die Stelle eines Cantors (Vorbeters) mit musikalischer Bildung und Befähigung zur Heranbildung und Leitung eines Chores, der auch als Koreh und Schochet zu fungiren hat, mit einem garantirten Einkommen von 1800 Kronen, zu besetzen. Theologisch Gebildete können auf ein bedeutendes Nebeneinkommen rechnen und ist eine Gehaltserhöhung für die Zukunft bei Convenienz nicht ausgeschlossen. Bewerber haben ihre gehörig documentirten Gesuche mit dem Nachweise ihrer Befähigung und des österreichischen Staatsbürgerrechtes sowie eines kurzgefassten Curriculum vitae bis längstens 15. Jllll 1900 bei dem gefertigten Vorstände einzubringen. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Boskowitz, 2. Juli 1900. 579 Der ßultusvorstand. Die iür die Gemeinde-Tempel I.. Seltenstettengasse 4 und 1L, Tempelgasse 3 verfügbaren Betsitzkarten sind an der Cassa der israelitischen Cultusgemeinde, I, Seitenstettengasse 4, L Stock links täglich von 9 Uhr Früh bis 12 Uhr Mittags (ausgenommen Samstag und Feiertage) erhältlich.

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