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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-01 · 22 (1.6.1900) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
22 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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uw* WWW Seite 420 Dx. Blych's behandelt;, nicht gewohnt. In ähnlicher Weise hatte Golzinger nur einziges Mal in seinem Leben mit ihm gesprochen. Damals hatte er seiner bedurft. Es gehörte kein übermäßiger Scharfsinn dazu, zu erkennen, daß er sich heute in ähnlicher Weise wie damals befinde. Mostrich senkte seinen Blick wieder zu Boden und preßte. unwillkürlich seine geschlossenen Lippen noch fester übereinander; als könne er es dadurch verhindern, daß ein nnbedachtes Wort Wer diese schlüpfe. Er wollte seinem Chef nicht entgegenkommen, ihm die Mittheilung, die ihm schwer zu fallen schien, nicht erleichtern. „Mostrich", fuhr der Bürgermeister nach einer längeren Pause fort, und die Worte stoßen langsam und schwerfällig über seine Lippen, und vermochte es hierbei den Kerkermeister anzusehen, „ich bin Ihm immer ein gütiger Chef gewesen, Hab' ihn nie übermäßig sekkirt.... nicht wahr Mostrich blieb die Antwort schuldig, er schien offenbar nicht gleicher Meinung. „Es ist sogar einmal der Fall vorgekommen", fetzte der Bürgermeister wieder fort, „daß ich Ihn ein schönes Stück Geld verdienen ließ. Es wird das etwa eine Geschichte von zwölf, dreizehn Jahren her sein .... ich habe für Dinge, die mir eigentlich, gleichgültig waren, kein Gedächtniß; da hat Er aus meiner Hand ein ganz anständiges Sümmchen erhalten. . . . Ich glaube, es waren hundert Gulden. . . ." „Ich erinnere mich dieses Vorfalles noch ganz genau, als wenn ls heute geschehen wäre, Euer Gestrengen", antwortete der Kerkermeister. „Es sind dies nicht, wie Euer Gestrengen irrthümlich glauben, zwölf, dreizehn, sondern siebzehn Jahre. Euer Gestrengen beliebten damals noch ein junger, recht schöner Mann zu sein, der, wie man behauptete, bei Mädchen und Frauen viel Glück hatte." „Laß Er, lieber Mostrich das alberne alte Weibergeklätsche von damals, und solche unziemliche Spässe, die gar nicht zur Sache gehören, bei Seite," sprach der Bürgermeister mit einem milden Lächeln und einer Sanftheit des Tones, deren der Kerkermeister seinen Chef gar nicht für fähig gehalten hätte; aber dieser setzte, ohne die Unterbrechung der geringsten Beachtung zu würdigen, fort: „Euer Gestrengen hatten damals die hohe Gnade, mir ein Douceur, nicht wie hochdieselben irrthümlich zu sagen beliebten, von ein-, sondern von zweihundert Gülden zu spendiren. Es war damals die arme Eva Brümlerin, ein bildschönes, neunzehnjähriges Mädchen unter der Anklage ihr— ich meine der Brümlerin eignes — einjähriges Kind gelobtet zu haben, in Untersuchungshaft genommen worden. Euer Gestrengen hatten das arme, elternlose Mädchen stets liebevoll behandelt und gnädigst unterstützt, und das arme Wesen hatte sich Ihnen erbarmt. Eva Brümlerin hätt: zum Tode verurtheilt werden müssen. Glaubwürdige Zeugen hatten sie bei der Tödtung ihres einjährigen Kindes überrascht. Sie ließen mich am späten Abend zu sich befehlen und sagten mir: Als Richter müßten Sie nach dem klaren Wortlaute des Gesetzes das Mädchen zum Tode verurtheilen, das aber gehe anderseits gegen ihr Gewissen als Mensch und Christ, und in dieser Pflichtencollision — Sie sehen, Euer Gestrengen, ich habe mir siebzehn Jahre das mir unbekannte Fremdwort gemerkt — hätte Ihnen der liebe Gott den glücklichen Gedanken eingegeben, das Mädchen aus der Untersuchungshaft entfliehen zu lassen. - (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Altschul in Böhm.-Leipa. Sectionschef von D. ist getauft. W. B—r. Auch diese Lebensanschauung hat im Talmud seine Vertretung. So heißt es: „O greif' schnell zu und iß', greif zu und trink'; denn diese Welt, von der wir immer im Scheiden begriffen sind, ist ein Fest, das schnell vorüber eilt." L—g. Sie täuschen sich. Nach Kant ist der Selbstmörder der Zerstörer der menschlichen Würde. Den Selbstmord betrachtet er als einen Ausluß der Feigheit; zum Beweise dessen, findet — wie er ausführt — der Selbstmord am meisten bei den feigen Völkern statt. Dr. K. H—n. Maimon des warnt nachdrücklich vor asketischen Extravaganzen. N. 28—c*. Der bekannte Heine-Falscher Steinmann war kein Jude. Im Gegentheile, als er mit seinen Heine-Nachahmungen, die er dem wehrlosen todten Dichter in die Schuhe schieben