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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-22 · 25 (22.6.1900) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
25 (22.6.1900)
Date
1900-06-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 25 Dr. Bloch* Hahr-««- XVII. Centralorgan für die gefannnten Interessen des Iudenthmns. Wien, 22. Juni 1900. Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II., Untere 2lugartenslraße la. Telegramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift, Wien. .-= -X! Bejugapreta für Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen-!! «Zuizelexemplare 50 Heller! Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. I Ganzjährig 20 . Anzeigen: Lie 4>nal gespaltene Petitzeile 24 Heller, ft-. -- - ■ n | D. ft. Pofisparrastrn-Nmr "Ctrsringverkrhr Nr. 810.976. Lrdartion und Administration: Wien H., Untere Anaartrnltr. I». Telephon - Nr. 14.847 JK™ ■==■" ' & Inhalt. Leitartikel: Der Auszug aus Rumänien. — Der Jahresbericht der „Jewish Colonisation Association.“ — Vom Jahrmarkt be§ Lebens: Die Lüge von den „Jüdischen Geheimlehren". Unsere arischen Sittenrichter. Ein katholischer Priester als Vatermörder. Der unlautere Wettbewerb. — Verstimmungen und Hoffnungen. Antisemitisches und Antiprotestantisches ans Sachsen. - Korrespondenz en: Alls der Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 13. Juni. Wien, Prag, Myslowitz, Welka, Nasice, Berlin, Könitz, Paris, London, Petersburg. — Vermischtes: Wien, Baden, Kaladors, Teplitz, Raab. Agram. — Feuil l eton- Der Sabbathengel. — Michael. — Eingelaufene Schriften. — Briefkasten. — Aufruf. — Notiz — Inserate. Der Auszug ans Rumänien. Die vorige Nummer unserer Wochenschrift enthält einen Aufruf der Israelitischen Allianz in Wien, mit dem sie sich an Menschenfreunde um Spenden für unsere bedrängten Glaubensgenossen in Rumänien wendet. Wie wir erfahren und uns durch eigenen Augenschein überzeugt haben, leitet die Israelitische Allianz eine umfassende Action ein, um den Nothleidenden auf eine zweckmäßige und ersprießliche Weise zu helfen. Täglich sprechen im Bureau der Israelitischen Allianz 30—60 rumänische Emigranten vor, denen ohne Verzug mit Rath und That beigestanden werden muß. Die Hauptschwierigkeit für die Israelitische Allianz liegt darin, daß sie nicht im entferntesten über die zur Bewältigung ihrer Aufgabe erforderlichen Mittel verfügt, vielmehr darauf angewiesen ist, Spenden für den Hilfszweck zu sammeln. Es ist die heiligste Pflicht eines jeden Juden, der ein Herz für die unverschuldet in Elend und Noth gestoßenen Brüder hat, nach besten Kräften und seinem Vermögen zu dieser Sammlung beizusteuern. Die unaussprechlich traurige Lage der Juden in Rumänien haben die dortigen Machthaber verschuldet, die sich der Erfüllung des Artikel VH des Berliner Vertrages vom Jahre 1878, wonach die Juden Rumäniens zu Staatsbürgern erklärt wurden, dadurch entzogen, daß sie die Juden für „Fremdlinge^ erklärten und darnach zu behandeln oderrichtiger, zu mißhandeln anfingen. Von 250—260.000 Juden Rumäniens haben thatsächlich kaum zweihundert Personen das Bürgerrecht! Den jüdischen Kindern ist der Besuch der staatlichen und communalen Schulen sogut wie verwehrt worden, den jüdischen Handwerkern der Eintritt in die Zünfte unmöglich, kein Jude kann ein öffentliches Amt bekleiden, kein Christ darf einen Juden mit Ecwerbsarbeitenbeschäftigen und der systematisch organisirte Boycott sorgt dafür, daß Juden im Handel auch keinen Bestand haben. Juden ist sogar der Hausirhandel ganz und gar verboten wurden. Die zwei letztjährigen Mißernten hatten zudem auch eine Verarmung der christlichen Bevölkerung zur Folge. Um dem „Volke" zu helfen, verfügte die rumänische Regierung zunächst, daß binnen 24 Stunden alle Juden aus den Dörfern und den Kleinstädten noch den wenigen größeren Städten übersiedeln müssen. Es ist klar, daß auf diese Weise die Juden sammt und sonders nicht blos um ihren Erwerb, sondern auch um ihre liegende und fahrende Habe einfach beraubt worden sind. Die Regierung veranstaltet Nothstandsarbeiten, doch kein Jude, darf davon einen Genuß haben; die Regierung vertheilt unter die Hungernden Gelder, nur den Juden gibt sie nichts; denn für die rumänische Regierung sind ja die Juden „Fremdlinge". Die wenigen wirklich fremden Juden in Rumänien erfreuen sich doch noch einigermaßen des Schutzes ihrer Consulate, nur die Juden, deren Ururahnen schon in der Moldau und Walachei erbgesessen waren, die haben Niemanden, der sie vor der zur Siedehitze gesteigerten Verfolgungssucht einer habgierigen, vom Wahnwitz ergriffenen Beamtenschaft und eines irregeführten Volkshaufens in Schutz nehmen würde. Die äußerste Verzweiflung jagt die Juden in die Fremde hinaus, um sich irgendwo in der Welt eine neue Heimat zu suchen. Es ist kein Wunder, daß die rumänischen Juden Europamüde geworden sind. Sie wandern nach Asien, Afrika und Amerika aus, aber diese Auswanderung gleicht eher einer Flucht von Rüden gehetzten Wildes, als der Reise von Menschen, die einem festen Ziele zustreben. Wir wandten uns an einige Persönlichkeiten in Bukarest, Galatz und Jassy, die als Österreich:r durch ihre ausgebreiteten geschäftlichen Beziehungen unabhängige und hervorragende Positionen einnehmen, um ein klares Bild der Situation zu erlangen. Wir erhielten unter anderen drei ausführliche Briefe, aus denen wir Auszüge hier mitthnlen wollen. Sie geben freilich uns, die wir Gelegenheit hatten, mit einer größeren Zihl rumänischer Auswanderer im Bureau der Israelitischen Allianz zu sprechen, nichts anderes als eine Bestätigung deffen, was wir schon wußten und was wir zuvor kurz fkizzirt haben, für unseren Lesekreis sind sie jedoch gewiß von größtem Interesse. Mögen diese Nachrichten eine Verbreitung überall' finden, wo Juden leben und auch überall das gute jüdische Herz zur Bethätigung der Nächstenliebe rasch erwecken. I. Einer unser Correspoudenten berichtet, wie folgt: .... „Die Regierung und ihre Preßorgane verbreiten absichtlich, daß der Nothstand der Juden der Mißernte zuzuschreiben sei. Die Unwahrheit liegt auf der Hand; denn die Juden hierzulande, die durch gesetzliche Maßregeln vom Betriebe des Acker- und Feldbaues ferngehalten werden, beschäftigen sich

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