Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 18 (4.5.1900)
- Date
- 1900-05-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. iS Dp. Bloeh's Hahrs«»» XTII. Centralorgan für die gesammtrn Interessen des -k - -m l| A. ft. Poflfparcsgen-Amr "Clearingverkehr I Ar. 810.976. [ Lrdartion und RdminiSraiion: K>ittt XX., Nntrrr Vuaartrnltr. 1a. Telephon - Mp. 14,847 Wien, 4. Mai 1900. Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien» II., Untere Rugartenstrape Ls, Telegramm-Adresse: Vloch's Wochenschrift, Wien. Judenthums. U ^_- ®*jugaprEia fltr OrSrrrrich: Halbjährig S Kronen. Einzelexemplare 50 Heller Mr's Aualand: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Sie 4mal gespaltene I Petitzeile 24 Heller. f ' -= .~X Inhalt. Leitartikel: Das pharaonische Regime in Rumänien. — Zur jüdischen Dienstbotenfrage in Wien. — Generalversammlung der Qesterreichisch-Jsraelitischen Union. — Der Ritualmord in Könitz. — Die Ritualmordlüge in Wilna. — Zur Cantorenfrage in der Leopoldstädter Synagoge. — Eine neue jüdische amerikanische Encyclopädie. — Das „Ferienheim" im eigenen Hause. — Der Ritualmord auf der Bühne. — Correspondenzen: Wien, Lemberg, Saaz. Berlin, München, Bukarest, Jassy. London. — Vermischtes: Wien, Vöslau, Groß-Enzersdorf, Prag-Smichow, Rachod, Proßnitz, Straßnitz, Holleschau, Lemberg, Triest, Nagy-Kanizsa, Diakovo, Worms, Rom. — Feuilleton: Michael. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Das pharaonische Regime in Rumänien. Geehrtester Herr Redacteur! Ihr hochgeschätztes Organ enthielt kürzlich zwei von B> gezeichnete Bukarests Correspondenzelk, voller Zuversicht von geplanten Ameliorationen der Judenlage in Rumänien. Die Region, aus welcher Ihr Correspondent B. sich inspirirte, ist mir unbekannt, bekannt aber ist mir und allen unseren Leidens brüdern, das bestehende Nebel und die täglich zum Vorschein kommenden neuen Verfolgungen, welche theils von der Regierung, theils von ihr nahestehenden Kreisen ausgehen, deren Tendenz die Entwicklung verräth, die nicht lange auf sich wird warten lassen. Unsere neueste Errungenschaft ist das Verbot, mehr als 3 Stunden Hebräisch in der Woche zu unterrichten und die Vorschrift, bei diesem Unterricht mit entblößtem Kopse zu sitzen. Man denke, eine Regierung kümmert sich darum, ob ihre Unterthanen beim Unterricht den Hut auf dem Kopf haben oder nicht. Freilich hat die anscheinend so kleinliche Cbicane auch eine sehr ernste Seite. Die frommen Juden sollen in ihrem Gewissen behindert werden, die Kinder in die Schulen zu schicken, denn diese Kinder sollen möglichst keinerlei Unterricht erhalten, damit ihre Unbildung der Regierung immer neuen Vorwand zu Beschränkungen gegen die Juden gäbe. Auch gegen den Unterricht der deutschen Sprache hat sich die Regierung ausgesprochen und das förmliche Verbot desselben steht bevor. Unter diesen Umständen nimmt trotz aller behördlichen Gegenmaßregeln die Auswanderung immer mehr zu, allerorten bilden sich Gesellschaften, um gemeinsam solche Pläne auszuführen. Hiesige Blätter erörtern eine neue Anleihe von 80,000.000 Francs, welche Rumänien bei dem internationalen Baukensyndicat auszunehmen beabsichtigen soll, und heben hervor, daß die Aussichten der Begebung die denkbar besten wären. Der Finanzminister I o n e s c u weilt zu diesem Behufe im Ausland. Nun hat aber die rumänische Regierung bei der in Berlin abgeschlossenen Anleihe von 175 Millionen Francs die Verpflichtung übernommen, fünf Jahre hindurch keine neuen Anlehen zu contrahiren. Der Finanzminister Tache I o n e s c u ist bemüht, das genannte Versprechen der Regierung, innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren keine neuen Anlehen aufzunehmen, womöglich aufzuheben. Ob man in Berlin darauf eingehen wird, bleibt abzuwarten. Umsomehr ist es wichtig, daß das Ausland weiß, daß der Rumänen-Staat kein civilifirter ist, sondern ein Barbaren-Staat, Welcher die Regierungskunst des Königs Pharao von Egypten zu überbieten trachtet. Die Ministerien, welche auf einander folgen, wetteifern mit einander, Juden und Ausländer zu bedrücken und zu betrügen. Den größten Ruhm hat sich seinerzeit allerdings Bratianu erworben, welcher die schlimmsten Ausnahmsgesetze gegen die Juden ersonnen hat. Nun galt es zu beweisen, daß auf dem von Bratianu so gut vorbereiteten Felde des Staats antisemitism u s noch vieles zu thun übrig blieb, welches seine Nachfolger zu vollführen sich anschickten, und am 8/20. November 1895, ein Monat nach dem Sturze des Cabintes C at a r g u e, gründete man die: Antisemitische Allianz in Rumänien, deren Statuten am 8. December 1895 mit E i n st i m m i g k e i t der gründenden Mitglieder votirt und angenommen wurden, welche also lauten: Cap. I. Art. 1. Heute, am 8. November 1895 wird in Bukarest eine antisemitische Allianz gegründet, welche im ganzen Land verzweigt, und Verbindungen mit allen im Auslande bestehenden Gesellschaften hat, welche denselben Zweck verfolgen. Art. 2. Die eigentlich wirthschaftliche Allianz hat zum Zielt a) Kampf auf allen erlaubten Wegen (gegen Juden ist aber alles erlaubt. Anmerkung der Redaction) unter allen Verhältnissen, um das rumänische Element gegen das jüdische zu schützen, dessen Zahl und auflösende Eigenschaft zu einer Gefahr für die rumänische Nation sich gestaltete; d) Protection und Entwicklung einer von R u m ä n e n gegründeten rumänischen Industrie; e) Unterstützung und Entwicklung des von Rumänen betriebenen rumänischen Handels, und Verminderung der finanziellen Präponderanz, zu welcher die Juden gelangten (1) Bekämpfung des „Wuchers" und jüdischer Speculation in allen Zweigen der Landwirthschaft, besonders in der Moldau. e) Erhaltung und Entwicklung des religiösen Gefühles, Bekämpfung des corrumpirenden Einstuß der Juden, und Krieg gegen die Demoralisation, welche die irrige Interpretation der Humanitären Princinien verursachte; f) Unterstützung und Förderung rumänischer Gewerbe;