Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 14 (6.4.1900)
- Date
- 1900-04-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 2*8 Dr. Bloch's Wochrnfchrifk. Nr. 14 Intentionen und Leistungen der Regierung würdigen und beurtheilen zu lasten. Nachdem Dr. Fialla noch auf die sonstigen Einwürfe eingehend geantwortet, schließt er mit einem warmen Appelle au die poMsche Einsicht der jüdischen Bevölkerung, welche sich den Symptomen einer Besserung der öffentl chen Verhältnisse, den Kundgebungen der Gerechtigkeit einer von lauterster Friedens. Mission erfüllten Regierung nicht verschließen möge und empfiehlt ueuerlich die beantragte Resolution zur Annahme. (Lebhafter Beifall.) Bei der nun folgenden Abstimmung wird die Resolution mtt überwiegender Mehrheit angenommen nnd die Versammlung vou dem Borsitzenden geschlossen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Das Kinderspital St. Joseph. Der Proceß, den die Aerzte des Kinderspitals St. Joseph gegen den Verfasser einer Broschüre anstrengten, in welcher die Zustände in diesem Spital mit dem lebhaften Gefühle geschildert wurden, das einen unglücklichen Vater erfüllt, der in diesem Spital sein Kind verloren hat, hat sich zu einem sensationellen ausgestaltet, in welchem der Angeklagte sich in einen beredten Ankläger, die Kläger in schwer beschuldigte Angeklagte verwandelten. Es ist durch eine Schaar von Zeugen nicht blos das Benehmen gewisser arischer Aerzte, die Handlungsweise gewisser frommer Pflegerinnen, das höchst eigenthümliche Benehmen des Hanspersonales, der Verkehr mit den Kindern und deren Angehörigen in einer Weife geschildert worden, die Schaudern erregen mußte, sondern es hat sich auch die Staatsaufsicht in einem Lichte gezeigt, daß man sich billig fragen muß, ob denn de Staatsaufsicht, die vou Alledem nichts sieht, was eine so große Zahl von Zeugen wahrgenommen hat, überhaupt als eine wirksame Institution angesehen werden darf. Der unglückliche Vater, welcher in dem Schmerze um sein verlorenes Kind diesen sensationellen Proceß herbeigefilhtt, hat sich um das allgemeine Wohl ebenso verdient gemacht wie sein juristischer Vertreter. Und es ist kein Zufall, daß die betroffenen Aerzte sämmtlich einer deutschnationalen Parteirichtung angehören. Wer kein Erbarmen kennt mit verfolgten Menschen, welche einer fremden Nation angehören, der hat auch kein Mitleid mit einem hilflosen Kinde. Wären aber die betroffenen Aerzte Juden gewesen, daun hätte sich die sittliche Entrüstung des Arierthums erbrochen und die Vorgänge zu einem europäischen Scandal gesteigert. So aber bemühen sich jetzt Aerzte, Verwaltungsbeamte und Laien, die Vorgänge in diesem Spital zu beschönigen oder zu entschuldigen. Jnsbesonders flmikert mau gar viel mit der Ueberbürdung der Aerzte herum, Vergebliches Bemühen! Der allerbeschäftigteste Arzt braucht weder dm Kranken derb auzufassen, noch dessen Angehörige derb anzufahren und wem dieser hehre Beruf nicht die mUkende Kuh sondern die Mission ist, der er sein Leben wecht, wi d selbst im ärgsten Gedränge die menschlichen Gefühle nicht verlieren. Das Spital ist vor jedem Unbefangenen gerichtet und solange dort nicht gründlich aufgeräumt wird, erscheint es begreiflich, daß man dieser „Hellanstalt" auf hundert Schritte ausweichen wird. Die Sünden, die dort begangen wurden, haben aber nicht blos das Vertrauen zu diesem Spital vollständig untergraben, sondern sie haben auch das Mißtrauen gegen die Spitalwirthschaft im Allgemeinen wieder wachgerufen und dem ärztlichen Stande mehr geschadet, als tausende ehrenhafter, menschenfreuudlicher Aerzte gut machen können, und dieses Uebel trifft in rückwirkender Weise die Bevölkerung am allermeisten. Man wird jetzt alle Sorge darauf verwenden müssen, um das getrübte Vertrauen wieder voll und ganz Herstellen zu können. Die Aerzte