wollte, an den Pranger gestellt wurde, schimpfte er über die „jüdischen" Kritiker, die ihn angeblich verfolgten. Wochenschrift. Nr. 22 W. B—r. Wie man leben soll, um ein hohes Alter zu erreichen, darüber sind im Talmud verschiedene Mittel auch nicht blos körperlich-hygienischer Art angeführt. So gab Nebb Nechunja ben Hakana ans die Frage, wie er so ein hohes Alter erreicht habe, die Antwort, er habe, wie es Mar Sutra gethan, bevor er Nachts zu Bette gegangen, gebetet, Gott möge allen seinen Beleidigern verzeihen." Historicns. Der türkische Sultan Bajazid II. (1481—1512) begriff, daß die von Ferdinand dem „Katholischen" verfügte Vertreibung der Inden aus Spanien für sein Land von großem Nutzen sein könne und er nahm sie mit Freude auf. Um die Juden yor Bedrückungen der Beamten zu schützen ordnete der Sultan an, daß Jeden, der sich solcher schuldig mache, die Todesstrafe ereile. M. N. Die Tramwayeonducteure haben aus ihrer Mitte zwei antisemitische Candidaten für den Gemeinderath aufgestellt. I. B. Da erinnern wir uns immer an das Wort eines geistreichen christlichen Schriftstellers, der im Jahre 1359 schrieb: „Möge doch auch der Jude mit dem — Christen Nachsicht haben, er kann über die Macht der vielen ihn von frühester Jugend umgebenden judenfeindlichen Einflüsse nur schwer hinaus " Theodor M. An soschen Zeugnissen christlicher Theologen fehlt es wahrlich nicht. Interessant ist eine diesbezügliche Aeußerung des berühmten französischen Theologen Athanase C 0 q u e r e I: „Was war es, das bei diesem Volke (dem jüdischen) eine solch unvergleichliche Widerstandskraft entwickelte, das ihm die Macht gab, bis in unsere Tage fortzudauern und die großen Reiche zu überleben, die es, eines nach dem andern unterjocht hatten, Egypten und Assyrien, Griechenland und Rom? Was war es, das ihm das uns beinahe unfaßbare Vorrecht vor allen Eltern verlieh, sich durch so viele Jahrhunderte selbst zu überleben und 1800 Jahre ohne Vaterland zu bestehen? Es war dies eine Idee, eine Wahrheit, der Monetheismus nämlich, dieser feste nnd unerschütterliche Glaube an den einzigen, wahren' Gott, den Gott, den der alte Akiba inmitten seiner letzten Todesqualen mit sterbender Stimme angerufen hatte. Nöthen- 200.000 Kronen bar ist der heurige Haupttreffer der XXXIII. Staatslotterie, welche außerdem noch zahlreiche Geldgewinnste von 10.000, 5000, 3000 K bis zum kleinsten Treffer von 10 X umfaßt. Der Zweck dieser Staatslotterien, welche über Auftrag t-« Kaisers veranstaltet werden, ist bekanntlich ein humaner, da das R«.. :"ägniß wohlthätigen Instituten wie Spitälern, Kinderasylen u. a. '- führt wird. Ein besonderer Vortheil dieser Lotterie ist, daß Gewinnste sämmtlich in Baargeld bestehen und jedes Los auf sämnuliche 16514 Treffer mitspielt, weshalb infolge der zahlreichen Vor- und Nachtreffer mit einem und demselben Lose auch mehrere Gewinnste' 'erreicht werden können. Da ein Los nur 4 K kostet, ist Jederman in der Lage nicht nur Humanität zu üben, sondern auch sein Glück zu versuchen. Die Lose sind in allen Bankhäusern, Tabaktrafiken, Collecturen re. erhältlich. Concnrs-Aussehreibung. Bei der israelitischen Cultusgemeinde in Flume ist die Stelle eines Religionslehrers welcher eventuell auch die Agenden eines Gemeinde-Seeretärs zu besorgen hat, zu besetzen. Bewerber müssen durch Staatszeugnisse den Beweis erbringen, befähigt zu sein in den k. ung. Staats-Mittelschulen den Religionsunterricht zu ertheilen. Absolvirte Hörer des Landes-Rabbinen-Seminariums in Budapest gemessen den Vorzug. Bewerber müssen der ungarischen und deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig sein und sich verpflichten die italienische Sprache längstens innerhalb eines Jahres zu erlernen. Der Antangsgehalt pro Jahr beträg Kr. 2400. Bewerber belieben ihr mit Curriculum-Vitae versehenes Gesuch an das Präsidium der israelitischen Cultusgemdnde in Fiume bis 1. Juli 1900 einzusenden. Fiume, den 15. Mai 1900. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Fiume. (lim in der Mahlproducten-, Colonial- und Fettwaren-Branche circa 25 Jahre, als Buchhalter, Correspondent und Reisender thätiger Mann, mit Hochprima Referenzen und Zeugnissen, sucht in diesen Branchen, in deutschsprachiger Gegend Beschäftigung. Gefällige Anträge unter S. B. 1900, an die Redaction des Blattes, g. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck vou L. Beck & Sohn, Wien, VIEL

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