Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 13 (30.3.1900)
- Date
- 1900-03-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 13 Dr. Bloch’s Jahr,«,, XVII. Centralorgan rf - —— * 'I V. ft. Postsxarcsssrn-Rmr "Clearingverkehr [ Nr. 810.976, j Redaction und Administration^! Wir» I N., Untere Auanrterrltr. la,! Telephon*Nr. 14,847 L -—«k für die gefammten Interessen des Iudrnthmns. Wien, 30. War; 1900. Erscheint j e 0 e n L r e i t a a. •-—► 4- Brief-Adresse; Wien. II., Untere 4lng«rtenstrnfie 1 u» Telegramm-Adresse. Bloch's Woche »ischrift, Wien. Bezugspreis für Srsterreich: Halbjährig S Kronen Einzelexemplare 50 Heller Für'« Ausland: l Halbjährig 10 Kronen. ' Ganzjährig 20 . Anzeigen: Lie 4,nal gespaltene Petitzeile 24 Heller.;■ =m Inhalt. Leitartikel: Die Audienz der jüdischen Notabeln beim Ministerpräsidenten Dr. Ernst v. Koerber. — Kinderraub — Zum projectirten Hausirgesetz. — Die Stellung der Rabbiner in Preußen. — Tie Londoner Judengemeinde. — Zur Wertheimer-Feier. — Zunr Lucina-Jour. — Rabbi Salomou Klein, Oberrabbiner in Zenta (Ungarn). — Gutachten über die Unerläßlichkeit der Circnmcision für die Zugehörigkeit zu einer jüdischen Cultusgemeinde in Kroatien-Slavonien. - Correspondenzen: Aus der Plenar-Sitzung des Cultusvorstandes vom 20 März. Wien, Budweis, Olmütz, Lemberg, Prag. Pilsen, Berlin, Hamburg, Myslowitz, Petersburg, London. — Vermischtes: Wien, Wr.-Nenstadt, Dnkla, Patzau» Cassel« — Feuilleton: Michael. — Literatur. — Aufruf. — Briefkasten. — Inserate. Wir ersuchen unsere geschätzten^*'^*- SI68“rtnetet “"»f ^uipitz. «Abonnenten um rechtzeitige Zinsendung, tn„„Ii4 bur(6 eta flW(* w°-m-r @efu« der laufenden tAbonnemenfsgebühr, damit die Zusendung des J3lattes keine Unterbrechung erleide. Zur Cinsendurig der Beträge motte man die beigelegten Post-Checks benützen. Die Administration der „Oesterr. Wochenschrift.“ Die Andren; der jüdischen Vokabeln beim Ministerpräsidenten Vr. Ernst v. Koerber. einem Freunde unseres Blattes erhalten wir folgende Von Zuschrift: „Geehrter Herr Doctor! Am Vorabende des historischen Tages, an welchem durch die Sanctionirung der christlich-socialen Wahlreform Wien für lange Zeit hinaus der antisemitischen Herrschaft ausgeliefert wurde, hat Ministerpräsident Dr. v. Koerber eine Deputation von sechs Glaubens» genossen empfangen, die gekommen war, um von der Regierung den Schutz der staatsbürgerlichen Rechte der Juden zu erbitten. Die Deputation hatte eine etwas ungewöhnliche Zusammensetzung. Der Führer erklärte nach den vor liegenden Berichten, daß die Herren „den verschiedensten Berufszweigen angehöre n und äußerlich durch die gemeinsame Confession für Cultur und Humanität verbunden seien". Er betonte ausdrücklich, daß er und seine Begleiter sich „ohne irgend welches officielle Mandat" an den Ministerpräsidenten wenden. Obwohl der Zeitpunkt, in welchen diese Audienz fiel, als auch die Zusammensetzung der Deputation haben unter der jüdischen Bevölkerung Wiens eine Ueberraschung erregt. Der Empfang fiel zusammen mit einer Reihe von Berufungen fortschrittlicher Parteiführer, in denen Herr v. Koerber sich große, wenn auch vergebliche Mühe gab» die Harmlosigkeit der von ihm zur Sanction empfohlenen Wahlreform für die fortschrittliche Sache zu beweisen. Ob nun auch das Erscheinen der sechs jüdischen Herren unter die Reihe jener Berufungen zu setzen sei, kann man nicht mit apodiktischer Gewißheit behaupten. Aber der Eindruck einer solchen miss en sceiie ist nicht ganz abzuweisen, zumal wenn man bedenkt, das die vom Abgeordneten Auspitz behauptete „Verschiedenheit der Berufszweige" cum grano salis zu nehmen ist. Befinden sich ja doch unter den sechs Herren gleich vier Großindustrielle, deren Berufskreise nicht allzuweit auseinander liegen. Die Absicht der Deputation war gewiß eine löbliche und gute, aber ich glaube doch, daß der Tenor der gewechselten Reden ein anderer gewesen wäre, wenn in Vertretung der österreichischen Judenschaft auch die berufenen Repräsentanten der Cultusgemeinden und die Wortführer jener großen politischen Vereinigungen erschienen wären, welche sich den Schutz der staatsbürgerlichen Rechte und der wirthschaftlichen Interessen der mittleren und kleinen Juden zur Aufgabe gestellt haben. Es wäre dann vielleicht die „Anerkennung der Bemühungen der Regierung, die Interessen der Bevölkerung überall (!) nachdrücklich zu wahren", etwas weniger „freundlich" und die Antwort des Ministerpräsidenten etwas weniger allgemein ausgefallen. Denn die akademische Versicherung, daß die Regierung die Judenhetze beklage und sich die strikteste Beobachtung der Staatsgrundgesetze auch den Juden gegenüber zur Pflicht macht, haben wir bisher aus dem Munde aller österreichischen Regierungen von Taaffe bis Koerber gehört, ohne daß die concreten Thatsachen solche Versiche.ung bestätigt hätten.