verdienen das Vertrauen, denn zum Glücke sind die Zustände im St. Josephs- Spital wirklich Ausnahmen. Für uns aber erwächst daraus eine andere Lehre. Im St. Joseph-Kinderspitale waren echt deutschnationale Aerzte angestellt, über die Wärterinnen, die die Kinder und die Eltern nach der Confession fragen, brauchen wir kein Wort zu verlieren. Es folgt daraus, daß es die heiligste Pflicht aller unserer Glaubensgenossen ist, die Kinder vor der Aufnahme in ein solches Spital zu bewahren. Wie es in anderen Kinderspitälern beschaffen ist, geht uns nichts an — aber das muß unser Ziel sein, ein eigenes Kinderspital für jüdische Kinder zu erhalten. Mögen sich unsere Mitbürger anderer Confessionen mit den Zuständen des St. Joseph-Kinderspitals weiter befassen, wir müssen darauf dringen, daß für jüdische arme kranke Kinder eine Heilstätte vorhanden sei, in denen sie und ihre Eltern nicht den Zufälligkeiten ausgesetzt sind, die im St. Joseph-Kinderspitale au der Tagesordnung waren. Die Nothwendigkeit für die Juden ein eigenes Kinderspital zu haben, wird wohl jetzt Jedem einleuchten und wir richten daher an alle unsere Glaubensgenossen den dringenden Aufruf, sich der kranken jüdischen Kinder auzunehmen, damit sie nicht in die Gefahren kommen, die durch die Schilderung der Zustände im St. Josephs-Kinderspitale genügend gekennzeichnet sind. Wenn die Höchstbesteuerten, denen jetzt neue Rechte eingeräumt werden sollen, sich der Pflichten des Besitzes eriunern, wird ohne große Schwierigkell das Capital zur Gründung aufgebracht werden,'wenn dann an einen der Grundbesitzer die Bitte gestellt wird, die erforderliche Bauarea zu spenden, so bringt er der guten Sache ein Opfer, das ihn doch nicht allzusehr belastet und wenn jeder der 12.000 Steuerträger der jüdischen Gemeinde die Pflicht auf sich nimmt 2 Kronen jährlich beizusteuern, so werden die dringendsten Kosten gedeckt sein. Also auf ihr Glaubensgenossen, thut euere Pflicht; es gilt nicht blos den Glauben, es gilt Kinder zu retten, Menschenleben zu erhalten und da zeigt der Jude immer, daß er das Herz am rechten Fleck hat. A. Wien e r. „Boeren-Syrupathieri." Zu unserem Artikel in Nr. 12 dieses Blattes wird uns geschrieben: In einer der letzten Nummern der „Times" wird über die verschiedene Haltung der europäischen Presse, anläßlich des englisch-afrikanischen Krieges eine ernste Kritik geführt, deren schärfste Spitze sich ganz besonders gegen die russischen Zeitungen richtet, welche bekanntlich alle antienglisch gesinnt sind. Bei dieser Gelegenheit weist das Cityblatt auf die Absichten der russischen Regierung hin und erzählt, wie neulich der Herausgeber des jüdischen Organs „Woschod" durch den obersten Chef der Petersburger Censurbehörde strenge zur Rede gestellt wurde, weil dieses Blatt das einzige ist, welches unter den russischen Journalen eine englandfreundliche Gesinnung verbreitet. Die Antwort, wie hinzugefügt wird, war diese, daß England immer viel zu gut und gerecht gegen die jüdische Race in der ganzen Welt gewesen, um ein antienglisches Gefühl in irgend einem jüdischen Blatte auch nur aufkommen zu lassen. „Dieser Zwischenfall," schließt die „Times", „ist sehr bezeichnend und hebt jeden Zweifel in der russischen Politik auf." —ss— Conferenz der in Palästina thätigen Vereine. F r a n k f u r t a. M, 28. März. Auf Einladung des Central - Comites der Vereine zur Förderung der Calonisativn Palästinas tagte gestern und vorgestern Hierselbst eine Conferenz der im heiligen Lande thätigen Vereine und Institute. Es waren vertreten: das genannte Central-Comitß durch die Herren Charles L. Hallgarte n- Franksurt a. M., Bernard Lazare -Paris, Dr. Hirsch Hildesheimer - Berlin, Prof. Dr. Leopold Landau- Berlin, Willy Bambus - Berlin, Moritz Dorn -Berlin; die „Pekidim und Amarkalim der israelitischen Gemeinden des