Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 14 (6.4.1900)
- Date
- 1900-04-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 254 Dr. Blvch's Wochenschrift. Nr. 14 So trat denn Mechanikus Schneider an Herrn Cornelius Beiter mit dem Anträge heran, durch ein schmutziges Pamphlet die Arbeiter gegen den „Rabbi Bloch" aufzureizen; er soll durch ein — Attentat unschädlich gemacht werden. Herr Cornelius Vetter thut sich hierauf zugute, daß er auf das Ansnmen des Mechanikus nicht einging. Er HÄt Schneider vor, daß er mit seinem Antrag ihn und seine — Familie habe in's Verderben bringen wollen. „Eine unschuldige Familie hätten Sie aber herzlos ins Unglück gestürzt, wenn nicht treue Freundschaft noch rechtzeitig warnend eingegriffen hätte", rnst er Herrn Schneider zu. Herr Vetter ist kein „Judenknecht" und von ihm wird auch Herr Schneider nicht behaupten, daß er im Solde der Juden steht. Im Jahre >866 veröffentlichte der Steindrucker L. H o l l o m a y, gewesener Bezirksausschuß und Obmann des antisemitischen Bezirksvereiues auf der Landstraße, eine „allen Antisemiten Oesterreichs" gewidmete Broschüre unter dem Titel: „Mechaniker E r n st Schneider und sein Antisemitismus." In derselben ward erzählt, daß „sich Schneider von S ch ö u e r 11 die tiefsten Beleidigungen ins Gesicht schleudern ließ", darunter Worte, welche wir uns scheuen würden auch uur auszusprechen; von Vetter, Busch e n h a g e n und anderen Parteigenossen empfing er gÄuldig Schmähungen, die jedem Mann von Ehre das Blut ins Gesicht treiben muß — Herr Schneider ließ sich solche Bezeichnungen ruhig gefallen, ohne sich beleidigt zu fühlen." Und dieses Subject stellt den Antrag, man solle die Polizeiaufsicht über die Juden verhängen! Herr Ernst S ch n e i d e r darf sich an den traurigen Ausgang erinnern, den sämmtliche Acteure des Processes von Tisza-Eszlar schließlich gefunden haben: Der königliche Staatsanwalt Both, welcher die folgenschwersten Ungesetzlichkeiten im Laufe der Untersuchung eingeleitet hat und für die Auslieferung des Knaben M. Scharf an den Häscher Peczely behufs Dressirung zur Zeugenaussage in erster Linie verantwortlich ist, erschoß sich noch während der Untersuchung, u. zw wegen Unregelmäßigkeiten in seiner Handcasse. A d a m o v i c s, der katholische Geistliche von Tisza- Eszlar, von dem die dortige Blutlüge ersonnen, im Volke genährt und weiter verbreitet wurde, starb im 44. Lebensjahre an einer langen, qualvollen Krankheit einige Jahre nach dem Fiasco Der Sicherheits-Commissär Georg V a y, der gelegentlich dieses Processes alle Schrecken mittelalterlicher Torturqualen heraufbeschworen, eine wahre Hünengestalt, insultirte nach dem Processe den kleinen und schwächlichen Bercheidiger Dr. H e u m a n n auf offener Straße, was ein Duell nach sich zog, in dem jener Goliath so arg zugerichtet wurde, daß er auf einem Wagen vom Kampfplatze geführt werden mußte. Z w e i I a h r e später st arb eran den erlittenen Verletzungen. Als Ursache der Jusultirung des Advocaten H e u m a n n gab V a y an, daß er dem „Juden-Advocat gerne die Nasenspitze abhauen möchte." — Sein Spießgeselle, der andere H ä s ch e r, Sicherheits-Commissär Andreas R e c s y (vulxo Recsy Baudi), der mit der Peitsche die Zeugen präparirte, wurde wahnsinnig und nachher zum Selbstmörder. P e c z e l y, bei dem der kleine Moriz Schars bis zu seiner Einvernehmung in Verwahrung blieb und von dem er zur falschen Zeugenaussage gegen seinen Vater präparirt wurde, entleibte sich. Maurer, der damalige Redacteur des Localblattes in Nyiregyhaza (Sitz des urtheilenden