Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 16 (20.4.1900)
- Date
- 1900-04-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 16 Dr. Bloch's Alchrr«« XVII. Centrslorgan für die gefammlen Interessen des * -- —.f | B. k. Pofifpsrcaffen-Amr ''Clearingverkehr Nr. 810.976. Rrdsction und AdminMralion: Wien N., Untere Auuarten»kr. 1a. Telephon - Nr. 14.847 k » Men, 20. April 1900. Erscheint jcöen Freitag. Brief-Adresse: Wien, II.» Untere Augartenstraße la, Telegramm-Adresse: Dloch's Wochenschrift, Wien. Judenthums. « . -..«k Bezugspreis für Sekterreich: Halbjährig 8 Kronen- Einzelexemplare 50 Heller | lür’s Busland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Lie 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. m # Inhalt. Leitartikel: Eine Aufklärungsschrift über den Talmud — Die Polen und die Inden. — Das' „verjudete" militärärztliche Officierscorps. — Eentral-Wohlthätigkeit. — Ein französisches Urtheil über Dr. Lueger. — Die Massoreten, Israels Fahnenwacht. — Eorrespondenze n: Aus der Plenar-Sitzung des Eultusvorstandes vom 16. April. Zur Affaire Araten. Wien, Hohenau, Holleschau, Stanislau, Breslau, Berlin, London. — Vermischtes: Wien, Lemberg, Danzig. — Feuilleton: Alte Neweres — Michael. — Literatur. — Eingesendet. — Briefkasten. — Inserate. Eine Aufklärungsschrift über den Talmud. Dokumente zur Aufklärung Nr. 3. Der Verlag der „Oesterreichischen Wochenschrift" hat sich entschlossen, die bedeutendsten Parlamentsreden Dr. I. S. Bloch's gesammelt herauszugeben. Wir setzen damit jene aufklärende Action fort, die wir mit der Zusammenstellung der „Documente zur Aufklärung" über den Aberglauben des Ritualmordes begonnen haben. Die tiefe Wirkung dieser Aufklärungsschrift auf den öffentlichen Geist spiegelte sich in dem Texte der Enunciation wieder, mit welcher die Regierung durch den Mund des Statthalters von Niederösterreich in der Landtagssitzung vom 11. April d. I. die Ritualmordhetze verurtheilen ließ. Ihre Verbreitung mit Tausenden und Tausenden von Exemplaren in den Kreisen der christlichen Intelligenz war ein hohes Verdienst, ein erfolgreiches und dankenswerthes Werk der Wiener Abwehrthätigkeit. Die Blutlüge ist aber nur eine einzelne, wenn auch die widerwärtigste Form der antisemitischen Agitation. Ihre endlich von entscheidender Stelle erfolgte Zurückweisung überhebt uns nicht der harten Nothwendigkeit, noch die lange Reihe anderer grundloser Anklagen, die gegen die Juden geschleudert werden, zu entkräften. Auch diese Anwürfe stützen sich, gleich der Blutbeschuldigung, auf die Lügen, die vor zwanzig Jahren der Prager Theologieprofessor Dr. August Rohling, durch seine Talmudfälschungen wieder aufgefrischt und durch Meineid gestützt hatte. Die weite Verbreitung des Glaubens an den Ritualmord wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht früher schon über die ethische Weltanschauung, über Sitten und Gebräuche des Judenthums, über das Verhalten seiner Bekenner im gesellschaftlichen Verkehre, in Handel und Wandel mit Andersgläubigen di.e schlimmsten Verleumdungen in Umlauf gesetzt worden wären. Aus diesem Sumpfboden heraus ist zuletzt der Polnaer Proceß erwachsen, oer — in seiner Anlage, seiner Durchführung und seinem vorläufigen Endresultat eine juristische Monstrosität — die Einbildungskraft der unteren christlichen Volksschichten mit blutrünstigen Wahnvorstellungen erfüllte und selbst bei den gebildeten Christen Zweifel wachgerufen hat, ob nicht doch im Talmud oder in anderen Religionsschriften Texte enthalten sind, die all' jenen Anklagen Nahrung bieten. Ein Heer von geistlichen und weltlichen Agitatoren, eine Unsumme von Flugschriften und Zeitungsblättern verbreiten die haarsträubendsten Erdichtungen über die jüdischen Religionsbücher. Aus der antisemitischen Presse erfährt die Bevölkerung wohl die Beschuldigung, nicht aber die Widerlegung. So frißt das Gift immer weiter und es hat nun auch schon das protestantische Deutschland ergriffen. Die Saat des katholischen Priesters geht auch im Lande Luther's auf. Es scheint uns deshalb geboten, auf die ersten Anfänge der Talmudhetze zurückzuweisen, die für deren Urheber nichts weniger als ehrenvoll sind. Dazu ist die Wiederveröffentlichung der Parlamentsreden Dr. I. S. Bloch's das für den Augenblick vielleicht zweckdienlichste Mittel. Die gesammte antisemitische Agitation von heute schöpft ausschließlich aus der trüben Quelle der Rohling'schen Fälschungen. Der Lügengeist Rohling's ist noch nicht übertroffen worden. Man muß deshalb unserer raschlebigen und raschvergeßlichen Generation die Vorgänge im Processe Rohling-Bloch wieder in Erinnerung rufen. Bloch hat die schamlosen Fälschungen Rohling's mit vernichtender Gründlichkeit aufgedeckt, er hat ihn als frechen Ignoranten entlarvt, der auch nicht eine Zeile des Talmuds selbstständig zu lesen vermag, er hat ihn als Lügner und Meineidigen gebrandmarkt. Bedingungslos mußte Rohling von seiner Klage gegen Bloch zurücktreten. Aber wenn er auch sich selbst und seine Schmach in der Nacht des Schweigens begrub, so fand er doch Nachtreter und Nachbeter die seine Fälschungen fructificirten und in kleine Münze für das Volk umsetzten. In der wissenschaftlichen Welt war Rohling für ewige Zeiten gerichtet, auf dem politischen Kampfplätze wurden die vergifteten Waffen, die er geschmiedet, weiter geschwungen. Man muß es als ein glückliches Geschick der Juden preisen, daß zu dieser kritischen Zeit Dr. I. S. Bloch in den österreichischen Reichsrath entsendet wurde und daß in ihm ein Streiter von seltenem Muthe, von umfaffendster Kenntniß nicht nur des jüdischen Schriftthums, sondern auch der judenfeindlichen Literatur, von scharfem Witz und treffsicherer Schlagfertigkeit auf der parlamentarischen Tribüne erstand. Herr Rohling war stumm geworden, aber seine Jünger begannen zu reden, zuerst die Schönerer und Türk, dann die Liechtenstein und Lueger, die Schneider und Gregorig. Es war immer der alte Lug und Trug Rohling'scher Factur in hundertfältiger Variation, eine populäre Volksausgabe des in Fetzen gerissenen „Talmudjuden". Aber auch hier stellte Bloch seinen Mann, und wie er einst mit mächtigen Keulenschlägen den Prager Canonieus in den Sand gestreckt hatte, so schlug er jetzt mit gewaltigen Reden die verworfenen