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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-07-13 · 28 (13.7.1900) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
28 (13.7.1900)
Date
1900-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 28 Dp. Blooh’s xvii. Centralorgan für dir grfammkn Interessen des Iudenthums. Wien, 13. Juli 190«. Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresie: Wien. II., Untere Nugartenstraße 1», Telegramm-Adresse: Vloch'4 Wochenschrift, Wien. «- -N | Ä. ft. Pop spLcrassrn-Amr "Clearingverkehr Nr. 810.976. Lrdsrtion rmd AdminikiraUon: Witn XX., Untere Auaartrrrltr. la. Telephon - Nr. 14,847 X - -> : II »tpisaprit* str Seft-rrrtch: Halbjährig » Lroaea. II Lmzelexemplare SO Heller IJül's An»lsnb: Halbjährig 10 Ätonen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. x - ... ~X Inhalt. Leitartikel: Die Judenaustreibung aus Rumänien. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein barbarischer Act in Rumänien. Wahrheit und Dichtung. Mädchenraub in Galizien. Friedrich II. gegen die Zwangstaufen und Proselytenmacherei. — Reminiscenz. — Babylonien. — Kleincolonisation. — Eorrespondenzen: Zur Hilfsaction der .JsraeMschen Allianz". Wien, Prag, Znaim. Roznau, Brody, Budapest, Berlin, Paris, London. — Vermischtes: Wien, Floridsdorf, Baden bei Wien, Prag, Kojetein, Neutitfchein, Auspitz, Lenrberg, Brzesko, Vag-Ujbely, Kovreinitz, Paraeini. — Feuilleton: Mchael. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Die Iudenaustreibung aus Rumänien. Das Hilfswerk, welches die Israel. Allianzen in Wien und Paris zu Gunsten der unglücklicken rumänischen Inden unternommen, scheint die hohe Regierung Sr. Majestät des Königs Carl von Rumänien empfindlich zu geniren. Es ist ein gutes Zeichen, daß die rumänische Regierung sich für verpflichtet hält, Aufklärungen über die Judenauswanderung aus Rumänien zu geben. Ein gutes Zeichen — allerdings nur insoferne, als sie dadurch zu erkennen gibt, daß ein Areopag besteht, der ohne juridische Formel, auch ihr gegenüber, das Menschenrecht zur Geltung bringen könnte, daß sie diesen Areopag fürchtet, daß sie sich vor ihm entschuldigen, rein waschen möchte! Und dieser Areopag heißt: Der europäische Geldmarkt. Die rumänische Regierung ist unempfindlich gegenüber den Forderungen der Moral, unempfindlich gegenüber den vertragsmäßig übernommenen Verpflichtungen, sie ist aber empfindlich, wenn es sich um Geld handelt, und da sie allem Anscheine nach recht bald wieder mit dem Klingelbeutel umgehen wird, so sucht sie jetzt Stimmung für sich zu machen,' und ihre Schuld an der Judenauswanderung, die eine wahre Judenaustreibung ist, abzuleugnen. Die rumänische Regierung ist noch nicht zur Erkenntniß gelangt, daß sie ihr Land schädigt, wenn 200.000 fleißige, arbeitswillige, treue Unterthanen das Land verlassen, Unterthanen, welche Sclavenarbeit willig verrichten, alle Pflichten erfüllen und nur Brot und Unterricht verlangt haben. Sie ist noch nicht zur Erkenntniß gelangt, daß der auf die Spitze getriebene Fremdenhaß und die konfessionelle Bedrückung — deren äußerste Consequenzen in China so grauenvoll zu Tage treten — auch in Rumänien sich nicht anders beurteilen lassen, als in Ostasien; sie ist noch nicht zur Erkenntniß gelangt, daß Civilisation und Cultur eine Pflicht . auferlegen, der sich ein so junger Staat dann umsoweniger entziehen. kann, wenn ihm die Beobachtung derselben bei Anerkennung seiner Selbstständigkeit zur Bedingung gesetzt wurde und umso viel weniger ein Staat, der in so mannigfachen Beziehungen auf das Wohlwollen civilisirter Völker angewiesen ist; eine solche Selbsterkenntniß ist dem moralisch angefaulten Bojarenthum, welches im Vereine mit dem Demagogenthum in verschiedenen Gestalten jetzt die Regieruugsgewalt in Händen hat, nicht zuzumuthen; nur weil sie Geld brauchen, wollen sie sich als die Schuldlosen hinstellen, ihnen ist es nicht um Gerechtigkeit zu thun, sondern um Credit! Das ist der wahre Kern der langen und der kurzen Darstellungen, welche die rumänische Regierung über die Judenaustreibung jetzt durch dienstwillige Federn verbreiten läßt und wir nennen sie ein gutes Zeichen nur deshalb, weil aus ihnen hervorgeht, daß die Rumänen Furcht haben. Nicht Recht, nicht Ethik beeinflußt sie, sondern' Furcht, daß ihre neuen Geldforderungen keinen guten Markt finden werden und das ist ein gutes Zeichen. An diesem Punkte ist das Rumänenthum empfindlich. Uns wäre es lieber, sie wären aus sittlichen Gründen zur Erkenntniß des Unrechts, das sie begehen, und zur Umkehr gelangt. Aber wir können unsere Gegner doch nur nehmen, wie sie sind, und wenn bei ihnen Geld das ihre Handlungen bestimmende Motiv ist, so sind sie es eben selbst, die ihre Schwäche enthüllen, und chre Achillesferse zeigen. In ihrer großen Angst haben sie sich aber den schlechtesten Dienst geleistet, indem sie die Judenaustreibung nicht als Folge ihrer Härte und der Rechtlosigkeit, sondern als Folge der schlechten Ernte darstellen. Europa hat zweiundzwanzig Jahre lang geduldig zugeschaut, daß Rumänien den Berliner Vertrag fort und fort mit Füßen getreten, Europa fragt in seiner jetzigen Stimmung sehr wenig nach Recht und Moral. Der europäische Nationalismus bekümmert sich wenig um die Unterdrückung der Fremden — in Europa natürlich, in Asien und Afrika ist's anders — aber um schlechte Ernten bekümmert er sich sehr. Wenn nun die Juden aus Rumänien fortzögen, weil man sie dort behandelt, wie es die Chinesen den Christen thun, würde das die heutigen Europäer nicht sehr lühren, aber

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