Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 17 (27.4.1900)
- Date
- 1900-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 17 Dl*« BlOCfl’S Ich-,«», XVII. Centrslorgan für die gefammtrn Interessen des Iudenthmns. * --—' )i;-;—— '1 B. ft. Pofisparrassen-Arnr "Dlraringverkehr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien XL, Untere AuaartrnNr. Ja. Telephon - Nr. 14,847 £—- Wien, 27. April 1900. Erscheint jeden Freitag. -—- -y - Brief-Adresse: Wien» 11.« Untere Augartenstraße Ja. i Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. 3 Bezugspreis für Srkerrrich: Halbjährig 3 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller Fur's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Lie 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller.! *=—=—=* Inhalt. Leitartikel: Die Dienstbotenfrage. — Jüdisches ans nichtjndischen Quellen. — Der Talmud und die Tortur. — Die synagogale Eintrittskarte. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein österreichischer Staatsanwalt. Arischer Blutaberglaube. Lesefrüchte. Eine ungarische Ritualmordgeschichte. Jüdischer Optimismus. — Korrespondenz en: Wien, Lemberg, Prag, Troppau, Hohenau, Groß-Becskerek. Hauover, Pasewalk, Petersburg, London. — Vermischtes: Wien, Baden, Mißlitz, Lemberg, Zborow, Littau i. M., Essegg, Straßnitz, O-Tura. — Feuilleton: Alte Neweres — Michael. — Aufruf. — Briefkasten. — Inserate. Die Dienstbokenfrage. Zum galizischen Hilfswerk. Die jüdischen Männer und die jüdischen Frauen gehen zumeist achtlos an der Frage vorüber, ob es denn nicht an der Zeit wäre, dafür zu sorgen, daß im jüdischen Hause auch jüdische Dienstboten die Arbeit verrichten, zu der Miethkräfte unvermeidlich oder unentbehrlich sind. Und doch folgt ein Warnungssignal dem anderen, um sie zu mahnen, daß sie nicht nur ihre Pflichten gegen Andere, sondern die Pflichten gegen sich s e l b st und ihre Kinder nicht erfüllen, wenn sie nicht ernstlich daran gehen, diese Frage einer befriedigenden Lösung zuzuführen. Als solche Warnungssignale muß man die sich so häufig wieoerholenden Fälle ansehen, daß jüdische Kinder von christlichen Dienstboten ihren Eltern entführt und einer fremden Religion zugeführt wurden; als solche Warnungssignale muß man aber vor Allem die sich stets mehrenden Aufforderungen anchristliche Dienstboten erblicken, bei Juden nicht zu dienen; als solche Warnungssignale sind die unaufhörlichen Wiederholungen der Ritualmordlüge zu betrachten, mit der man die Phantasie des ganzen niederen Volkes, aus dem doch zumeist die Dienstboten hervorgehen, erhitzt, und mit der man nicht blos den Haß gegen die Juden aufstachelt, sondern zu den ungerechtesten und unerhörtesten Verfolgungen, Verdächtigungen, Beschimpfungen Anlaß gibt, mit der man selbst die bravsten Dienstbot en in Unruhe versetzt und mit Mißtrauen erfüllt, so daß sie für den ferneren Dienst untauglich werden; als ein solches Warnungssignal muß man endlich auch die Roth erkennen, die im jüdischen Volke um sich greift und der man nicht mit Almosen, sondern nur mit Arbeit steuern kann. Antisemitische Agitationsvereine lassen es sich angelegen sein, durch vertrauliche Sch r ei ben diechri st lichenDien st bot engegen dle jüdischen Dien st g e b er aufreizen und mit den schlimmsten Schreckgespensten zu än gsti g en. Warum thun wir nicht endlich Herrn P. Scheicher den Gefallen, und trachten — jüdische Dienstboten zu beschäftigen — hier, in den Provinzstädten und auf dem Lande namentlich? In allen Zeiten war die Arbeit bei den Juden hochgehalten, keine wurde als zu gering geachtet, jedem ehrlichen Wollen und Können der gebührende Lohn gegeben. So glauben wir denn auch, daß es gelingen wird, die armen braven jüdischen Mädchen, deren Lage in manchen Theilen eine geradezu entsetzliche ist, durch die Heranbildung zu Dienstboten aus ihren trostlosen Verhältnissen zu befreien, zu ehrenhafter Arbeit heranzubilden, und indem wir für sie sorgen, zugleich für uns selbst eine wahrhaft befreiende That zu vollführen. Es hat in diesen Blättern vor nicht gar langer Zeit Frau Rosalia Ungar ausAudrychau den Gedanken angeregt,speciell für Galizien ein solches erziehliches Werk ins Leben zu rufen. Es mag der wohlmeinenden Damezur Genugthuung gereichen, daß auch hier mehrere Frauen schon vor Jahresfrist die gleiche Idee abi.r nicht blos für Galizien allein ausgesprochen haben. Derlei Anschauungen drängen sich, durch die richtige Beobachtung der Zeitereignisse hervorgerufen, dem unbefangenen Beurtheiler unwiderstehlich auf. Soll es aber nicht blos beim Gedanken bleiben, soll die in Worten nun einmal ausgesprochene Idee zur erlösenden That werden, dann müssen die Frauen und die Männer, welche sich bereits mit dem Gedanken der Ausführung vertraut gemacht haben, auch die Schritte unternehmen, welche zur Verwirklichung nothwendig sind, jüdische Mädchen zu Dienstboten heranzubilden. Es ist ganz richtig, daß die Frauenvereine die grundlegenden Organisationen böten und daß sich aus den Delegirten derselben die erste Corporation bilden ließe, welche das Werk zu vollbringen hätte. Es ist jedoch wohl möglich, daß eine derartige Organisation, als viel zu schwerfällig angesehen werden könnte und weil sie über ein zu weites Gebiet sich erstrecken müßte, für ungeeignet gehalten würde, den verschiedenartigen localen und provinzialen Verhältnissen