Gerichtshofes), der durch seine Hetzartikel gegen die Inden den Gerichtshof terrorisiren wollte, starb als sehr junger Mann Ende der Achtziger-Jahre V e r h o v' a y, der damals das berüchtigte antisemitische Tagblatt: „Függetlenseg" redigirte und jenes Provinzblättchen in der journalistischen Klopsfechterei übertreffen wollte, verwendete bekanntlich ein Jahr nach dem kläglichen Ausgang des Processes die in seiner Redaction eingeflossenen Spenden zur Rtpatriirnng der Csüngomagyären — für seinen eigenen Säckel. Er wurde verurtheilt, eingesperrt und als er nach einigen Wochen das Gefängniß verließ, betrieb er eine Zeit lang ein Wirthsgeschäft. Im Abgeordnetenhause erhielt Herr Schneider eines Tages einen voluminösen Brief, den er in Gegenwart des Briefträgers und eines antisemitischen Collegen öffnete. Der Brief enthielt einen recht netten Strick und daran einen Zettel befestigt, auf dem in lakonischer Kürze geschrieben stand: „Stampiglius häng' dich aus!" Der Einsender des Strickes und des Wunschzettels aber war kein Jude, sondern ein guter Arier und ein Parteigenosse des Herrn Schneider. Das Ausland ist empört über den Mißbrauch der Immunität in Oesterreich. Dr. Jul. Ofner wurde vom Laudmarschall zur Ordnung gerufen, für Herrn Stampiglius fand er kein geeignetes Disciplinarmittel. Die Zwangsjacke ist eben noch nicht als parlamentarisches Disciplinarmittel eingeführt und ebensowenig hat der Schinder Zutritt in den Landtag, um einen tollgewordenen Abgeordneten der entsprechenden Behandlung zuzuführen. Jetzt erntet man die Früchte jener gemüthlichen Duldsamkeit, mit der man den Stampiglienritter auskneifen ließ, als er schon den Kopf in der Schlinge hatte. Die traurige Lage der Juden in Rumänien In Nr. 11 und 12 der „Oesterreichischen Wochenschrift" haben wir Correspondenzen aus Bukarest Raum gegeben, welche sich mit der Lage der rumänischen Inden, eingehend beschäftigte. Die Einsendung kam uns aus Kreisen zu, welche der jetzigen rumänischen Regierung nahestehen und der offenbar officiöse Berichterstatter in seinem Bestreben die derzeitigen rumänischen Machthaber von Europa in günstiger Beleuchtung zu zeigen glaubte eine neue bessere Aera für unsere unglücklichen Brüder im Lande der Dakoromanen ankündigen zu dürfen. Leider stimmen seine Verheißungen nicht mit jenen Thatsachen überein, die uns sonst aus dem Lande zugekommen. Von durchaus verläßlicher Seite wird gemeldet, daß sich in Galatz 3000 rumänische Inden einschifflen, um unter der Herrschaft des Sultans im kleinasiatischen Anatolien eine freundlichere Heimat zu suchen. Unter den Auswanderern befinden sich zahlreiche Greise, Weiber und Kinder. Der Zug der Auswanderer nach der rumänischen Hafenstadt dauert ununterbrochen fort. Der jämmerliche Zustand der aus ihrer Heimat verdrängten Juden, das Elend und die Verzweiflung, die man von ihren Gesichtszügen deutlich herablesen kann, erregen überall, wohin sie kommen, das tiefste Mitleid. Der sogenannte „liberale" Ministerpräsident in Ungarn hat die Behörden an der ungarisch-rumänischen Grenze angewiesen, die aus Rumänien ausgewanderten Juden nur dann über die Grenze zu lassen, wenn sie einen Erwerb Nachweisen können. Das Los dieser unglücklichen Menschen ist ein himmelschreiendes. Aus Jaffy wird geschrieben: „War die Lage der zum weitaus größten Theile als Handwerker, Kutscher, Taglöhner u. s. w. von der Hand in den Mund lebenden obermoldauischen Israeliten schon seit jeher keine beneidenswerthe gewesen, so ist sie nun in Folge der Krise und ihrer traurigen Rückwirkungen auf das gesummte Erwerbsleben